Analyse und Bewertung der privaten und öffentlichen Weiterbildungsfinanzierung


Hausarbeit, 2019
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse der Weiterbildungsfinanzierung
2.1 Einordung der Weiterbildung im deutschen Bildungssystem
2.2 Weiterbildungsfinanzierung im Allgemeinen
2.3 Öffentliche Weiterbildungsfinanzierung
2.3.1 Überblick über die Instanzen der öffentlichen Weiterbildungsfinanzierung
2.3.2 Die bisherige Entwicklung der öffentlichen Finanzierung für Weiterbildung
2.4 Private Weiterbildungsfinanzierung
2.4.1 Direkte und indirekte Kosten der Weiterbildungskosten
2.4.2 Aktuelle Situation – Finanzierung durch die Individuen
2.4.3 Finanzierung durch den Arbeitgeber
2.5 Zusammenfassende Übersicht über die wichtigsten Förderungsmöglichkeiten
2.6 Bewertung der aktuellen Situation der Weiterbildungsfinanzierung

3. Zusammenfassung

I. Literaturverzeichnis

Kurzzusammenfassung

In der folgenden Seminararbeit wurden die Möglichkeiten der privaten und öffentlichen Weiterbildungsfinanzierung in Deutschland analysiert und abschließend bewertet. Hierbei wurden auch die einzelnen Finanzierungsträger analysiert und eingehend im Kontext des deutschen Bildungssystems betrachtet. Des Weiteren wurde auf die Entwicklung der öffentlichen Finanzierung in der Historie eingegangen, an dieser Stelle wurde auf eine Studie der Bertelsmann Stiftung Bezug genommen. Im Bereich der privaten Finanzierung wurde der Fokus vorrangig auf die aktuelle Situation der Finanzierung durch Betriebe und die Individuen selbst gelegt. Abschließend wurde aus der Fülle der Möglichkeiten eine kurze Übersicht über die wichtigsten Weiterbildungsfinanzierungsmöglichkeiten in Deutschland gewährt.

Aus der Untersuchung ist hervorgegangen, dass im Bereich der Weiterbildungsfinanzierung in Deutschland erheblicher Verbesserungsbedarf besteht. Vor allem im Bereich der Finanzierung durch den Staat sollte eine Überarbeitung des derzeitigen Finanzierungsangebots vorgenommen werden, da häufig die Kriterien für die Individuen nicht zu erfüllen sind, und auch im Großen und Ganzen betrachtet das Volumen der Finanzierungsmittel zu gering ausfällt. Hier besteht noch weiterer Forschungsbedarf, ein Ansatz wäre beispielsweise der Vergleich der öffentlichen Finanzierungsmöglichkeiten für Weiterbildung mit einem anderen europäischen Land, welches hohe Ambitionen im Bereich Bildung und Weiterbildung im Speziellen aufweist. Trotzdem sollte weiterhin kritisch hinterfragt werden, warum der Bereich Weiterbildung im Vergleich zu den anderen Bildungseinheiten weniger Finanzierungsvolumen erhält – hier könnte ein weiterer Forschungsansatz sein, wie erfolgreich und qualitativ hochwertig denn eine Weiterbildung tatsächlich ist.

Im Bereich der privaten Weiterbildungsfinanzierung wurde festgestellt, dass viele Menschen eine Weiterbildung nicht selbst finanzieren möchten, und deshalb überhaupt nicht daran partizipieren. An dieser Stelle sollte weiterhin erforscht werden, ob der Kostenfaktor an diesem Punkt wirklich ausschlaggebend ist, oder ob weitere Faktoren wie Zeit und Aufwand nicht im Insgeheimen eine größere Rolle spielen. Im Allgemeinen sollte die Wichtigkeit der Weiterbildung den Individuen mehr vor Augen geführt werden.

Weiterhin ist aus der Untersuchung der privaten Weiterbildungsfinanzierung hervorgegangen, dass ein Großteil der Betriebe bereits Weiterbildungen für ihre Mitarbeiter anbieten, jedoch auch hier Hürden wie Personalausfallkosten bewältigt werden müssen. Hier sollten innovative Möglichkeiten zur Weiterbildung am Arbeitsplatz diskutiert werden.

Einleitung

„Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung.“ - John F. Kennedy (vgl. GTD Personalentwicklung 2012: 1).

Dieses Zitat des ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika lässt bereits anklingen, welch große Bedeutung die Bildung und damit verbunden auch die Weiterbildung in der heutigen Zeit besitzt. Unterschrieben wird die Notwendigkeit der Weiterbildung außerdem durch den vorherrschenden Fachkräftemangel in Deutschland. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) weist daraufhin, dass Weiterbildung maßgeblich zur Sicherung der Fachkräfte beiträgt, nicht zuletzt auch wegen des rasanten technischen Fortschritts (vgl. IHK 2019: 1).

Doch ab wann spricht man konkret von Weiterbildung? Im Folgenden wird der Begriff der Weiterbildung kurz definiert und mit einem Beispiel versehen.

Weiterbildung

Als Weiterbildung bezeichnet man eine berufsbegleitende oder -unterbrechende Fortbildung oder Schulung, mit dem Zweck, Fähigkeiten und Kenntnisse in einem bestimmten Bereich zu erweitern und zu vertiefen, um die Leistung im Beruf zu verbessern (vgl. Onpulson 2019: 1).

Hierbei kann zwischen Fortbildungen, Umschulungen und dem Erwerben von Zusatzqualifikationen unterschieden werden. Unter Fortbildung versteht man eine Weiterqualifizierung im bereits erlernten Beruf, ein Beispiel hierfür ist die Fortbildung zum staatlich geprüften Techniker (vgl. Hahn 2014: 1).

Eine Umschulung hingegen wird meist durch ein neues berufliches Ziel gekennzeichnet und dauert etwa zwei bis drei Jahre und wird mit einer Prüfung abgeschlossen. Häufig sind Umschulungen auch eine Möglichkeit für Wiedereinsteiger am Arbeitsmarkt erneut Fuß zu fassen, da sich im dynamischen Umfeld der heutigen Zeit die Anforderungen sehr schnell weiterentwickeln und neue Fähigkeiten erforderlich werden. Sei es der Umgang mit einer speziellen SAP-Software oder Neuerungen im rechtlichen Bereich des Arbeitsfeldes, mit einer Weiterbildung erhöhen sich die Chancen neue Herausforderungen zu meistern für Wiedereinsteiger signifikant.

Aktuelle Brisanz der Weiterbildung

„Globalisierung, demografischer Wandel, Digitalisierung, Abkehr vom Verbrennungsmotor – die Liste der Einflussfaktoren, die die Arbeitswelt von morgen bestimmen ist lang (…)“ (vgl. Specht 2019: 1).

Als Konsequenz der ungewissen zukünftigen Arbeitswelt lässt sich festhalten, dass die Weiterbildung generell wohl heute so wichtig ist wie nie, und damit verbunden auch deren Finanzierung. Schließlich kostet eine Fortbildung zum Elektriker-Meister schon ungefähr 9000 Euro, ein berufsbegleitendes Master- Studium kann sich auf bis zu 36.000 Euro belaufen (vgl. Deutsche Handwerks Zeitung 2019: 1).

So stellt sich für Interessenten der Weiterbildung schnell die Frage – wie kann ich mir das leisten? Laut dem Bildungsspiegel fehlen bislang ausreichend Förderprogramme um sowohl Individuen als auch Unternehmen zu fördern, zudem ist die Förderung vom jeweiligen Bundesland abhängig (vgl. Bildungsspiegel 2017: 1).

Der Direktor des Berliner Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie Dr. Dieter Dohmen betont: „Abgesehen von einigen wenigen Gruppen, die bundesweit gefördert werden, ist es vom Zufall des Wohnortes abhängig, ob es eine Zuschussförderung für die Weiterbildung gibt oder nicht.“ (siehe Bildungsspiegel 2017: 1).

Des Weiteren sei die Förderung häufig auf bis zu 500 Euro begrenzt, für teure Weiterbildungsmaßnahmen seien neben dem Meister-Bafög bundesweit nur Steuerfreibeträge möglich. (vgl. Bildungsspiegel 2017: 1). Gerade für Menschen mit geringerem Einkommen stellt somit die Finanzierung einer teuren Weiterbildung eine enorme Hürde da. Die Weiterbildung ist somit bisweilen „(…) vor allem eine Domäne höherqualifizierter, gesellschaftlicher und betrieblicher Statusgruppen.“ (vgl. Dobischat/Münk/Rosendahl 2019: 7).

Bereits an zweiter Stelle als Grund für einen Verzicht an der Teilnahme an einer favorisierten Weiterbildung steht der Kostenaspekt, nachfolgend die fehlende Unterstützung von Staat und Arbeitgeber – dies hat letztendlich dazu geführt, dass sich extreme, qualifikationsabhängige Ungleichgewichte entwickeln konnten (vgl. Dobischat et al 2019: 12).

Diese Ungleichgewichte können mit der strukturellen Arbeitslosigkeit verknüpft werden, der Auslöser der strukturellen Arbeitslosigkeit sind veränderte Anforderungsprofile und Arbeitsabläufe, folglich ergibt sich durch qualifikationsbedingte Unterschiede eine Differenz zwischen Angebot und Nachfrage. Als Notwendigkeit ergibt sich eine arbeitsmarktgerechte Qualifizierung von Arbeitslosen und Aussteigern, beispielsweise durch Weiterbildung.

Auffällig ist zudem, dass die durchschnittliche Beteiligungsquote in der non-formalen Weiterbildung in Deutschland bei lediglich 14 Prozent liegt – in Dänemark und Schweden hingegen bei rund 45 Prozent (vgl. Dohmen 2008: 15).

Offensichtlich haben die Finanzierungsmöglichkeiten in den verschiedenen Ländern hierbei einen enormen Einfluss auf die Weiterbildungsbeteiligung – in Dänemark erfolgt die Finanzierung hauptsächlich durch den Staat.

Im folgenden Hauptteil wird nun die aktuelle Situation der öffentlichen und privaten Weiterbildungsfinanzierung vorgestellt und analysiert. Abschließend wird die Situation bewertet und mit einem Lösungsvorschlag versehen.

Analyse der Weiterbildungsfinanzierung

2.1 Einordnung der Weiterbildung im deutschen Bildungssystem

Im Hinblick auf die Weiterbildungsfinanzierung sollte man zuerst das Thema Weiterbildung in den Kontext des Bildungssystems einordnen. Der Weiterbildungsbereich differenziert sich enorm von den anderen Bildungsbereichen im deutschen Bildungssystem – sowohl im strukturellen Sinne, als auch in der Finanzierung. (vgl. Dobischat et al 2019: 11).

Das deutsche Bildungssystem gliedert sich in fünf Stufen. Die Primarstufe umfasst die Grundschule, gefolgt von Sekundarstufe I und Sekundarstufe II, hierbei handelt es sich um die jeweilige weiterführende Schulform. Die letzten beiden Stufen sind der sogenannte tertiäre und quartäre Bereich – in letzterem sind Weiterbildungsformen einzuordnen (vgl. Edelstein 2013: 1).

Dieser Bereich steht für alle Formen der Weiterbildung, nach der Definition des Deutschen Bildungsrats: „Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase“ (vgl. Deutscher Bildungsrat 1970: 197).

Während im primären und sekundären Bereich, die Finanzierung weitestgehend von den öffentlichen Haushalten gedeckt wird (mit Ausnahme von geringen Hinzugaben der privaten Haushalte, beispielsweise durch Ausgaben für Bücher oder Nachhilfe), ist im Weiterbildungssektor das Gegenteil der Fall – hier vervollständigt die öffentliche Finanzwirtschaft lediglich die Nachfrage der Privathaushalte (vgl. Balzer 2001: 16).

Der Auslöser hierfür liegt in den staatlichen Organisationsformen und den Trägerstrukturen, auf die an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden soll.

Erläutert werden muss außerdem, dass sich Investitionen in Weiterbildung positiv auf die Volkswirtschaft eines Landes auswirken. Weiterhin verbessert sich die Arbeitsmarktsituation. Die Gesellschaft und der Staat selbst erhalten als Konsequenz höhere Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen. Ein weiterer damit verbundener Effekt ist beispielsweise ein höherer Bildungsstand der Bevölkerung (siehe Kohlmeier 2008, S.3). Folglich müsste in der Theorie eine Finanzierung der Weiterbildung aus öffentlichen Mitteln im öffentlichen Interesse sein.

2.2 Weiterbildungsfinanzierung im Allgemeinen

Man differenziert hinsichtlich der Weiterbildungsfinanzierung zwei verschiedene Modelle:

das Marktmodell, welches Weiterbildung als ein privates Wirtschaftsgut betrachtet, dessen Bepreisung sich Angebot und Nachfrage anpasst, sowie

das Staatsfinanzierungsmodell, das Weiterbildung als ein öffentliches Gut versteht, da der Konsumcharakter des Marktes nicht angewendet werden soll (vgl. Balzer 2001: 16).

Jedoch begegnet man diesen beiden Modellen in ihrer ursprünglichen Form nicht in der Praxis – hier werden meist Mischformen der Weiterbildungsfinanzierung verwendet, an denen sich mehrere Investoren (Bund, Land, Unternehmen...) zu unterschiedlichen Anteilen beteiligen (vgl. Balzer 2001: 16).

Für eine detaillierte Betrachtung der Weiterbildungsfinanzierung, muss zwischen den Bereichen der öffentlichen und privatfinanzierten Weiterbildung unterschieden werden. Die Einteilung einer Finanzierungsform in einen der beiden Bereiche ist nicht immer eindeutig möglich, da sich wie bereits erwähnt, in der Praxis häufig Mischformen der Finanzierungen ergeben. Beispielsweise werden Hochschulen von Ländern grundfinanziert, die jeweiligen Kursgebühren werden von den Teilnehmenden jedoch privat bezahlt (vgl. Dobischat et al 2019: 15).

Im folgenden Abschnitt wird zwischen der privatfinanzierten Weiterbildung im Hinblick auf betriebliche und individuelle Finanzierung sowie der öffentlichen Finanzierung von Bund, Länder, Kommunen sowie der Bundesagentur für Arbeit (BA) und der Europäischen Union (EU) unterschieden (vgl. Dobischat et al 2019: 15).

2.3 Öffentliche Weiterbildungsfinanzierung

Die Höhe und der Umfang der Investitionen von öffentlichen Investoren richten sich nach den bereitgestellten Haushaltsmitteln. Diese haben vorrangig das Ziel, bestimmte gesamtgesellschaftliche Vorhaben zu verfolgen, um bildungspolitische Bedürfnisse zu erfüllen. Somit ist oberstes Ziel des Staates, ein etwaiges Marktversagen zu verhindern und entstandene Ungleichgewichte, welche sich durch die Steuerung des Marktes entwickelt haben, auszugleichen (vgl. Dobischat et al 2019: 13).

Beispielsweise das qualifikationsbedingte Ungleichgewicht, welches in der Einleitung angesprochen wurde. Im Bereich der Bildung liegt die Intention des Staates außerdem darin, einen Ausschluss von Personen zu verhindern – übertragen auf die Weiterbildung bedeutet dies, dass niemand aufgrund fehlender finanzieller Mittel von Angeboten der Weiterbildung ausgeschlossen werden soll.

Zusammenfassend ist der Zweck der öffentlichen Weiterbildungsfinanzierung, den Markt durch passende Rahmenvorgaben optimal auszurichten und ein ausreichendes Maß an Weiterbildung zu ermöglichen, sowie bei etwaigen Ungleichheiten gezielt einzugreifen.

Ferner wird angenommen, dass sich durch Weiterbildung positive externe Effekte realisieren lassen – beispielsweise die Förderung von Kreativität und eine niedrigere Kriminalitätsrate (vgl. Hummelsheim/Timmermann 1998: 350).

Da es über diese gesellschaftlichen Effekte keine belegende, empirische Statistik gibt, teilen sich die Meinungen an dieser Stelle.

Generell kann man die öffentlichen Weiterbildungsförderungen auf verschiedene Art und Weise gliedern, hier werden die öffentlichen Weiterbildungsfinanzierungsmöglichkeiten in die folgenden drei Bereiche unterschieden:

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Analyse und Bewertung der privaten und öffentlichen Weiterbildungsfinanzierung
Hochschule
Hochschule Darmstadt
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V505772
ISBN (eBook)
9783346060877
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, bewertung, weiterbildungsfinanzierung
Arbeit zitieren
Nele Braun (Autor), 2019, Analyse und Bewertung der privaten und öffentlichen Weiterbildungsfinanzierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505772

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Analyse und Bewertung der privaten und öffentlichen Weiterbildungsfinanzierung


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden