Künstlerische Kunstpädagogik

Müssen wir lernen, dass es an Kunst nichts zu lernen gibt?


Hausarbeit, 2016

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Begriffsannäherung
1.1. Kann man an Kunst etwas lernen?
1.2. Muss ein (Kunst-) Lehrer Künstler sein?
1.3. Was ist ein Künstler? Wie vereinbart er sich mit Pädagogik?
1.4. Wie kann eine künstlerische Unterrichtsstunde aussehen?

2. Das künstlerische Projekt (KP)
2.1. Sollte künstlerisches Lernen im KP erfolgen?

3.2. Wie kann man soziale Kompetenzerfahrung darin eingliedern?

4. Kann man Kunst messen?
4.1. Kann man die Kompetenzen im Kunstunterricht messen?
4.2. Was heißt das in Bezug auf die Lehrpersönlichkeit?

5. Offene Möglichkeiten – bis hin zur Forschung?
5.1. Musik-Bild-Verbindung im Künstlerischen Projekt
5.2. Künstlerische Forschung als Projekt
5.3. Potentielle Ergebnisse künstlerischer Forschung

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1.Begriffsannäherung

1.1. Kann man an Kunst etwas lernen?

Künstlerische Kunstpädagogik, was bedeutet das? Fest steht, dass sich Kunst und Pädagogik wechselseitig ergänzen, aber auch abstoßen,1 wie Peez es formuliert.2 Gewissermaßen eine Hass - Liebe. Diese kann auch im Kunstpädagogen selbst ersichtlich werden. Z.B. ist der Lehrer auf dem Kunstmarkt gescheitert, will aber ein guter Pädagoge sein, so darf er nicht den Markt im Kunstunterricht ganz negieren. Es ist wichtig, dass auch darüber diskutiert wird, denn schließlich hängt alles zusammen. Doch lässt die versuchte Vereinbarung von Kunst und Pädagogik die Gefahr aufkommen „an der Kunst vorbei zu unterrichten“, indem das Handwerkliche, die reine Technik gelehrt wird, in dem Glauben das „spezifische von Kunst“ vermitteln zu können.3 Kunst ist laut Buschkühle „nicht didaktisierbar“.4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1

Dasselbe gilt für obenstehendes Zitat (Abb.1.) von Hermann K. Ehmer. Doch worum geht es dann im Kunstunterricht? Richtet man sich nach der Musischen Erziehung, dann darf die reine Genussfähigkeit des Kindes im Mittelpunkt stehen. Es geht um sinnliche Erfahrung im Hier und Jetzt. Richtet man sich nach formalem KU dann wird die Rezeption und Kontextualität in den Vordergrund gerückt. Das Künstlerische Projekt (KP), welches in den folgenden Kapiteln im Fokus stehen soll, wird v.a. mit Buschkühle verbreitet.Es verbindet wohl beide Bereiche, indem ästhetische Erfahrung zuerst kontextunabhängig gemacht, und im Nachhinein in einen Reflexionszusammenhang gestellt wird. Doch zunächst soll die Frage geklärt werden, ob oder wenn ja, warum ein (Kunst-) Lehrer Künstler sein soll. Und es soll der Versuch gemacht werden, eine mögliche künstlerische Unterrichtsstunde zu entwerfen.

1.2.Muss ein (Kunst-) Lehrer Künstler sein?

Als Lehrperson wird man zwangsläufig mit „Miterziehern“ konfrontiert. (z.B. unterschiedliche gesellschaftliche Institutionen, oder moderne Medien).5 Dagegen kann man sich wohl mit vorurteilsfreiem Urteil am besten wehren. Vgl. Zitat Pipilotti Rist (1962):

„Die Hirnforschung beweist immer wieder, wie instinktgetrieben wir am Ende sind. Das Grundübel ist, dass wir urteilen und bewerten müssen. Wir können nicht anders. (…) Es gibt viele Menschen, die den Kontrollverlust nicht mögen, den meine Arbeiten oft fordern. (…) Sie haben Angst (…)davor, die Kontrolle über ihr Urteilsvermögen zu verlieren. Mir geht es nicht anders, deshalb meditiere ich manchmal und versuche, die Bilder, die auftauchen, nicht zu beurteilen. (…) Unsere Urteile und Vorurteile wirken wie Filter, die wir einbauen, um zu überleben. Wir klammern extrem viel aus. Als Künstler habe ich dagegen die Aufgabe, solche Sicherheitszonen zu durchbrechen und zu riskieren, dass andere meine Arbeiten als feministischen Kitsch einstufen!“6

Wie P. Rist mit Ihren eigenen Arbeiten eine Sicherheitszone durchbricht, ist es für den Kunstlehrer (und auch die Lehrperson generell) essentiell vorurteilsfrei zu handeln. Eine Bewertung, meist in Form von Notengebung muss dennoch erfolgen und vor allem in Kunst scheint hier ein großes Problem der Subjektivität zu herrschen. Die in einer Schulklasse evtl. verstärkt wird durch Bildung bestimmter Sozialgefüge (z.B. Peergroup) oder den Übergang ins Erwachsenenalter. Vgl. Zitat Ricci Corrado (1906):

„Das Schönheitsgefühl ist beim Kind natürlicherweise weniger entwickelt als beim erwachsenen Menschen, dafür ist es aber reiner, wie ein Fluss reiner ist, solange er an der Quelle aus einem dünnen Wasserfaden besteht, als wenn er (…) den unreinen Abfluss der Kloaken an sich aufgenommen hat. (…) Eine schreckliche Zwischenzeit ist es wohl, wenn das Kind zu sein aufhört und der Jüngling noch nicht reif ist! In dieser Zeit drängen sich daher neue künstlerische und poetische Momente in die Urteilsbildung über das Schöne.“7

Aus diesem Grund der erwähnten Unerfahrenheit benötigen Schüler einen Künstler als Ansprechperson, die ihnen hilft ästhetische Urteile zu ermöglichen und deren Hintergründe zu erforschen. Die Lehrperson muss sich dabei aber immer gewahr sein, dass das künstlerische Moment in jedem Menschen steckt, und wohl in vielen Situationen die Überlegenheit der Schüler eingestehen. (Kunst kann somit unhinterfragte Machtverhältnisse dekonstruieren) Eine mögliche Definition was ein Künstler sein kann, soll nun folgen.

1.3. Was ist ein Künstler? Wie vereinbart er sich mit Pädagogik?

Folgt man der Wikipediadefinition so ist ein Künstler, ein „in der Bildenden Kunst, der Angewandten Kunst, der Darstellenden Kunst sowie der Literaturund/ oder der Musik kreativ tätiger Mensch, der Kunstwerke schafft.“8 (Der Begriff Kunstwerk, soll hier nicht näher beleuchtet werden). Dabei habe sich diese „gesellschaftliche Reduzierung“ erst im vorigen Jhdt. von einem umfassenden Verständnis des Künstlers als kreatives, gebildetes Individuum der Lebenskunst zur alleinigen Berufsbezeichnung, ergeben.9

1.4.Wie kann eine künstlerische Unterrichtsstunde aussehen?

„Gutenmorgen liebe Klasse“. „Gutenmorgen Frau Haas!“

In diesem Hierarchieverhältnis scheint die alltägliche Unterrichtsstunde zu beginnen und weitestgehend abzulaufen. Niemand beschwert sich. Niemand stellt Fragen oder hinterfragt gar das System das hier konstruiert wird, welches auf hierarchischen Machtstrukturen basiert. Doch kann man im Kunstunterricht diese Strukturen bewusst umdrehen? In keinem Fach besitzt man so viel Freiheit seine Ideen abseits vom Lehrplan zu verwirklichen wie in Kunst. Das Künstlerische Projekt (KP) ist eine mögliche Form von freier Entfaltungsmöglichkeit durch begrenzte Hilfestellung des Lehrers. Das KP wurde mit dem Kunstpädagogen C.P. Buschkühle bekannt, worauf im nächsten Kapitel eingegangen werden soll.

Doch betrachten wir eine durchschnittliche Kunststunde, sehen wir meist das Modell der Bildbetrachtung wie es Buschkühle formuliert, als „numerische Leistungsklassifikation“ nach deren Kriterien man ohne Schwierigkeiten bewerten kann.10 Doch dies sei eine Fehleinschätzung des künstlerischen Anliegens wie es z.B. von Beuys formuliert wird: „Schulung eines Denkens in Zusammenhängen“.11 Es seien unbekannte künstlerische Prozesse, die weniger mit „Nachahmen und Rezipieren“, als vielmehr mit der Entwicklung einer grundsätzlich künstlerischen Haltung zu tun hätten.12 Dies wird im Mapping gut erfasst, welches nah am KP liegt und wissenschaftliches mit künstlerischem Handeln in der Kartographierung verbindet, indem Räume als reale und imaginäre Orte entstehen.13 Wenn Kunst „von der Materialgestaltung bis zur Lebenshaltung“ als „Probe auf Freiheit“14 zu verstehen ist, dann ist es im KP enorm wichtig auch Intermedialität zu berücksichtigen, oder neben Fachinterdisziplinarität im Kollegium auch „Dritte“ von außen kommende Experten hinzuzuziehen, die sich für eine Projektphase engagieren.15 Was ein KP genau ist, soll nun im nächsten Kapitel behandelt werden.

2. Das künstlerische Projekt (KP)

2.1. Sollte künstlerisches Lernen im KP erfolgen?

Was sind die Vorteile eines Lernens im KP? Was ist der Unterschied zum „Standard-Unterricht“? Die wesentlichen Aspekte Künstlerischer Bildung sollten laut Buschkühle „die achtsame Wahrnehmung, die kritische Reflexion und die eigenständige Imagination“ beinhalten.16 Als Unterkategorien gibt es das strukturierte Projekt und das offene Projekt, wobei letzteres, aufgrund Kenntnis- bzw. Erfahrungsvoraussetzung jedes Einzelnen, als anspruchsvoller gilt. Buschkühle formuliert den Anspruch des KP folgendermaßen:

„Es ist weiterhin fraglich, ob es in einer zeitgenössischen künstlerischen Bildung darum gehen kann, systematische Kenntnisse über die Kunst der Gegenwart und der Vergangenheit zu vermitteln. Kunst selbst entgrenzt sich und tut dies unter Erkundung ihrer eigenen Merkmale. Die Verbindung von Kunst und Leben, das alte Programm und die prekäre Utopie der Avantgarde eines Dada- oder Surrealismus, tritt in gewandelter postmoderner Form in Erscheinung. Soziale Plastik berührt die Lebenskunst, die das Bild prägt, das eigene Leben als Gegenstand der Gestaltung aufzufassen, ja die vor Augen führt, dass es angesichts der gesellschaftlichen und kulturellen Heterogenität aus der disparaten Vielfalt selbst zu formen ist, dass es aus den Versatzstücken und Widersprüchen einer Pluralität ohne verbindliche Normen selbst zu erfinden ist. Lebenskunst ist die virulent gewordene Anforderung an eine Existenz, die umgeben ist von umherschwirrenden Bildern und Stimmen vieler und fremder Art, die sich darin zurechtfinden, orientieren muß, die in der Fülle und Konflikthaftigkeit blind zu werden droht und um Worte ringt, ihre Sprache finden, ihre eigene Erzählung von Sinn und Bedeutung hervorbringen will.“17

Was Buschkühle in diesem Zitat betont, sollte als Lernaspekt für das KP angesehen werden. Im KU muss Widerspruch zur Verfahrensweise von Nützlichkeit, Effektivität und Begründbarkeit im Zentrum stehen. Darum sollten die Erfahrung des Materials an sich und die Erfahrung an sich selbst als Nichtidentität (v.a. im Zus. Mit Massenmedien) behandelt werden. Als Gegensatz hierzu wird jedoch von Buschkühle die Empfindungsfähigkeit so wie die Vorstellungs-einbildungskraft und nicht Zuletzt der Wille als Entwicklungsziel für das KP angegeben. Und die Lösungsvielfalt, welche sich im KP ergeben sollte zu Respekt vor der Besonderheit des anderen und dessen Charakter beitragen.18

Folgender Abschnitt richtet sich nach den Strukturelementen des KP nach Buschkühle19: Gliedern lässt sich (bes. das strukturierte KP) in drei Phasen: Einleitung (Induktion) – Experiment – Kontextualität. Z.B. beschreibt Buschkühle ein KP mit dem Werkstoff Papier. Es soll spielerische Erkundung und Transformation stattfinden. Dazu werden von vorne herein bekannte Formen ausgeschlossen, weil das Experiment ohne vertraute Aspekte im Zentrum steht. In Zufallsergebnissen (Induktion) wird nun das Wechselspiel von positiv-negativ, raumgreifend-verdrängenden Teilen, Rissen, Löchern, Statik, Spannung und Formprinzipien (ordnend-informell) festgestellt. Die weiteren Entdeckungen führten - speziell in Buschkühles KP (weitere Stufe des KP: Experiment) – zum bewussten Zusammenstecken, Flechten, und Falten von öffnend- abgeschlossenen Elementen, großen- kleinen Formen, räumlich- flächigen Eigenschaften, die durch formale Kontraste geprägt werden. Buschkühle erwähnt in diesem Zus. Das Arbeiten mit versch. Papiersorten, ebenso wie der Besuch einer Papiermühle, als kulturhistorischer/ materialtechnischer Zus., denkbar wäre. In der Endphase der Kontextualität, sollte die Reproduktion von Kunstwerken erst im Nachhinein gezeigt werden. Auch die kunsthistorische Betrachtung sollte zum Ende hin erfolgen, da durch den zu starken Einfluss die persönliche Erkundung umgeformt würde. Anspielungen darauf liefern auch die Bauhauskurse Josef Albers, der Materialgerechtigkeit, sowie Grundprinzipien der Form behandelt.

3.2. Wie kann man soziale Kompetenzerfahrung darin eingliedern?

Im Künstlerischen Projekt sind soziale Kompetenzen von Nöten, wenn es als Gruppenprojekt durchgeführt wird. Betreibt man es als Einzelprojekt, kann es im Interessen- Austausch unter den Schülern zu sozialem Kontakt kommen, oder man legt das abschließende Bewertungsverfahren auf Gruppenbasis an, oder die zwischenschritte der Projektstufen werden im Plenum besprochen und diskutiert. Wichtig ist, dass Regeln für das Diskutieren/ Bewerten auf neutraler Ebene aufgestellt werden, um nicht subjektiv oder gar für andere verletzend zu urteilen.

[...]


1 Peez, Georg (2002): Einführung in die Kunstpädagogik. Stuttgart: Kohlhammer. S. 24.

2 Peez, Georg (2002): Einführung in die Kunstpädagogik. Stuttgart: Kohlhammer. S. 13.

3 Ders. S. 23.

4 Ebd.

5 Ders. S. 13.

6 Peez, Georg (2015): Ästhetische Urteile bilden. Zu einer zentralen Kompetenz aus kunstpädagogischer Sicht. In: Peez, Georg (Hg.): Beurteilen lernen im Kunstunterricht. Unterrichtseinheiten, Methoden und Reflexionen zu einer zentralen ästhetik- und kunstbezogenen Fachkompetenz. München: Kopaed. S. 28.

7 Ders. S. 27.

8 Wikipedia: Künstler. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCnstler. ( Abruf 02.03.16)

9 Ebd.

10 Buschkühle, Carl- Peter (2010): Die Welt als Spiel. 2. Kunstpädagogik: Theorie und Praxis künstlerischer Bildung. Oberhausen: Athena. S.28.

11 Ebd.

12 Ders. S.41.

13 Ders. S. 42.

14 Ders. S. 43.

15 Ebd.

16 Pdf im speicher!!!!online nachschauen!!!!

17 Buschkühle, Carl-Peter.: Kunstpädagogen müssen Künstler sein. Zum Konzept Künstlerischer Bildung. URL: http://kunst.uni-koeln.de/kpp/_kpp_daten/pdf/HamburgUP_KPP05_Buschkuehle.pdf S.9. (Abruf 13.11.2015). (Hervorh. d. Verf). -Weitere Quellen: -Ders. (2007): Die Welt als Spiel. II. Kunstpädagogik. Theorie und Praxis künstlerischer Bildung. Oberhausen: Athena. -Ders. (2012): Künstlerische Kunstpädagogik. Ein Diskurs zur künstlerischen Bildung. Oberhausen: Athena.

18 Buschkühle, Carl- Peter. (2007): Die Welt als Spiel. II. Kunstpädagogik. Theorie und Praxis künstlerischer Bildung. Oberhausen: Athena. S.217ff.

19 Buschkühle, Carl- Peter. (2007): Die Welt als Spiel. II. Kunstpädagogik. Theorie und Praxis künstlerischer Bildung. Oberhausen: Athena. S.220-224.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Künstlerische Kunstpädagogik
Untertitel
Müssen wir lernen, dass es an Kunst nichts zu lernen gibt?
Hochschule
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe  (Kunsterziehung)
Veranstaltung
Fachdidaktik
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V511863
ISBN (eBook)
9783346095480
ISBN (Buch)
9783346095497
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunst-Bildung-Forschung, Kunstpädagogik
Arbeit zitieren
Annika Haas (Autor), 2016, Künstlerische Kunstpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511863

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