Michel Foucault, ein berühmter Philosoph des 20 Jahrhunderts, hat sich in seiner Vorlesung mit der Frage beschäftigt: „Wie stellt sich die Beziehung zwischen Wahres-Sagen (Verifikation) und der Praxis des Subjekts her, wie stabilisiert und wie definiert sie sich? Um diese Frage beantworten zu können, wird er sich auf das antike Denken konzentrieren und zwei bekannte Philosophenschulen vorstellen, einerseits die kynische und andererseits die epikurische. Ich möchte von Vorneherein klarstellen, dass die Ansichtsweisen der zwei Philosophenschulen sich nicht gegenüberstehen, sondern zwei unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Definition haben.
In dieser Arbeit werde ich euch den Autor Michel Foucault, die Ansichtsweise der Kyniker und die Ansichtsweise der Epikureer vorstellen. Dafür werde ich mich auf die Literatur von Michel Foucault „Hermeneutik des Subjekts: Vorlesungen am Collège deFrance“ aus dem Jahr 1981/82 konzentrieren.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Michel Foucault
Kyniker
Epikureer
Paideia vs. Physiologia
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht anhand der Vorlesungen von Michel Foucault zur "Hermeneutik des Subjekts" die antiken philosophischen Ansätze der Kyniker und Epikureer, um die Beziehung zwischen Wissen (Wahrheitsfindung) und der Praxis der Subjektivierung zu analysieren.
- Die Philosophie von Michel Foucault und sein Verständnis der Subjektkonstitution.
- Die Differenzierung zwischen nutzlosem „Ursachenwissen“ und nützlichem, ethopoietischem Wissen.
- Der Vergleich zwischen dem Begriff der „Paideia“ (Bildungswissen) und der „Physiologia“ bei den Epikureern.
- Die Relevanz der philosophischen Lebenskunst für die Transformation des Subjekts.
Auszug aus dem Buch
Kyniker
Betrachten wir die kynische Stellung über die Erkenntnis der Natur und die Selbsterkenntnis. Wir wollen einen Blick auf den Kyniker Diogenes von Sinope werfen. Er wird von dem berühmten Philosophen des 3 Jahrhunderts, Diogenes Laertius, als Lehrer der Kinder bezeichnet. Diogenes von Sinope lehrte die Kinder in allen Wissenschaften, er brachte Ihnen eine möglichst genauen aber leicht anwendbare Zusammenfassung bei. Damit erreichte er, dass die Kinder sich in jeder Lebenslage und ihr Leben lang daran erinnern würden können. Daraus können wir also schließen, dass die „kynische Ablehnung der Erkenntnis der natürlichen Dinge zweifellos nuanciert werden“. Was bedeutet dies jetzt? Dies ist ganz einfach, es soll nichts anderes heißen, als dass die Kyniker die Erkenntnis der natürlichen Dinge ablehnen, aber diese Ablehnung differenzieren.
Um dies besser zu erklären geht Foucault auf einen weiteren Kyniker ein, und zwar auf Demetrius. Foucault erklärt, dass Demetrius ein akklimatisierter Kyniker ist. Dies begründet er damit, dass als Paetus Thrasea sich selbst umbrachte, er kurz davor Demetrius zu sich rief und sie führten einen sokratischen Dialog über die Unsterblichkeit der Seele. Im Laufe dieses Dialoges hauchte dann Demetrius seine Seele aus.
Aber kommen wir wieder zu unserem Thema der Selbsterkenntnis zurück. Demetrius stellt sich zu Beginn die Frage, was einen guten Athleten auszeichnet. Ein guter Athlet muss nur die Gesten kennen, die ihm im Kampf auch nützen werden. Diese Gesten müssen aber so gut beherrschen, dass sie ihm jederzeit zu Verfügung stehen und er in jeder Situation auf sie zurückgreifen kann. Dieses Beispiel ist aber nicht nur für Athleten relevant, sondern auch für jeden Menschen. Denn Demetrius möchte mit diesem Modell verdeutlichen, welches Wissen für den Menschen nützlich ist. Und zwar das Wissen was der Mensch jeder Zeit zur Verfügung hat und in jeder Situation anwenden kann. Es zeichnen sich also so etwas wie Nützlichkeitskriterien aus.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Der Autor führt in die Fragestellung Foucaults ein, die das Verhältnis zwischen Wissenserwerb und der Praxis des Subjekts in der Antike thematisiert.
Michel Foucault: Dieses Kapitel gibt einen biographischen Überblick über das Leben und Wirken des Philosophen Michel Foucault.
Kyniker: Hier wird die kynische Haltung zur Naturerkenntnis analysiert, wobei besonders das Nützlichkeitsprinzip des Wissens anhand der Figur des Demetrius erläutert wird.
Epikureer: Das Kapitel vergleicht Wissensmodi und führt den zentralen Begriff der „Physiologia“ bei den Epikureern ein.
Paideia vs. Physiologia: Es wird die Unterscheidung zwischen eitlem „Bildungswissen“ (Paideia) und der transformativen „Physiologia“ erarbeitet.
Fazit: Das Fazit reflektiert die Erkenntnisse der Arbeit und diskutiert die kritischen Fragen, die sich aus der Anwendung der antiken Wissensbegriffe auf die heutige Zeit ergeben.
Schlüsselwörter
Michel Foucault, Hermeneutik des Subjekts, Kyniker, Epikureer, Wissensmodi, Ursachenwissen, ethopoietisches Wissen, Paideia, Physiologia, Lebenskunst, Subjektivierung, Demetrius, Diogenes von Sinope, Wahrheit, Ethos.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie antike Philosophieschulen – insbesondere die Kyniker und Epikureer – Wissen bewerteten und welche Rolle dieses Wissen für die Formung des menschlichen Selbst (Ethos) spielt, basierend auf Foucaults Vorlesungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themenfelder umfassen die Unterscheidung zwischen nützlichem und nutzlosem Wissen, die Rolle der Selbsterkenntnis und die Bedeutung von philosophischen Praktiken für das Leben des Individuums.
Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, Foucaults Interpretation der antiken "Hermeneutik des Subjekts" zugänglich zu machen und zu klären, wie "Wahres-Sagen" und die Praxis des Subjekts miteinander in Beziehung stehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine hermeneutische Textanalyse der Vorlesung „Hermeneutik des Subjekts: Vorlesungen am Collège de France (1981/82)“ von Michel Foucault.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung Foucaults, die detaillierte Analyse der Wissensauffassung der Kyniker (Demetrius), die Betrachtung der Epikureer sowie den begrifflichen Vergleich zwischen Paideia und Physiologia.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind das „Ursachenwissen“, das „ethopoietische Wissen“, „Paideia“ (als eitles Bildungswissen) und „Physiologia“ (als transformatives, lebensgestaltendes Wissen).
Warum unterscheidet Demetrius zwischen nützlichem und nutzlosem Wissen?
Demetrius unterscheidet dies anhand der Auswirkungen auf das „Ethos“. Wissen ist nur dann nützlich, wenn es das Sein des Subjekts verändert und eine innere Haltung zur Welt und zu den Dingen ermöglicht.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich des akademischen Wissenserwerbs heute?
Der Autor stellt fest, dass die Grenze zwischen „Ursachenwissen“ und „ethopoietischem Wissen“ in der modernen Universität verschwimmt und dass die Wirkung von Wissen letztlich stark von der individuellen Aneignung durch das Subjekt abhängt.
- Citation du texte
- Polina Diner (Auteur), 2019, Etho-poietik und Lebenskunst. Hermeneutik des Subjekts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505661