Die unterschiedliche Darstellung der Pluralbildung der Substantive im Französischen in präskriptiven und deskriptiven Grammatiken

Inwiefern sind deskriptive Grammatiken im Unterricht sinnvoll?


Hausarbeit, 2016

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Pluralbildung der Substantive im Franzosischen

3. Praskriptive und deskriptive Grammatiken
3.1 Praskriptive Grammatik
3.2 Deskriptive Grammatik

4. Darstellung der Pluralbildung bei praskriptiven Grammatiken

5. Darstellung der Pluralbildung bei deskriptiven Grammatiken

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Grammatikarbeit mit den Lernenden ist, neben der Wortschatzarbeit, der wichtigste Aspekt im Unterricht an jeglichen institutionellen Einrichtungen. Deshalb sind unterstutzende und begleitende Grammatiken als Lehr- und Lern- material fur den Lehrenden unerlasslich. Zwei verwendete Grammatiken im Un- terricht sind die deskriptive die praskriptive, die auch normative Grammatik ge- nannt wird. Die praskriptiven Grammatiken dienen als Grundlage des Bildungs- systems und gelten als Basis fur die didaktische Norm1. In dieser Arbeit widme ich mich der Bearbeitung der Frage, inwiefern es sinnvoll ist, auch deskriptive Grammatiken im Unterricht zu verwenden. Was die Merkmale beider Gramma- tiken sind und inwiefern diese sich unterscheiden werde ich, nach einer kurzen Einfuhrung in die Pluralbildung aus morphologischer Sicht, erklaren. Darauffol- gend stelle ich mit Hilfe einiger Beispiele die Pluralbildung in den jeweiligen Grammatiken dar und ziehe anschlieBend anhand der Ausarbeitungen ein Fazit. Letztendlich stelle ich mich der Frage, welche der oben genannten Grammatiken sich besser als unterstutzende Grammatik fur den Lehrer im Unterricht eignet und damit dem Lernenden die nicht immer beliebte Grammatikarbeit erleichtert.

2. Pluralbildung der Substantive im Franzosischen

Der Plural des Substantives kann im Franzosischen durch das Anhangen ver- schiedener Pluralaffixe gebildet werden. Um den Plural auszudrucken wird in den meisten Fallen das Morphem {-s} angehangt2. Beispiele dafur konnen le livre - les livres und le chat - les chats sein. Im code ecrit (geschrieben Form) ist somit der Plural deutlich erkennbar, im code parle (gesprochene Form) ist das Pluralaffix {-z} jedoch nicht immer horbar. Eine Ausnahme bildet hierbei die Liaison. Wenn ein Wort auf ein Substantiv folgt, welches mit einem Vokal beginnt, so ist die Liaison und damit der Plural {-z} horbar: /afa z adorabl/ (en- fants adorables). Dies nennt man dann einen latenten Konsonanten3. Das Plu­ralaffix {-z} bei Substantiven zeigt sich somit im code parle nur in Verbindung mit Vokalen als Anlaut bei darauffolgenden Wortern, was jedoch in der franzo- sischen Sprache nicht haufig vorkommt. Ein weiteres Pluralkennzeichen ist -x. Dieses wird an Substantive, die auf -au, -eau, -eu oder -ou enden, angehangt. So wird beispielsweise aus tuyau - tuyaux, manteau - manteaux, cheveu - cheveux und aus bijou - bijoux. Auch hier ist der Plural im code parle nicht erkennbar. Wenn Worte im Singular bereits auf -s, -x oder -z enden, so ist ein Nullallomorph anzunehmen. Ein Nullallomorph ist eine weder zu horende, noch zu sehende Variante des Allomorphs. Bei den Pluralformen von Substantiven die auf -s oder -x enden wird ein Nullallomorph zugeschrieben. Es wird mit dem Symbol 0 dargestellt4. Beispiele dafur konnen le cours - les cours-0, le prix - les prix-0 und la nez - les nez-05 sein . In diesen Fallen ist der Plural des Substantives weder im code ecrit, noch im code parle erkennbar. Hier und bei den vorherge- henden Beispielen, bei denen der Plural im code parle nicht zu horen ist, ist er nur am Plural des Artikels (les oder des) erkennbar. Weitere Indizien konnten unter anderem der Numerus des Verbes oder die Pluralform eines eventuell an- gehangten Adjektivs sein. Eine weitere Form des Plurals wird durch das Anhan- gen der Endung -al dargestellt. Hier wird nicht wie bisher nur ein Pluralaffix angehangt, sondern es andert sich das Stammallomorph von -al zu -au-(x). Bei- spiele hierfur sind l'animal - les animaux oder le cheval - les chevaux. Jedoch gibt es einige Ausnahmen, bei denen ein einfaches Pluralaffix -s angefugt wird, wie beispielsweise le carneval - les carnevals und le festival - le festivals. Die letzte Gruppe sind die Substantive auf -ail. Bei ihnen wird wieder nur das Plu­ralaffix -s angehangen, wie zum Beispiel bei le detail - les details und le rail - les rails. Einige Ausnahmen finden sich jedoch auch hier wieder: le travail - les travaux oder le vitrail - les vitraux6 . Hier wird, wie bei den oben genannten Substantiven mit der Endung -al, das ganze Stammallomorph verandert.

Zusammenfassend gibt es folglich zwei grundlegende Varianten einen Plural bei Substantiven im Franzosischen zu bilden. Die erste ist das Anfugen der Pluralaf- fixe -s, beziehungsweise -x. Diese werden entweder als Nullallomorph 0 ange- nommen oder sind, beim Vorhandensein der Liaison als /-(z)/, im code parle zu horen. Die zweite Variante besteht darin, dass bei Ausnahmen eine Anderung des Stammallomorphs vorgenommen wird, das sowohl im code ecrit (travail - travaux), als auch im codeparle (/travaj/ - /travo/) deutlich erkennbar ist.

3. Praskriptive und deskriptive Grammatik

Es gibt zwei grundlegende Typen von Grammatiken: die praskriptive und de- skriptive Grammatik. Der Unterschied beider Grammatiken ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Dennoch gibt es einige Merkmale, woran zu erken- nen ist, ob es sich um eine praskriptive oder deskriptive Grammatik handelt.

3.1 Praskriptive Grammatik

Die praskriptive Grammatik, auch normative Grammatik genannt, folgt, wie auch schon im Namen zu erkennen ist, einer bestimmten Norm. Sie ist eine „auf Belehrung uber den richtigen Sprachgebrauch ausgerichtete Form grammati- scher Beschreibungen“7. Sie entscheidet, was als Regel gilt und was nicht und welche Normen als richtiger Sprachgebrauch angesehen werden8. Wissenschaft- ler und Institutionen, zum Beispiel die Academie Frangaise, versuchen zu erfas- sen, was als „richtiger“ oder „falscher“ Sprachgebrauch zu gelten hat9. Praskrip- tive Grammatiken sind die Grundlage der Bildungssysteme und gelten als Basis fur die didaktische Norm10 und damit fur jedes Lehrbuch im Franzosischunter- richt. Beispiele waren Rechtschreibworterbucher oder Lehrbucher.

3.2 Deskriptive Grammatik

Im Gegensatz dazu wollen deskriptive Grammatiken keine Regeln vorgeben, sondern lediglich feststellen und zusammenfassen. Sie folgen dem „empirisch positivistischen Vorgehen, das heiBt auf Beobachtung beruhende objektive Be- standsaufnahme mit distributioneller Analyse“11. Die deskriptiven Grammatiken gehen demzufolge von der reinen Beobachtung und Beschreibung des Sprach- systems aus12 Auch diese Grammatiken sind wichtig fur die Fremdsprachendi- daktik. Jedoch hat die normative Grammatik dabei einen noch hoheren Stellen- wert, da im Unterricht Regeln beigebracht werden sollen. Gerhard Helbig trifft dies gut auf den Punkt: die normative Grammatik beschreibt das, „ was s ein soll“13 , also die genauen Regeln. Die deskriptiven Grammatiken hingegen be- schreiben das, was man heutzutage im wirklichen Sprachgebrauch findet, sozu- sagen das, „w as ist“14.

4. Darstellung der Pluralbildung bei praskriptiven Grammatiken

Die praskriptiven Grammatiken sind dafur da, den Schulern einerseits die wich- tigsten Unterscheidungen zwischen dem bon usage und m auvais usage beizu- bringen, andererseits den „guten Gebrauch als Richtschnur fur den Franzosisch- erwerb“ darzulegen15. Wenn man sich die praskriptiven Grammatiken zur Hand nimmt, ist recht schnell zu erkennen, dass viele Tabellen verwendet werden. Sehr ausgepragt ist das bei Christine Frank in „Neue franzosische Grammatik“16 zu sehen. In diesem Werk werden auf 26 Seiten Tabellen fur die Pluralbildung der Substantive abgebildet. Dadurch, dass jede Endung einzeln aufgezahlt wird, wirkt die Darstellungsform nicht sehr ubersichtlich. Somit ist eine haufige und uberflussige Wiederholung der regelmaBigen Pluralbildung durch das Anhangen des Pluralaffixes -s oder -x unvermeidbar. Bestimmte, beziehungsweise spezielle oder seltene Endungen, wie -ein, -<vn oder -ee lassen sich jedoch in der Tabelle leichter und schneller finden. Auch wird die Pluralbildung der Substantive in maskuliner und femininer Form getrennt, was wiederum positiv bei den eben genannten Endungen ist. Viele Erklarungen finden sich in dieser Grammatikaus- gabe von Christin Franke nicht. Es werden lediglich kurze Anmerkungen, bezie- hungsweise Ausnahmen in einer Extraspalte notiert (beispielsweise welchem Geschlecht diese Endung angehoren kann und ob dies haufig auftritt oder nicht17 ) aber nicht weiter ausgefuhrt. Das ist aber ein entscheidender Punkt beim Lernen. Die einfache Pluralbildung wie das Anhangen der Pluralaffixe -5 oder - x wird kaum Schwierigkeiten darstellen. Es ist demzufolge wichtiger, dass auf die Erklarungen der Besonderheiten und Ausnahmen Wert gelegt wird und diese vertieft werden.

Eine weitere normative franzosische Grammatik ist die „Die franzosische Gram- matik“ von Uwe Dethloff und Horst Wagner18. Hier ist die tabellarisierte Norm, die in den Werken von Christina Frank zu finden ist, etwas abgeschwacht. Diese Grammatik zahlt zwar zu den normativen Grammatiken, da sie als Lerngramma- tik gilt19, weist jedoch leichte Anzeichen einer deskriptiven Grammatik auf. Als Lerngrammatik definiert Kleineidam diejenigen Grammatiken, die fur Lerner „zum orientierten Nachschlagen, zum wiederholenden Lernen und zur planvol- len Erweiterung des Gelernten“20 dienen. Zwar gilt in der vorliegenden Gram- matik die Aufmerksamkeit immer noch hauptsachlich der Uberlieferung der Re- geln, jedoch auf eine abgeschwachte Art und Weise. Die Autoren teilen die Plu- ralbildung in regelmaBige und besondere ein, wobei sie lediglich eine viertel Seite fur die regelmaBige Pluralbildung, also das einfache Anfugen des Pluralaf­fixes -s, verwenden (la cle - les cles, la faute - le fautes und une pommes - des pomme5). Bei der besonderen Pluralbildung werden nacheinander Tabellen von den verschiedenen Pluralbildungen der Substantive (beispielsweise ail - aux, au - aux oder eu - eux) dargestellt. Als besondere Pluralbildung gilt fur die Autoren die Anderungen der Endungen von -al zu -aux (Beispiel: le cheval - les chev- aux), ail- zu -aux (Beispiel: le bail - les baux), - au, -eau und -eu zu -aux, -eaux und -eux (Beispiel: un etau - des etaux, le bureau - les bureaux und un aveu- des aveux), Weitere Besonderheiten - zum Beispiel, wenn die Singular- und Plu­ralform gleich ist, wie bei les souris, les prix oder les gaz - werden zwar erwahnt, aber auch in diesem Werk wird wenig Wert auf die Beschreibung dieser Beson- derheiten gelegt, da nur ein Bruchteil dieser erwahnt werden. So ist beispiels- weise lediglich beschrieben, dass es bei Substantiven, die im Singular auf -al und normalerweise im Plural auf - aux enden, einige Ausnahmen gibt. Beispiele dafur sind le bal - les bals, le carneval - les carnevals oder le festival - les festivals21. Die Merkmale der normativen Grammatik - das strikte Aufzahlen der Regeln - sind hier wiederzuerkennen.

Im Vorwort der Ausgabe der franzosischen Grammatik ist die Zielgruppe klar dargelegt. Es geht um „Studierende[n] des Franzosisch[en] [...], [den] Leh- rende[n] an Universitaten, Fachhochschulen, weiterfuhrende Schulen, Einrich­tungen der allgemeinen und beruflichen Weiterbildung, [den] Ubersetzerinnen und Ubersetzer[n] in der Berufspraxis, [den] Schulerinnen und Schulern im Leis- tungskurs an Gymnasien und Gesamtschulen“22, die die Sprache mit Hilfe die- ser Grammatik erlernen, lehren und ubersetzen sollen. So sind padagogische Schritte und Aufgaben (zum Beispiel Ubungen, Erklarungen und Darstellungen) nicht unbedingt notig, da es sich um altere Lerner handelt.

Zusammenfassend kann somit gesagt werden, dass die praskriptiven, oder auch normativen, Grammatiken geradlinig sind. Sie folgen dem einzigen Ziel die Re- geln darzustellen, erlautern diese jedoch nicht naher. Fur Sprachanfanger ist es somit eher schwer mit normativen Grammatiken zu lernen, da eine Erklarung schlicht unerlasslich ist.

Wichtig ist es jedoch noch hinzuzufugen, dass meine Beobachtungen nur von zwei praskriptiven Grammatiken ausgehen und somit nicht zu verallgemeinern sind.

[...]


1 Vgl. Uwe Dethloff, Die franzosische Grammatik, S. 5

2 Vgl. Nikolaus Schpak-Dolt, Einfuhrung in die franzosische Morphologie, S. 45

3 Vgl. Nikolaus Schpak-Dolt, Einfuhrung in die franzosische Morphologie, S. 45

4 Vgl. Achim Stein, Einfuhrung in die franzosische Sprachwissenschaft, S. 32

5 Vgl. Nikolaus Schpak-Dolt, Einfuhrung in die franzosische Morphologie, S. 45

6 Vgl. Nikolaus Schpak-Dolt, Einfuhrung in die franzosische Morphologie, S. 45

7 Hadumod BuBmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, S. 48

8 Vgl. Roland Schafer, Einfuhrung in die grammatische Beschreibung des Deutschen, S. 18

9 Vgl. Hadumod BuBmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, S. 484

10 Vgl. Uwe Dethloff, Die franzosische Grammatik, S. 5

11 Hadumod BuBmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, S. 124

12 Vgl. Roland Schafer, Einfuhrung in die grammatische Beschreibung des Deutschen, S. 17

13 Gerhard Helbig, Deutsch als Fremdsprache: ein internationales Handbuch, S. 176

14 Gerhard Helbig, Deutsch als Fremdsprache: ein internationales Handbuch, S. 176

15 Uwe Delthoff, Die franzosische Grammatik, S. 5

16 Vgl. Christine Frank, Neue franzosische Grammatik, S. 266-293

17 Vgl. Christine Frank, Neue franzosische Grammatik, S. 273

18 Vgl. Uwe Dethloff, Die franzosische Grammatik, S. 22-25

19 Vgl. Uwe Dethloff, Die franzosische Grammatik, S. V

20 Gerhard Helbig, Was ist und was soll eine Lern(er)-Grammatik? , S. 103

21 Vgl. Uwe Dethloff, Die franzosische Grammatik, S. 22-25

22 Uwe Dethloff, Die franzosische Grammatik, S. V

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die unterschiedliche Darstellung der Pluralbildung der Substantive im Französischen in präskriptiven und deskriptiven Grammatiken
Untertitel
Inwiefern sind deskriptive Grammatiken im Unterricht sinnvoll?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Romanistik)
Veranstaltung
Sprachwissenschaft - Morphologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V508792
ISBN (eBook)
9783346077301
ISBN (Buch)
9783346077318
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Morphologie, Pluralbildung, präskriptive Grammatik, deskriptive Grammatik, Substantive, Französische Sprachwissenschaft, Sprachwissenschaft
Arbeit zitieren
Luisa Petatz (Autor), 2016, Die unterschiedliche Darstellung der Pluralbildung der Substantive im Französischen in präskriptiven und deskriptiven Grammatiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508792

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die unterschiedliche Darstellung der Pluralbildung der Substantive im Französischen in präskriptiven und deskriptiven Grammatiken



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden