Rezeption und Bewertung von Actionserien am Beispiel von "Alarm für Cobra 11" und "24"

Eine medienpsychologische Analyse


Bachelorarbeit, 2017

90 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer und empirischer Hintergrund
2.1 Rezeption und Bewertung
2.1.1 Rezipient
2.1.2 Entwicklung der Mediennutzung von Rezipienten
2.2 Mediennutzungstheorien
2.2.1 Uses-and-Gratifications-Ansatz
2.2.2 Mood-Management-Theorie
2.3 Charakteristika einer Fernsehserie
2.3.1 Merkmale einerFemsehserie
2.3.1.2 Merkmale einer Actionserie
2.3.2 Beschreibung der Handlung und Hauptfiguren der untersuchten Serien
2.3.2.1 24
2.3.2.2 Alarm fürCobra 11 - Die Autobahnpolizei
2.4 Beschreibung darstellerischer Mittel und deren Einfluss auf die Rezeption am Beispiel von 24 und Cobra 11
2.4.1 Dramaturgie
2.4.2 Spannung
2.5 Beschreibung der Hauptfiguren aus 24 und Cobra 11
2.5.1 Jack Bauer
2.5.2 Semir Gerkan
2.6 Beziehungen zu Medienfiguren
2.6.1 Identifikation
2.6.2 Medienempathie
2.6.3 Sozialer Vergleich
2.6.4 Parasoziale Interaktion und Beziehung
2.7 Charakteristika der Actionserien Cobra 11 und 24
2.8 Fragestellung und Hypothesen

3 Methode
3.1 Stichprobe
3.2 Versuchsmaterial
3.3 Versuchsablauf

4 Ergebnisse
4.1 Vorbereitende Datenanalyse
4.2 Beschreibung der erfassten Variablen
4.3 Befunde zu den Hypothesen und weiterführende Analysen

5 Diskussion

6 Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang A

Anhang B

Abstract

The aim of this thesis was to identify attractiveness factors of action series with special consideration of the importance of the main characters. On the basis of the action series Alarm for Cobra 11 and 24, the intensity of the para-social interaction (PSI) of the recipients to the main characters, the evaluation of a change in the character of these figures and the relation­ship of their meaning to the presentation "good against evil" were investigated. In addition, the experience of tension was illuminated in episodes and continuation series. For this pur­pose, data from a random sample (N = 55; 52.7 % female) were collected via online ques­tionnaires. For Alarm for Cobra 11, a more intense PSI was found among the subjects who were receiving because of the main character. At 24, no more intense PSI could be detected in subjects receiving because of the main character. Intense PSI does not lead to greater dislike of an essential change of the main character than less intense PSI. Overall, a constant personality of the main figure is regarded as an attractiveness factor. Furthermore, it was found that the recipients looked at the investigated series of actions more because of the strained representation of the fight "good against evil" than because of the main figure. For this, it has been found that the experience of suspense of the subjects in continuation series is more pronounced than in episodes series. The findings give production companies an indi­cation of a design, which is perceived as attractive by the viewers.

Kurzfassung

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, Attraktivitätsfaktoren von Actionserien unter besonderer Berücksichtigung der Bedeutung der Hauptfiguren zu identifizieren. Anhand der Actionserien Alarm für Cobra 11 und 24 wurden medienpsychologisch die Intensität der parasozialen Interaktion (PSI) der Rezipienten zu den Hauptfiguren, die Bewertung einer Wesensverän­derung dieser Figuren und das Verhältnis ihrer Bedeutung zur Darstellung „Gut gegen Böse“ untersucht. Daneben wurde das Spannungserleben in Episoden- bzw. Fortsetzungsserien beleuchtet. Dazu wurden per Online-Fragebogen Angaben einer zufälligen Stichprobe (N = 55; 52,7 % weiblich) erhoben. Für Alarm für Cobra 11 fand sich eine intensivere PSI bei den Probanden, die wegen der Hauptfigur rezipierten. Bei 24 konnte keine intensivere PSI bei den wegen der Hauptfigur rezipierenden Probanden festgestellt werden. Intensive PSI führt nicht zur größeren Abneigung einer Wesensveränderung der Hauptfigur, als weniger intensive PSI. Insgesamt wird eine konstante Persönlichkeit der Hauptfigur als Attraktivitätsfaktor angesehen. Weiter wurde herausgefunden, dass die Rezipienten die untersuchten Actionserien mehr wegen der spannungsreichen Darstellung des Kampfes „Gut gegen Böse“ ansehen, als wegen der Hauptfigur. Dazu hat sich gezeigt, dass das Spannungserleben der Probanden in Fortsetzungsserien höher ausgeprägt ist, als in Episodenserien. Die Befunde geben Produktionsfirmen Hinweise auf Gestaltungen, die von den Zuschauern als attraktiv empfunden werden.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Parasoziale Interaktions-Teilprozesse (PSI) und ihre Subdimensionen sowie Beispielitems

Tabelle 2 Maximal-Indizes der PSI-Teilprozesse, ihre Subdimensionen und interne Konsistenz sowie deskriptive Angaben zu PSI-Subdimensionen getrennt nach Hauptfiguren

Tabelle 3 Deskriptive Angaben und interne Konsistenz der unterschiedlichen Hauptfiguren und Darstellung „Gut gegen Böse“ (As = 55)

Tabelle 4 Deskriptive Angaben und interne Konsistenz der Selbsteinschätzungen (As = 55)

Tabelle 5 Deskriptive Angaben und interne Konsistenz des Spannungserlebens in Actionserien mit Episoden- und Fortsetzungshandlung (A= 55)

Tabelle 6 Korrelationen der PSI-Intensitäten der untersuchten Hauptfiguren mit der jeweiligen Hauptfigur und Darstellung „Gut gegen Böse“

Tabelle 7 Häufigkeiten der Zustimmung (1 = trifft überhaupt nichtzu bis 5 = trifft voll und ganz zu) der Probandenje untersuchte Variable (alle As = 55)

Tabelle 8 Korrelationen derjeweiligen parasozialen Interaktions-Teilprozesse (PSI) und der Wesensveränderung

Tabelle 9 Deskriptive Angaben derDrittvariablen, die das subjektive Spannungserleben in Fortsetzungsserien erhöhen und die Anzahl der Häufigkeiten der gewählten Antwortoptionen in Prozent (%) (A= 55)

Tabelle 10 Korrelationen zwischen den untersuchten Drittvariablen und dem Spannungserleben in Fortsetzungsserien (A= 55)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Wahrnehmung und Aneignung von Femsehinhalten durch den Zuschauer auseinander. Sieht man mit mehreren Personen gemeinsam Filme bzw. Fernsehserien an, stellt man fest, dass sie auf die erzählte Geschichte, die handelnden Personen und die Darstellungsweisen ganz unterschiedlich reagieren. Die einen wählen Film und Fernsehen eher wegen der Inhalte und der Geschichte, die anderen eher wegen der handelnden Medienfiguren oder der Darstellungsweisen. In Actionfilmen/-serien kommt als Attraktivitätsfaktor das Erleben von Spannung durch spektakuläre Aktionen hinzu. Und insbesondere bei Fernsehserien, in denen der Zuschauer immer wieder mit den gleichen Figuren konfrontiert wird, können Beziehungen unterschiedlicher Art und Intensität zu diesen Figuren entstehen. Es wird erkennbar, dass das Dargebotene von unterschiedlichen Zuschauern unterschiedlich aufgenommen und bewertet wird.

Diesen Vorgang der Aneignung von Medieninhalten bezeichnet die Wissenschaft als Rezeption.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, zu untersuchen, welche Gestaltungsmomente speziell in Actionserien Attraktivitätsfaktoren für den Zuschauer darstellen und insbesondere welche Beziehungen er zu den Hauptfiguren entwickelt.

Die Kenntnis dieser Zusammenhänge ist insbesondere für Produktionsfirmen von großer Bedeutung. Die Identifizierung der Attraktivitätsfaktoren ermöglicht ihnen eine ziel- und zuschauerorientierte Gestaltung der Fernsehinhalte und somit einen effizienteren Einsatz ihrer finanziellen Mittel. Daneben haben Film- und Fernsehsendungen auch soziale Bedeutung, denn ,,[s]ie prägen Lebensverhältnisse in der gegenwärtigen Gesellschaft“ (Mikos, 2015, S. 26) und können soziale Orientierung geben.

Es stellt sich also die Frage, auf welche Art und Weise die Attraktivitätsfaktoren von Film- und Fernsehsendungen identifiziert werden können.

Die Reaktionen, die beim Zuschauer durch einen Fernsehinhalt hervorgerufen werden, hängen zum einen von dessen Persönlichkeit, zum anderen aber auch von den Inhalten (Maletzke, 1963) und der Gestaltung der Darstellung ab.

Mikos (2015) betrachtet Fernsehen daher als ein Kommunikationsmedium, dessen Inhalte durch die Wahrnehmung und Bewertung durch den Zuschauer zu einer subjektiven

Konstruktion werden. Danach entstehen „Filme und Fernsehserien ... in diesem Sinn erst im Kopf ihrer Zuschauer“ (ebda., 2015, S. 12). Dabei setzen Film und Fernsehen gezielt bestimmte Mittel ein, um mit dem Zuschauer zu kommunizieren. Um die Rezeptionsweise des Zuschauers zu erfassen, ist es also erforderlich, diese Mittel zu identifizieren und ihre Wirkungen auf den Zuschauer zu betrachten. Diesem Zweck dient eine Film- und Fernseh­analyse unter dem Gesichtspunkt der Wirkungen auf den Zuschauer.

Die Analyse der Attraktivitätsfaktoren erfolgt anhand der Actionserien 24 (Fox, 2001-2010, Miniserie 2014) und Alarm fürCobra 11 - Die Autobahnpolizei (RTL, seit 1996).

Dabei werden insbesondere die Dramaturgie, die Spannungserzeugung und speziell die Gestaltung der Hauptfiguren untersucht. Hierzu werden die Hauptfiguren der genannten Fernsehserien Jack Bauer (gespielt von Kiefer Sutherland) aus 24 und Semir Gerkan (gespielt von Erdogan Atalay) aus Alarm für Cobra 11- Die Autobahnpolizei (Cobra 11) näher beleuchtet. Betreffend 24 werden ausschließlich die Staffeln (1-9), in denen Jack Bauer die Hauptfigur darstellt, behandelt. Aussagen zu den Inhalten der beiden Fernsehserien und zur Beschreibung der genannten Hauptfiguren sind teilweise Populärliteratur entnommen, da hier­zu wenig wissenschaftliche Literatur vorhanden ist.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Text das generische Maskulinum verwendet. Gemeint sind immer beide Geschlechter.

2 Theoretischer und empirischer Hintergrund

Die vorliegende Arbeit untersucht, in welcher Weise die Zuschauer die ihnen angebotenen Film- und Fernsehinhalte und dort speziell Actionserien aufnehmen und bewerten.

Dies umfasst zum einen die Gründe für die Auswahlentscheidung, die Wahmehmungs- und Verarbeitungsprozesse während der Rezeption und zum anderen auch die anschließende Bewertung durch den Zuschauer.

2.1 Rezeption und Bewertung

Um die grundlegenden Mechanismen der Medienrezeption verstehen zu können, wird zunächst eine Begriffsbestimmung vorgenommen. Anschließend werden Veränderungen im Rezeptionsverhalten infolge der technischen Abrufmöglichkeiten von Inhalten dargestellt, um deren Auswirkungen auf die Rezeption von Femsehserien beleuchten zu können.

Der Begriff Rezeption entstammt dem lateinischen Verb recipere, was aufnehmen, wahrnehmen oder auch empfangen bedeutet (Schanze, 2002).

Von Medienrezeption wird gesprochen, wenn sich eine Person mit einer medial publizierten Aussage auseinandersetzt (Bilandzic, Koschei, Springer & Pürer, 2016). Das kann Zuhören am Radio, Fernsehen, das Lesen einer Zeitung oder auch die Nutzung des Internets sein. In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff für die Rezeption und den Rezipienten von Fernsehinhalten und dort speziell von Actionserien verwendet. Nach der Bestimmung des Rezeptionsbegriffs wird im Folgenden die Figur des Rezipienten erläutert.

2.1.1 Rezipient

Die medienpsychologische Forschung geht davon aus, dass sich das Rezeptionsverhalten der Zuschauer in Qualität und Intensität unterscheidet. Die heutige Medienwirkungsforschung legt das Modell des aktiven Rezipienten zugrunde, der selbst auf den Prozess der Medien­wirkung einwirkt.

Danach sucht sich der einzelne Rezipient aus dem Angebot von Medienformaten, hier Actionserien, seine Inhalte aus und verarbeitet sie individuell, um sie auf bestimmte Weise zu erleben (Bilandzic, Schramm & Matthes, 2015). Die Auswahl des Rezipienten, sein persönliches Erleben des Inhalts und wie dieser auf ihn wirkt, hängen von seiner Persönlichkeit, seinen sozialen Beziehungen und seinen individuellen wahrnehmungs- und verhaltenspsychologischen Eigenschaften ab (Maletzke, 1963). Von Bedeutung ist, welche Vorstellung sich der einzelne Rezipient von den Medieninhalten und -figuren macht (ebda., 1963).

Nach welchen Mechanismen die Selektion und die Verarbeitung erfolgen, wird in den Abschnitten 2.2.1 und 2.2.2 ausführlicher dargestellt.

Da die Rezipienten unterschiedliche Qualitätsanforderungen und -Wahrnehmungen besitzen, wird nach Wölling (2004) die Qualität eines Medienangebots auch sehr unterschiedlich beurteilt.

Weitere wesentliche Unterschiede im Rezeptionsverhalten ergeben sich aus unterschiedlichen Nutzungsverhalten je nach technischer Angebotsform. Um deren Auswirkungen auf die Rezeption verstehen zu können, werden im Folgenden die Veränderungen des Nutzungs­verhaltens beschrieben.

2.1.2 Entwicklung der Mediennutzung von Rezipienten

Durch Video-on-Demand-Angebote wie zum Beispiel Netflix oder Amazon Prime werden Fernsehserien oft „aktiv und programm- bzw. kontextunabhängig selektiert, zeit-, ort- und gerätesouverän genutzt und häufig kompakt rezipiert“ (Czichon & Schlütz, 2016, S. 20).

Die voranschreitende Digitalisierung führt nach Groebel (2014) im linearen Fernsehen zu einer Abnahme besonders der jüngeren und gebildeteren Rezipienten. Infolge der Ungebun­denheit an feste Sendezeiten lässt sich durch Video-on-Demand die Nutzungssituation optimieren, indem eine Zeit ausgewählt wird, in der Unterbrechungen aus der Umgebung geringer sind und damit eine aufmerksamere Rezeption erfolgen kann (Czichon & Schlütz, 2016). Infolge der Möglichkeit, Episoden und Szenen beliebig oft wiederholt zu rezipieren und durch das Wegfallen der Werbung (ebda., 2016), ist eine (stärkere) Immersion, das heißt „Eintauchen“ (Batinic & Appel, 2008, S. 523) in eine medial geschaffene Umgebung möglich. Das daraus resultierende präsente Handlungswissen lässt eine besonders starke emotionale und kognitive Beschäftigung mit Medienfiguren (hier Hauptfiguren) zu (Czichon & Schlütz, 2016).

Wurde zuvor die Art und Weise der Mediennutzung beschrieben, wird im Folgenden den Gründen für die Auswahl eines bestimmten Medieninhalts nachgegangen.

2.2 Mediennutzungstheorien

Um die Motive des Rezipienten für die Auswahl eines bestimmten Medieninhalts verstehen zu können, werden im Folgenden die wesentlichen Ansätze der grundlegenden Medien­nutzungstheorien dargestellt. Von deren Grundannahmen ausgehend existiert eine Vielzahl an modifizierten Theorien, deren Darstellung den Umfang der Arbeit übersteigen würde. Daher werden im folgenden Abschnitt lediglich die für die Hypothesen bedeutsamen Theorien beschrieben.

2.2.1 Uses-and-Gratifications-Ansatz

Das Modell des Uses-and-Gratification-Ansatz (UGA), von Katz, Blumler und Gurevitch (1973) entwickelt, sieht die Rezipienten als zielgerichtet agierende Handelnde (vgl. Bilandzic et al. 2015; vgl. Unz 2016). Wurde früher der Frage nachgegangen „Was machen die Medien mit den Menschen?“, ist die Fragestellung heute: ,,[W]as machen die Menschen mit den Medien?“ (Rosengren, Wenner, & Palmgreen 1985; Katz, & Foulkes 1962). Nach dem UGA wählen Rezipienten das Angebot aus, das ihre speziellen Erwartungen maximal befriedigt und ihnen die besten Gratifikationen zuteilwerden lässt (König 2012; Wölling 2004). Unter Gratifikation wird dabei die Bedürfnis- und Motivbefriedigung des Rezipienten verstanden (Batinic & Appel, 2008). Wölling (2004) geht davon aus, dass Medienangebote von Menschen gezielt genutzt werden, um kommunikatorische, Entspannungs- oder auch Unterhaltungsmotive zu befriedigen und das sie demgemäß rationale Auswahlentscheidungen treffen. Ein weiteres Nutzungsmotiv ist die Flucht aus der Alltagswelt, von Katz und Foulkes (1962) als Eskapismus bezeichnet.

Es wird davon ausgegangen, dass der Rezipient sich seiner Nutzungsentscheidung bewusst ist und er Auskunft über seine Nutzungsmotive geben kann (Aelker, 2016). Dabei stellt das

Wissen, nur scheinbar an einer anderen Welt teilzunehmen einen besonderen Reiz dar: Der Rezipient ist sich nach Vorderer (1996) bei der Rezeption von aufregenden und gefährlichen fiktiven Medieninhalten (wie bei Actionserien) stets seiner Sicherheit und fehlenden Mitverantwortung bewusst.

Die Initiative zur Mediennutzung liegt nach dem Gesagten nicht auf Seiten des Medien- angebots, sondern auf Seiten des Rezipienten (Bilandzic et al., 2015). Dieser Ansatz wird in der neueren Literatur unter verschiedenen Gesichtspunkten kritisiert; als Hauptkritikpunkt wird die Unterschätzung der Medienseite genannt, da der Rezipient ja lediglich unter den Inhalten auswählen könne, die ihm die Medienseite anbietet (Aelker, 2016).

Um die Intensität der Rezeption beschreiben zu können, wird im Rahmen des UGA teilweise das Meta-Konstrukt des Involvement verwendet. Nach einer häufig verwendeten Definition bezeichnet Involvement die Vielzahl an Verbindungen, die der Rezipient zwischen dem Medieninhalt und seinem eigenen Leben herstellt (Suckfüll, 2004).

Im Zusammenhang mit dem UGA wird Involvement sowohl als Merkmal des Rezipienten, als auch als Nutzungsmodus betrachtet (ebda., 2004).

Der UGA wurde von Palmgreen (1984 [1983]) um dem Erwartungs-Bewertungs-Ansatz (EBA) erweitert. Dabei geht es darum festzustellen, inwieweit die Erwartungen des Rezipienten an eine gesuchte Gratifikation durch die getroffene Medienauswahl erfüllt wurden, d.h. wie er den gewählten Inhalt in Bezug auf seine erwartete Bedürfnisbefriedigung bewertet. Palmgreen (1984 [1983]) unterscheidet zwischen den gesuchten Gratifikationen (gratifications sought, GS) und denen, die infolge des Erlebens tatsächlich erhalten wurden (gratifications obtained, GO). Die Anwendung des EBA soll dazu dienen, herauszufinden, welche Eigenschaften ausgewählter Inhalte die erwarteten Gratifikationen leisten und inwie­weit sie zu Zufriedenheit oder Unzufriedenheit des Rezipienten führen. Diese Kenntnis ist für eine wiederholte Entscheidung für den gleichen Medieninhalt und damit auch für die Ausrichtung der Medienanbieter von großer Bedeutung.

Bei Actionfilmen (und -Serien) steht die Befriedigung von Unterhaltungsbedürfnissen im Vordergrund (Mikos, 1995).

2.2.2 Mood-Management-Theorie

Einen weiteren wesentlichen Ansatz der Rezeptionsforschung stellt die in ihren Ursprüngen von Zillmann (Zillmann, & Bryant, 1985) entwickelte Mood-Management-Theorie (MMT) dar (Bonfadelli & Friemel, 2015).

Zillmanns Forschungen basieren u.a. auf der Drei-Faktoren-Emotionstheorie (3FE), die die Komponenten Disposition, Erregung und Erleben umfasst (1978; 1991a; 2004 [o.J.]). Er legt seiner Theorie das Bild des hedonistischen Rezipienten zugrunde, dessen Ziel es ist, durch die Mediennutzung möglichst positive Emotionen und Stimmungen herzustellen oder aufrechtzu­erhalten (Trepte & Reinecke, 2013). Dass sich die Stimmung des Rezipienten an die durch Medieninhalte vermittelte Stimmung angleicht, ist zwischenzeitlich durch zahlreiche empirische Studien belegt (König, 2012). Dabei gehen Zillmann und Bryant (1985) davon aus, dass sich die Nutzer ihrer Stimmung nicht bewusst sind und lediglich die Auswahl bewusst getroffen wird. Für den Auswahlprozess sieht Zillmann vier Faktoren als bedeutend an (1988; Aelker 2016): Zum einen die hedonische Valenz eines Medienangebots, die es ermöglicht durch die Auswahl negativer/positiver Inhalte eigene negative/positive Stimmungen auszugleichen. Das Erregungspotential eines Medienangebots bietet dem Rezipienten die Möglichkeit, das eigene zu hohe oder zu niedrige Erregungsniveau auszu­gleichen. Ein hohes Absorptionspotential ist vor allem von Bedeutung für Personen in negativer Stimmungslage, da es ihnen Ablenkung von ihren negativen Gefühlen ermöglicht. Die semantische Affinität bedeutet, dass eine Person, die sich in einem negativen emotionalen Zustand befindet, keinen Inhalt auswählt, der in Verbindung mit den Ursachen ihres Zustands steht, während sie in einer positiven Verfassung gerne ein Angebot nutzt, das Parallelen zu ihrer Stimmung aufweist.

Die oben dargestellten Theorien UGA und MMT erklären die Gründe und Motive des Rezipienten für seine Auswahlentscheidung. Sie zeigen unterschiedliche Attraktivitätsfaktoren für die Rezeption von Femsehinhalten und den sich daraus ergebenden Nutzen für den Rezipienten auf.

Im Folgenden wird untersucht, ob für die Rezeption von Actionserien weitere Attraktivitäts­faktoren hinzukommen und ob die genannten verstärkt werden.

2.3 Charakteristika einer Fernsehserie

Um die Rezeptionsmechanismen bei Fernsehserien verstehen zu können wird zunächst eine allgemeine Bestimmung des Begriffs der Fernsehserie vorgenommen. Dabei werden auch die Wirkungen einzelner Merkmale einer Fernsehserie auf das Rezeptionsverhalten beleuchtet. Anschließend werden die speziellen Merkmale von Actionserien und deren Bedeutung für das Rezeptionsverhalten dargestellt, um den Zusammenhang zwischen dem Phänomen Actionserie und deren Attraktivität beschreiben zu können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 90 Seiten

Details

Titel
Rezeption und Bewertung von Actionserien am Beispiel von "Alarm für Cobra 11" und "24"
Untertitel
Eine medienpsychologische Analyse
Hochschule
Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
90
Katalognummer
V507175
ISBN (eBook)
9783346058430
ISBN (Buch)
9783346058447
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Parasoziale Interaktion, Hauptfigur, Semir Gerkan, Jack Bauer, Alarm für Cobra 11, 24, Actionserie, Spannung, Dramaturgie, Rezeption, Spannungserleben, Cobra 11, PSI-Prozess-Skalen, Parasocial interaction, suspense, Erdogan Atalay, Kiefer Sutherland, action concept, experience of suspense, Episodenserie, Fortsetzungsserie, Uses-and-Gratifications-Ansatz, Mood-Management-Theorie, Identifikation, Medienempathie, Sozialer Vergleich
Arbeit zitieren
Max Jundt (Autor), 2017, Rezeption und Bewertung von Actionserien am Beispiel von "Alarm für Cobra 11" und "24", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507175

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