In dieser Arbeit soll ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt werden, der Theorien aus der Sozialpsychologie exemplarisch auf den Film zur Anwendung bringt. Das thematische Feld spannt sich hierbei auf zwischen der Perspektive des Regisseurs, der Inszenierung des Erlebens und Verhaltens der Charaktere und der Schauspielerführung, in welcher diese zum Ausdruck kommen sowie weiterhin der Gestaltung der relevanten Umweltbedingungen, welche die benannten Konzepte bedingen.
Zudem soll das Repertoire von Gestaltungsmitteln identifiziert werden, welche politischen und sozialen Zynismus darstell und erlebbar für den Zuschauer machen, sowie ihre Wirkweise analysieren. Hierbei werden sowohl inhaltliche als auch gestalterische Unterschiede wie auch Gemeinsamkeiten beider Filme berücksichtigt.Ziel dieser Arbeit ist die Überführung sozialpsychologischer Theorien in den filmwissenschaftlichen Diskurs. Damit wird die Erweiterung der Filmtheorie und -ästhetik um einen interdisziplinären Bezugsrahmen angestrebt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Motive für die Wahl des Themas und des Untersuchungsgegenstands
1.2. Zielsetzung und Fragestellungen
1.3. Aufbau der Arbeit und Inhaltsübersicht
2. Theoretischer Bezugsrahmen: Politischer Zynismus
2.1. Zur Relevanz des theoretischen Ansatzes
2.2. Zum Politischen Zynismus
2.3. Verwandte Konzepte
2.3.1. Zum Sozialen Zynismus
2.3.2. Zum Right-Wing-Autoritarismus
3. Filmanalyse
3.1 Im Reich des Leviathan
3.2 Sünde und Sexualität
3.3 Das Gesicht der Macht
4. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Inszenierung von sozialem und politischem Zynismus in den Filmen „Leviathan“ und „Zeit des Zorns“. Das primäre Ziel ist es, sozialpsychologische Konzepte – insbesondere den politischen Zynismus und Autoritarismus – auf den filmwissenschaftlichen Diskurs anzuwenden, um das Scheitern des Individuums gegenüber repressiven Staatsstrukturen zu analysieren.
- Politischer Zynismus als zentrales Handlungsmotiv und filmgestalterisches Mittel.
- Die psychologische Dimension von Machtgefällen und Unterdrückung.
- Soziale Isolation und das Fehlen von Solidarität in autoritären Systemen.
- Die interdisziplinäre Verknüpfung von Sozialpsychologie und Filmtheorie.
Auszug aus dem Buch
3.3 Das Gesicht der Macht
Als der Bürgermeister beschließt, Kolyas Grundbesitz gegen dessen Willen zu enteignen, wird sowohl Kolya als auch dem Zuschauer das Machtgefälle bereits durch das provokante Verhalten des Bürgermeisters bei dessen erstem Auftritt unmissverständlich vor Augen geführt. Dieser erscheint betrunken in Begleitung von finster dreinblickenden Leibwächtern vor Kolyas Haustür und unterstreicht nicht nur seinen Anspruch auf Kolyas Grundstück, sondern spricht ihm auch seine Rechte als Bürger ab:
Bürgermeister: „Du sollst das Gesicht der Macht kennen!“ Kolya: „Was willst du von mir, du Macht!“ B.: „All das hier!“ K.: „Bedien Dich! Greif zu!“ B.: „Ihr seid bloß Ungeziefer für mich!“ […] B.: „Du Abschaum hast noch nie irgendwelche Rechte gehabt! Weder hast du welche, noch wirst du je welche haben!“
Kolya sucht dennoch zunächst im Rahmen der Gerichtsbarkeit Mittel und Wege, um sein Hab und Gut zu schützen. Der Zuschauer sieht Kolya vor Gericht, während das Urteil verlesen wird, welches ihn sein Haus kostet, ohne dass er eine Möglichkeit bekommt, sich dazu zu äußern. Mit gebeugten Köpfen und Hand in Hand lassen Kolya und Lilya den Richterspruch wie ein Todesurteil über sich ergehen. Die Richterin verliest in einer zweiminütigen Szene durchgehend im rasanten Stakkato den Beschluss der Enteignung, was es unmöglich macht, ihren Worten inhaltlich zu folgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier werden die Motive für die Themenwahl dargelegt, die Forschungsfragen formuliert und der Aufbau der Arbeit erläutert.
2. Theoretischer Bezugsrahmen: Politischer Zynismus: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie politischen Zynismus, sozialen Zynismus und Right-Wing-Autoritarismus auf Basis aktueller politikwissenschaftlicher und psychologischer Forschung.
3. Filmanalyse: In diesem Hauptteil werden die Filme „Leviathan“ und „Zeit des Zorns“ hinsichtlich ihrer filmischen Erzählstrategien, der Darstellung von Machtstrukturen und der sozialen Isolation der Protagonisten untersucht.
4. Diskussion: Das abschließende Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Filmanalyse im Lichte der zuvor eingeführten sozialpsychologischen Theorien und zieht ein Fazit zur Unausweichlichkeit des Scheiterns des Individuums.
Schlüsselwörter
Politischer Zynismus, Leviathan, Sozialpsychologie, Filmanalyse, Machtgefälle, Autoritarismus, staatliche Repression, Rechtlosigkeit, soziale Isolation, Andrei Swjaginzew, Rafi Pitts, Widerstand, Scheitern, Korruption, Herrschaftsstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von politischem und sozialem Zynismus in den Spielfilmen „Leviathan“ und „Zeit des Zorns“ und untersucht, wie diese Werke als Kommentar zu korrupten politischen Systemen fungieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Machtgefälle zwischen Staat und Individuum, die psychologischen Auswirkungen von Repression sowie die Rolle von Zynismus in der Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, sozialpsychologische Theorien in den filmwissenschaftlichen Diskurs zu überführen, um ein tieferes Verständnis für die Darstellung von Machtmissbrauch und staatlicher Gewalt im Kino zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein interdisziplinärer Ansatz gewählt, der sozialpsychologische Definitionen und Konzepte auf die Filmanalyse von Sequenzen anwendet, um die filmischen Gestaltungsmittel der Regisseure zu deuten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der filmischen Inszenierung, von Geschlechterrollen, der symbolischen Bedeutung des Raums und der direkten Konfrontation der Protagonisten mit staatlichen Akteuren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Politischer Zynismus, Autoritarismus, staatliche Repression, Machtgefälle und die Analyse von Filmkunst als gesellschaftlicher Spiegel.
Wie interpretieren die Regisseure das Machtverhältnis?
Beide Regisseure zeigen den Staat als unnahbare, oft korrupte Entität, gegen die das Individuum keinen Schutz findet, was zu einer ausweglosen Situation für die Protagonisten führt.
Warum wird der Begriff „Leviathan“ in der Arbeit mehrfach gedeutet?
Der Begriff dient sowohl als Filmtitel als auch als Verweis auf Thomas Hobbes' Philosophie, um die absolute und unkontrollierte Macht des Staates über das Individuum zu veranschaulichen.
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- Emine Bütüner (Author), 2019, Der Leviathan. Politischer Zynismus und die Inszenierung des Staatsapparats als aggressive Entität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505456