Inwieweit ist die Weiterbildung zum/zur geprüften Fachwirt/-in für Versicherungen und Finanzen zeitgemäß ausgestaltet, um den aktuellen Entwicklungen am Arbeitsmarkt gerecht zu werden und den beruflichen Aufstieg zu befördern?
Über die Bedeutung der beruflichen Weiterbildung besteht aktuell national als auch international auf wissenschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene ein breiter Konsens. Lebenslanges Lernen gilt als zentrale Voraussetzung, um den individuellen beruflichen Werdegang im Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft aktiv gestalten zu können. Durch ökonomische, soziale und technologische Entwicklungstendenzen, auch Megatrends genannt, wie technologische Neuerungen, die Digitalisierung, Globalisierung aber auch demografische Veränderungen, welche zu einer Umgestaltung der Beschäftigungsstruktur führen, ergibt sich ein steigender Qualifikationsbedarf und damit einhergehend eine erhöhte Notwendigkeit der Leistungs- und Anpassungsfähigkeit seitens der Arbeitnehmer/-innen. So ist es nicht verwunderlich, dass mit einer Gesamtbeteiligungsquote von 50 Prozent im Jahr 2016 jede/-r zweite Arbeitnehmer/-in an einer Weiterbildung teilgenommen hat.
Diese Entwicklungstendenzen und die durch die Digitalisierung beschleunigte Vernetzung der Arbeitsbereiche setzt viele Branchen unter einen großen Veränderungsdruck. Im Besonderen für die Versicherungswirtschaft gehen Studien von einer massiven Veränderung der Beschäftigungsstruktur bis hin zum Ende des klassischen Geschäftsmodells aus. So entwickelte sich bereits 2013 mit Unterstützung zahlreicher Verbände der deutschen Versicherungsbranche die Brancheninitiative "gut beraten - Weiterbildung der Versicherungsvermittler in Deutschland". Deren Ziel ist jedoch, Weiterbildungen zu Kompetenzen in den Schwerpunktbereichen der Kundenberatung und -betreuung zu befördern. Für die Anpassung an veränderte Arbeitsmarktstrukturen sowie den beruflichen Aufstieg bedarf es jedoch weiterer Kompetenzen. Denn durch diese Veränderungen werden an Arbeitnehmer/-innen deutlich erhöhte Komplexitäts-, Abstraktions- und Problemlösungsanforderungen gestellt und ein sehr hohes Maß an selbstgesteuertem Handeln, kommunikativen Kompetenzen und Fähigkeiten zur Selbstorganisation abverlangt. Kompetenzen beziehen sich dabei nicht bloß auf Wissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten, sondern auf deren verantwortliche und sachgerechte Bedienung in entsprechenden, nicht selten komplexen Situationen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau und Methodik der Arbeit
2. Entwicklungen des Arbeitsmarktes und daraus folgende Kompetenzanforderungen
2.1 Veränderung des Arbeitsmarktes und der Kompetenzanforderungen an Arbeitnehmer/-innen
2.2 Kompetenzanforderungen an Arbeitnehmer/-innen der Versicherungsbranche
3. Kompetenzanforderungen für den beruflichen Aufstieg zur Führungskraft
4. Die Weiterbildung geprüfte/-r Fachwirt/-in für Versicherungen und Finanzen
4.1 Weiterbildung - eine kurze Definition
4.2 Die Weiterbildung geprüfte/-r Fachwirt/-in für Versicherungen und Finanzen
4.2.1 Organisation und Voraussetzungen der Weiterbildung
4.2.2 Didaktisch-methodische Grundlagen und Inhalte der Weiterbildung
5. Beförderung notwendiger Kompetenzen durch die Weiterbildung geprüfte/-r Fachwirt/-in für Versicherungen und Finanzen
5.1 Beförderung der für die Anpassung an veränderte Arbeitsmarktstrukturen notwendigen Kompetenzen
5.2 Beförderung der für den Aufstieg zur Führungskraft notwendigen Kompetenzen
6. Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit die Weiterbildung zum/zur geprüften Fachwirt/-in für Versicherungen und Finanzen geeignet ist, Arbeitnehmer/-innen auf die durch Megatrends veränderten Anforderungen am Arbeitsmarkt vorzubereiten und ihren beruflichen Aufstieg zur Führungskraft zu fördern.
- Analyse der Auswirkungen von Digitalisierung, Globalisierung und demografischem Wandel auf die Arbeitswelt.
- Identifikation spezifischer Kompetenzanforderungen in der Versicherungswirtschaft.
- Untersuchung der Anforderungen an moderne Führungskräfte.
- Evaluation der didaktischen Struktur und Inhalte der Fachwirt-Weiterbildung.
- Bewertung des Beitrags der Weiterbildung zur Kompetenzentwicklung und Karriereförderung.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Über die Bedeutung der beruflichen Weiterbildung besteht aktuell national als auch international auf wissenschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene ein breiter Konsens, da lebenslanges Lernen als zentrale Voraussetzung gilt, um den individuellen beruflichen Werdegang im Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft aktiv gestalten zu können (vgl. Esser 2018, S. 3; Münk 2006, S. 547 f.; Walter 2009, S. 22). Durch ökonomische, soziale und technologische Entwicklungstendenzen, auch Megatrends genannt, wie technologische Neuerungen, die Digitalisierung, Globalisierung aber auch demografische Veränderungen, welche zu einer Umgestaltung der Beschäftigungsstruktur führen, ergibt sich ein steigender Qualifikationsbedarf und damit einhergehend eine erhöhte Notwendigkeit der Leistungs- und Anpassungsfähigkeit seitens der Arbeitnehmer/-innen (vgl. Euler & Severing 2019, S. 8 f.; OECD 2019; Seyda, Meinhard & Placke 2018, S. 107).
So ist es nicht verwunderlich, dass mit einer Gesamtbeteiligungsquote von 50 Prozent im Jahr 2016 jede/-r zweite Arbeitnehmer/-in an einer Weiterbildung teilgenommen hat (vgl. Bilger & Strauß 2017, S. 39). Diese Entwicklungstendenzen und die durch die Digitalisierung beschleunigte Vernetzung der Arbeitsbereiche setzt viele Branchen unter einen großen Veränderungsdruck. Im Besonderen für die Versicherungswirtschaft gehen Studien von einer massiven Veränderung der Beschäftigungsstruktur bis hin zum Ende des klassischen Geschäftsmodells aus (vgl. BWV & f-bb 2017, S. 5; McKinsey & Company 2016). So entwickelte sich bereits 2013 mit Unterstützung zahlreicher Verbände der deutschen Versicherungsbranche die Brancheninitiative gut beraten – Weiterbildung der Versicherungsvermittler in Deutschland.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Relevanz lebenslangen Lernens angesichts von Megatrends und Vorstellung der Problemstellung sowie Methodik der Arbeit.
2. Entwicklungen des Arbeitsmarktes und daraus folgende Kompetenzanforderungen: Analyse der Megatrends Digitalisierung, Globalisierung und demografischer Wandel und deren Konsequenzen für das Anforderungsprofil von Arbeitnehmer/-innen in der Versicherungsbranche.
3. Kompetenzanforderungen für den beruflichen Aufstieg zur Führungskraft: Erörterung der Rollen und notwendigen Kompetenzen von Führungskräften vor dem Hintergrund sich wandelnder betrieblicher Rahmenbedingungen.
4. Die Weiterbildung geprüfte/-r Fachwirt/-in für Versicherungen und Finanzen: Definition der Weiterbildung und detaillierte Darstellung der Organisation, Voraussetzungen sowie der didaktisch-methodischen Inhalte.
5. Beförderung notwendiger Kompetenzen durch die Weiterbildung geprüfte/-r Fachwirt/-in für Versicherungen und Finanzen: Überprüfung, inwieweit die Fachwirt-Weiterbildung die in den Kapiteln 2 und 3 identifizierten Kompetenzen tatsächlich befördern kann.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Eignung der Weiterbildung zur Kompetenzförderung und zum Aufstieg, ergänzt um Limitationen und Bedarfe für zukünftige empirische Forschung.
Schlüsselwörter
Weiterbildung, Versicherungsbranche, Fachwirt, Kompetenzentwicklung, Digitalisierung, Arbeitsmarkt, lebenslanges Lernen, Führungskraft, Personalmanagement, Qualifizierung, Megatrends, Strukturwandel, Fachkräftebedarf, berufliche Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Wirksamkeit der Weiterbildung zum/zur geprüften Fachwirt/-in für Versicherungen und Finanzen als Instrument zur beruflichen Entwicklung im Kontext sich wandelnder Arbeitsmarktstrukturen.
Welche Megatrends beeinflussen die Arbeitswelt?
Die zentralen Einflussfaktoren sind die Digitalisierung, die Globalisierung sowie der demografische Wandel, die tiefgreifende Anforderungen an die Qualifikation der Arbeitnehmer/-innen stellen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Es wird analysiert, ob die Fachwirt-Weiterbildung zeitgemäß gestaltet ist, um den Arbeitnehmer/-innen zu ermöglichen, den wachsenden Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden und ihren Aufstieg zur Führungskraft zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die aktuelle Studien, Literatur und die offiziellen didaktischen Konzepte des Berufsbildungswerks der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) miteinander verknüpft und bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Marktveränderungen, der Anforderungen an Führungskräfte, eine detaillierte Betrachtung der Fachwirt-Weiterbildung sowie eine abschließende Untersuchung darüber, welche dieser spezifischen Kompetenzen durch die Weiterbildung gefördert werden können.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Weiterbildung, Kompetenzentwicklung, Digitalisierung, Führungskompetenz und strukturellen Wandel in der Versicherungswirtschaft geprägt.
Warum ist die Versicherungswirtschaft besonders von Veränderung betroffen?
Die Branche steht durch Digitalisierung, verändertes Kundenverhalten und regulatorische Anforderungen vor einem massiven Strukturwandel, der das klassische Geschäftsmodell bedroht und höhere Anforderungen an die Fachberatung stellt.
Welche Rolle spielt die Führungskraft laut dieser Arbeit?
Die Arbeit identifiziert verschiedene Rollen wie den Führer, Ressourcenzuteiler, Koordinator und Krisenmanager, für die neben fachlichen vor allem soziale, integrative und methodische Kompetenzen essenziell sind.
Kann die Weiterbildung alle für den Aufstieg nötigen Kompetenzen vermitteln?
Während die Weiterbildung sehr gut in den Bereichen Fachkompetenz und Personalführung aufgestellt ist, weist sie bei speziellen Anforderungen, wie z.B. komplexem Krisenmanagement oder moderner Technikkompetenz, noch Entwicklungspotenzial auf.
Was schlussfolgert die Autorin hinsichtlich der Kosten-Nutzen-Relation?
Es wird festgehalten, dass eine Teilnahme erhebliche direkte und indirekte Kosten verursacht. Da empirische Daten zu den Langzeitwirkungen fehlen, wird angemerkt, dass eine Weiterbildung den Kompetenzerwerb ermöglicht, den beruflichen Aufstieg jedoch nicht garantiert.
- Citation du texte
- Janina-Simone Henschel (Auteur), 2019, Die Weiterbildung zum/zur geprüften Fachwirt/in für Versicherungen und Finanzen als Möglichkeit der beruflichen Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511533