Alfred Schütze hat mit den Grundstein für die Interpretation von narrativen Interviews gelegt. Mit deren Hilfe können Menschen besser verstanden werden. Sie, die Interviews, geben Aufschluss über lebensbiographische Tatsächlichkeiten und eröffnen damit Möglichkeiten einer weitreichenden Interpretation, auch mit Blick auf die jeweils vergangenen, aktuelle und künftige? Lebenssituation. Wir haben anhand eines konkreten Interviews, dass wir im Jahr 2003 geführt haben, versucht die Erkenntnisse von Schütze auf ein solches Interview anzuwenden. Im Anschluss an das abgedruckte Interview folgt eine Interpretation in Anlehnung an Schütze, anschließend eine Erweiterung durch die Anregungen aus dem studentischen Plenum. Es schließt eine Reflexion des Prozesse dran an. Die Arbeit endet mit einem Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Interview
3 Analyse nach Schütze
4 Interpretation des Interviews im Plenum
5 Reflexion des Interviews
6 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die methodischen Ansätze der biographieforschenden Interviewanalyse nach Alfred Schütze anhand eines selbst geführten, narrativen Interviews praktisch anzuwenden und kritisch zu reflektieren. Im Zentrum steht dabei die Untersuchung, wie biographische Lebensgeschichten durch narrative Interviews zugänglich gemacht und strukturiert interpretiert werden können.
- Grundlagen der narrativen Interviewanalyse nach Schütze
- Strukturelle Analyse und Prozessdarstellung biographischer Daten
- Interpretation von Identitätsbildung und Einflussfaktoren des Umfelds
- Diskussion und Reflexion des Interviews im studentischen Plenum
- Erkenntnisgewinn durch biographische Rekonstruktion
Auszug aus dem Buch
3 Analyse nach Schütze
In Anlehnung an Schütze erfolgt zunächst die formale Textanalyse. Sie beinhaltet den Ausschluss aller nicht narrativen Textpassagen, beispielsweise können hier die Zeile fünf und die Antwort auf die Frage drei gestrichen werden. Schütze schlägt weiter vor, den Text in formale Abschnitte zu gliedern. Diese haben wir durch Absätze gekennzeichnet. Eine weitere Untergliederung in zwei Blöcke kann erfolgen. Der erste Block umfasst die erste bis einschließlich die dritte Frage. Dort beginnt der zweite Block.
Der Erste Aspekt zur inhaltliche strukturellen Beschreibung nach Schütze sind die Verknüpfungselemente. Diese sind beispielsweise im Text an folgenden Stellen zu finden. Zeile 15 „ und irgendwie hab ich schon im Kindergarten gesagt ich will Kindergärtnerin werden,....und das durchgehend beibehalten“. Zeile 19 „ ich bin ja bei einer Pflegfamilie großgeworden, hab dann Unterstützung vom Jugendamt gebraucht, dann noch von Diakonen die in der Kirche gearbeitet haben. Darauf war ich dann noch im Zeltlager und in der Jungschar... und dann hab Jugendlager organisiert und so...“. Zeile 9 „Mein Ziel war irgendwie was anderes zu machen. Und dann nach dem Abi hab ich ein FSJ gemacht“, es ging um Studium oder Ausbildung“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der interpretativen Biographieforschung nach Schütze ein und beschreibt das Vorgehen der Autoren bei der Analyse eines selbst geführten Interviews.
2 Interview: Dieses Kapitel präsentiert das transkribierte narrative Interview, das als Grundlage für die nachfolgenden Analyseschritte dient.
3 Analyse nach Schütze: Hier wird der Text des Interviews mittels formaler Textanalyse sowie der Untersuchung von Verknüpfungselementen und dem Zeitfluss der Lebensstationen nach dem Vierstufenmodell von Schütze ausgewertet.
4 Interpretation des Interviews im Plenum: In diesem Kapitel werden die im studentischen Plenum diskutierten Sichtweisen auf die Biografie der Interviewpartnerin zusammengefasst, wobei insbesondere die Bedeutung von Lob und Anerkennung hervorgehoben wird.
5 Reflexion des Interviews: Die Autoren reflektieren ihre Erfahrungen bei der Durchführung und Interpretation des Interviews sowie die Herausforderungen, die bei der Anwendung wissenschaftlicher Standards auftraten.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass narrative Interviews wertvolle Einblicke in das Leben von Menschen ermöglichen und Rückschlüsse auf das aktuelle sowie zukünftige Handeln zulassen.
Schlüsselwörter
Biographieforschung, Narratives Interview, Alfred Schütze, Qualitative Sozialforschung, Erziehungswissenschaft, Lebenslaufanalyse, Identitätsentwicklung, Soziale Arbeit, Anerkennung, Fallstudie, Interviewanalyse, Kindheit, Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Anwendung der biographieforschenden Methode von Alfred Schütze auf ein narrativ geführtes Interview, um lebensgeschichtliche Zusammenhänge besser verstehen zu können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Mittelpunkt stehen die formale Textanalyse, die Untersuchung von Verknüpfungselementen im Erzählverlauf sowie die Analyse der lebensgeschichtlichen Stationen einer Interviewpartnerin.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel besteht darin, die Erkenntnisse der Schütze'schen Methode auf ein konkretes Interview anzuwenden und die subjektiven Erfahrungen der Person durch den Forschungsprozess zu interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Verwendet wird das methodische Verfahren der narrativen Interviewanalyse nach Schütze, ergänzt durch eine anschließende Plenum-Interpretation und eine methodische Selbstreflexion.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Transkription des Interviews, die schrittweise Analyse nach formale Kriterien, die Diskussion der Ergebnisse im Plenum und die kritische Reflexion des Vorgehens.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Biographieforschung, Narratives Interview, Fallanalyse, lebensgeschichtliche Stationen und Schütze'sche Interpretationsmethode.
Welche Rolle spielt die Kindheit in der Analyse?
Die Analyse zeigt, dass die Kindheit der Interviewten eine prägende Rolle für ihre späteren Berufsentscheidungen spielt, da sie aufgrund ihrer Erfahrungen in einer Pflegefamilie ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung entwickelt hat.
Warum wurde Pädagogik als Studienfach gewählt?
Die Wahl fiel auf Pädagogik, weil die Person durch frühe Erfahrungen in der Jugendarbeit Bestätigung fand und diese Tätigkeit als sinnstiftender empfand als eine rein auf Gehalt ausgerichtete Tätigkeit in der Wirtschaft.
- Arbeit zitieren
- Dipl.Betrw.(BA) Michael M. Fleißer (Autor:in), 2003, Biographieforschung in der Erziehungswissenschaft - Analyse eines narrativen Interviews, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51048