Die Bedeutung von Medien in der Lebensphase Kindheit


Hausarbeit, 2014

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Medienwelt

2. Bedeutung der Medien im Sozialisationsprozess
2.1 Bedeutung des Fernsehers im Sozialisationsprozess
2.2 Bedeutung des Computers im Sozialisationsprozess

3. Häufigkeit, Dauer und Inhalte der Mediennutzung

4. Ansätze der Medienerziehung
4.1 Ansätze der Medienerziehung in den Familien
4.2 Ansätze der Medienerziehung in Kindergärten und Schulen

5. Fazit

6. Literatur:

1. Medienwelt

Medien spielen in der Freizeit der Kinder eine bedeutende Rolle, zumal sie gleichzeitig einen hohen Einfluss auf die Entwicklung der Lebensphase Kindheit ausüben. Burkhard Fuhs geht in seinem Text „Kindheit und mediatisierte Freizeitkultur“ gesondert darauf ein, dass die Medienkultur einen wichtigen Faktor darstellt, den man bei der Frage, welche Auswirkungen die verschiedenenFreizeitfaktoren auf die Bildungsbiographie der Kinder haben,nicht vernachlässigen darf. Besonders deutlich wird dies in seiner Aussage: „Das wissenschaftliche Nachdenken über Kinder muss […] stets ein Nachdenken über Medien (und umgekehrt) implizieren“ (Fuhs 2010, S. 714). Aufbauend auf dieser Tatsache möchte ich in der nachfolgenden Ausarbeitung einen Schwerpunkt auf das Thema Medien legen und herausarbeiten, wie und in welchem Maße sie die Kinder der heutigen Zeit beeinflussen; dabei werde ich mich insbesondere auf den Text „Kinder und Medien – Medienkindheit“ von Klaus Hurrelmann und Sabine Andresen beziehen.Zu Beginn werde ich der Frage nachgehen, inwieweit Medien eine Funktion als „Miterzieher“ haben und welche Bedeutung verschiedenen Medienim Sozialisationsprozess zukommen. Desweiteren werde ich die Häufigkeit und Dauer der Mediennutzung erläutern sowie bevorzugte Inhalte des Medienkonsums aufzeigen. Abschließend werde ich der Frage nachgehen, wie Ansätze der Medienerziehung sowohl in den Familien als auch in Kindergärten und Schulen praktisch aussehen können.

Betrachtet man aus bildungswissenschaftlicher Perspektive den Komplex Kindheit, so wird deutlich, dass der Begriff „Medienkindheit“ in den letzten Jahren an enormer Bedeutung gewonnen hat. Während die Lebenswelt der Kinder früher noch primär davon bestimmt war, die eigene Umweltzu erkunden und mit allen Sinnen aktiv wahrzunehmen, hat sie sich zunehmend dahingehend entwickelt, dass Medien – hierbei sind insbesondere der Fernseher, der Computer und die Spielkonsole zu nennen – einen festen Platz im Alltag Heranwachsender gewonnen haben. Sicherlich ist diese Tatsache eng verbunden mit einer stetig anwachsenden „Digitalisierung des Alltags“ (Fuhs 2010, S. 714), die unter anderem zur Folge hat, dass man in der Lage ist, Medien überall dort zu verwenden, wo man sich gerade befindet. Gerade bei Kindern bewirkt dies, dass die Nutzung der Medien gleichzeitig oft auch eng mit anderen Aktivitäten verbunden ist. Anders als früher ist die Verwendung technischer Geräte nicht mehr an festgelegte Zeiten und Orte gebunden; stattdessen haben Kinder genauso wie Erwachsene die Möglichkeit, einen Großteil ihrer Zeit mit der Nutzung vonHandys und dem Internet zu verbringen (Vgl. Hurrelmann/Andresen 2010, S. 129). Unumstritten bleibt hierbei, dass Medien in der heutigen Gesellschaft immer vielfältiger werden und auch für Kinder leicht zugänglich sind (Vgl. Oswald 2006, S. 64) – dies spiegelt sich gleichzeitig auch in einer stark anwachsenden öffentlichen Diskussion über den Mediengebrauch wieder. Die kritische Sichtweise auf die zunehmende Verbreitung des Medienkultes ist dabei einem Großteil der Kinder durchaus bewusst (Vgl. Hurrelmann/Andresen 2010, S. 129), da viele von ihnen schon früh mit der Tatsache konfrontiert werden, dass eine übermäßige Nutzung technischer Geräte negative Auswirkungen auf die Schulnoten oder das Sozialverhalten haben können. Viele Eltern und Lehrer sehen es als eine beunruhigende Tatsache an, dass die starke Konzentration auf Medien bereits so alltäglich geworden ist, dass man von Medien als zu den tertiären Sozialisationsinstanzen zugehörig sprechen kann. Hurrelmann und Andresen erläutern in ihrer Ausarbeitung „Kinder und Medien – Medienkindheit“, dass die primäre Sozialisationsinstanz die Familie darstellt, während man „öffentliche Bildungs- und Erziehungseinrichtungen wie Kindergärten und Schule als sekundäre Sozialisationsinstanzen [beschreiben kann]“ (Hurrelmann/Andresen 2010, S. 130). Dabei kommt jeder Sozialisationsinstanz eine gesonderte Aufgabe zu, da sie sich jeweils auf unterschiedliche Art auf die Kindesentwicklung auswirkt: Während die Familie die Persönlichkeit des Kindes vor allem durch direkte Kommunikation beeinflusst leistet die Schule bzw. der Kindergarten einen wichtigen Beitrag zur erzieherischen Entwicklung. Beiden Absichten stehen die Medien häufig konkurrierend gegenüber: Sie nehmen eine sogenannte „Miterzieher“-Funktion ein, da sie maßgebliche Auswirkungen auf die Erfahrungswelt der Kinder haben ohne in erster Linie darauf ausgelegt zu sein, ihre Persönlichkeitsentwicklung erzieherisch zu beeinflussen(Vgl. Hurrelmann/Andresen 2010, S. 130). Viele Heranwachsende entwickeln durch den häufigen Konsum des Fernsehers oder des Internets eigene Vorstellungen davon, wie ihre Umwelt aufgebaut ist und wie sie sich in ihr am besten zu verhalten haben; durch realitätsnahe Sendungen und Videospiele werden Vorbildfiguren geschaffen, denen Kinder schon früh nacheifern und die einen großen Einfluss auf die Einstellungen und Wahrnehmungen der Kinder ausüben, ohne dass dies zwangsläufig von den Medienproduzenten beabsichtigt worden wäre. Aufgrund dieser indirekt gesteuerten Kommunikation der Medienwerden sie häufig auch als „heimliche Miterzieher“ bezeichnet, deren Einfluss auf die Kinder oft im Gegensatz zu den Vorstellungen steht, die Eltern und Erzieher sich von der Erziehung der Kinder gemacht haben (ebd.).

2. Bedeutung der Medien im Sozialisationsprozess

Die Tatsache, dass Medien durch ihren hohen Konsum von Kindern große Auswirkungen auf den Sozialisationsprozess ausüben hat zur Folge, dass in der öffentlichen Diskussion schon zu Beginn der Ausbreitung diverser Massenmedien das Argument genannt wurde, dass Kinder sehr frühzeitig durch Medien in die Gesellschaft der Erwachsenen eingeführt würden. Deutlich wird dies beispielsweise in einem Artikel des br-online über Medienkindheit aus dem Jahr 1992, in welchem der Autor verlauten lässt: „Diejenigen, die an den institutionalisierten Schutzräumen von Kindheit und Jugend festhalten wollen, sehen […] das wenig gedeihliche Einbrechen der Erwachsenenwelt in die Welt der noch zu schützenden Heranwachsenden unserer Gesellschaft“ (Neumann-Braun 1992, S. 6). Im Folgenden möchte ich herausarbeiten, inwieweit dies besonders auf die Massenmedien Fernsehen und Computer zutrifft und auf welche Art diese den Lebensalltag der Kinder bestimmen.

2.1 Bedeutung des Fernsehers im Sozialisationsprozess

Für viele Erwachsene stellt der Fernseher eine Bedrohung für eine gute Erziehung der Kinder dar, da er sich in nur sehr kurzer Zeit in nahezu alle Haushalte ausbreitete. Durch den gleichzeitig anwachsenden Konsum dieses Massenmediums wurde der erzieherische Einfluss, den Eltern bzw. Lehrer bis dahin ungeteilt auf die Kinder ausüben konnten, stark eingegrenzt, zumal sie nicht mehr in der Lage waren, diesen Einflussfaktor direkt zu kontrollieren (Vgl. Hurrelmann/Andresen 2010, S. 131). Neill Postman zeigte 1982 in seinem Buch „The Disappearance of Childhood“ auf, dass die Lebensphase Kindheit durch den Fernseher davon bedroht sei, nicht in gleicher Weise weiter existieren zu können, da man nicht mehr in der Lage sei die Sicherheit ihres geschützten Charakters zu gewährleisten (ebd.). Durch eine Flut von Informationen und Inhalten, die primär für den Konsum Erwachsener gedacht sind und sowohl Nachrichten über die Geschehnisse in der Welt als auch private Bereiche betreffen können, seien Kinder schon früh dazu gezwungen, sich mit Wissen auseinanderzusetzen, „für die sie gar keine kognitiven, sozialen, emotionalen und bewertenden Kompetenzen besitzen können“ (Hurrelmann/Andresen 2010, S. 132). Das Massenmedium Fernsehen wird somit als Auslöser dafür angesehen, dass sich die Lebensphase Kindheit immer mehr in die Gesellschaft der Erwachsenen integriere und der Schonraum, den erzieherische Verantwortliche für die Kinder zu schaffen versuchen, nachhaltig zerstöre. Nicht zuletzt deswegen sprechen Bildungswissenschaftler von der Kindheit zunehmend als von einer „Ernstzeit des Lebens“ und führen immer häufiger die Frage auf, ob Heranwachsende überhaupt schon in der Lage seien, derartige Nachrichten zu verarbeiten (ebd.). Dass diese Einwände gegenüber dem Massenmedium durchaus berechtigt sind, wird durch die Tatsache bestätigt, dass der Fernseher aus dem Alltag der meisten Kinder nicht mehr wegzudenken ist: Nach Angaben der KiGGS Studie von 2007 nutzen 98% der Kinder mindestens einmal in der Woche das Fernsehen, während bereits 83% jeden Tag Zeit vor dem Fernseher verbringen (Vgl. Fuhs 2010, S. 719).

2.2 Bedeutung des Computers im Sozialisationsprozess

Genau wie der Fernseher spielt auch das Massenmedium Computer – und mit ihm das Internet – im Lebensalltag der Kinder eine immer größer werdende Rolle: Während nur 7% der Kinder den Computer 1990 nutzten verwendeten ihn 2010 bereits 61% (ebd.). Durch seine breitgefächerten Einsatzmöglichkeiten wie Computer-Spiele, Musikdateien, Videoclips oder das social Network haben Kinder die Möglichkeit, die ganze Medienwelt durch den Computer zu erkunden und zu nutzen – dabei sind sie den Erwachsenen in der Bedienung sogar häufig überlegen (Vgl. Hurrelmann/Andresen 2010, S. 133).

Zusammenfassend haben Kinder durch die immer breitere und ansteigende Verwendung von Massenmedien die Möglichkeit, ihren Alltag in vielfältiger Weise zu gestalten und ihre Umwelt mit Hilfe der verschiedensten Medien zu erkunden. Kritisch für viele erzieherische Verantwortliche bleib dabei die Tatsache, dass Kinder fortan durch den überlagernden Einfluss des Fernsehers und des Computers in der Lage sind, sich bei Bedarf von den Absichten der Erwachsenen abzuschirmen (ebd.) und sich mit Inhalten auseinanderzusetzen, die für ihre Altersklasse noch nicht geeignet sind und dadurch erhebliche Einflüsse auf ihre Persönlichkeitsentwicklung haben können.

3. Häufigkeit, Dauer und Inhalte der Mediennutzung

Setzt man sich zusätzlich zur Bedeutung der Medien im Sozialisationsprozess mit der Häufigkeit, der Dauer und den Inhalten der Mediennutzung auseinander, so wird deutlich, dass zu den oben genannten Kritikpunkten noch weitere Risiken zu nennen sind, die sich durch die intensive Nutzung verschiedener Medien durch Kinder ergeben. Im Zuge der Digitalisierung werden im Kontext Medien häufig die Begriffe „Entstraßlichung“ und „Verhäuslichung“ aufgeführt (Hurrelmann/Andresen 2010, S. 133). Diese bedeuten, dass Kinder sich mehr und mehr mit fiktionalen Welten auseinandersetzen und immer weniger Freizeitaktivitäten in der realen Welt stattfinden, wodurch das aktive Erkunden anderer Erfahrungsräume (und damit der Prozess der Sozialisation) gestört werden kann (Vgl. Hurrelmann/Andresen 2010, S. 134). Die nachfolgende Statistik, die aus den zusammengetragenen Ergebnissen empirischer Untersuchungen von Hurrelmann und Andresen stammt, verdeutlicht, dass die deutsche Medienausstattung in den Familien äußerst hoch ist und dass damit gleichzeitig auch fast jeder Heranwachsende in Deutschland Zugang zu technischen und akustischen Geräten hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Ausstattung in deutschen Haushältern(Hurrelmann/Andresen 2010, S. 134)

Auch die World Vision-Kinderstudie 2007, in der die Medienausstattung des Kinderzimmers erforscht wurde, zeigt, dass ein Großteil der Kinder im Alter von 8-11 Jahren in Deutschland zumindest einen Kassettenrekorder oder CD-Player sowie ein Radio besitzt. Auffällig ist hierbei, dass nur drei Prozent der Kinder nichts von den angeführten Geräten in ihrem Zimmer haben. Beide Statistiken wurden während des Referates den Kommilitonen vorgestellt um einen Eindruck davon zu erwecken, wie alltäglich der Gebrauch von Medien für Kinder in Deutschland ist.

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von Medien in der Lebensphase Kindheit
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V512642
ISBN (eBook)
9783346102157
ISBN (Buch)
9783346102164
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, medien, lebensphase, kindheit
Arbeit zitieren
Jessica Deifel (Autor), 2014, Die Bedeutung von Medien in der Lebensphase Kindheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512642

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