Repräsentationen familiärer Strukturen begegnen uns überall in unserem Alltag. Sowohl Werbung, Fernsehen und anderen mediale Kanäle, als auch die verschiedensten KünstlerInnen bedienen sich dem Konstrukt Familie als beliebtes Motiv zur Verbreitung konnotierter Stimmungen, aber dabei auch zur Darlegung verschiedenster Stereotypen. Demzufolge ist eine Auseinandersetzung mit den familiären Repräsentationen in Kunst und visueller Kultur unabdingbar.
Vor diesem Hintergrund ist die Betrachtung ethnografischer Familienportraits besonders interessant, denn jeder von uns kennt lediglich Familienkonstellationen aus unserem kleinen, nahen Teilbereich, der uns umgibt. Konstellationen fremder Kulturen erreichen uns lediglich über Repräsentationen, die aus den Händen Anderer entstammen und uns lediglich ein verkürztes und reduziertes Abbild unbekannter Menschen und Gegenden präsentieren. Dieser Sachverhalt soll in dem hier vorliegenden Portfolio, am Beispiel der ethnografischen Fotografien von Irving Penn, untersucht werden.
Untersuchungsgegenstand sind hier zwei Fotografien, die im nächsten Kapitel vorgestellt werden. Ferner wird die Methode des problembasierten Lernens nach Webler, mit der die nachfolgende Untersuchung stattfand, vor dem Hintergrund der aufgestellten Fragestellung, reflektiert. Anschließend folgen ein Fazit und ein Ausblick auf Grundlage der zusammengetragenen Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsgegenstand
2.2 Bildbeschreibung: Gypsy Family
2.2 Bildbeschreibung: Father, Son, Grandfather and Great Grandfather
3. Entwicklung einer Fragestellung mittels des problemorientierten Lernens
3.2 Kennenlernen der Methode und erste Problemformulierung
3.3 Selbststudium und Wissensabgleich in der Gruppe
3.4 Lösungsentwurf und erste Präsentation und Feedback der Expertenrunde
3.5 Verbindung der Ergebnisse mit der Theorie und Praxis
3.6 Problemlösung
4. Untersuchung der Forschungsfrage
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit reflektiert die Methode des problembasierten Lernens und untersucht anhand der ethnografischen Fotografien von Irving Penn, wie familiäre Konstellationen visuell inszeniert werden und welche Machtverhältnisse sowie Stereotype dabei zum Ausdruck kommen.
- Reflexion der Methode des problembasierten Lernens
- Analyse ethnografischer Familienportraits von Irving Penn
- Untersuchung von Inszenierung und Machtstrukturen in der Fotografie
- Kritische Auseinandersetzung mit der Repräsentation familiärer Rollen
- Bezugnahme auf fototheoretische Positionen
Auszug aus dem Buch
Untersuchung der Forschungsfrage
Irving Penn hatte nach seinen Angaben schon lange den Traum, unterschiedliche Kulturen am Rande der modernen Gesellschaft zu fotografieren (vgl. Penn, o.J. ). Seine ethnographischen Fotografien begannen 1948. In diesem Jahr fotografierte er in Cuzco Peruaner, die auf der Durchreise an seinem Studio vorbeikamen und sich gegen Bezahlung porträtieren ließen (Art Institut of Chicago, 2013).
Angespornt von diesen Fotografien, bereiste Penn anschließend die ganze Welt und stellte Fotografien von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen, mit denen er eine „Aufzeichnung von [deren] physischer Präsenz“ erzielen wollte (vgl. ebd. nach Penn, o.J.). Ferner sagt Penn, er wolle mit seiner Arbeit erreichen, dass diese Fotografien als Beweis der physischen Präsenz sowohl ihn als auch die Motive selbst überleben und so „bereits verschwindende Kulturen für immer erhalten bleiben“ (ebd.).
Für Penn war bereits zu Beginn seiner ethnografischen Fotografien klar, dass ein Ablichten in dem natürlichen Lebensraum Störungen hervorruft, die sowohl die BetrachterInnen als auch die portraitierten Personen ablenken und demzufolge nicht zufriedenstellend das zeigen können, was zu sehen ist. Folglich wollte Penn sich auf die Menschen selbst konzentrieren, die lediglich in ihrer eigenen Präsenz mit ihrer, wie er sagt alltäglichen Kleidung und Verzierungen dargestellt werden (vgl. ebd.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Relevanz der Untersuchung familiärer Repräsentationen in der visuellen Kultur und Vorstellung des Untersuchungsgegenstands.
2. Forschungsgegenstand: Präsentation der zwei ausgewählten Fotografien von Irving Penn und detaillierte Bildbeschreibungen der gewählten Motive.
3. Entwicklung einer Fragestellung mittels des problemorientierten Lernens: Dokumentation des Lernprozesses und der schrittweisen Konkretisierung der Forschungsfrage innerhalb der Seminararbeit.
4. Untersuchung der Forschungsfrage: Analyse von Penns Vorgehensweise, seinem Konzept des neutralen Studios und den zugrundeliegenden Intentionen seiner ethnografischen Arbeiten.
5. Fazit: Kritische Reflexion der Ergebnisse bezüglich der Inszenierung, der Machtverhältnisse zwischen Fotograf und Portraitierten sowie der erzeugten Stereotype.
Schlüsselwörter
Irving Penn, Ethnografische Fotografie, Familienkonstellation, Inszenierung, Problembasiertes Lernen, Bildanalyse, Repräsentation, Machtverhältnisse, Stereotype, Physische Präsenz, Ethnografie, Visuelle Kultur, Portraitfotografie, Familienbild, Susan Sontag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer Reflexion der Methode des problembasierten Lernens im Kontext einer Untersuchung der Inszenierung familiärer Strukturen in ethnografischen Fotografien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit kombiniert pädagogische Methodik mit kunsthistorischer und fototheoretischer Analyse, insbesondere im Bereich der ethnografischen Portraitfotografie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu analysieren, wie familiäre Konstellationen durch Irving Penn inszeniert werden und wie diese Art der Inszenierung kritisch bewertet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode des problembasierten Lernens (PBL), um den Forschungsgegenstand strukturiert zu erschließen und die Fragestellung kontinuierlich zu präzisieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Beschreibung der Fotografien, den dokumentierten Prozess der Problembearbeitung sowie die Untersuchung von Penns Schaffensweise und Intention.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Irving Penn, Inszenierung, Machtverhältnisse, ethnografische Fotografie, Repräsentation und familiäre Konstellationen.
Warum hält der Autor das portable Studio für keine neutrale Umgebung?
Der Autor argumentiert, dass das Studio trotz Penns Anspruch eher eine „kolossale Störung“ in der natürlichen Umgebung darstellt, die den Schaffensprozess und die Inszenierung massiv beeinflusst.
Welche Rolle spielt das Familienoberhaupt in den untersuchten Fotografien?
Die Analyse zeigt, dass Penn durch die Bildkomposition (höhere Position im Bild, schützende Geste) ein stereotyp-normatives Familienbild erzeugt, in dem der Vater als dominantes Oberhaupt dargestellt wird.
- Arbeit zitieren
- Monique Lohmann (Autor:in), 2019, Inszenierung von familiären Konstellationen in den ethnografischen Fotografien von Irving Penn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509793