„Rosmersholm ist das höchste Kunstwerk der Gattung, welches diese alltägliche
Phantasie [die ödipale Phantasie; C.E.] der Mädchen behandelt.“ (Sigmund Freud)
Sigmund Freud behandelt Ibsens Drama Rosmersholm in seinem Werk "Charaktertypen der
Psychoanalyse" vom psychoanalytischen Standpunkt aus. Er sieht in diesem Werk
die Darstellung eines Menschen unter der Herschafft des Ödipuskomplexes. Diese Interpretation erläutere und hinterfrage ich in dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zusammenfassung des Dramas Rosmersholm von Henrik Ibsen
3. Diskussion der psychonanalytischen Interpretation von Rosmersholm nach Siegmund Freud
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das Drama "Rosmersholm" von Henrik Ibsen unter Berücksichtigung der psychoanalytischen Interpretation von Siegmund Freud zu untersuchen und dabei kritisch zu hinterfragen, inwieweit literarische Figuren einer psychoanalytischen Deutung zugänglich sind.
- Inhaltsangabe und Handlungsanalyse des Dramas Rosmersholm
- Anwendung der Freudschen Theorie des Ödipuskomplexes auf die Figur Rebekka West
- Kritische Diskussion der psychoanalytischen Interpretation nach Siegmund Freud
- Untersuchung der Relevanz unbewusster Motive und verdrängter Konflikte
- Methodische Reflexion über die Grenzen psychologischer Literaturinterpretation
Auszug aus dem Buch
3. Diskussion der psychoanalytischen Interpretation von Rosmersholm nach Siegmund Freud
Siegmund Freud behandelt Rosmersholm in seinem Werk Charaktertypen der Psychoanalyse vom psychoanalytischen Standpunkt aus. Er sieht in diesem Werk die Darstellung eines Menschen unter der Herschafft des Ödipuskomplexes.
Nach Siegmund Freud kann bei einem Mädchen der Vater, bei einem Jungen die Mutter das erste libidinöse Objekt, die erste sexuelle Bezugsperson sein. Etwaige Annäherungsversuche des Kindes werden jedoch in der Regel von dem jeweiligen Elternteil zurückgewiesen. Hierauf entwickeln einige Kinder die Phantasie, den gleichgeschlechtlichen Elternteil zu töten oder zumindest zu beseitigen, um mit dem andersgeschlechtlichen Elternteil eine sexuelle Beziehung haben zu können. Als „normale“ Entwicklung sieht die Psychoanalyse eine Loslösung des betreffenden Kindes von derartigen Phantasien spätestens in der Pubertät vor. Erfolgt diese Loslösung nicht, spricht man von einem Ödipuskomplex.
Einen wichtigen Bereich im Zusammenhang mit dem Ödipuskomplex stellen also kindliche Erfahrungen des Betroffenen dar. Auf ebensolche Kindheitserfahrungen Rebekka Wests bezieht sich Siegmund Freud zur Untermauerung seines Interpretationsschemas. Er erweitert die Entdeckung Krolls aus dem dritten Akt, dass Rebekka höchstwahrscheinlich nicht die Adoptivtochter, sondern die leibliche Tochter Dr. Wests ist, durch die Annahme, dass sie eine sexuelle Beziehung zu ihrem Vater gehabt habe, „obwohl alles, was dahin weist, im Stücke sozusagen unterirdisch bleibt und aus Andeutungen erschlossen werden muß. Aus Andeutungen freilich, die mit solcher Kunst eingefügt sind, daß ein Mißverständnis derselben unmöglich wird.“
Die Annahme einer sexuellen Beziehung Rebekkas zu ihrem Vater, welche ja eine tatsächlich verwirklichte ödipale Phantasie darstellen würde, bildet nun die Ausgangsbasis für die weiteren Erläuterungen Freuds, denn er spricht dieser ödipalen Erfahrung Rebekkas eine solche Macht zu, die diese dazu getrieben habe, „durch tatkräftiges Handeln dieselbe Situation [auf Rosmersholm; C.E.] herbeizuführen, die sich das erste Mal ohne ihr Dazutun verwirklicht hatte, die Frau und Mutter zu beseitigen, um beim Manne und Vater ihre Stelle einzunehmen“, wobei es im Drama selbst allerdings keinerlei stichhaltige Hinweise darauf gibt, dass Rebekka Schuld am Tod ihrer Mutter gehabt hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor stellt die Zielsetzung dar, das Drama "Rosmersholm" psychoanalytisch zu beleuchten und Freuds Interpretation kritisch zu diskutieren.
2. Zusammenfassung des Dramas Rosmersholm von Henrik Ibsen: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die Handlung, die Charaktere und den historischen Kontext des Werkes.
3. Diskussion der psychonanalytischen Interpretation von Rosmersholm nach Siegmund Freud: Hier wird Freuds Anwendung der Ödipus-Theorie auf die Hauptfigur Rebekka West detailliert analysiert und hinsichtlich ihrer Textgrundlage geprüft.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer methodischen Kritik an der psychologischen Literaturanalyse, die literarische Fiktion mit klinischen Theorien vermischt.
Schlüsselwörter
Henrik Ibsen, Rosmersholm, Psychoanalyse, Siegmund Freud, Ödipuskomplex, Rebekka West, Johannes Rosmer, literarische Interpretation, Charaktertypen der Psychoanalyse, unbewusste Motive, Verdrängung, Naturalismus, Literaturwissenschaft, Hermeneutik, Schuldgefühl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Drama "Rosmersholm" von Henrik Ibsen unter dem speziellen Fokus der psychoanalytischen Interpretation durch Siegmund Freud.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die literaturwissenschaftliche Analyse des Dramas, die Anwendung psychoanalytischer Theorie auf fiktionale Charaktere und die Frage nach der Beweisbarkeit solcher Hypothesen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Freudsche Deutung der Figur Rebekka West kritisch zu hinterfragen und die Grenzen psychoanalytischer Literaturanalyse aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse sowie eine kritische Reflexion der Psychoanalyse nach Freud.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der inhaltlichen Zusammenfassung des Stücks sowie einer detaillierten Auseinandersetzung mit Freuds These zum Ödipuskomplex der Hauptfigur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ibsen, Psychoanalyse, Ödipuskomplex, Literaturinterpretation, Rebekka West und Schuldgefühl.
Inwieweit lässt sich Rebekkas Verhalten psychoanalytisch erklären?
Freud argumentiert, dass Rebekkas Handlungen und ihre Verweigerung einer Ehe mit Rosmer auf ein unbewusstes Schuldbewusstsein bezüglich eines inzestuösen Verhältnisses zu ihrem Vater zurückzuführen sind.
Welche methodischen Bedenken äußert der Autor gegenüber Freuds Interpretation?
Der Autor bemängelt, dass Freud fiktive Figuren wie reale Patienten behandelt und Hypothesen aufstellt, die im Text nicht zweifelsfrei bewiesen werden können, was die Gefahr einer rein spekulativen Hermeneutik birgt.
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- Christoph Eyring (Author), 2004, Henrik Ibsens "Rosmersholm" und seine psychoanalytische Interpretation nach Sigmund Freud, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50667