In den nachfolgenden Ausführungen möchte ich, neben relevanten Definitionen, zunächst einen Überblick über die allgemeine Situation von Schülern und Schülerinnen mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem geben. Danach werde ich einige Mechanismen im Schulbereich aufzeigen, die aufgrund von rassistischen Zuschreibungen, diskriminierend und somit benachteiligend auf diese Kinder wirken. Anschließend werde ich auf mögliche Folgen zu sprechen kommen, die sich aus dieser Benachteiligung ergeben können. Gegen Ende meiner Seminararbeit möchte ich noch Handlungsansätze erwähnen, die Rassismus erkennbar machen, so dass es möglich ist diesen zu bekämpfen. Zum Schluss möchte ich noch meine eigenen Gedanken bezüglich meines Themas preisgeben.
Meine Schilderungen beziehen sich auf das deutsche Schulsystem, bezogen auf die Grundschule, sowie die Sekundarstufe 1. Eine Unterscheidung zwischen den einzelnen Schulformen der Sekundarstufe 1, also Gymnasium, Mittelschule und so weiter soll hierbei außer Acht gelassen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Definition von Rassismus
2.2 Definition Institutionelle Diskriminierung
2.3 Bedeutung der Begrifflichkeit Migrationshintergrund
3 Situationsbeschreibung von Kinder mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem
4 Diskriminierende Mechanismen im Schulbereich
4.1 Diskriminierende Praktiken der Schule
4.2 „die Anderen“
4.3 Der heimliche Lehrplan
5 Folgen von Diskriminierung
6 Antirassistische Handlungsansätze
7 Kritische Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Diskriminierung von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem, analysiert die zugrunde liegenden Mechanismen und zeigt antirassistische Handlungsansätze auf. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie rassistisches Verhalten in Bildungsinstitutionen entsteht, welche Auswirkungen dies auf betroffene Kinder hat und welche konkreten Maßnahmen gegen diese Benachteiligung ergriffen werden können.
- Rassismus und institutionelle Diskriminierung im schulischen Kontext
- Die Situation von Schülern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungswesen
- Mechanismen der Ausgrenzung und Markierung als „die Anderen“
- Einfluss des „heimlichen Lehrplans“ auf soziale Hierarchien
- Langfristige Folgen von Diskriminierung für den Bildungs- und Lebensweg
Auszug aus dem Buch
4.2 „die Anderen“
Wie bereits erwähnt kommt Rassismus, neben offener physischer Gewalt, auch in einer subtilen und latenten Form vor. Dies zeigt sich beispielsweise durch die Unterteilung in ein „wir“ und in ein „die Anderen“. Das Entstehen dieser zwei Gruppen erfolgt nicht wie im Schulsport, wo Mannschaften gewählt werden, sondern es beruht auf der Art und Weise wie mit Schülern umgegangen wird. Hierbei geht es vor allem um die Haltung und den daraus resultierenden Handlungen von Institutionen und den darin tätigen Lehrkräften gegenüber Personen, die als „anders“ markiert werden (vgl. Kalpaka 2011, S.26). Diese Markierung beruht zum Beispiel auf der jeweiligen Kultur-, Religions- und Nationszugehörigkeit der Schüler und Schülerinnen, wodurch bei den Lehrern, wie auch bei den Schülern, ein Bewusstsein für verschiedene soziale Gruppen entsteht, so dass Kategorien wie „wir“ und „die Anderen“ bzw. „normal“ und „anders“ entstehen (vgl. Scharathow 2015, S.161).
Die aktuelle Islamdebatte in Deutschland bringt dies meiner Meinung nach gut zum Ausdruck. Im Religionsmonitor der Bertelsmann – Stiftung steht beispielsweise geschrieben, dass Muslime die größte religiöse Minderheit in Deutschland sind, also dementsprechend auch unser Gesellschaftsbild in Deutschland entscheidend mitgestalten und das seit mehreren Jahrzehnten. Dennoch liest man dort, dass der Islam für viele Europäer nach wie vor fremd ist und von ihnen eher misstrauisch betrachtet wird (vgl. Halm/ Sauer 2017, S. 7).
Der Islam wird von einigen dazu benutzt um eine Differenzlinie zu ziehen. Diese konstruiert ein kollektives Gefühl der christlichen Bevölkerungsmehrheit im Sinne eines „uns“ und auf die muslimische Bevölkerung bezogen ein Gefühl bzw. Sichtweise von „die Anderen“ (vgl. Lingen-Ali 2015, S. 324-325). Dies hat zur Folge, dass den vermeintlich anderen Gruppen spezifische Bedeutungen und Merkmale zugesprochen werden, womit zum einen bestimmte Verhaltensweisen der Gruppenzugehörigen erklärt werden (vgl. Scharathow 2015, S.161). Probleme oder Misserfolge von Schülern mit Migrationshintergrund werden beispielsweise oftmals auf deren ethnischen Herkunft zurückgeführt, wodurch die Behauptung kultureller Differenzen bestehen bleibt und andere, veritablere Erklärungsansätze für die Lebenslagen von Migranten zu wenig bzw. keine Beachtung finden (vgl. Kalpaka 2011, S. 26).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet anhand aktueller Pressebeispiele diskriminierende Vorfälle im Schulalltag und formuliert die Forschungsfrage zur Entstehung und Bekämpfung von Rassismus.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Rassismus und institutionelle Diskriminierung sowie die Bedeutung der Kategorisierung „Migrationshintergrund“.
3 Situationsbeschreibung von Kinder mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem: Der Abschnitt skizziert die prekäre Lage von Schülern mit Migrationshintergrund und die selektive Wirkung des deutschen Schulsystems.
4 Diskriminierende Mechanismen im Schulbereich: Hier werden Mechanismen wie die subjektive Beurteilungspraxis, die soziale Konstruktion der „Anderen“ und der heimliche Lehrplan als rassistische Instrumente analysiert.
5 Folgen von Diskriminierung: Dieses Kapitel erörtert die gravierenden Auswirkungen von Diskriminierung auf den Bildungs- und Berufserfolg sowie deren gesellschaftliche Relevanz.
6 Antirassistische Handlungsansätze: Es werden Strategien zur Bekämpfung von Rassismus aufgezeigt, insbesondere die Notwendigkeit von Eigenreflexion bei Lehrkräften und strukturellen Veränderungen.
7 Kritische Betrachtung: Das Fazit fasst die Komplexität der Thematik zusammen und fordert ein entschlossenes, flächendeckendes Engagement von pädagogischen Fachkräften und politischen Akteuren.
Schlüsselwörter
Rassismus, Diskriminierung, Migrationshintergrund, deutsche Bildungssystem, institutioneller Rassismus, Schulerfolg, soziale Herkunft, Bildungsbenachteiligung, Integration, Rassismuskritik, heimlicher Lehrplan, Chancengleichheit, soziale Ungleichheit, kulturelle Zuschreibungen, pädagogische Fachkräfte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem durch rassistische Strukturen und Mechanismen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der theoretische Rassismusbegriff, institutionelle Diskriminierung, die Auswirkungen auf den Bildungserfolg sowie Strategien zur rassismuskritischen Bildungsarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu analysieren, wie rassistisch motiviertes Verhalten in Schulen entsteht und welche Konsequenzen dies für die betroffenen Kinder sowie die Gesellschaft hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse, die verschiedene theoretische Perspektiven und empirische Befunde zu Bildung und Migration integriert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Situationsbeschreibung, eine Analyse diskriminierender Praktiken (wie den heimlichen Lehrplan) und die Darstellung der langfristigen Folgen für betroffene Schüler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Rassismus, institutionelle Diskriminierung, Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund und Schulerfolg beschreiben.
Warum wird im Buch zwischen „wir“ und „die Anderen“ unterschieden?
Die Unterscheidung dient als Erklärungsmodell für subtile Markierungsprozesse, durch die Schüler aufgrund ihrer Herkunft oder Religion als „fremd“ oder „anders“ eingeordnet und somit benachteiligt werden.
Welche Rolle spielt der sogenannte „heimliche Lehrplan“?
Der „heimliche Lehrplan“ umfasst soziale Lernprozesse, bei denen Schüler durch Regeln und Rituale – etwa durch ein striktes Einsprachigkeitsgebot – in hierarchische Denkmuster und Ausgrenzungsstrukturen sozialisiert werden.
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- Andreas Strobel (Author), 2018, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512223