Interpersonelle Konfliktsituationen im Unterricht


Praktikumsbericht / -arbeit, 2005
32 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konflikte - Theoretische Grundlagen
2.1 Was ist ein Konflikt?
2.2 Graduellenunterscheidung von Konflikten im Unterricht

3. Ursachen von Konflikten im Unterricht
3.1 Potentielle Störfaktoren
3.2 Störungen in der zwischenmenschlichen Kommunikation
3.3 Disziplinenschwierigkeiten

4. Handlungsmatrix zur Konfliktlösung

5. Das Oberstufenzentrum (OSZ) Banken und Versicherungen

6. Hospitationsprotokolle
6.1 Allgemeine Erläuterungen
6.2 Hospitationsprotokolle und Auswertungen

7. Zusammenfassung/ Fazit

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang

Abbildung der Handlungsmatrix zur Konfliktlösung

Anwesenheit während des Orientierungspraktikums

vom 21.02.2005 bis 19.03.2005 im OSZ Banken und Versicherungen

1. Einleitung

Im Rahmen meines Studiums zum Diplom Handelslehrer absolvierte ich in der Zeit vom 21.02.2005 bis zum 19.03.2005 ein Orientierungspraktikum an dem Oberstufenzentrum Ban- ken und Versicherungen in Berlin-Tiergarten. Das in erster Linie aus Unterrichtshospitationen bestehende Praktikum bot mir die Chance, erste Erfahrungen mit dem Berufsfeld des Lehrers, sowie mit der Institution Schule aus der Sicht des Lehrenden zu erlangen.

Nach intensiven Überlegungen und unter Beachtung des bereits absolvierten Begleitseminars „Entwicklungsgefährdete Jugendliche in beruflichen Schulen“, habe ich mich vor Beginn des Praktikum für die ausführliche Auseinandersetzung mit der Thematik „Interpersonelle Kon- fliktsituationen im Unterricht“ entschieden. Dies ermöglichte es mir, im Rahmen der Hospita- tion gezielte Beobachtungen anzustellen.

Die zunehmende Gewaltbereitschaft in der heutigen Gesellschaft verstärkt die Bedeutung, Probleme und Konflikte ohne Gewalt konstruktiv zu bewältigen. Jedoch treten nicht nur im Unterricht bzw. im Lehrerberuf Konfliktsituation auf, in jedem Berufsfeld, wie auch im Privatleben, verbirgt sich Konfliktpotenzial. Die Kompetenz Konflikte friedlich zu bewältigen, zählt damit auch zu den entscheidenden Schlüsselqualifikationen im heutigen Berufsleben. Im Rahmen dieser aus wissenschaftlichen Theorien und praktischen Erfahrungen bestehenden Arbeit sollen daher folgende Fragestellungen näher betrachtet werden:

1. Was ist ein Konflikt?
2. Was sind mögliche Konfliktursachen insbesondere im Rahmen des Schulunterricht?
3. Welche Möglichkeiten der Konfliktlösung existieren?

Um eine Analyse dieser Fragestellungen durchzuführen, ist es zunächst nötig den Konflikt- begriff zu erläutern und unterschiedliche Konfliktgrade zu unterscheiden (Kapitel 2). In Kapi- tel 3 erfolgt die Betrachtung einiger Konfliktursachen, insbesondere der Kommunikationsstö- rung und der zunehmenden Disziplinlosigkeit. Weiterführend wird im 4. Abschnitt ein umfas- sendes Modell zur Konfliktanalyse dargestellt. Im 5. Kapitel wird das Oberstufenzentrum Banken und Versicherungen und dessen Bildungsgänge kurz vorgestellt. Abschließend erfolgt unter Punkt 6 die Beurteilung und Analyse von Konfliktsituationen im Unterricht anhand aus- gewerteter Hospitationsprotokolle verschiedener Schularten und -klassen.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass in den folgenden Abhandlungen aufgrund der besseren Lesbarkeit auf die weibliche Form verzichtet wird. Wenn daher z. B. von Lehrern und Schülern die Rede ist, sind damit selbstverständlich auch die Lehrerinnen und Schülerinnen gemeint.

2. Konflikte - Theoretische Grundlagen

Zunächst empfiehlt es sich Probleme, die sich unter dem Sammelbegriff Konflikt fassen las- sen, zu sortieren und zu klassifizieren. Eine erste oberflächliche Betrachtung führt bereits zu einer Vielzahl von Konfliktarten und -typen. Eine analytisch relativ eindeutige Unterschei- dung ist zwischen endogenen (selbst erzeugten) und exogenen (von außen erzeugten) Konflikten möglich. Bei näherer Betrachtung exogener Konflikte fallen weitere Untertei- lungen unmittelbar ins Auge, z. B. zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland, zwischen rechten und linken politischen Parteien sowie Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden in vielen Ländern oder aber auch zwischen Lehrern und Schülern in der Schule. Sicher bezeichnet nicht jedes Beispiel einen eigenen Konflikttyp, jedoch wird deutlich, das sich auch nicht alle unter einem Typus zusammenfassen lassen.1

Bei den folgenden Erläuterungen und Unterscheidungen bezüglich sozialer Konflikte bildet die Konflikterscheinung im Rahmen der ‚Schule’ stets den Mittelpunkt.

2.1 Was ist ein Konflikt?

Konflikte und Konfliktverhalten sind Forschungsgegenstand unterschiedlicher wissenschaftli- cher Bereiche. Aus diesem Grunde existieren verschiedene theoretische Orientierungen und Fragestellungen, die keine einheitliche Definition zulassen.2 Neubauer beruft sich in seinem Buch „Konflikte in der Schule“ auf folgende allgemeingehaltene Definition nach Deutsch: „Ein Konflikt existiert dann, wenn nicht zu vereinbarende Handlungstendenzen aufeinander stoßen.“3

Dagegen hat Becker in seinem Buch „Lehrer lösen Konflikte“ den Begriff umfangreicher und spezifischer erarbeitet und beschreibt einen Konflikt folgendermaßen:

„Als Konflikt wird eine für den Lehrer berufsfeldspezifische Auseinandersetzung, Belastung und/ oder Schwierigkeit bezeichnet, die eine unterschiedlich starke emotionale, kognitive und/ oder physische Beeinträchtigung mit sich bringt. Konflikte sind zumeist unerwünscht, müssen beigelegt oder gelöst werden; sie sind mitunter jedoch auch durchaus erwünscht, fördern die Persönlichkeitsentwicklung, soziale Lernprozesse und sind im Ausnahmefall sogar vom Lehrer im Interesse der zu unterrichtenden Schüler zu erzeugen. Die Konflikte lassen sich durch die jeweilige Konfliktkonstellation, durch eine Konfliktbeschreibung sowie durch die Zuordnung zu einem Problemkreis inhaltlich und formal näher bestimmen.“4

Häufig verwenden Autoren für den Terminus Konflikt auch den Begriff Unterrichtsstörung.

2.2 Graduelle Unterschiede von Konflikten im Unterricht

Die Schwere eines Konflikts wird laut Becker durch die emotionale und die geistige oder kör- perliche Beeinträchtigung der am Konflikt beteiligten Personen gekennzeichnet. Die Intensität der Beeinträchtigung lässt sich jedoch schwer feststellen, da die Konfliktpartein unterschied- lich empfinden und die Einschätzung bezüglich der Relevanz des Konfliktes subjektiv ist. Jedoch können beim Versuch der Konflikteinschätzung nach dem Grad der Beeinträchtigung zwei Bereiche erkannt werden, durch die die Problematik eingegrenzt werden kann: die Schein- und Extremkonflikte. Scheinkonflikte sind bei näherer Betrachtung irrelevant, die beteiligten Personen empfinden den Vorfall später als völlig belanglos. Dagegen lassen sich Extremkonflikte von den beteiligten Personen kaum noch bewältigen, in solchen Situationen ist der Lehrer auf Mithilfe Dritter angewiesen, wie z. B. Eltern, Sozialarbeiter oder Psycholo- gen. Schein- und Extremkonflikte bilden im Unterricht eher die Ausnahme. Häufiger anzu- treffen sind Konflikte, die als Rand- oder Zentralkonflikte eingestuft werden können. An Randkonflikten sind meist nur wenige Personen beteiligt. Sie werden schnell wieder verges- sen und ihre Folgen sind unerheblich. Dagegen werden durch einen Zentralkonflikt fast im- mer mehrere Personen tangiert. Die emotionale, die geistige und körperliche Beeinträchtigung der Konfliktparteien ist erheblich. Die Auswirkungen und Folgen sind bedeutsam und langzeitig spürbar.5

Eine weitere Untergliederung von Konflikten ist durch die Unterscheidung zwischen er- wünschten und unerwünschten Konflikten möglich. Bei oberflächlicher Betrachtung werden Auseinandersetzungen, Belastungen und Schwierigkeiten häufig als unerwünscht und dys- funktional eingestuft. Durch das eigenständige Lösen und Überstehen außergewöhnlicher Problemsituationen bieten sich jedoch auch den Schülern Chancen der Persönlichkeitsent- wicklung6 und des sozialen Lernens, das ihnen zu Mündigkeit, Vernünftigkeit und kritischer Rationalität verhilft.7

Es kann daher auch möglich sein, dass Konflikte vom Lehrer im Interesse der Schüler ab- sichtlich erzeugt werden. Die Mehrzahl der zu verzeichnenden Auseinandersetzungen, Belas- tungen und Schwierigkeiten sind jedoch von der Lehrerseite weder gewollt noch provoziert.8

3. Ursachen von Konflikten im Unterricht

Im Vorfeld ist es wichtig zu wissen, dass Konflikte in der Schule nicht monokausal, sondern multikausal bedingt sind. Das bedeutet, dass die Ursachen nicht immer direkt in der Schule zu finden sind, sondern auch im außerschulischen Bereich, z. B. durch individuelle und familiäre Probleme oder zeittypische Verhaltensweisen des Schülers hervorgerufen werden.9 Zunächst wird im Folgenden kurz ein Überblick über potentielle Ursachen von Unterrichts- störungen gegeben. Daraufhin erfolgt ein näherer Einblick in zwei von zahlreichen Ursachen der Konfliktentstehung im Unterricht: 1. die Störung in der zwischenmenschlichen Kommu- nikation, die auch eine wesentliche Konfliktursache in anderen Berufsfeldern darstellt sowie 2. das Disziplinproblem im Unterricht.

3.1 Potentielle Störfaktoren

1. Die Störfaktoren „Anlage und Entwicklung“

Zu den anlagebedingten potentiellen Störursachen zählen niedrige Intelligenz, geringe Kon- taktfähigkeit, starke Impulsivität, motorische Hyperaktivität sowie Erbfaktoren und mangeln- de Begabung.10

2. Der Störfaktor „Umwelt“

Insbesondere auf die Familie bezogen finden sich eine Vielzahl von soziokulturellen Störfak- toren, wie z. B. die zunehmende Zahl alleinerziehender Elternteile, eheliche Disharmonie, Verwahrlosung oder die Art und Weise der familiären Bindung. Aber auch ein hohes Maß an Gleichgültigkeit gegenüber Kindern in der Gesellschaft ist ein soziokultureller Aspekt.11

3. Der Störfaktor „Soziale Umgebung“

Bei diesem Störfaktor handelt es sich insbesondere um den mitmenschlichen Bereich des Schülers, der auf Einflüsse und Mitwirken von Menschen, wie dem Erziehungsstil der Eltern, Fehlerziehung, Verhaltensstörungen der Eltern sowie die Einstellung zu Schule und Gesellschaft der prägenden Mitmenschen zurückzuführen ist.

Weitere sozial bedingte Faktoren sind: Schwund von Erziehungswillen und Sicherheit, ver- bunden mit einem fehlendem gemeinsamen Erziehungskonzept des Lehrerkollegiums, das ebenfalls durch Erziehungsfehler geprägt ist.12 In diesem Zusammenhang verweist Biller auch auf die von Mollenhauer hervorgehobenen Störquellen. Ihm zufolge treten Störungen auf, wenn Partner die Art der Beziehung zwischen sich nicht mehr verstehen, wenn die Begrün- dungen, Motivationen und Gültigkeiten von Aussagen nicht mehr akzeptiert werden, wenn es den Beteiligten zweifelhaft erscheint, den Handlungsnormen anderer zu folgen und wenn be- stimmt soziale Gruppen in Bildungseinrichtungen benachteiligt werden.13

4. Die Störfaktoren „Schule“ und „Lehrer“

Auch die Schule steuert durch folgende Faktoren einen wesentlichen Teil zu Unterrichtsstörungen bei:

1. Struktur von Schule:

Die Institution Schule orientiert sich an den Maßstäben und Zielvorstellungen des Mit- telstandes. Sie geht davon aus, dass gleichaltrige Kinder auch gleichartig sind, der indivi- duelle Handlungsspielraum von Schülern und Lehrern wird zunehmend eingeengt.14

2. Die damit eng verbundene Eigentümlichkeit von Schule:

Kennzeichen hierfür sind z. B. die für Schule typische Beschränkung von Freiheit, Langeweile und Frustration, sowie die Überbewertung des Leistungsaspekts und Vernachlässigung der pragmatischen Dimension.15

3. Das Fehlen eines pädagogischen Bezuges und einer selbstverständlichen Arbeits- und Umgangsordnung.16

4. Die Anonymität großer Schulhäuser:17

Zu große und für Kinder oft unüberschaubarer Schulgebäude beeinträchtigen das Entste- hen von Geborgenheit und Vertrauen, und erzielen damit oft eine prägende, unbeabsichtigte negative Wirkung auf die Schüler.18

Aber nicht nur die auffälligen Ursachen im schulischen Bereich sind zu bedenken, auch unscheinbare Punkte, die den Alltagsärger kennzeichnen, gilt es zu beachten. Zu unterscheiden sind hier äußere und innere Gegebenheiten.

Äußere Gegebenheiten erfordern häufig neben den pädagogischen auch praktische bzw. handwerkliche Fähigkeiten des Lehrers, um z. B. die klemmenden Sonnenblenden vor dem Fenster herabzulassen, eine quietschende Tür zu ölen, eine hakende Schranktür zu öffnen oder Regale für zusätzliches Lehrmaterial anzufertigen. In diesen Bereichen müssen sich die Leh- rer bzw. die Klasse häufig selber helfen, da dienstliche Auftragserteilungen meist zu spät er- füllt werden.19

Von den inneren Gegebenheiten werden im Folgenden lediglich zwei näher erläutert.

Ein häufiges Problem stellt der fehlende Minimalkonsens bezüglich Erziehungsfragen an vie- len Schulen und das daraus bedingte mangelnde Problembewusstsein gegenüber Erziehungs- schwierigkeiten und Unterrichtsstörungen da. Ein fehlender Minimalkonsens bezüglich eini- ger Richtpunkte der Erziehung, sowohl im zwischenmenschlichen Bereich als auch in der Sachauseinandersetzung, stellt einen dauerhaften Erfolg einzelner Erziehungsmaßnahmen in Frage. Verlässlichkeit, Verständnis, Ehrlichkeit, Einfühlungsvermögen, Vorbildlichkeit, ge- genseitige Rücksichtnahme, Verantwortungsbereitschaft, Hilfsbereitschaft und Vertrauen soll- ten laut Biller auch noch heute für alle Beteiligten in der Schule unabdingbar gelten.

Eine weitere Behinderung liegt in der Hektik an den Schulen. Durch sie werden Lehrer zu unpädagogischen Verhaltensweisen wie Ungeduld, Humor- und Lieblosigkeit sowie Miss- trauen gegenüber der Mitwelt, im schlimmsten Fall sogar zu Hoffnungslosigkeit verleitet.20

3.2 Störungen in der zwischenmenschlichen Kommunikation

Die Bedeutung der Kommunikation im Unterricht wird deutlich, wenn man sich vor Augen hält, dass fast sämtliche Handlungen des Lehrers mit Kommunikation in Verbindung stehen. Unterrichtskonflikte werden in vielen Fällen durch eine gestörte zwischenmenschliche Kom- munikation verursacht. Damit der Lehrer den Konflikten begegnen kann, die auf gestörte Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler zurückzuführen sind, bedarf es des Verstehens aus Sicht der Kommunikationspsychologie. Es gibt eine Vielzahl wissenschaftlich begründete Ansätze, die sich mit dem Phänomen der menschlichen Kommunikation auseinandersetzen. Im Folgenden soll anhand der fünf Kommunikationsaxiome - genauer Metakommunikations- axiome von Watzlawick, Beavin und Jackson, ein Aufschluss über mögliche Störfaktoren im Unterricht geben werden.

Zu diesen Axiomen bemerken die Verfasser selbst theoretische Schwächen, die jedoch ihrer Meinung nach durch den pragmatischen Aspekt des Modells kompensiert werden.21

1. Axiom: ‚Man kann nicht nicht kommunizieren.’

Ausgehend von der Annahme, dass jegliches Verhalten Mitteilungscharakter hat, stellen Watzlawick, Beavin und Jackson dieses erste Axiom auf. Egal ob ein Mensch schweigt oder redet, die Augen offen oder geschlossen hat, handelt oder passiv ist, immer kommuniziert er dadurch auch mit seiner Umwelt. Ein typisches Beispiel hierfür ist die ‚Fahrstuhlsituation’: keiner redet, jedoch wird sich ‚kräftig’ verhalten.22

2. Axiom: ‚Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt.’

Die Kernaussage dieses Axioms ist die Unterteilung einer Mitteilung in zwei Ebenen, der Sach- und der Beziehungsebene. Im Rahmen des Beziehungsaspekts verdeutlicht der Sender (Mitteilungsgeber) durch verbale und nonverbale Mittel seine Einstellung zum Inhalt der Bot- schaft. Da die Beziehungsebene eine Kommunikation über die Kommunikation darstellt, spricht man in diesem Zusammenhang von Metakommunikation. Wichtig ist hierbei die Tat- sache, dass der Beziehungsaspekt selten explizit in der Nachricht formuliert wird. Eine Ver- mengung beider Ebenen kann zu konfliktträchtigen Beziehungen führen. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Ein Lehrer wirft einem Schüler eine schlechte Klausur auf den Tisch mit der Bemerkung: „Das hast du ja toll gemacht!“ Der Inhaltsaspekt besagt nach den Regeln der Syntax, dass der Schüler etwas gut gemacht hat. Je nach Tonfall, Gestik und Mimik kann er sich jedoch ins Gegenteil verkehren. Der Lehrer kann mit Hilfe des Beziehungsaspektes die Unzufriedenheit über die schlechte Arbeit zum Ausdruck bringen.

Bei häufigem Missbrauch der Inhalts- oder Sachinformation zum Übermitteln von Beziehungsbotschaften entstehen konfliktgeladene Situationen.23

3. Axiom: ‚Die Natur einer Beziehung ist durch Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.’

Eine Interaktion präsentiert sich bei näherem Betrachten als ein kontinuierlicher Ablauf von Mitteilungen bzw. Verhalten. Die Interpretation dieses Mitteilungsablaufs erfolgt durch die subjektiven Vorstellungen bezüglich des Ursachen-Wirkungs-Zusammenhangs der beteiligten Personen meistens jedoch unterschiedlich.

Haben beispielsweise die Eltern eines Schülers den Eindruck ihr Sohn brauche mehr ‚Druck’, damit seine Leistungen in der Schule besser werden, so haben sie eine bestimmte Vorstellung vom Ursachen-Wirkungs-Zusammenhang ihrer Verhaltensweise: „Da unser Sohn keine guten Leistungen erbringt, müssen wir die Kontrolle verschärfen.“. Die Eltern sind also der Ansicht, ihr Verhalten ist eine Reaktion auf die Verhaltensweise ihres Sohnes. Aufgrund des ständigen ‚Drucks’ durch seine Eltern kommt der Schüler zu dem Entschluss, nur noch das Notwendigs- te zum Bestehen der Klausuren zu unternehmen. Er schöpft also seine Leistungsfähigkeit be- wusst nicht voll aus. Seiner Meinung nach ist seine Verhaltensweise eine Reaktion auf das Verhalten seiner Eltern. Damit sich die Beteiligten aus diesem unproduktiven Kreislauf be- freien können, müssen sie die Einsicht erlangen, dass sie einen Kommunikationsprozess nicht linear interpretieren dürfen.

Denn nicht ein Verhalten ist die Ursache eines anderen, sondern jedes Verhalten ist Ursache und Wirkung zugleich.24

4. Axiom: ‚Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten.’ Dieses Axiom greift Überlegungen auf, die bereits in etwas anderer Form im zweiten Axiom Berücksichtigung fanden. Die Übermittlung von Sachinformationen erfolgt häufig in digitaler Form. Die digitale Kommunikation bedient sich Buchstaben, Worten sowie Schriftzeichen und wird häufig zur Wissensübermittlung verwendet. Diese Übermittlungsart ist jedoch stör- anfällig, ihre benutzten Zeichen verfügen über keine eindeutige Bedeutungszuweisung.25 Watzlawick beschreibt dieses Problem wie folgt: „Es gibt letztlich keinen zwingenden Grund, weshalb die Buchstaben k, a, t, z und e in dieser Reihenfolge ein bestimmtes Tier benennen sollen - es besteht lediglich ein semantisches Übereinkommen für diese Beziehung zwischen Wort und Objekt (designatum).“26

[...]


1 vgl. Dahrendorf (1969), S. 108-109

2 vgl. Neubauer (1999), S. 5

3 Neubauer (1999), S. 7

4 Becker (1983), S. 20-21

5 vgl. Becker/ Dietrich/ Kaier (1982), S. 23-25

6 vgl. Mollenhauer (1977), nach Becker (1983), S. 20

7 vgl. Becker (1983), S. 19-20

8 vgl. Becker (1983), S. 20

9 vgl. Winkel (1996), S. 18

10 vgl. Biller (1981), S. 30

11 vgl. Biller (1981), S. 30-31

12 vgl. Biller (1981), S. 31

13 vgl. Mollenhauer (1976), nach Biller (1981), S. 31

14 vgl. Biller (1981), S. 32

15 vgl. Biller (1981), S. 32

16 vgl. Biller (1981), S. 32

17 vgl. Biller (1981), S. 32

18 vgl. Biller (1981), S. 32-33

19 vgl. Biller (1981), S. 32-33

20 vgl. Biller (1981), S. 33-34

21 vgl. Wirtz (1998), S. 200-201

22 vgl. Wirtz (1998), S. 201

23 vgl. Wirtz (1998), S. 201-202

24 vgl. Wirtz (1998), S. 202-204

25 vgl. Wirtz (1998), S. 204

26 Watzlawick (1974), nach Wirtz (1998), S. 204

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Interpersonelle Konfliktsituationen im Unterricht
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Wirtschaftspädagogik)
Veranstaltung
PS Entwicklungsgefährdete Jugendliche in beruflichen Schulen
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
32
Katalognummer
V50561
ISBN (eBook)
9783638467575
ISBN (Buch)
9783638687744
Dateigröße
719 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bericht zu einem Orientierungspraktikum - der Bericht besteht aus der theoretischen Bearbeitung des Themas "Interpersonelle Konfliktsituationen im Unterricht" sowie drei ausgewerteten Hospitationsprotokollen.
Schlagworte
Interpersonelle, Konfliktsituationen, Unterricht, Entwicklungsgefährdete, Jugendliche, Schulen
Arbeit zitieren
Björn Peters (Autor), 2005, Interpersonelle Konfliktsituationen im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50561

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Titel: Interpersonelle Konfliktsituationen im Unterricht


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