Im Rahmen meines Studiums zum Diplom Handelslehrer absolvierte ich in der Zeit vom 21.02.2005 bis zum 19.03.2005 ein Orientierungspraktikum an dem Oberstufenzentrum Ban-ken und Versicherungen in Berlin-Tiergarten. Das in erster Linie aus Unterrichtshospitationen bestehende Praktikum bot mir die Chance, erste Erfahrungen mit dem Berufsfeld des Lehrers, sowie mit der Institution Schule aus der Sicht des Lehrenden zu erlangen.
Nach intensiven Überlegungen und unter Beachtung des bereits absolvierten Begleitseminars „Entwicklungsgefährdete Jugendliche in beruflichen Schulen“, habe ich mich vor Beginn des Praktikum für die ausführliche Auseinandersetzung mit der Thematik „Interpersonelle Kon-fliktsituationen im Unterricht“ entschieden. Dies ermöglichte es mir, im Rahmen der Hospitation gezielte Beobachtungen anzustellen.
Die zunehmende Gewaltbereitschaft in der heutigen Gesellschaft verstärkt die Bedeutung, Probleme und Konflikte ohne Gewalt konstruktiv zu bewältigen. Jedoch treten nicht nur im Unterricht bzw. im Lehrerberuf Konfliktsituation auf, in jedem Berufsfeld, wie auch im Pri-vatleben, verbirgt sich Konfliktpotenzial. Die Kompetenz Konflikte friedlich zu bewältigen, zählt damit auch zu den entscheidenden Schlüsselqualifikationen im heutigen Berufsleben.
Im Rahmen dieser aus wissenschaftlichen Theorien und praktischen Erfahrungen bestehenden Arbeit sollen daher folgende Fragestellungen näher betrachtet werden:
1. Was ist ein Konflikt?
2. Was sind mögliche Konfliktursachen insbesondere im Rahmen des Schulunterricht?
3. Welche Möglichkeiten der Konfliktlösung existieren?
Um eine Analyse dieser Fragestellungen durchzuführen, ist es zunächst nötig den Konfliktbegriff zu erläutern und unterschiedliche Konfliktgrade zu unterscheiden (Kapitel 2). In Kapitel 3 erfolgt die Betrachtung einiger Konfliktursachen, insbesondere der Kommunikationsstörung und der zunehmenden Disziplinlosigkeit. Weiterführend wird im 4. Abschnitt ein umfassendes Modell zur Konfliktanalyse dargestellt. Im 5. Kapitel wird das Oberstufenzentrum Banken und Versicherungen und dessen Bildungsgänge kurz vorgestellt. Abschließend erfolgt unter Punkt 6 die Beurteilung und Analyse von Konfliktsituationen im Unterricht anhand aus-gewerteter Hospitationsprotokolle verschiedener Schularten und –klassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konflikte – Theoretische Grundlagen
2.1 Was ist ein Konflikt?
2.2 Graduellenunterscheidung von Konflikten im Unterricht
3. Ursachen von Konflikten im Unterricht
3.1 Potentielle Störfaktoren
3.2 Störungen in der zwischenmenschlichen Kommunikation
3.3 Disziplinenschwierigkeiten
4. Handlungsmatrix zur Konfliktlösung
5. Das Oberstufenzentrum (OSZ) Banken und Versicherungen
6. Hospitationsprotokolle
6.1 Allgemeine Erläuterungen
6.2 Hospitationsprotokolle und Auswertungen
7. Zusammenfassung/ Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht interpersonelle Konfliktsituationen im Unterricht an einem Oberstufenzentrum. Ziel ist es, auf Basis wissenschaftlicher Theorien und eigener Hospitationserfahrungen Konfliktursachen zu identifizieren und geeignete Handlungsstrategien zur konstruktiven Konfliktlösung im pädagogischen Kontext aufzuzeigen.
- Theoretische Fundierung des Konfliktbegriffs und gradueller Unterschiede
- Analyse multikausaler Ursachen für Unterrichtsstörungen
- Darstellung der Handlungsmatrix zur systematischen Konfliktlösung nach Becker
- Praktische Erprobung und Auswertung von Konfliktsituationen im Schulalltag
Auszug aus dem Buch
3.2 Störungen in der zwischenmenschlichen Kommunikation
Die Bedeutung der Kommunikation im Unterricht wird deutlich, wenn man sich vor Augen hält, dass fast sämtliche Handlungen des Lehrers mit Kommunikation in Verbindung stehen. Unterrichtskonflikte werden in vielen Fällen durch eine gestörte zwischenmenschliche Kommunikation verursacht. Damit der Lehrer den Konflikten begegnen kann, die auf gestörte Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler zurückzuführen sind, bedarf es des Verstehens aus Sicht der Kommunikationspsychologie. Es gibt eine Vielzahl wissenschaftlich begründete Ansätze, die sich mit dem Phänomen der menschlichen Kommunikation auseinandersetzen.
Im Folgenden soll anhand der fünf Kommunikationsaxiome – genauer Metakommunikationsaxiome von Watzlawick, Beavin und Jackson, ein Aufschluss über mögliche Störfaktoren im Unterricht geben werden. Zu diesen Axiomen bemerken die Verfasser selbst theoretische Schwächen, die jedoch ihrer Meinung nach durch den pragmatischen Aspekt des Modells kompensiert werden.
1. Axiom: ‚Man kann nicht nicht kommunizieren.’ Ausgehend von der Annahme, dass jegliches Verhalten Mitteilungscharakter hat, stellen Watzlawick, Beavin und Jackson dieses erste Axiom auf. Egal ob ein Mensch schweigt oder redet, die Augen offen oder geschlossen hat, handelt oder passiv ist, immer kommuniziert er dadurch auch mit seiner Umwelt. Ein typisches Beispiel hierfür ist die ‚Fahrstuhlsituation’: keiner redet, jedoch wird sich ‚kräftig’ verhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Motivation und des Rahmens des Orientierungspraktikums sowie der zentralen Forschungsfragen zur Konfliktbewältigung im Unterricht.
2. Konflikte – Theoretische Grundlagen: Definition des Konfliktbegriffs und Erläuterung der graduellen Differenzierung zwischen verschiedenen Konfliktarten in der Schule.
3. Ursachen von Konflikten im Unterricht: Detaillierte Analyse der Störfaktoren (Anlage, Umwelt, Soziale Umgebung, Schule) und der Rolle gestörter zwischenmenschlicher Kommunikation.
4. Handlungsmatrix zur Konfliktlösung: Vorstellung des systematischen Konzepts nach Becker zur kritisch-rationalen Analyse und Bewältigung von Konfliktsituationen.
5. Das Oberstufenzentrum (OSZ) Banken und Versicherungen: Kurze Vorstellung der Institution und der verschiedenen dort angebotenen Bildungsgänge.
6. Hospitationsprotokolle: Praktische Erfassung und Auswertung konkreter Konfliktsituationen aus dem Unterrichtsalltag anhand der zuvor erläuterten Analysemethoden.
7. Zusammenfassung/ Fazit: Synthese der Ergebnisse aus Theorie und Praxis sowie Reflexion der persönlichen Erfahrungen im Praktikum.
Schlüsselwörter
Interpersonelle Konflikte, Unterrichtsstörungen, Handlungsmatrix, Kommunikationsaxiome, Lehrer-Schüler-Beziehung, Disziplin, Konfliktlösung, Hospitation, Oberstufenzentrum, Berufspädagogik, Multikausalität, Konfliktdiagnose, Pädagogisches Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse interpersoneller Konfliktsituationen im schulischen Unterricht und der praktischen Anwendung von Konfliktlösungsstrategien.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen theoretische Grundlagen von Konflikten, Ursachenforschung für Unterrichtsstörungen, Kommunikationstheorien sowie die praktische Beobachtung und Auswertung von Schulalltagssituationen.
Was ist die primäre Zielsetzung der Arbeit?
Ziel ist es, ein systematisches Verständnis für die Entstehung von Konflikten im Unterricht zu entwickeln und aufzuzeigen, wie Lehrkräfte diese anhand einer Handlungsmatrix konstruktiv bewältigen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein theoretischer Bezugsrahmen genutzt, der durch eine empirische Beobachtung (Unterrichtshospitationen) und deren Auswertung mittels Protokollen ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung von Konfliktursachen, die detaillierte Vorstellung der Handlungsmatrix nach Becker und die systematische Auswertung von Hospitationsprotokollen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Schlüsselbegriffe sind Konfliktbewältigung, Unterrichtsstörungen, Kommunikation, Pädagogik und Handlungskompetenz.
Wie werden Konflikte laut dieser Arbeit eingestuft?
Die Arbeit stuft Konflikte auf einer Skala nach ihrer emotionalen, geistigen und körperlichen Beeinträchtigung ein: von Schein- über Rand- und Zentralkonflikte bis hin zu Extremkonflikten.
Welche Rolle spielt die Kommunikation in Konfliktsituationen?
Kommunikation wird als eine der Hauptursachen für Konflikte identifiziert; die Arbeit nutzt dabei Watzlawicks Kommunikationsaxiome, um Störungen im Lehrer-Schüler-Verhältnis zu analysieren.
- Quote paper
- Björn Peters (Author), 2005, Interpersonelle Konfliktsituationen im Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50561