Zusammenhang zwischen Nationalismus, politischen Einstellung und dem europäischen Zugehörigkeitsgefühl


Akademische Arbeit, 2018

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie

3. Datenanalyse und Methode
A. Datensatz: ESS8e
B. Variablen
a. Abhängige Variable: Gefühlsmäßige Verbundenheit zu Europa
b. Unabhängige Variable: Nationalismus bzw. gefühlsmäßige Verbundenheit zu
Deutschland
c. Unabhängige Variable: Politische Ausrichtung
C. Kontrollvariablen: Geschlecht und Wohngebiet

4. Analyse der Variablen
A. Korrelation
B. Regression

5. Resultate und Interpretation

6. Anmerkung

I. Bibliographie

II. Online Literatur

III. Abbildungsverzeichnis

IV. Ehrenwörtliche Erklärung

Zusammenfassung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Erstarken von Nationalismus, sowie der rechten Parteien und dem Zugehörigkeitsgefühl zu Europa gibt. Zur Beantwortung dieser Frage auf statistischer Basis wurde das Programm R Studio verwendet. Als Datensatz ist der European Social Survey (ESS) des European Research Infrastructure Consortium von 2016 herangezogen worden. Die Ergebnisse weisen auf einen signifikanten Zusammenhang zwischen den Variablen hin. Dabei wurde deutlich, dass ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zu Europa auch mit einem starken Nationalgefühl einhergehen kann und dieses nicht nur bei den Poltisch-rechtsgesinnten, mit anti­europäischen Einstellungen vorliegt.

Abstract

This research paper deals with the question of whether there is a connection between the rise of nationalism, the strengthening of right-wing parties and the sense of belonging to Europe. To answer this question the statistics program R Studio was used. The dataset used is the European Social Research Survey (ESS) of the European Research Infrastructure Consortium of 2016. The results indicate a significant conection between the variables. It became clear that a strong sense of belonging to Europe can also go hand in hand with a strong sense of nationality, and that this is not only the case for political right-wing supporters, with anti­european attitudes.

1. Einleitung

In Europa bilden sich immer mehr anti-europäische und nationalistische Gruppen.1 Europa wird immer häufiger kritisch gesehen. Gleichzeitig wird die eigene Nation in den Wahlprogrammen (vor allem der rechten Parteien, wie z.B. der AfD), aber auch von Bewegungen (wie z.B. den sog. „Identitären“) immer häufiger in den Vordergrund gestellt und als Lösung von Problemen angepriesen.

Die Frage ist, ob es hier einen Zusammenhang gibt und wenn ja; nimmt durch das (Wieder-) Erstarken des Nationalgefühls, das Gefühl „zu Europa zu gehören“ ab und geht dies einher mit der Zunahme von rechten Bewegungen?

2. Theorie

Die Zunahme des Nationalismus ist in nahezu allen europäischen Ländern erkennbar. Bevor weitere Zusammenhänge analysiert werden, soll im Folgenden der Begriff „Nationalismus“ erklärt werden:

Nationalismus ist nach Lemberg „ein System von Vorstellungen, Wertungen, und Normen, ein Welt- und Gesellschaftsbild, und das bedeutet: eine Ideologie, die eine durch irgendeines der erwähnten Merkmale (Sprache, Kultur etc.) gekennzeichnete Großgruppe ihre Zusammengehörigkeit bewusst macht und dieser Zusammengehörigkeit einen besonderen Wert zuschriebt, mit anderen Worten: diese Großgruppe integriert und gegen ihre Umwelt abgrenzt.“2

Das Wiederaufkommen dieser Vorstellung der eigenen, besseren Nation ist eine der „Erscheinungen und Konsequenzen der Moderne.“3 „Die Modernisierung, und damit einhergehend die Globalisierung bzw. Denationalisierung werden übereinstimmend als Ursache gesehen.“4 „Die, der bürgerlichen Gesellschaft durch ihr Streben nach wirtschaftlichem Wachstum und materiellem Wohlstand „aufgezwungenen“ Kennzeichen - Mobilität und Wachstum - „verpflichten ihre sozialen Einheiten zur Größe und gleichzeitig zu kultureller Homogenität.“ Die Idee, dass die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung von Kulturen nicht nur eine innere Ordnung, sondern auch den Schutz des Staates nach Außen benötigt, wird immer populärer.5 „Globalisierung kann (...) als räumliche Erweiterung von ökonomischen, kulturellen und politischen Beziehungen bei gleichzeitige zunehmender Interdependenz von Akteuren und Problemlagen definiert werden.“6 Die bisherige Weltordnung hat sich durch die Ausdifferenzierung und Individualisierung beängstigend schnell verändert.7 Die Angst vor dem Verlust nationalstaatlicher Handlungs- und Steuerungskompetenzen bzw. der Aufgabe der eigenen Souveränität nimmt zu.8 „Der Territorialstaat ist - in Folge der Globalisierung - einem Bedeutungsverlust unterworfen. Dieser Bedeutungsverlust hat einen Verlust an Identität zur Folge, der wiederum Nationalismus fördert.“9 Die Einheit des eigenen Lebensraums droht zu zerbrechen. Viele Menschen stecken in einer Art geistigen Orientierungskrise und fürchten einen Identitätsverlust durch Desintegration und Anomie.10 Sie sind auf der „Suche nach einem Ankerplatz in einer - subjektiv - immer unübersichtlicheren, unsicheren Welt.“11 Der „Mensch hat das Bedürfnis nach klar definierten Identitäten.12 Identität definiert sich nach Außen hin durch die Abgrenzung von anderen Nationen, Gesellschaften und Kulturen. Die „strukturelle Differenzierung“ wirkt „integrationshemmend“13 und es fördert den Rückbezug auf die eigene Kultur, das eigene, einem bekannte Land. Im Moment ist in Europa weder ein klarer (kultureller, politischer etc.) Plan, noch eine gemeinsame Identität zu finden.14

Dieses Gefühl des Identifikationsverlustes greifen (nicht nur in Deutschland) die rechten Parteien auf und bieten in ihren Wahlprogrammen Alternativen und Identifikatoren an. Dies geschieht mittels der Glorifizierung der eigenen Kultur bzw. des eigenen Landes und der bewussten Abgrenzung gegenüber anderen Kulturen und Nationen.15 Es wird ein klares überschaubares Weltbild vermittelt mit einer starken eigenen nationalen Rolle.16 Die Gruppenzugehörigkeit bietet dem Individuum eine Orientierung und einen festen Platz in der Welt.17

In Deutschland ist als politisch rechtsorientierte Partei vor allem die Alternative für Deutschland (AfD) zu nennen. Diese steht für die Freiheit und Selbstbestimmung der europäischen Nationen.18 Ihr Ziel ist u.a. die Zurückführung der Europäischen Union in einen Staatenbund souveräner Staaten.19 Sie gehen davon aus, dass es kein europäisches Staatsvolk gibt und, dass sich ein solches auf absehbare Zeit nicht herausbildet.20 Die AfD befürwortet einen Austritt Deutschlands aus der EU.21 Die Partei betont die Bedeutung der sog. deutschen Leitkultur, welche für sie auf den Werten des Christentums, der Antike, des Humanismus und der Aufklärung fußt.22 Diese umfasse „neben der deutschen Sprache auch unsere23 Bräuche und Traditionen, Geistes- und Kulturgeschichte.“24

Dies wirft die Frage danach auf, ob es einen Zusammenhang zwischen Nationalismus, der Zunahme des Zuspruches rechter Parteien, sowie der Abnahme des Zugehörigkeitsgefühls zu Europa, gibt. Es wurden diesbezüglich zwei Hypothesen aufgestellt, welche im Folgenden formalisiert, analysiert und kritisch begutachtet werden.

Hypothese 1: Je stärker das Nationalgefühl, desto geringer die Europa - Identifikation.

Hypothese 2: Je stärker man sich politisch rechts einschätzt, desto geringer die Europa - Identifikation.

3. Datenanalyse und Methode

Um die Hypothesen zu überprüfen und einen potentiellen Zusammenhang zwischen dem europäischen und dem nationalen Zugehörigkeitsgefühl, sowie dem Zuspruch rechter Parteien und Bewegungen herauszufinden, wurde zuerst ein passender Datensatz gesucht. Dieser muss der Fragestellung bzw. den Hypothesen entsprechende Variablen beinhalten.

A. Datensatz: ESS8e02

Für die Überprüfung der Hypothesen wurde der Datensatz „ESS8e02“25 des European Social Survey (ESS) aus dem Jahr 2016 vom European Research Infrastructure Consortium ausgewählt. Es handelt sich um eine repräsentative, nationale Langzeitstudie, die seit 2002 im Abstand von zwei Jahren Daten in ganz Europa erhoben wird. Die spezifischen Daten werden in Deutschland vom Institut für angewandte Sozialwissenschaften (infas), im Auftrag der Universität Mannheim, erhoben.

Nach einer Datenformatierung bzw. -bereinigung bei der zuerst nur die Antworten der Deutschen (ESS_DE) und dann die Antworten, die sich auf die Variablen beziehen ausgewählt wurden (ana_dat) beinhaltet der hier verwendeten Datensatz nur noch 2754 Antworten der Befragten aus Deutschland. Die Nutzung eines solchen Analysedatensatzes soll die Vergleichbarkeit bei der Analyse und Regression gewährleisten.

B. Variablen

Es wurden fünf Variablen kodiert: drei Analyse- und zwei Kontrollvariablen. Zum Zwecke der Verwendung der Regression wird bei allen Variablen eine Intervall-Skalierung angenommen bzw. wurden die Variablen in eine numerische Form gebracht. Außerdem wurden alle Variablen auf ihren Mittelwert zentriert, um die Ergebnisse der multivariaten Analyse mit allen Variablen vergleichbarer zu machen.

a. Abhängige Variable: Gefühlsmäßige Verbundenheit zu Europa

Die gefühlsmäßige Verbundenheit zu Europa wurde durch die Frage C10 abgefragt.26 Dies entspricht der Variable atcherp des „ESS8e02“ Datensatzes. Es ist eine nicht landesspezifische Frage, welche europaweit allen Teilnehmern der ESS Studie 2016 gestellt wurde.

Die Befragten sollten Angaben zu ihrer Verbundenheit zu Europa anhand einer Ordinalskala von 0 bis 10 machen. 0 steht hierbei für „gefühlsmäßig überhaupt nicht verbunden“ und 10 für „gefühlsmäßig sehr verbunden“.

Die Analyse ergibt, dass sich die Befragten gefühlsmäßig eher (stärker) mit Europa verbunden fühlen. Der Mittelwert liegt bei 6,16.27 Somit liegt eine klare Rechtschiefe vor. Der Median ist 6 und der Modus (d.h., die am häufigsten genannte Antwort) 8. Fast die Hälfte der Befragten haben Angaben zwischen 5 und 7 gemacht (1276), fühlen sich also gefühlsmäßig mittelmäßig bis etwas stärker mit Europa verbunden. Nur 581 haben eine 0, 1, 2, 3 oder 4 angegeben und fühlen sich somit eher weniger bis gar nicht mit Europa gefühlsmäßig verbunden. Dahingegen haben wesentlich mehr (897) eine 8, 9 oder 10 angegeben, fühlen sich also gefühlsmäßig sehr stark mit Europa verbunden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

b. Unabhängige Variable: Nationalismus bzw. gefühlsmäßige Verbundenheit zu Deutschland

Starker Nationalismus kann - wie oben erläutert - mit „mit übersteigertem Nationalgefühl“28 gleichgesetzt werden. Aus dem Grund scheint es passend die Variable Nationalismus durch die deutschlandspezifische Frage C9 „Wie stark fühlen Sie sich Deutschland gefühlsmäßig verbunden?“ abzufragen bzw. zu definieren. Dies entspricht der Variable atchctr des „ESS8e02“ Datensatzes.

Die Befragten mussten auch hier ihre Antwort anhand einer Ordinalskala von 0 bis 10 angeben. 0 steht hierbei wieder für „gefühlsmäßig überhaupt nicht verbunden“ und 10 für „gefühlsmäßig sehr verbunden“.

Die Analyse zeigt, dass der Mittelwert bei 7.494 liegt. Die Verteilung ist folglich stark rechtsschief. Der Median, sowie der Modus sind 8. Die befragten Deutschen fühlen sich gefühlsmäßig stark mit Deutschland verbunden. 2487 Teilnehmer der Umfrage haben eine 5 oder eine höhere Zahl angegeben, sie fühlen sich also durchschnittlich und überdurchschnittlich stark mit Deutschland verbunden. Fast die Hälfte der Befragten haben eine 7 oder eine höhere Zahl angegeben (1376), d.h. sie fühlen sich sehr stark mit Deutschland verbunden.

Im Vergleich zur Einstellung zu Europa haben die Befragten hier deutlich stärkere Verbundenheit angegeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Vgl. Fünf Sterne Bewegung in Italien und den Zulauf der AfD Wähler bei der letzten Wahl mit + 7,9 % seit 2013 und Einzug (zum ersten Mal) in den Bundestag mit 12,6 % der Wählerstimmen auf dem dritten Platz, vor der FDP.

2 Pinkert, 2000, S. 27.

3 Pinkert, 2000, S. 44. (aber auch ff.)

4 Nauenburg, 2005, S.3.

5 Vgl. Pinkert, 2000, S. 45.

6 Pinkert, 2000, S. 35.

7 Vgl. Pinkert, 2000, S. 47.

8 Vgl. Pinkert, 2000, S. 37.

9 Pinkert, 2000, S. 133.

10 Vgl. Pinkert, 2000, S. 43.

11 Pinkert, 2000, S. 49.

12 Pinkert, 2000, S. 140.

13 Pinkert, 2000, S. 54.

14 Dies könnte sich jedoch möglicherweise durch die unsichere politische Lage in Bezug auf die US-amerikanische Politik und den anstehenden Handelskrieg wieder ändern, da die EU-Länder stärker zusammenarbeiten müssen, um Stärke zu zeigen.

15 Vgl. Arzheimer,/ Schoen/ Falter, 2001.

16 Vgl. Nicke (Cicero), 2016.

17 Vgl. Nicke (Cicero), 2016.

18 Vgl. AfD Wahlprogramm, 2017.

19 Vgl. AfD Wahlprogramm, 2017.

20 Vgl. AfD Wahlprogramm, 2017.

21 Vgl. Kurzfassung des AfD Wahlprogramm, 2017.

22 Vgl. AfD Wahlprogramm, 2017.

23 Anmerkung der Autorin: mit „unserer“ beziehen sie sich stets auf das sog. deutsche Volk.

24 AfD Wahlprogramm, 2017, S. 47.

25 ESS8e02 (2016).

26 Frage: „Wie stark fühlen Sie sich Europa gefühlsmäßig verbunden?“.

27 Um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten, werden alle Analysen mit den Daten aus dem Analysedatensatz (ana_dat) vollzogen.

28 Pinkert, 2000, S. 28 (Zitat ursp. von: Bender, 1993, 79).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zusammenhang zwischen Nationalismus, politischen Einstellung und dem europäischen Zugehörigkeitsgefühl
Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V510258
ISBN (eBook)
9783346087065
ISBN (Buch)
9783346087072
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zusammenhang, nationalismus, einstellung, zugehörigkeitsgefühl
Arbeit zitieren
Charlotte Hüser (Autor), 2018, Zusammenhang zwischen Nationalismus, politischen Einstellung und dem europäischen Zugehörigkeitsgefühl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510258

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