Palenquero. Beschreibung einer auf dem Spanischen basierenden Kreolsprache


Seminararbeit, 2014

28 Seiten, Note: 1,7

Jakub Duch (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtliche und soziolinguistische Eigenschaften von Palenque de San Basilio
2.1 Einleitung
2.2 Geschichtliches
2.3 Kultur und Lebensweise der Einwohner
2.3 Soziolinguistische Situation

3. Lexikologie

4. Morphologie
4.1 Fehlende Flexion

5. Phonologie
5.1 Phoneminventar des Palenquero
5.2 Anlautnasalierung
5.3 Lautumformungen und -verschiebungen
5.4 Silbenstruktur
5.5 Intonation und Prosodie

6. Syntax
6.1 Satzbau und Stellung der Pronomen
6.2 Artikelsystem
6.3 Verneinung

7. Forschung zur Entstehung und zur Geschichte des Palenquero
7.1 Die Herkunft der Dorfbewohner und die Suche nach der Substratsprache
7.2 Entstehungstheorien
7.3 Mögliche Erklärungen für die geringe Anzahl spanischbasierter Kreolsprachen

8. Abschließender Kommentar

1. Einleitung

Die Situation des kolumbianischen Dorfes Palenque de San Basilio und seiner Palenquero (Glottonym: lengua) genannten Sprache ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich. Nachdem es mehrere Jahrhunderte lang relativ isoliert war (siehe unten), wurde erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Straße gebaut, die das Dorf mit dem Rest des Landes verbindet. Daraufhin wurde es mitsamt seiner Kreolsprache von Sprachwissenschaftlern erforscht. Durch seine große Anzahl an Veröffentlichungen (auch über einzelne Aspekte des Palenquero) und Forschungsreisen ins Dorf ragt der Schweizer Romanist Armin Schwegler von der University of California heraus. Weitere Forscher, die mit eigenem Material gearbeitet haben, sind Dieck und Patiño. Die Sprachbeispiele dieser Abhandlung gehen daher auf Erhebungen dieser drei Linguisten zurück.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf den sprachlichen Eigenschaften des Palenquero. Nach einem Auftaktkapitel über die soziolinguistische und historische Situation im Sprachgebiet wird seine Lexik, Morphologie, Phonologie und Syntax in eigenen Kapiteln beschrieben. Das darauf folgende Kapitel beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Debatte über die Entstehung von Kreolsprachen und des Palenquero. Ein Abschlusskommentar bildet den letzten Teil der Abhandlung.

2. Geschichtliche und soziolinguistische Eigenschaften von Palenque de San Basilio

2.1 Einleitung

Auch wenn die linguistische Auseinandersetzung mit Palenquero als Kreolsprache im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen soll, wäre sie dennoch ohne ein Kapitel über soziolinguistische Besonderheiten des Dorfes unvollständig. Sprache als Phänomen menschlicher Kultur ist eng mit anderen Kulturleistungen verknüpft, so dass es zu vielschichtigen Wechselwirkungen kommt. Beispielsweise beschreibt Friedemann die ehemals intensive Stigmatisierung des Palenquero, die dazu führte, dass die Kreolsprache aus Scham kaum mehr vor Nicht-Muttersprachlern gesprochen wurde. Wer würde bestreiten, dass dies eine der Erklärungen für die starke Begrenzung des Sprachgebietes auf ein einziges Dorf ist? Doch auch mögliche Hypothesen über Entstehung und Entwicklung des Palenquero müssen nicht nur auf ihre linguistische Korrektheit, sondern auch auf historische Stimmigkeit geprüft werden, um anerkannt werden zu können. Bei der Erforschung des Palenquero müssen also Linguistik, Geschichtswissenschaft und Soziologie Hand in Hand arbeiten.

2.2 Geschichtliches

Aus diesem Grund wird dieses Kapitel zunächst einen kurzen Überblick über die Geschichte der Ortschaft Palenque de San Basilio geben, bevor auf die aktuelle Situation eingegangen wird.

Das Dorf Palenque de San Basilio liegt in etwa 70 Kilometer Entfernung im Hinterland der Hafenstadt Cartagena in Kolumbien. Jene Stadt war zu Zeiten der Kolonie von Nueva Granada ein wichtiger Hafen für den Import afrikanischer Sklaven, die zur Arbeit auf Plantagen gezwungen wurden. Friedemann (1983: S.27-29) weist darauf hin, dass die Sklaven zwar auf spanisches Gebiet verschleppt wurden, portugiesische Seefahrer und Händler in Cartagena jedoch wichtige Funktionen innerhalb des Sklavenhandels innehatten. Somit lag eine Situation für potentiellen Sprachkontakt mit dem Portugiesischen vor. Gleiches galt laut Dieck (2000: S.151-152), die del Castillo (1982) zitiert, in späteren Perioden für niederländische, britische und französische Sklavenhändler und Helfer.

In der Geschichte der Sklaverei auf dem amerikanischen Kontinent gab es neben Aufständen von Sklaven auch immer wieder erfolgreiche Fluchtversuche. Oftmals bildeten die entflohenen Sklaven Siedlungen, die je nach Gebiet unterschiedliche Bezeichnungen erhielten. In Kolumbien, Mexiko und Kuba setzte sich die Bezeichnung Palenques durch, in Venezuela Cumbes, in Brasilien Quilombos, Mocambos, Ladeiras oder Mambises. In der englischsprachigen Karibik erhielten die entflohenen Sklavengruppen den Namen Maroons. Das erste Palenque auf kolumbianischen Gebiet entstand 1529, im 17. und 18. Jahrhundert nahm ihre Zahl deutlich zu (vgl. Friedemann 1983: Karten I-III, ohne Seitenangabe). Die erste urkundliche Erwähnung erhält der Palenque de San Basilio im Jahr 1713, zu einer Zeit, als bereits guerillaartige Konflikte zwischen entlaufenen Sklaven und Spaniern stattfanden. Erwähnt wird ein Abkommen, das den Bewohnern weitreichende Autonomie erteilt und ihnen die Selbstorganisation ermöglicht, allerdings unter der Bedingung, keinerlei entlaufenen Sklaven mehr aufzunehmen (vgl. ebd.: S.44-47). Über die folgenden zwei Jahrhunderte ist wenig bekannt, außer dass es durch lokale Großgrundbesitzer zu Landraub zum Nachteil der Palenqueros kam (vgl. ebd.: S.48-49). Die Isolation des Dorfes erklärt sich durch seine abgeschiedene Lage und dadurch, dass die erste befestigte Straße nach Palenque de San Basilio erst 1956 fertiggestellt wurde. Dennoch argumentieren Schwegler und Morton (2003: S. 104), dass die Einwohner sich bereits im 18. und 19. Jahrhundert per Maultier auf den Weg zu nahegelegenen Märkten machten. Strom und fließendes Wasser kam in den 1970er Jahren ins Dorf, es wird jedoch berichtet, dass die Versorgungslage weiterhin mangelhaft ist (vgl. Dieck 2000: S.13).

2.3 Kultur und Lebensweise der Einwohner

Dieck (2000: S.13) berichtet, dass Palenque de San Basilio etwa 3000 Einwohner hat, während Schwegler und Morton (2003: S.97) von 5000 Einwohnern ausgehen. Die Bevölkerung ist afrokolumbianischer Herkunft. Es existiert eine Grund- und eine weiterführende Dorfschule, Friedemann (1983: S.55) erwähnt einen Art Basisstation medizinischer Versorgung, welche von Dieck (2000) nicht erwähnt wird. Die ausführlichste Auseinandersetzung mit der Kultur, den Sitten und Gebräuchen der Einwohner publizierte Friedemann (1983), sie ist jedoch mittlerweile etwa 30 Jahre alt. Präzise ethnologische und kulturwissenschaftliche Beobachtungen, wie der Eintritt ins Informationszeitalter das Dorfleben verändert hat (beispielsweise mittels Internet oder Mobilfunk, der ja z.B. in afrikanischen Entwicklungsländern durchaus auch in ländlichen Gebieten verbreitet ist), liegen nicht vor. Schwegler und Morton (2003: S.101) sprechen von einer ab den 80er Jahren einsetzenden Modernisierung und erwähnen die Ankunft des Fernsehens sowie die Konstruktion von Blechdächern. Insgesamt gesehen bleibt Friedemann (1983) die wohl ergiebigste Quelle für Informationen über die Kultur der Palenqueros (im Gegensatz zu Schwegler, dessen Publikationen eher einen linguistischen und soziolinguistischen Fokus haben), auch wenn diese aus den genannten Gründen stets hinterfragt werden sollten.

Hauptwirtschaftszweige des Dorfes sind Ackerbau und Viehzucht (vgl. Dieck 2000: S.13). Friedemann (1983: S.22) berichtet über starken Migrationsdruck seit den 70er Jahren, der die Palenqueros zur Binnenmigration nach Cartagena, Barranquilla oder Guajira, sowie zur Emigration nach Venezuela drängte. Ferner finden spezielle lokale Sozialstrukturen und Bräuche Erwähnung, etwa die Organisation in Gruppen von einigen Dutzend Altersgenossen, die sogenannten Cuagros (vgl. ebd.: S.50-54), sowie eine Vorliebe für spielerische Formen des körperlichen Kräftemessens und ritualisierte Kämpfe (vgl. ebd.: S.55 ff.). Dies wird unter anderem durch die historische Notwendigkeit der Abwehrbereitschaft erklärt, jedoch auch durch das afrikanische Erbe der Einwohner. Letzteres ist außerdem prägend für die Trauerrituale des Dorfes (vgl. ebd.: S.70-74).

2.3 Soziolinguistische Situation

Wie bereits angesprochen wurde kam es bei Kontaktsituationen zwischen Palenqueros und Kolumbianern aus anderen Ortschaften oder Regionen zu Diskriminierung und Spott zu Lasten der Einwohner von Palenque de San Basilio. Schwegler und Morton (2003: S.99) sehen dies als Teil einer in Lateinamerika typische Verhaltensweise, das Weiße und Europäische zu überhöhen, während sowohl die indigenen als auch die afrikanischen Aspekte der eigenen Kultur abgewertet werden. Diese Tendenzen stehen im Einklang mit der Logik und dem Wertesystem des von den Spaniern zu Kolonialzeiten installierten Kastensystems. Durch die weitgehende Isolation orientierten sich die Einwohner Palenque de San Basilios während mehrerer Jahrhunderte jedoch nicht an diesen Verhaltensmustern, versuchten also nicht, ihre Alltagskultur und ihr Selbstbild künstlich weißer und europäischer zu machen (vgl. ebd.). Umso ausgeprägter waren also die Unterschiede zur Mehrheitsgesellschaft, auf die mit Unverständnis reagiert wurde. Dies bezog sich nicht nur auf das Palenquero als Sprache, sondern auch auf die Art der Palenqueros, Spanisch zu sprechen (vgl. Friedemann 1983: S.22) – die als Kateyano ( abgeleitet von „Castellano“) bezeichnete Form des Spanischen, die seit Jahrhunderten ebenfalls im Dorf gesprochen wird, weist einige Unterschiede zum regionalen Spanisch der umliegenden Küstenregio auf (vgl. Schwegler und Morton 2003: S.111 ff.). Der fast vollständig identische Wortschatz der beiden Sprachen begünstigt Code-Switching, dies kann im Dorf häufig beobachtet werden (vgl. Schwegler 2000: S. 420-421).

Dieck (2000: S.15-16) erklärt, dass diese Stigmatisierung auch Auswirkungen auf das Denken der im Dorf verbliebenen Bewohner hatte: In den Schulen wurden demnach Kinder für den Gebrauch des Palenquero zurechtgewiesen, es wurde von den Lehrkräften als schlechtes Spanisch angesehen, nicht als eigene Sprache. Im Zusammenspiel mit verschiedenen anderen Faktoren (etwa die zunehmende Anbindung Palenque de San Basilios ans übrige Kolumbien und der Zugang zu Massenmedien) erklärt dies den Pessimismus einiger Veröffentlichungen in Bezug auf das Überleben des Palenquero. Der Trend ging eindeutig zu immer niedrigeren Prozentsätzen an Muttersprachlern und zum nur mehr passiven Beherrschen des Palenquero, dies brachte auch ältere zweisprachige Dorfbewohner dazu, mit Jüngeren nur noch Spanisch zu sprechen (vgl. Schwegler und Morton 2003: S.104-106). Ab Mitte der 90er Jahre zeichnet sich jedoch eine erfreuliche Trendwende ab: Schon Patiño (1997: S.137) berichtete, dass die Einwohner ihre Kreolsprache immer mehr als wichtiges kulturelles Erbe ansehen, anstatt einfach als „schlechtes Spanisch“, wie in den Jahrzehnten zuvor. Schwegler (2011: S.233-235) berichtet einige Jahre später von einem regelrechten Run auf die Sprache, die von den Schülern des Dorfes mit Begeisterung gelernt und gepflegt wird. Als Beispiel für Sprachpflege führt er die Suche nach Afrikanismen an, die von Schülern durchgeführt wird.

Als einziger Kulturraum des lateinamerikanischen Festlandes, in dem eine auf Spanisch basierende Kreolsprache gesprochen wird, sowie aufgrund der anderen im Dorf erhaltenen Traditionen wurde der Kulturraum Palenque de San Basilio 2005 von der UNESCO in das Verzeichnis des immateriellen Welterbes der Menschheit aufgenommen (vgl. Lipski 2012: S.21-23).

3. Lexikologie

Clements (2012: S.33) gibt auf der Grundlage einer persönlichen Korrespondenz mit Moñino aus dem Jahr 2010 eine Schätzung ab, nach der der Wortschatz des Palenquero zu ~90% spanischen, zu ~4% portugiesischen und zu ~4% afrikanischen Ursprungs ist. Da Ludwig (2003: S.297) für Kreolsprachen im allgemeinen eine Übernahme von etwa 80% des Wortschatzes der Superstratsprache veranschlagt, ist der aus dem Spanischen übernommene Teil des Wortschatzes also verhältnismäßig groß. Zu Beginn der systematischen Erforschung des Palenquero mussten die Wissenschaftler von deutlich weniger Afrikanismen ausgehen: Schwegler (2011: S.231-232) erläutert, dass in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts kaum mehr als ein Dutzend Afrikanismen im Alltag gebraucht wurden und führt das auf die in Kapitel 2 erwähnte Stigmatisierung des Palenquero und insbesondere seiner „schwarzen“, also afrikanischen Aspekte, zurück. Die jüngste Umkehr dieses Trends (siehe vorangegangenes Kapitel) hat deswegen eine große Anzahl verborgener Afrikanismen ans Tageslicht gebracht. Schwegler (2001: S.243-244) hat eine Liste von etwa 300 Wörtern erstellt, von denen etwa zwei Drittel im übrigen Kolumbien nicht vorkommen. Die übrigen 100 finden sich ebenso um regionalen Spanischen der kolumbianischen Küstengebiete. Der Forscher teilt die Gesamtheit der Wörter afrikanischen Ursprungs in drei Gruppen ein:

1. In der Alltagssprache zu findende Afrikanismen: Schwegler schätzt die Zahl dieser Gruppe auf etwa 20 Lexeme. Sie werden auch von nicht des Palenquero mächtigen Dorfbewohnern verstanden und von diesen teilweise im Spanischen benutzt. Beispiele hierfür sind folgende Ausdrü>Rind im Sinne des Gattungsbegriffs), ma ngombe (Vieh, ngombe + Pluralpartikel ma), chimbumbe (Wassergeist), moná (Kind, Jugendliche(r)), makaneo (Feldarbeit), lumbalú (lokales Trauerritual). (vgl. ebd.: S.264)
2. Passiv gebräuchliche und altertümliche Afrikanismen bzw. altertümlich anmutende Afrikanismen: Etwa 100-200 Wörter gehören in diese Gruppe. Sie werden nur noch selten gebraucht, meist von älteren Sprechern. Die Dorfbewohner, die diese Ausdrücke nicht verstehen, ordnen sie stellenweise trotzdem ihrem kulturellen Erbe zu.Von Schwegler angeführte Beispiele sind: mulumba (jemand, der sexuell übergriffig wird), fukú (ablehnen, verneinen), chaku-chaku (eine Wildschweinart), angubá (Erdnuss / Erdnüsse), enú (Sie / Ihr als Personalpronomen im Plural). (vgl. ebd.: S. 265)
3. Rituelles Vokabular als Teil der Gesänge des Lumbalú (Trauerritual): Das Lumbalú genannte Trauerritual wird fast ausschließlich von Frauen hohen Alters durchgeführt. Es verfügt über ein eigenes Vokabular, das die meisten anderen Dorfbewohner (auch diejenigen, die Palenquero sprechen) nicht verstehen. Dieses Vokabular ist jedoch nicht exakt begrenzt und definiert, archaische Wörter aus der zweiten Gruppe können hinzugefügt werden. Es wurde von den für das Lumbalú verantwortlichen Musikern und Sängern an die jeweils nächste Generationen weitergegeben. Folgende Ausdrücke sind nur den ältesten, das Lumbalú praktizierenden Dorfbewohnern bekannt: kankamaná (Medizinmann), ñoká (Gift, ursprünglich Schlange), lombo-lombo (Vogel, der einen bevorstehenden Todesfall ankündigt), nginí (Fremder). Die Bedeutung der Wörter nkisi, kalunga, chi, kambá, kisilá konnte Schwegler nicht bestimmen, da niemand im Dorf sie mehr kannte. (vgl. ebd.: S.265- 266)

Schwegler betont in seiner 2001 verfassten Arbeit, dass ein starker Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Afrikanismen und dem Alter der Sprecher bestand, der afrikanische Teil des Wortschatzes wurde mit dem Sprachduktus älterer Dorfbewohner assoziiert (vgl. ebd.: S.266). Wie bereits erwähnt erfreut sich Palenquero und insbesondere seine Afrikanismen im Dorf wieder größerer Beliebtheit, was auch der Autor in einer späteren Veröffentlichung anmerkt (vgl. Schwegler 2011: S. 231-232). Die Afrikanismen im Palenquero stammen nach heutigem Wissensstand in der überwältigenden Mehrheit aus dem Kikongo, einer Bantusprache, die im Norden Angolas sowie Teilen der Demokratischen Republik Kongo und dem Kongo gesprochen wird. Allerdings wird auch dem verwandten Kimbundu ein Einfluss auf das Palenquero eingeräumt, der noch nicht exakt beziffert werden kann (vgl. Schwegler 2002a: S.173 ff.).

Anmerkungen und Sprachbeispiele, die sich mit dem restlichen Teil des Gesamtwortschatzes beschäftigen, wird im den Kapitel über die Phonologie des Palenquero folgen. Der afrikanische Teil des Wortschatzes ist jedoch aufgrund der Rückschlüsse, die er auf Palenquero als Ganzes erlaubt, die enge Verbindung zu religiösen Riten wie dem Lumbalú und der identitätsstiftenden Bedeutung für die Dorfbevölkerung aus Forschersicht deutlich interessanter, weswegen dieses Kapitel fast ausschließlich ihm gewidmet wurde.

4. Morphologie

4.1 Fehlende Flexion

Palenquero weist einen für Kreolsprachen typischen Mangel an Flexion auf (vgl. Schwegler 1998: S.262). Aus diesem Grund wird dieses Kapitel, dass sich mit der Morphologie des Palenquero beschäftigt, nicht nur auf vorhandene, sondern auch explizit auf nicht vorhandene morphologische Phänomene eingehen. Dabei wird die Morphologie des Palenquero mit der des Spanischen verglichen werden. Die für das Palenquero sehr wichtigen Marker werden in diesem Kapitel erläutert, da sie in vielerlei Hinsicht morphologische Umformungen ersetzen. Dennoch sei erwähnt, dass sie ebenfalls in das Kapitel über die Syntax des Palenquero gepasst hätten.

Porras (1992: S.195 ff.) weist auf die im Palenquero auftauchende morphologische Innovation und Vereinfachung als typisches Merkmal von Kreolsprachen hin, sowie auf den Gebrauch von Partikeln, um Zeit und Aspekt zu kennzeichnen. Im Gegensatz zum Spanischen und Portugiesischen werden Substantiv und Adjektiv im Palenquero nicht flektiert, da Palenquero ohne grammatisches Geschlecht auskommt, betrifft dies nur die Pluralbildung. Sie erfolgt durch das Vorstellen des Pluralmarkers ma, der laut Schwegler (2002a: S.198) aus dem Kikongo oder eventuell aus dem Kimbundu stammt. Dies wird im Beispielsatz auf der nächsten Seite deutlich (auf die Stellung des Possessivpronomens wird an anderer Stelle eingegangen werden, in diesem Kapitel sei jedoch darauf hingewiesen, dass auch dort keine separate Pluralform existiert):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schwegler (1998: S.261) merkt an, dass es in seltenen Fällen zur synthetischen Pluralbildung kommen kann und nennt als Beispiele kansió-ne („canciones“) oder papé-le („papeles“). In einer späteren Veröffentlichung korrigiert er seine Position zur Funktion von ma, da im Palenquero sowohl (in Bezug auf Numerus) uneindeutige Nominalphrasen als auch Verdopplungen von ma auftreten. Ferner wird ma auch dann verwendet, wenn aufgrund des Kontextes klar ist, dass nur die Pluralform gemeint sein kann, die Funktion des Partikels geht also über das schlichte Verdeutlichen des Numerus hinaus (vgl. Schwegler 2007: S.211-213). Abgesehen davon bildet ma sowohl den generischen als auch den bestimmten und unbestimmten Plural (vgl. ebd.: S.219). Der Autor schließt, dass das Auftreten von ma nicht allein durch grammatikalische Notwendigkeit bestimmt wird und hält weitere Forschung für notwendig (vgl. ebd.). Aufgrund dieser komplexen Situation bezeichnet Schwegler die Substantive des Palenquero auch als transnumeral (vgl. ebd.: S.220).

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Details

Titel
Palenquero. Beschreibung einer auf dem Spanischen basierenden Kreolsprache
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Romanistik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
28
Katalognummer
V512021
ISBN (eBook)
9783346088888
ISBN (Buch)
9783346088895
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Romanistik, Deskriptive Linguistik, Kreolsprachen, Spanisch
Arbeit zitieren
Jakub Duch (Autor), 2014, Palenquero. Beschreibung einer auf dem Spanischen basierenden Kreolsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512021

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