Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Handlungsauftrag Sozialer Arbeit im Bildungsdiskurs in Verbindung mit dem Querschnittsthema Bildungschancen von Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland. Zuerst soll um Begriffsannäherungen gehen, die für diese Hausarbeit inhaltliche Relevanz besitzen. Mit Hilfe eines geschichtlichen Rückblicks soll der Frage nach dem Anfang des Handlungsauftrags der Sozialen Arbeit im Kontext des Themas Bildung nachgegangen werden. Ob und wenn ja wie, sich der Handlungsauftrag verändert hat, wird im weiteren Verlauf der Hausarbeit erörtert.
Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit liegt auf der Sozialen Arbeit in Verbindung mit Menschen mit Migrationsgeschichte und ihren Bildungschancen in Deutschland. Das Zwischenfazit soll bei der Selbstreflexion der jeweils erarbeiteten Inhalte unterstützen und gegebenenfalls durch eine persönliche Stellungnahme ergänzt werden. Im Schlussfazit wird mit eigenen Worten den Erkenntnissen und Schlussfolgerungen aus der Auseinandersetzung mit der gewählten Thematik Raum geben. Der Ausblick umfasst in aller Kürze die Aktualität des Handlungsauftrages der Sozialen Arbeit im Kontext von Menschen mit Migrationsgeschichte und ihren Bildungschancen in Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Fragestellung der Hausarbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Begriffsannäherungen
Bildung
Soziale Ungleichheit
Soziale Arbeit
Soziale Arbeit und Migration
Zwischenfazit
3. Geschichtlicher Rückblick auf die Entwicklung
Sozialer Arbeit und Bildung
Zwischenfazit
4. Migration, Bildung und Soziale Arbeit
4.1. Rassismuskritische Migrationsforschung
Zwischenfazit
5. Schulische Bildung und ihre Auswirkung
auf den sozialen Aufstieg
5.1. Migrationsspezifische Besonderheiten am Beispiel
türkeistämmiger Kinder
5.2. Bildungsphasen bezogene Herausforderungen
Zwischenfazit
5.3. Türkeistämmige männliche Schüler aus Sicht einer Lehrerin
5.4. Auf- Forderungen für mehr Förderung
6. Fazit
7. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Handlungsauftrag der Sozialen Arbeit im aktuellen Bildungsdiskurs, insbesondere unter der Fragestellung, wie die Bildungschancen von Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland durch professionelle Unterstützung verbessert werden können.
- Handlungsauftrag der Sozialen Arbeit im Bildungssystem
- Soziale Ungleichheit und ihre Verbindung zu Bildungschancen
- Migrationsspezifische Herausforderungen und Sphärenlogiken
- Rassismuskritische Perspektiven in der Sozialen Arbeit
- Notwendigkeit interdisziplinärer Förderkonzepte
Auszug aus dem Buch
5.1. Migrationsspezifische Besonderheiten am Beispiel
Türkeistämmige Jugendliche weisen Besonderheiten auf, die empirisch bewiesen im eigenen Heimatland nicht auftreten so dass, von migrationstypischen Erfahrungen ausgegangen werden kann (vgl. El-Mafaalani, 2014, S. 31).
Türkeistämmige Kinder entwickeln zwei verschiedene Logiken mit welchen sie ihren jeweiligen Lebensraum bewältigen. Die verschiedenen Lebensräume werden als Sphären bezeichnet, welche mit dem Begriff Logik zu Sphärenlogiken verbunden werden. Es gibt einen äußeren und inneren Lebensraum (Sphären), wobei mit dem inneren Raum der familiäre gemeint ist und mit dem äußeren die Gesellschaft. Über die innere Sphäre sprechen Jugendliche mit Metaphern wie Liebe, Ehre und Respekt, welche sie ihrer Familie entgegenbringen. Es bestehen enge Bindungen zu ihrer Familie und ein hohes Maß an Loyalität. Diese bindet auch ihre ethnische Gemeinschaft mit ein. Den gelebten Ausdruck der inneren Sphäre finden die Jugendlichen in einem traditionell geprägten Zusammenleben (vgl. ebd., S. 31).
In der äußeren Sphäre spielen soziale Bindungen in Form flexibler Gruppenzugehörigkeit eine ebensolche Rolle, wie persönliche Anerkennung und den damit einhergehenden Spielregeln. Die Spielregeln oder Verhaltensnormen gehen mit impliziten Normen einher, die durchaus problematisch sein können. Beide Sphären gehören für die Jugendlichen zusammen und implizieren zugleich eine Differenz zwischen innerer und äußerer Sphäre (vgl. El-Mafaalani, 2014, S. 31). Die Schwierigkeit für die Jugendlichen ist, dass sie die Erfahrungen der inneren Sphäre nicht auf die äußere Sphäre übertragen können. Die Unterschiede sind zu groß. In der äußeren Sphäre machen die Jugendlichen Erfahrungen von Differenz und Fremdheit, die teilweise mit latenten oder offenen Diskriminierungserfahrungen einhergehen. Die Wahrnehmung der Jugendlichen ist, dass es keine Möglichkeit gibt beide Sphären miteinander zu verbinden. Während sie die innere Sphäre veraltet wahrnehmen, fehlt es in der äußere Sphäre an dem Gefühl der Zugehörigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Bildungsthemas ein und formuliert den Handlungsauftrag der Sozialen Arbeit in Bezug auf Bildungschancen von Menschen mit Migrationsgeschichte.
2. Begriffsannäherungen: Dieses Kapitel klärt zentrale Begriffe wie Bildung, Soziale Ungleichheit, Soziale Arbeit und deren spezifische Beziehung zum Themenfeld Migration.
3. Geschichtlicher Rückblick auf die Entwicklung: Ein historischer Abriss verdeutlicht, wie sich die Soziale Arbeit von der Familienfürsorge hin zur heutigen institutionalisierten Form entwickelte, um soziale Probleme zu adressieren.
4. Migration, Bildung und Soziale Arbeit: Das Kapitel analysiert die selektiven Mechanismen des deutschen Schulsystems und die Rolle der rassismuskritischen Migrationsforschung für die Soziale Arbeit.
5. Schulische Bildung und ihre Auswirkung: Hier stehen die sozialen Aufstiegsmöglichkeiten und die spezifischen Herausforderungen von türkeistämmigen Kindern sowie die Bedeutung von Bildungsphasen im Fokus.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über die tief verwurzelte Entstehung sozialer Ungleichheit zusammen und betont die Notwendigkeit professioneller Haltungen und multidisziplinärer Zusammenarbeit.
7. Ausblick: Der Ausblick unterstreicht die anhaltende Relevanz des Themas und plädiert für multiprofessionelle Ansätze, um ein gleichberechtigtes Leben zu fördern.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Bildungschancen, Migration, Soziale Ungleichheit, Sphärenlogiken, Bildungsbenachteiligung, Rassismuskritische Forschung, Integration, Inklusion, Schulsystem, Habitus, Multidisziplinarität, Sozialpädagogik, Chancengleichheit, Empowerment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Sozialen Arbeit im deutschen Bildungssystem und analysiert, wie diese dazu beitragen kann, Bildungschancen für Menschen mit Migrationsgeschichte zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Handlungsfeld der Sozialen Arbeit, die Auswirkungen des selektiven Schulsystems, die Bedeutung von familiärer Sozialisation und Milieueinflüssen sowie diskriminierungskritische Perspektiven.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Handlungsauftrag der Sozialen Arbeit in einem von Ungleichheit geprägten Bildungssystem zu identifizieren und Wege aufzuzeigen, wie Fachkräfte durch Reflexion und Unterstützung zu mehr Chancengerechtigkeit beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine wissenssoziologisch konstruktivistische Perspektive und stützt sich auf theoretische Modelle sowie die Auswertung relevanter Studien, etwa zur "Chancen(un)gleichheit" im Bildungserwerb.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der geschichtliche Rückblick, die Analyse von Migrationsprozessen, die Spezifika türkeistämmiger Schüler sowie die Bedeutung von Bildungsphasen und die Notwendigkeit von Förderkonzepten detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie soziale Ungleichheit, Migrationsgeschichte, Sphärenlogiken, Diskriminierung, Inklusion, professionelle Haltung und Empowerment.
Warum spielt das Konzept der "Sphärenlogiken" eine wichtige Rolle?
Das Konzept erklärt, wie Jugendliche zwischen ihrem familiären Umfeld und der Mehrheitsgesellschaft vermitteln müssen, was oft zu Identitätskrisen führt, die im Bildungserwerb berücksichtigt werden müssen.
Welche Bedeutung kommt der Reflexionsfähigkeit von Fachkräften zu?
Fachkräfte müssen laut der Autorin ihre eigenen kulturellen und sozialen Prägungen sowie unbewusste Vorurteile dekonstruieren, um eine reziproke und vertrauensvolle Unterstützung der Adressatinnen zu ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Renate Dertinger (Autor:in), 2018, Bildungschancen von Menschen mit Migrationsgeschichte im Kontext Sozialer Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512518