Frieden zwischen Muslimen und Christen?

Ein Überblick zur Zeit der Kreuzzüge


Hausarbeit, 2003

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. „ Pagani “ und „Schweine“
2.1. Das Bild der Muslime
2.2. Das Bild der Christen6

3. Friedensschlüsse zwischen Moslems und Heiden
3.1. „Verbot“ von Verträgen mit „Heiden“ durch die Kirche
3.2. Verträge zur Sicherung des notwendigen „ modus vivendi
3.3. Die moralische Haltung zu den geschlossenen Verträgen

4. Schlussbemerkung

5. Bibliographie

1. Einleitung:

„Im Jahre 1167 sah sich der fatimidische Kalif al-Adid [...] mit einer ungewöhnlichen Forderung konfrontiert. Hugo von Cäsarea, ein fränkischer Adliger, der [...] im Auftrag König Amalrichs von Jerusalem nach Ägypten gereist war, verlangte, der Kalif möge ihm zur Bekräftigung des gerade zwischen ihnen abgeschlossenen Rechtsgeschäfts seine bloße Hand reichen.[...]. Zum Entsetzten seiner Höflinge entsprach der Kalif dem Wunsch der Gesandten, denn er brauchte diesen Frieden, [...]. Bereits im folgenden Jahr entschloß sich König Amalrich jedoch, erneut gegen Ägypten zu ziehen.“[1]

Wilhelm von Tyrus beschreibt an dieser Stelle den Vorgang eines Vertragsschlusses zwischen Muslimen und Christen während der Kreuzzüge. Auffällig sind an diesem Beispiel die demütigende Behandlung des Moslems, die dieser auf sich nimmt, um seine Existenz zu wahren und das schändliche Verhalten des Christen, der, scheinbar willkürlich, das Abkommen bricht. Diese Arbeit befasst sich mit der Praxis der Friedensschlüsse zwischen Moslems und Christen im „Heiligen Land“. Es soll näher untersucht werden, ob ein dauerhafter Frieden möglich war oder Beleidigung und Hinterlist die Beziehungen der beiden Vertragspartner trübten. Dazu soll zunächst einmal ein kurzer Ausblick auf die gegenseitige Einschätzung gegeben werden.

2. „ Pagani “ und „Schweine“:

2.1. Das Bild der Muslime:

Zur Zeit des ersten Kreuzzuges waren die meisten westeuropäischen Christen niemals zuvor mit der islamischen Kultur und Religion konfrontiert worden, sieht man einmal vom südwestlichen Europa, also Spanien und Italien ab.[2] Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Christenheit jener Gebiete leicht für ein negatives und aggressives, d.h. für das Christentum gefährliches, Bild der Muslime und des Islams gewonnen werden konnte, so dass die Euphorie, die nach Papst Urbans II. Kreuzzugsaufruf aufkam, als logische Schlussfolgerung erscheint.[3] Geschürt wurde diese Aggression sicherlich durch die eher kriegerischen Erfahrungen, die beispielsweise die Bewohner der italienischen Halbinsel mit sarazenischen Piraten gemacht hatten, von zeitgenössischen Chronisten auch Pagani Saracini genannt.[4] Schwinges glaubt einen „kämpferischen Akzent“[5] bemerkt zu haben, der in dieser Bezeichnung mitschwingt. Weiter spricht Schwinges von einer ausgeprägten, der Realität kaum entsprechenden, Rolle der Polemik, die sich in Ausdrücken, wie z.B. „ inimici Dei, nefandi, odibiles, impii, nequissimi, barbari[6] widerspiegeln. Grundsätzlich gab es in der Kirche zur Zeit der ersten Kreuzzüge zwei wichtige Auffassungen von Heiden, nämlich die gentiles, die die „besseren“ Ungläubigen darstellten, da sie auf ihre Bekehrung warten, um von ihrer Sündhaftigkeit erlöst zu werden und den Begriff der pagani, welcher als Beschimpfung für die „unbelehrbaren“ Heiden steht, die z.B. in Form von Kultbildern dem Heidentum nachgingen und sich dadurch den Zugang zum Christentum verwehrten.[7]

„Ein solcher Paganismus war ein schuldhaftes und herausforderndes Verhalten, das eher den Zorn der Christenheit heraufbeschwor als ihr Mitleid und den Wunsch nach Bestrafung der Gottesfeinde aufleben ließ.“[8]

Durch Vergleiche der Muslime mit dem Antichristen und der Verwendung apokalyptischer Motive wurde der Ruf nach militärischen Aktionen gegen selbige lauter und das Bild der Muslime übertrieben dargestellt.[9] Allerdings gab es natürlich auch Gelehrte, die über einiges Wissen betreffs der islamischen Kultur verfügten, zu nennen wäre hier z.B. Wilhelm von Tyrus, die für eine tolerantere Betrachtungsweise der fremden Religion plädierten[10] und somit sicherlich einen Beitrag zu einer etwas vorurteilsfreieren Anschauung der Westeuropäer beitrugen.

„Im Laufe der Kreuzzugsbewegung sollte sich dieses negative Bild der Muslime jedoch zu einem positiveren differenzieren, ohne daß es freilich ganz aufgegeben wurde.“[11]

Zur allmählichen „Aufklärung“ der Christenheit trug beispielsweise die Übersetzung des Korans ins Lateinische im Jahre 1141 bei, während nur kurz danach Bernhard von Clairvaux verbreitete, dass nicht bekehrungswillige Muslime zu vernichten seien.[12]

„Das >neue Heidenbild<, das sich schon leise bei den Chronisten des ersten Kreuzzuges, [...], in manchen lobenden Äußerungen über die militärische Tüchtigkeit der sarazenischen Ritter bemerkbar gemacht hatte, fand erst um die Wende zum 13. Jahrhundert allmählich die größere Verbreitung.“[13]

Schwinges verweist außerdem auf die bedeutende Rolle kultureller Einflüsse, die aufklärende Wirkung mit sich brachten, wie z.B. der Scholastik im 12. Jahrhundert oder die Berichte von heimkehrenden Christen, die einige Zeit in Kleinasien verbracht hatten.[14] Wesentlich neutraler und toleranter den „Heiden“ gegenüber zeigten sich die Europäer, die in den Vorderen Orient übersiedelten, um dort heimisch zu werden.[15]

Man kommt aber dennoch zusammenfassend zu dem Schluss, dass das westeuropäische Bild der Muslime gegen Ende des 11. Jahrhunderts, wenn auch zu Unrecht, ein eher negatives war. Unwissenheit, Intoleranz, unterstützt durch fanatische Polemik der Kirche erschufen ein, dem Christentum gefährliches, „Heidenbild“. Doch welches Bild hatten die Muslime von den Christen?

[...]


[1] Burgtorf, Jochen:Die Ritterorden als Instanzen der Friedenssicherung?, in: Jerusalem im Hoch- und Spätmittelalter, Konflikte und Konfliktbewältigung – Vorstellungen und Vergegenwärtigungen, hg. v. D. Bauer, K. Herbers, N. Jaspert (Campus Historische Studien Band 29), Frankfurt-New York 2001, S.165.

[2] Schwinges, Rainer Christoph: Kreuzzugsideologie und Toleranz, Studien zu Wilhelm von Tyrus (Monographien zur Geschichte des Mittelalters Band 15, Stuttgart 1977, S.97.

[3] Ebda., S.97.

[4] Ebda., S.99.

[5] Ebda., S.99.

[6] Ebda., S.100.

[7] Ebda., S.91.

[8] Ebda., S.91.

[9] Ebda., S.103.

[10] Ebda., S.104.

[11] Ebda., S.105.

[12] Ebda., S.106.

[13] Ebda., S.107.

[14] Ebda., S.107f..

[15] Ebda., S.12.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Frieden zwischen Muslimen und Christen?
Untertitel
Ein Überblick zur Zeit der Kreuzzüge
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Übung zur Quellenkunde
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V50596
ISBN (eBook)
9783638467902
ISBN (Buch)
9783638791625
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Behandelt die Frage, ob ein dauerhafter Friede zwischen beiden Religionen während der Kreuzzüge möglich war.
Schlagworte
Frieden, Muslimen, Christen, Quellenkunde
Arbeit zitieren
Philipp Gaier (Autor), 2003, Frieden zwischen Muslimen und Christen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50596

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