Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, das internationale Handelsregime aus Perspektive der Regimetheorie zu beschreiben, sowie die Grundprinzipien und Dynamiken des GATT 1947 zu erklären. Die Arbeit ist auf die Zeitspanne zwischen der Unterzeichnung des GATT 1947 und der Gründung der WTO 1994 begrenzt. Die Leitfrage dieser Arbeit lautet: Welche Grundprinzipien kennzeichnen das GATT 1947 und welche Dynamiken begünstigten die Evolution des Handelsregimes?
Als Methode dieser Seminararbeit dient die Literaturrecherche und die selbstständige Anwendung der Regimetheorie auf das Handelsregime. Vor allem in der Zeit der Verhandlungen für die Gründung der WTO, gibt es viele Publikationen, die die Entwicklung des Handelsregimes beleuchten. Da die Arbeit sich primär auf das GATT 1947 fokussiert, wurden mehrere ältere Publikationen als Quelle herangezogen. Bezüglich der theoretischen Basis wird das Werk "Power and Interdependence" von Keohane und Nye herangezogen, um die Rolle der Interdependenzen im Welthandel darzustellen. Zu einem umfangreicheren Verständnis der Regimetheorie tragen mehrere Sammelbände über Theorien der Internationalen Beziehungen bei. Keohane und Nye bezeichnen Interdependenzen in der Weltpolitik als Situationen charakterisiert "durch reziproke Effekte unter Staaten oder Akteuren verschiedener Staaten", welche meist durch Transaktionskosten entstehen. (Keohane/Nye 1989, 8)
Zu Beginn der vorliegenden Arbeit wird die Regimetheorie beschrieben. Dabei wird vor allem auf die Struktur eines Regimes, die Funktionen eines Regimes und auf dessen Weiterentwicklung eingegangen. Im nächsten Abschnitt wird das Handelsregime aus Sicht der Regimetheorie untersucht. Ein besonderer Fokus liegt auf der Beschreibung des Aufbaus des Handelsregime und der Rolle der Entwicklungsländer bei dessen Weiterentwicklung. Abschließend folgt eine Zusammenfassung über die Dynamiken innerhalb des GATT.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Regimetheorie
Theoretische Entwicklung
Definition und Aufbau eines Regimes
Funktionen eines Regimes
Entstehung des Handelsregimes: GATT 1947
Struktur des Handelsregimes
Gleichbehandlungsprinzip
Prinzip der Liberalisierung
Sonstige Prinzipien
Verfahren und Entscheidungsfindung
Die Rolle der Entwicklungsländer in der Weiterentwicklung des Handelsregimes
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das internationale Handelsregime aus der Perspektive der Regimetheorie zu analysieren und die Grundprinzipien sowie die Dynamiken des GATT 1947 im Zeitraum bis zur Gründung der WTO zu erklären. Dabei steht die Frage im Zentrum, welche Prinzipien das GATT 1947 prägten und welche Faktoren die evolutionäre Entwicklung des Regimes maßgeblich beeinflussten.
- Grundlagen der Regimetheorie und deren Anwendung auf Handelsregime
- Strukturanalyse des GATT 1947 (Prinzipien, Normen und Verfahren)
- Bedeutung von Interdependenzen und Kooperationsanreizen für Staaten
- Einfluss der Entwicklungsländer auf die Weiterentwicklung des Handelssystems
- Die Rolle von Machtverhältnissen und Interessenlagen in der Evolution des Handelsregimes
Auszug aus dem Buch
Struktur des Handelsregimes
Im Folgenden wird das Handelsregime des GATT beschrieben. Die Analyse wird anhand der Prinzipien strukturiert, da es sich dabei um die dem Handelsregime zugrundeliegende Struktur handelt. Dabei werden Regeln, Normen und Verfahren behandelt.
Das GATT kennzeichnet sich durch eine geringe Anzahl an Regeln und Prinzipien, deren Wichtigkeit je nach äußeren Umständen, Auslegung und Machtverhältnisse der teilnehmenden Staaten variierte. Im folgenden Teil werden zuerst die zwei wichtigsten Grundprinzipien erläutert, bevor auf die weiteren Prinzipen eingegangen wird.
Gleichbehandlungsprinzip
Das erste Grundprinzip, das Gleichbehandlungsprinzip, setzt sich aus zwei Säulen zusammen. Erstens dem Meistbegünstigungsprinzip (MFN-Prinzip, Artikel I des GATT), welches alle an der Verhandlung teilnehmenden Staaten zu einer gleichen Behandlung aller Freihandelspartner verpflichtet. Demnach kann eine handelspolitische Vergünstigung nicht nur einem Staat gewährt werden, wenn es noch weitere Partner gibt. (Klein 2018) Die Regel gilt auch für Zölle, die nicht verhandelt, sondern festgesetzt wurden. Für die Gründung und die Zeit danach war das Prinzip theoretisch äußerst wichtig, eine vollständige Implementierung durch das GATT blieb mangels fehlender Sanktionierungsressourcen aus. Besonders die Industriestaaten umgingen in großer Zahl die Regel durch die Schaffung von Freihandelsabkommen und die Verwendung von Ausnahmeregelungen. (vgl. Finlayson/Zacher 1981, 566ff.)
Zweitens dem Prinzip der Inländerbehandlung („National Treatment“, Artikel III des GATT), welches besagt, dass importierte Produkte von GATT-Staaten nach Grenzübertritt die gleiche Behandlung erhalten müssen wie nationale Produkte eines Staates. (vgl. WTO Publications 2011, 3)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Sektion definiert die Fragestellung und den theoretischen Rahmen, indem sie die Relevanz der Regimetheorie für die Analyse des GATT 1947 und der WTO-Evolution hervorhebt.
Regimetheorie: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Neoinstitutionalismus erläutert, insbesondere wie Regime durch Kooperation Transaktionskosten senken und als Katalysatoren für stabiles zwischenstaatliches Handeln wirken.
Entstehung des Handelsregimes: GATT 1947: Das Kapitel beleuchtet die Genese des GATT als provisorische Lösung, die durch die Nicht-Ratifizierung der ITO und die Nutzung der „Grandfather Clause“ den Handel für 47 Jahre regeln sollte.
Struktur des Handelsregimes: Diese Sektion analysiert detailliert die zentralen Säulen wie das Gleichbehandlungs- und Liberalisierungsprinzip sowie die spezifischen Verfahren und Ausnahmeregelungen, die das GATT-Regime prägten.
Die Rolle der Entwicklungsländer in der Weiterentwicklung des Handelsregimes: Das Kapitel untersucht den Wandel der Interessen von Entwicklungsländern, die sich von einer protektionistischen Haltung hin zur aktiven Gestaltung des Systems (z.B. in der Uruguay-Runde) entwickelten.
Zusammenfassung: Dieser Teil fasst die zentralen Dynamiken zusammen, insbesondere die Flexibilität des GATT und den Einfluss der Machtverhältnisse auf die Weiterentwicklung zum WTO-System.
Schlüsselwörter
GATT 1947, Regimetheorie, Welthandel, Liberalisierung, Meistbegünstigungsprinzip, Inländerbehandlung, WTO, Institutionelle Kooperation, Interdependenz, Entwicklungsländer, Transaktionskosten, Uruguay-Runde, Handelspolitik, Multilateralismus, Schutzmaßnahmen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und Entwicklung des internationalen Handelsregimes, beginnend mit der Unterzeichnung des GATT 1947 bis zur Etablierung der Welthandelsorganisation (WTO).
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die theoretische Einordnung des GATT durch die Regimetheorie, die Analyse seiner strukturellen Prinzipien wie Gleichbehandlung und Liberalisierung sowie die Rolle von Machtstrukturen und Entwicklungsländern bei der Evolution des Regimes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, das GATT 1947 aus politikwissenschaftlicher Perspektive zu beschreiben. Die Leitfrage lautet: Welche Grundprinzipien kennzeichnen das GATT 1947 und welche Dynamiken begünstigten die Evolution des Handelsregimes?
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Als Methode dient die systematische Literaturrecherche kombiniert mit der selbstständigen Anwendung der Regimetheorie auf das historische Handelsregime des GATT.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen (Regimetheorie), die historische Entstehung des GATT, eine detaillierte Analyse der Strukturprinzipien (wie MFN und Inländerbehandlung) und die spezifische Untersuchung der Rolle der Entwicklungsländer im Systemwandel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie GATT 1947, Regimetheorie, Multilateralismus, Handelsliberalisierung und die Rolle der Entwicklungsländer in globalen Verhandlungen charakterisiert.
Warum war die „Grandfather Clause“ für das GATT von entscheidender Bedeutung?
Die „Grandfather Clause“ erlaubte den Staaten die weitere Anwendung bestehender Gesetze, die nicht mit dem neuen Abkommen konform waren, was die Ratifizierung erheblich vereinfachte und die Hürden für einen schnellen Beitritt senkte.
Wie veränderte sich die Rolle der Entwicklungsländer im Zeitverlauf?
Entwicklungsländer wandelten sich von einer anfangs protektionistischen Haltung, in der sie das GATT als Instrument der Industriemächte kritisierten, zu einer aktiven Rolle, in der sie durch Gruppierungen wie die G77 bei der Uruguay-Runde entscheidend auf die Weiterentwicklung des Regimes einwirkten.
- Arbeit zitieren
- Luana Luisa Heuberger (Autor:in), 2018, Welche Dynamiken begünstigten die Evolution des Handelsregimes? Das GATT 1947 und seine Grundprinzipien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/506717