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Die Debatte um eine "weibliche Moral" - Gertrud Nunner-Winklers Kritik an der These einer geschlechtsspezifischen Moral

Title: Die Debatte um eine "weibliche Moral" - Gertrud Nunner-Winklers Kritik an der These einer geschlechtsspezifischen Moral

Term Paper , 2002 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: M.A. Nicole Nieraad (Author)

Sociology - Relationships and Family
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Die Diskussion um die Existenz einer weiblichen Moral wurde von Untersuchungen der Amerikanerin Carol Gilligan entfacht, die sie in den späten 70er und frühen 80er Jahren veröffentlichte. Sie stellte in diesen Schriften eine weiblich präferierte Fürsorgemoral einer von Männern vorgezogenen Gerechtigkeitsmoral gegenüber. Diese These besaß genügend Zündstoff, um Anstoß für eine weitverzweigte Debatte zu werden. Der Frage, warum sie in diesem Maße die Gemüter erregte, wird am Beispiel Gertrud Nunner-Winkler nachgegangen werden. Diese war und ist in Deutschland Gilligans schärfste und engagierteste Kritikerin. Sie publizierte zahlreiche eigene Untersuchungen, die die Zwei-Moralen-These widerlegen.

Doch auch außerhalb der Wissenschaft wurde die Theorie von den geschlechtsspezifischen Moralen ausführlich thematisiert. Deren Nutzen für die Frauenbewegung und die gesellschaftlichen Folgen werden in der vorliegenden Arbeit erörtert. Einen Ausblick in die Zukunft bietet der Schweizer Wissenschaftler Martin Senti. Er untersuchte nicht nur die Differenzen zwischen den Geschlechtern, sondern auch die Unterschiede innerhalb der Gruppe der Frauen. Senti stellte zudem die Frage, was künftig die Aufgabe der Frauenpolitik sein wird bzw. sein muss, wobei deren einführende Beantwortung die Arbeit abrunden wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Einführung einer „weibliche Moral“

1.1 Kohlbergs Vorarbeit

1.2 Gilligan

1.2.1 Die provokante These

1.2.2 Verhältnis von Gerechtigkeit und Fürsorge

1.2.3 Erklärungsansatz

2. Gertrud Nunner-Winklers Gegenposition

2.1 Nunner-Winklers Moralverständnis

2.2 Erfüllung von Rollenerwartung

2.3 Aufbau von moralischer Motivation

2.4 Verständnis als Sondermoral

2.5 Der Nutzen für die Frauenbewegung

3. Empirische Untersuchungen

3.1 Gertrud Nunner-Winkler

3.2 Martin Senti

4. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Debatte um eine geschlechtsspezifische „weibliche Moral“, wie sie von Carol Gilligan initiiert wurde, und analysiert kritisch die Gegenposition der Wissenschaftlerin Gertrud Nunner-Winkler. Ziel ist es, die wissenschaftlichen Argumente hinter der These der zwei Moralen zu beleuchten und zu hinterfragen, inwiefern diese für die Frauenbewegung und das Verständnis gesellschaftlicher Differenzen relevant sind.

  • Kritische Analyse der Zwei-Moralen-These von Carol Gilligan.
  • Gegenüberstellung der Gerechtigkeits- und Fürsorgemoral.
  • Untersuchung der Argumente von Gertrud Nunner-Winkler gegen eine geschlechtsspezifische Moral.
  • Einfluss von Rollenerwartungen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf das moralische Urteilen.
  • Perspektiven von Martin Senti zur Differenzierung innerhalb der Gruppe der Frauen.

Auszug aus dem Buch

1.2.2 Verhältnis von Gerechtigkeit und Fürsorge

Gerechtigkeit und Fürsorge wären jedoch keine Gegensätze, die einander ausschließen und negieren würden, sondern Alternativen, um moralische Probleme auf vollkommen unterschiedliche Weise wahrzunehmen und somit auch differenziert lösen zu können. Gilligan vergleicht die unterschiedlichen Moralen mit der Anschauung eines mehrdeutigen Bildes, wie zum Beispiel jenes, bei dem man entweder eine alte oder eine junge Frau erkennt. Gleiche Muster eines Umrisses können auf verschiedene Arten gedeutet werden. Man kann jedoch immer nur eine Sicht innehaben und sich nicht beide gleichzeitig vor Augen halten. Zusätzlich erscheint eine Möglichkeit der Wahrnehmung oft als dominanter, was häufig durch Erfahrungen geleitet wird.30 Auf die zwei Moralen übertragen bedeutet dies, dass durch einen Wechsel der Aufmerksamkeit von der einen Perspektive zur anderen Sichtweise auch ein vollkommen neuer Blick von dem moralischen Problem und dessen Lösung entsteht.

Nach Gilligans Theorie ist nicht die eine Art der moralischen Ethik „besser“ oder höher entwickelt als die andere (im Gegensatz zu Kohlbergs Stufenschema). Beide Moralen sind „komplementär“ zueinander und „wechselseitig ergänzungsbedürftig“.31 Männer und Frauen könnten rein theoretisch beide der Sichtweisen annehmen, doch Fakt wäre, dass sie es praktisch nicht tun würden, sondern Männer die Gerechtigkeitsperspektive präferierten und Frauen dementsprechend die Fürsorgeethik.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die Einführung einer „weibliche Moral“: Dieses Kapitel stellt das von Kohlberg entwickelte Stufenmodell der Moral vor und erläutert Carol Gilligans These, die eine weibliche Fürsorgemoral einer männlich geprägten Gerechtigkeitsperspektive gegenüberstellt.

2. Gertrud Nunner-Winklers Gegenposition: Hier wird die Kritik von Gertrud Nunner-Winkler dargelegt, die betont, dass moralische Unterschiede eher auf Rollenerwartungen und Betroffenheit zurückzuführen sind als auf das Geschlecht.

3. Empirische Untersuchungen: In diesem Teil werden Studien von Nunner-Winkler und Martin Senti analysiert, die die These einer „natürlichen“ weiblichen Moral empirisch infrage stellen und die Bedeutung der individuellen Lebenslage betonen.

4. Schlussbetrachtung: Das letzte Kapitel fasst zusammen, dass die Frauenbewegung besser an geteilte Interessen als an ein unterstelltes „weibliches Wesen“ appellieren sollte, um langfristig politische Ziele zu erreichen.

Schlüsselwörter

Weibliche Moral, Fürsorgemoral, Gerechtigkeitsmoral, Carol Gilligan, Gertrud Nunner-Winkler, Moralentwicklung, Rollenerwartungen, Martin Senti, Frauenbewegung, Geschlechterdifferenz, Moralische Urteilsfindung, Differenzdiskurs, Sozialisation, Identität, Geschlechterrollen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die wissenschaftliche Debatte um die Existenz einer sogenannten „weiblichen Moral“ und die Kritik daran.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen moralische Urteilsbildung, die Unterscheidung zwischen Gerechtigkeits- und Fürsorgeethik sowie die soziologische Betrachtung von Geschlechterrollen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die These der zwei Moralen zu analysieren und zu prüfen, ob die empirischen Belege für eine geschlechtsspezifische Moral tragfähig sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse theoretischer Ansätze (Kohlberg, Gilligan, Nunner-Winkler) und die Auswertung empirischer Untersuchungen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Gilligan-These, die Gegenposition von Nunner-Winkler sowie empirische Befunde, die die Bedeutung von Rollen statt biologischer Gegebenheiten unterstreichen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Fürsorgemoral, Gerechtigkeitsmoral, Rollenidentität und die Kritik an der binären Differenzierung der Geschlechter.

Warum spielt das „Heinz-Dilemma“ in der Argumentation eine Rolle?

Es dient als Fallbeispiel, um die unterschiedlichen moralischen Antwortmuster zwischen einer gruppenorientierten (Fürsorge) und einer prinzipienorientierten (Gerechtigkeit) Perspektive zu verdeutlichen.

Was ist Martin Sentis Beitrag zu dieser Debatte?

Senti zeigt auf, dass innerhalb der Frauen als Gruppe größere soziale Differenzen existieren als zwischen den Geschlechtern, und plädiert für das Konzept „limitierter Allianzen“.

Wie bewertet Nunner-Winkler den Nutzen der Zwei-Moralen-These für die Frauenbewegung?

Obwohl die These kurzfristig Identität stiften kann, sieht Nunner-Winkler darin langfristig eine Gefahr, da sie Stereotype festigt und die Anerkennung individueller Lebenslagen behindert.

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Details

Title
Die Debatte um eine "weibliche Moral" - Gertrud Nunner-Winklers Kritik an der These einer geschlechtsspezifischen Moral
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Soziologisches Institut)
Course
Geschlechterdifferenzen in der Moderne
Grade
1,3
Author
M.A. Nicole Nieraad (Author)
Publication Year
2002
Pages
18
Catalog Number
V51063
ISBN (eBook)
9783638471299
ISBN (Book)
9783638764896
Language
German
Tags
Debatte Moral Gertrud Nunner-Winklers Kritik These Moral Geschlechterdifferenzen Moderne
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Nicole Nieraad (Author), 2002, Die Debatte um eine "weibliche Moral" - Gertrud Nunner-Winklers Kritik an der These einer geschlechtsspezifischen Moral, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51063
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