Bei der Bulimie handelt es sich um eine Erscheinung, deren Ursache noch weitgehend unbekannt ist und von der fast ausschließlich Frauen betroffen sind. Der Anteil der Männer schwankt in der Literatur von 5 bis 15%, in den Fachbüchern ist allerdings immer nur von „Patientinnen“ und „Bulimikerinnen“ die Rede und die vielen Fallbeispiele, die dort aufgezeichnet sind, beziehen sich ausschließlich auf erkrankte Frauen.
Eine der Hauptursachen für dieses Krankheitsbild scheint das Schlankheitsideal unserer Zeit zu sein. Denn während in früheren Zeiten bis in die Mitte unseres Jahrhunderts eher rundliche Formen für die weibliche Idealfigur galten, wird jetzt ein extrem schlanker Frauenkörper, vergleichbar den Barbie-Puppen, als weibliches Idealbild angesehen. Übersehen wird dabei die Tatsache, daß diese Figur nur durch Hungerkuren und Mangelernährung erreicht werden kann.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Definition
2. Das Krankheitsbild
2.1 Der typische Patient
2.2 Merkmale der Bulimie
2.2.1 Heißhunger und Erbrechen
2.3 Die Diagnose
2.4 Folgen der Bulimie
3. Die Hintergründe
3.1 Soziokulturelle Hintergründe
3.2 Psychologische Hintergründe
3.3 Neurobiologische Hintergründe
3.4 Die Familie
3.4.1 Die Väter
3.4.2 Die Mütter
4. Gegenüberstellung Anorexia nervosa und Bulimia nervosa
5. Therapieformen
6. Schlußbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Facharbeit untersucht das Krankheitsbild der Bulimia nervosa, um ein tieferes Verständnis für die Ursachen, den Verlauf und die psychischen Hintergründe dieser Essstörung zu entwickeln. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem modernen Schlankheitsideal und den psychologischen sowie familiären Bedingungsfaktoren aufzuzeigen.
- Klinische Definition und Merkmale der Bulimia nervosa.
- Soziokulturelle und psychologische Einflussfaktoren.
- Die Rolle der Familie und der Eltern-Kind-Beziehung.
- Vergleichende Analyse von Anorexia nervosa und Bulimia nervosa.
- Therapeutische Ansätze und deren Langfristigkeit.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Heißhunger und Erbrechen
Vor einem Freßanfall haben die Bulimikerinnen meist ein generalisertes Gefühl der Leere und des Alleinseins. Die Autorin C.Böhme-Blom schildert den Beginn des Essens als lustvoll und vergleicht das Schmecken und Hineinsaugen der Nahrungsmittel mit dem Gefühl der ersten Liebeserfahrungen die der Mensch an der Mutterbrust erlebt. Bei der Bulimie ist der Hauptmodus das Hineinehmen, Einsaugen und Einschlürfen. Weiche und halbflüssige Speisen werden oft bevorzugt. (...) Beim Einsaugen verschmilzt der Säugling mit dem Milchstrom, löst sich förmlich in Milch auf. (...) Die Nähe des bulimischen Anfalls zum diesem erotisch oral sexuellem Erleben ist deutlich. (...) Die Patientin erlebt etwas wie „wohlige Gewichtigkeit“, „satter Säugling“, Wärme und Zufriedenheit. (C. Böhme-Blom in Janssen 1997 S. 51)
Doch sobald sich der Leib etwas vorwölbt und der Magendruck steigt, steigen Unbehagen und Angst auf. In ängstlich irritierter Stimmung geht die Patientin zum Angriff über, die Wut steigt, das Essen wird zum Hinunterschlingen. Manche Frauen schlagen sich auf den Bauch, verschlingen kaum zerkaute Riesenbrocken, als müsse die Aggression nach außen und nach innen in der Wage gehalten werden. Der volle Leib wird gehaßt. Nun ist das Essen ohne jeglichen Genuß.(...) Der Mund wird zu einem einschlürfenden, verschlingenden Loch (...). Mit sadistischer Brachialgewalt wird der Rest oder auch völlig ungenießbares hinunter gewürgt. (C. Böhme-Blom in Janssen 1997 S. 52)
Das spontane oder herbeigeführte Erbrechen wird als Explodieren geschildert und wie eine Befreiung erlebt. Meist wird dann durch Trinken und Wiedererbrechen von Wasser eine regelrechte Magenspülung durchgeführt.
Mit dem Erbrechen wird Zug um Zug die Kontrolle zurückgewonnen, danach folgt eine kurze Phase der Entspannung, die schnell von Scham und Reue abgelöst wird. Es folgt eine neue Leere und der verhängnisvolle Kreislauf beginnt von neuem. (vergl. C. Böhme-Blom in Janssen 1997 S. 52)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema Bulimie vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Ideale und persönlicher Beweggründe.
1. Definition: Herleitung des Begriffs aus dem Griechischen und erste Etymologie.
2. Das Krankheitsbild: Beschreibung des Erscheinungsbildes und der demografischen Charakteristika der Betroffenen.
2.1 Der typische Patient: Darstellung der sozialen und psychischen Merkmale von Bulimie-Patientinnen.
2.2 Merkmale der Bulimie: Analyse der Essanfälle, des Erbrechens und weiterer Kompensationsmechanismen.
2.2.1 Heißhunger und Erbrechen: Detaillierte Schilderung der psychodynamischen Prozesse während eines Fressanfalls.
2.3 Die Diagnose: Vorstellung der offiziellen Kriterien gemäß DSM-III-R.
2.4 Folgen der Bulimie: Darstellung körperlicher Schäden und Mangelerscheinungen.
3. Die Hintergründe: Einleitung in die Suche nach den Ursachen der Erkrankung.
3.1 Soziokulturelle Hintergründe: Einfluss der Medien und des Schlankheitsideals auf das moderne Frauenbild.
3.2 Psychologische Hintergründe: Psychoanalytische Sicht auf Triebkonflikte und Selbstdefizite.
3.3 Neurobiologische Hintergründe: Untersuchung von Botenstoffen wie Noradrenalin und Serotonin.
3.4 Die Familie: Beschreibung familiärer Strukturen und Erziehungsmuster.
3.4.1 Die Väter: Analyse des Einflusses ehrgeiziger Väter auf die Tochter.
3.4.2 Die Mütter: Analyse der Rolle der Mutter als Familienmanagerin und deren Auswirkung auf das Kind.
4. Gegenüberstellung Anorexia nervosa und Bulimia nervosa: Detaillierter Vergleich beider Störungsbilder hinsichtlich Symptomatik und Befund.
5. Therapieformen: Übersicht über therapeutische Verfahren und deren langfristige Erfolgsaussichten.
6. Schlußbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung der Autorin über die Entstehung der Bulimie im gesellschaftlichen Kontext.
Schlüsselwörter
Bulimia nervosa, Essstörung, Fressanfälle, Erbrechen, Schlankheitsideal, Psychosomatik, Anorexia nervosa, Familiendynamik, Selbstbild, Psychotherapie, Essanfall, Körperschema, Depressivität, Verhaltensanalyse, Essverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Essstörung Bulimia nervosa, wobei der Fokus auf der Beschreibung des Krankheitsbildes, der Ursachenforschung und der Behandlung liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die medizinische Definition, die psychologischen und neurobiologischen Hintergründe sowie der Einfluss der familiären Struktur auf die Entstehung der Krankheit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Aufarbeitung der Bulimie, um zu verstehen, warum Betroffene in den Kreislauf von Fressattacken und Erbrechen geraten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller fachwissenschaftlicher Quellen zur Psychologie und psychosomatischen Medizin.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die klinischen Merkmale, die Diagnosekriterien, die soziokulturellen Einflüsse sowie die Rolle der Eltern in der Entwicklung der Erkrankung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Essstörung, Bulimia nervosa, gesellschaftliches Schlankheitsideal, Familiendynamik und therapeutische Ansätze beschreiben.
Warum spielt das Schlankheitsideal laut Autor eine so große Rolle?
Der Autor argumentiert, dass das heutige Idealbild extrem schlanker Frauen für viele nur durch Mangelernährung und Hungerkuren erreichbar ist, was als Auslöser für den Kontrollverlust fungieren kann.
Wie unterscheidet sich die Bulimie von der Anorexie?
Während bei der Bulimie das Leiden unter der eigenen Situation und der Kontrollverlust beim Essen überwiegt, zeichnet sich die Anorexie oft durch eine Verleugnung der Krankheit und Stolz auf die Gewichtsabnahme aus.
Warum ist die Therapie der Bulimie so schwierig?
Eine einheitliche kausale Therapie existiert nicht; Erfolge zeigen sich meist erst nach sehr langen Zeiträumen von ca. fünf Jahren, da viele tief sitzende persönliche und familiäre Faktoren involviert sind.
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- Helmut Wurm (Author), 1999, Bulimia nervosa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51064