Qualitative Forschung ist „eine der methodischen Säulen in der empirischen Sozialforschung“. Es existiert jedoch keine „feste, allgemeingültige oder verbindliche Bestimmung“ über das Verständnis qualitativer Forschung. Sie umfasst vielmehr eine Reihe von verschiedenen Methodologien und Forschungsverfahren. Qualitative Forschung geht davon aus, dass jede menschliche Handlung eine bestimmte Bedeutung für die betroffene Person besitzt und aufgrund dieser Bedeutung gehandelt wird. Sie setzt sich als Ziel, diese Bedeutung sozialen Handelns herauszufinden. Zu ihren Aufgaben gehört daher auch die Untersuchung von Lebenswelten in den verschiedenen alltäglichen Bereichen. Die qualitative Forschung hat vor allem durch die Entwicklung eigener Forschungsmethoden in den 1980er Jahren an Bedeutung gewonnen. Methoden dienen einerseits dazu Wege aufzuzeigen, um ein Ziel zu erreichen, andererseits dazu Erkenntnisse zu gewinnen. Sie umfassen ein „System von Regeln, das einen [...] nachvollziehbaren Zugang zur sozialen Wirklichkeit sicherstellen soll“. Zu den wichtigsten Forschungsmethoden in der qualitativen Forschung gehören die Befragung und die Beobachtung.
Im Rahmen dieser Arbeit werde ich zu Beginn einen kurzen Überblick über die Entwicklung, die theoretischen Hintergründe, die Kennzeichen und Grundannahmen qualitativer Forschung geben. Im weiteren Verlauf werde ich mit den unterschiedlichen Formen der Befragung und der Beobachtung wichtige Methoden der Datenerhebung qualitativer Forschung vorstellen. Über die Kritik an qualitativen Verfahren werde ich dann anschließend zu den Gütekriterien kommen. Wobei zuerst die klassischen Kriterien erläutert werden und anschließend die für die qualitative Forschung neu definierten Kriterien dargestellt werden. Diese ermöglichen es der qualitativen Forschung eine feste Stellung „in der Landschaft der empirischen Sozialforschung“ einzunehmen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Geschichte und theoretische Hintergründe qualitativer Forschung
1.1 Entwicklungsgeschichte
1.2 Theoretische Hintergründe - Das interpretative Paradigma
2. Grundannahmen und Kennzeichen qualitativer Forschung
3. Methoden der Datenerhebung in der qualitativen Forschung
3.1 Befragungsmethoden
3.1.1 Das Narrative Interview
3.1.2 Das Problemzentrierte Interview
3.1.3 Das Leitfadeninterview
3.1.4 Gruppendiskussionsverfahren
3.2 Beobachtungsverfahren
3.2.1 Teilnehmende Beobachtung
3.2.2 Nichtteilnehmende Beobachtung
3.3 Nichtreaktive Verfahren
4. Kritik an qualitativer Forschung
5. Gütekriterien qualitativer Forschung
5.1 Klassische Gütekriterien
5.2 Kriterien der qualitativen Forschung
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die qualitativen Forschungsmethoden in der empirischen Sozialforschung und erörtert deren theoretische Fundierung sowie methodische Anwendung. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie qualitative Verfahren trotz methodischer Offenheit wissenschaftlich legitimiert werden können und welche Kriterien ihre Qualität sichern.
- Historische Entwicklung der qualitativen Forschung in Deutschland
- Theoretische Grundlagen und das interpretative Paradigma
- Verfahren der Datenerhebung: Befragungs- und Beobachtungsmethoden
- Methodenkritik und die Diskussion der Gütekriterien
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Das Narrative Interview
Das Verfahren des Narrativen Interviews, welches von Fritz Schütze entwickelt wurde, verhalf der qualitativen Forschung in den 1980er Jahren zu einem großen Aufschwung und zählt zu den bedeutendsten Methoden.
Zu Beginn wird der Interviewpartner durch eine Eingangsfrage aufgefordert seine „Lebensgeschichte oder einen bestimmten zeitlichen und theoretischen Ausschnitt aus seiner Biographie zu erzählen“. Wichtig ist, dass es sich bei der Frage um eine Aufforderung zum Erzählen über den „angepeilten thematischen Bereich und zeitlichen Ausschnitt aus der Biographie [sic!]“ handelt.
Der weitere Verlauf zeichnet sich dadurch aus, dass das Gespräch nicht durch Fragen des Interviewers strukturiert oder in eine bestimmte Richtung gelenkt wird, sondern die jeweilige Person die Möglichkeit erhält frei zu erzählen. Der Interviewer hat dabei die Aufgabe zuzuhören und die Perspektive des Erzählers einzunehmen. Der Gesprächspartner soll dazu animiert werden seine Erzählung fortzusetzen, bis er am Ende seiner Erzählung, welches durch eine „Koda“ angezeigt wird, angekommen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema der qualitativen Forschung und Zielsetzung der Hausarbeit.
1. Geschichte und theoretische Hintergründe qualitativer Forschung: Überblick über die historische Entwicklung und das interpretative Paradigma als forschungsleitendes Denkmodell.
2. Grundannahmen und Kennzeichen qualitativer Forschung: Beschreibung der zentralen Prinzipien wie Gegenstandsnähe, Offenheit und die Berücksichtigung der subjektiven Perspektive.
3. Methoden der Datenerhebung in der qualitativen Forschung: Vorstellung verschiedener Befragungs-, Beobachtungs- und nichtreaktiver Verfahren.
4. Kritik an qualitativer Forschung: Darstellung der Vorwürfe bezüglich mangelnder Objektivität und Validität qualitativer Daten.
5. Gütekriterien qualitativer Forschung: Diskussion klassischer Gütekriterien sowie spezifischer Ansätze zur Sicherung der Qualität in der qualitativen Forschung.
Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Betrachtung der Problematiken wie Zeitaufwand bei gleichzeitiger Hervorhebung der Relevanz für die Erziehungswissenschaft.
Schlüsselwörter
Qualitative Forschung, Sozialforschung, Interpretatives Paradigma, Narratives Interview, Leitfadeninterview, Teilnehmende Beobachtung, Gütekriterien, Hermeneutik, Ethnomethodologie, Datenerhebung, Triangulation, Subjektivität, Empirie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine Einführung in die qualitative Sozialforschung, beleuchtet deren historische Wurzeln und erläutert wesentliche Methoden der Datenerhebung sowie deren wissenschaftliche Gütekriterien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die theoretische Fundierung durch das interpretative Paradigma, die Darstellung verschiedener Interviewformen sowie Beobachtungsverfahren und die Auseinandersetzung mit der Kritik an qualitativen Vorgehensweisen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie qualitative Forschung methodisch strukturiert ist und welche Kriterien notwendig sind, um ihre Ergebnisse innerhalb der empirischen Sozialforschung nachvollziehbar und valide zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die verschiedene Ansätze der qualitativen Forschung auf Basis etablierter Fachliteratur analysiert und gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Ansätze (Befragung und Beobachtung), die methodenkritische Reflexion sowie die Diskussion von Validität und Reliabilität im qualitativen Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind qualitative Forschung, methodische Offenheit, interpretatives Paradigma, Gütekriterien und Triangulation.
Worin besteht der Unterschied zwischen einem narrativen und einem Leitfadeninterview?
Während das narrative Interview durch Offenheit und die freie Erzählweise des Probanden geprägt ist, basiert das Leitfadeninterview auf einer vorab festgelegten, strukturierten Frageliste, die den Gesprächsverlauf stärker lenkt.
Wie begegnet die qualitative Forschung dem Vorwurf der Subjektivität?
Durch Verfahren wie die Verfahrensdokumentation, die intersubjektive Nachvollziehbarkeit und die Triangulation versucht die qualitative Forschung ihre Ergebnisse abzusichern und transparent zu machen.
- Quote paper
- Claudia Faller (Author), 2005, Qualitative Forschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51036