Die Wahlforschung zählt zu den am weitesten entwickelten Disziplinen in der empirischen Sozialforschung. Da der Wahlhergang sehr komplex ist, gibt es viele verschiedene Theorien für die möglichen Gründe für die Wahlberechtigten ob, warum und wie sie sich an der Wahl beteiligen.
Um die Frage nach der Wahlbeteiligung in der Bevölkerung zu beantworten wurden mit der Zeit von Forschern fünf Theorien aufgestellt.
Es gibt die institutionellen Theorien, die die Gründe zum Wählen oder Nicht-Wählen unter anderem mit den unterschiedlichen Wahlsystemen von verschieden Ländern zu erklären versuchen, die soziostrukturellen Theorien, die sich mit dem Einfluss der Bevölkerungsstruktur auf die Wahlbeteiligung beschäftigen und der Versuch die Wahlbeteiligung mit dem politischen Kontext von Wahlen zu erklären. Außerdem gibt es noch die soziologischen und die psychologischen Theorien, die sich mit Wählern beschäftigen, die immer die gleiche Partei wählen. Vergleichsweise neu sind die Rational Choice-Theorien. Sie erklären die Wahlbeteiligung mit einer rationalen Handlungsweise des Wählers.
Im Folgenden geht es um die institutionellen Theorien, also um den Erklärungsversuch der unterschiedlichen Wahlbeteiligung in verschiedenen Ländern aufgrund ihrer unterschiedlichen Wahlsysteme.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wahlsysteme
2.1 Mehrheitswahl
2.1.1 relative Mehrheitswahl
2.1.2 absolute Mehrheitswahl
2.2 Verhältniswahl
2.3 gemischte Wahlsysteme
3 Analyse und Fallbeispiele
3.1 Großbritannien
3.2 Frankreich
3.3 Niederlande
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss verschiedener Wahlsysteme auf die Höhe der Wahlbeteiligung in europäischen Staaten. Dabei wird analysiert, inwiefern institutionelle Rahmenbedingungen, wie die angewandten Wahlformeln und die Größe von Wahlbezirken, das Entscheidungsverhalten der Wähler beeinflussen.
- Theoretische Einordnung institutioneller Faktoren der Wahlbeteiligung
- Differenzierung zwischen Mehrheits- und Verhältniswahlsystemen
- Analyse des Einflusses der Wahlformel auf das Parteiensystem
- Vergleichende Betrachtung der Wahlsysteme in Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden
Auszug aus dem Buch
2.1.1 relative Mehrheitswahl
In einem Land indem die Regierung nach dem relativen Mehrheitswahlsystem gewählt wird, wird zunächst das Wahlgebiet in gleich große Wahlkreise aufgeteilt. Die Anzahl der Wahlgebiete richtet sich nach der Anzahl der Mandate die vergeben werden können. Jeder Wählkreis wählt einen Abgeordneten.
Wie in der Abbildung1 zu erkennen, kann jeder Wahlberechtigte der Bevölkerung in seinem Wahlkreis einen Kandidaten wählen. Nach der Wahl werden alle Stimmen innerhalb eines Wahlkreises für die jeweiligen Kandidaten addiert.
Derjenige Kandidat, der die meisten Wählerstimmen auf sich vereinen kann, zieht ins Parlament ein. Dabei reicht die einfache Mehrheit aus, um den Sitz zu gewinnen.
Einer der größten Vorteile dieses Wahlsystems ist die Einfachheit. Jeder wahlberechtigte Bürger kann dieses Wahlsystem verstehen und nachvollziehen. Außerdem sind die Mehrheitsverhältnisse eindeutig, wodurch die Bürger die Zusammensetzung der Regierung deutlich erkennen und nachvollziehen können. Aufgrund der eindeutigen Mehrheitsverhältnisse ist die Regierung auch stabil, da keine Koalitionen gebildet werden müssen, um eine absolute Mehrheit zu erlangen und die Regierung stellen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die komplexe Thematik der Wahlforschung ein und stellt die Relevanz institutioneller Theorien zur Erklärung der Wahlbeteiligung heraus.
2 Wahlsysteme: Es erfolgt eine detaillierte Systematisierung der verschiedenen Wahlsysteme, unterteilt in Mehrheitswahl, Verhältniswahl und Mischformen, inklusive deren jeweiliger Vor- und Nachteile.
3 Analyse und Fallbeispiele: In diesem Kapitel werden theoretische Indikatoren wie die Wahlbezirksgröße und die Wahlformel auf die drei Länderbeispiele Großbritannien, Frankreich und die Niederlande angewandt, um den Einfluss auf die Wahlbeteiligung zu diskutieren.
Schlüsselwörter
Wahlbeteiligung, Wahlsystem, Mehrheitswahl, Verhältniswahl, institutionelle Theorien, Wahlformel, Wahlbezirk, Großbritannien, Frankreich, Niederlande, Wahlrecht, Mandate, Parlament, Wahlverhalten, Parteiensystem
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Ursachen für unterschiedliche Höhen der Wahlbeteiligung innerhalb verschiedener europäischer Demokratien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Typologie von Wahlsystemen sowie die Auswirkungen institutioneller Faktoren wie Wahlformeln und Wahlkreisgrößen auf das Wahlverhalten der Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Effekt von Wahlsystemen auf die Wahlbeteiligung zu theoretisieren und durch die Analyse spezifischer Länderbeispiele zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretischen Ansatz, der auf der Literatur zu institutionellen Theorien basiert, und bereitet diesen durch einen Ländervergleich (Großbritannien, Frankreich, Niederlande) für eine weiterführende empirische Analyse vor.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Darstellung der Funktionsweise von Mehrheits- und Verhältniswahlsystemen sowie eine Analyse relevanter Variablen, die den Einfluss dieser Systeme auf die Wahlbeteiligung erklären.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Wahlbeteiligung, Mehrheitswahlsystem, Verhältniswahl, institutionelle Faktoren und Wahlanalyse geprägt.
Was unterscheidet das französische Wahlsystem von dem in Großbritannien?
Während Großbritannien das Modell der relativen Mehrheitswahl prägt, nutzt Frankreich ein System mit bis zu zwei Wahlgängen, das Elemente der absoluten Mehrheitswahl integriert.
Warum wird das Wahlsystem der Niederlande als besonders für die Analyse hervorgehoben?
Die Niederlande dienen als Fallbeispiel für eine reine Verhältniswahl, was einen starken Kontrast zu den Mehrheitswahlsystemen der anderen untersuchten Länder bietet.
- Citar trabajo
- Mira Wiegand (Autor), 2015, Welchen Effekt hat das Wahlsystem auf die Höhe der Wahlbeteiligung in Europa?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512437