Theoretische Begründungen für den Projektunterricht


Hausarbeit, 2016
10 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretische Begründung
2.1. Die Sozialisationstheoretische Begründung
2.2 Die Psychologische und Physiologische Begründung
2.3 Die Motivationspsychologische Begründung
2.4 Die Handlungstheoretische und Kognitionspsychologische Begründung

3. Möglichkeiten und Grenzen / Schwierigkeiten

4. Reflexion

5. Literatur

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit wird der Projektunterricht anhand von vier grundlegenden Argumenten theoretisch begründet. Dazu werden zunächst die Sozialisationstheoretische Begründung, die Psychologische und Physiologische Begründung, die Motivationspsychologische Begründung sowie die Handlungstheoretische und Kognitionspsychologische Begründung erläutert und deren Voraussetzungen für projektorientierten Unterricht dargestellt. Dabei wird besonders Bezug genommen auf die Ausführungen von Herbert Gudjons (2006 u. 2011).

2. Theoretische Begründung

In seinem Text „Projektorientiertes Lernen“ (2011) nennt Herbert Gudjons unter anderem drei Begründungsebenen, welche die besondere Bedeutung der Projektidee hervorheben. Im Hinblick darauf wurden die Studierenden zunächst mit der Frage konfrontiert, wie die Verwendung von Projektunterricht allgemein, sowie auf sozialisations-theoretischer Ebene begründet und legitimiert wird (Alexander Koch / Lena Reiffs). Die Kommilitonen erläuterten exemplarisch, dass die Veränderungen in der Aneignung von Kultur einen stärker handlungsorientierten Unterricht notwendig machen (vgl. Gudjons 2011, S. 378). Darüber hinaus wurde darauf hingewiesen, dass handelndes Lernen sinnvoll ist, da Wissen mit bereits erworbenen Kenntnissen verknüpft und dadurch länger behalten werden kann (vgl. ebd.).

Um den Projektunterricht noch umfassender theoretisch begründen zu können soll weiterführend Bezug genommen werden auf Gudjons Werk „Das Projektbuch 2. Über die Projektwoche hinaus“ (2006), in welchem er einführend darauf Aufmerksam macht, dass Spaß allein nicht ausreichend ist als Begründung für Projektunterricht, auch wenn dieser Aspekt für den Großteil der SuS sicherlich im Vordergrund steht (vgl. Gudjons 2006, S. 48). Darüber hinaus hatte Gudjons die drei Begründungsebenen auf insgesamt vier grundlegende Argumente erweitert, die zur Begründung für projektorientierten Unterricht herangezogen werden können: Die Sozialisationstheoretische Begründung, die Psychologische und Physiologische Begründung, die Motivationspsychologische Begründung sowie die Handlungstheoretische und Kognitionspsychologische Begründung (vgl. ebd.). Diese sollen im weiteren Verlauf genauer betrachtet und erläutert, sowie die daraus resultierenden notwendigen Voraussetzungen für den Projektunterricht herausgearbeitet werden.

2.1. Die Sozialisationstheoretische Begründung

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich in Deutschland besonders auf kultursoziologischer Ebene viele Veränderungen eingestellt, die sich unter anderem auch auf die Bedingungen des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen ausgewirkt haben. Gudjons (2006) führt im Hinblick darauf exemplarisch drei Bereiche auf, an denen sich diese Veränderungen besonders festmachen können. Als erstes weist er auf die zunehmende Tendenz zur Kleinfamilie hin, die – ebenso wie das Aufkommen neuer Lebenstechniken – dazu geführt hat, dass im handelnden Umgang mit der Umwelt wichtige soziale Erfahrungen eingebüßt werden (vgl. ebd., S. 49). Hinzukommend benennt Gudjons als zweites die Tendenz „weg von der Straße“ (ebd.), welche zuvor einen bedeutsamen Ort des sozialen Lebens darstellte. Diese hat ebenso wie die zunehmenden industriell gefertigten Güter zur Folge, dass die Kultur mehr und mehr konsumierend angeeignet wird und selbstständige Erfahrungen dadurch verstärkt in den Hintergrund rücken (vgl. ebd.). Diese Entwicklung führt Gudjons zu seinem dritten Punkt, nämlich dem Aufkommen neuer elektronischer Medien. Das ikonisch angeeignete Weltverständnis, welches Heranwachsende durch diese entwickeln, beruht nicht mehr auf selbst gemachten Beobachtungen, sondern auf den vorgefertigten Botschaften, die von den Kindern und Jugendlichen schlicht angenommen und nicht mehr ausreichend hinterfragt oder interpretiert werden (vgl. ebd., S. 50).

Diese aufgeführten Bereiche verdeutlichen, wieso Projektunterricht aus sozialisationstheoretischer Sichtweise sinnvoll und notwendig ist: Damit Heranwachsende die Welt verstehen können, muss die konsumistische Aneignungsweise von Erfahrungen ausgeglichen werden. Dies kann gelingen, indem SuS durch Unterrichtsformen, bei denen Handlungsprozesse im Vordergrund stehen, die Möglichkeit erhalten, sich mit der Welt auseinanderzusetzen und durch handelndes Entdecken selbstständige Erfahrungen zu machen (vgl. ebd., S. 50f.).

2.2 Die Psychologische und Physiologische Begründung

Das Erfordernis von handlungsorientierten Unterrichtsformen wird auch im Hinblick auf die Auswirkungen der motorischen und sensorischen Aktivität von Heranwachsenden auf das Lernen deutlich. Bezugnehmend auf die Befunde der Forschungen von Kornelia Möller erläutert Gudjons (2006), dass die Bewegungsarmut, die in Schulen häufig vorherrschend ist, ebenso wie „reizarme Situationen und einförmige Tätigkeiten zur Herabsetzung der psychischen Aktivität, zu Antriebsmangel, Konzentrationsausfällen und Ermüdung [führt]“ (ebd, S. 52). Aus diesem Grund ist es erforderlich, dass der Frontalunterricht häufiger ergänzt wird durch ein anregendes Handlungsumfeld, in welchem die SuS sich entsprechend bewegen und ihre Sinnesorgane beanspruchen können. Dies wäre auch auf physiologischer Ebene von Vorteil: Eine Beanspruchung der Sinne führt dazu, dass die Energiezufuhr des Menschen angeregt wird, wodurch es den SuS leichter fallen würde, sich vorgegebene Lerninhalte besser aneignen und einprägen zu können (vgl. ebd., S. 52f.).

Hinzu kommt, dass handelnde Tätigkeiten weitaus länger im Gedächtnis bleiben als andere. Auf diese Tatsache deuten exemplarisch die Ergebnisse einer Studie von Kurt Witzenbacher (1985) hin, die ergaben, dass der Mensch etwa 90% von dem behält, was er selbst tut, wohingegen er nur etwa ein Fünftel von den Informationen behält, die er auditiv wahrnimmt (vgl. ebd., S. 17). Diese lernpsychologischen Erkenntnisse machen deutlich, dass ein unbestreitbarer Zusammenhang besteht zwischen dem Gedächtnis und den Bewegungen (vgl. Gudjons 2006, S. 56), der besonders in der Schule genutzt werden sollte, um die SuS bei ihren Lernprozessen zu unterstützen. Dies kann gelingen, indem den Lernenden neue Informationen nicht nur verbal zugänglich gemacht werden, sondern ihnen die Möglichkeit geboten wird, mehrere Sinnesorgane bei der Informationsaufnahme zu nutzen und zu beanspruchen – Gudjons spricht in diesem Zusammenhang von einer „multidimensionalen Kodierung“ (ebd., S. 53). Diese wird besonders wirksam, wenn die SuS die neuen Informationen nicht bloß verstehen, sondern sie mit anderen, bereits erlernten Kenntnissen verknüpfen und in Zusammenhang bringen können (vgl. ebd., S. 54).

Die notwendigen Voraussetzungen, die sich dadurch für die Schule ergeben, können besonders durch die Durchführung von projektorientiertem Unterricht erfüllt werden: Dazu gehört auf der einen Seite, dass den SuS Lerninhalte handelnd und auf der Grundlage von eigenen Tätigkeiten erfahrbar gemacht werden. Dies allein reicht jedoch nicht aus; stattdessen ist es auf der anderen Seite unabdingbar, dass die einzelnen Inhalte nicht getrennt voneinander erlernt, sondern von den SuS in einen übergeordneten Handlungszusammenhang gestellt werden können. Weiterführend ist es sinnvoll, wenn die gesammelten Erfahrungen von den Lernenden selbst als wichtig erachtet werden, indem die Meinungen und Interessen der SuS bereits im Vorfeld berücksichtigt und miteinbezogen werden. (vgl. Gudjons 2006, S. 55)

2.3 Die Motivationspsychologische Begründung

Als Begründung für die Durchführung von Projektunterricht ist nicht nur der Aspekt des handelnden Entdeckens, sondern besonders auch der damit verbundene motivationale Aspekt von Bedeutung – darauf machte auch der Schweizer Theoretiker Hans Aebli aufmerksam: „Es ist die herstellende Anwendung, die die Schüler am stärksten motiviert“ (Aebli 1987, S. 158). Gudjons führt in seinen Ausarbeitungen Faktoren auf, die das Entstehen von Motivation beeinflussen: Dazu gehört zunächst, dass die SuS durch handelndes Entdecken konkrete Gegenstände herstellen können, deren Funktionen im Anschluss von ihnen tatsächlich ausprobiert und genutzt werden können. Des Weiteren ist es sinnvoll, wenn die SuS einen Nutzen in der Herstellung erkennen, wodurch die Handlungen für sie selbst bedeutsam werden und ihr Engagement und Interesse wecken. Die Motivation, die dadurch nachweislich entsteht, ist besonders hilfreich, damit SuS die Lerninhalte nicht nur nachvollziehen können, sondern auch wollen, wodurch sie ein besseres und weitreichenderes Verständnis für die Inhalte erlangen. (vgl. Gudjons 2006, S. 57). Im Hinblick auf den Projektunterricht kommt dabei eine besondere Form der Motivation zum Tragen: Die Kompetenzmotivation. Gudjons (2006) geht darauf ein, dass es „ein grundlegendes Motiv des Menschen ist, seine Kompetenz zu steigern, diese in neuen Situationen zu bewähren und sich selbst zu erfahren als Wesen, das seine Welt gestalten und beherrschen kann“ (ebd., S. 57). Die Kompetenzmotivation ist somit intrinsisch und hat zur Folge, dass die Inhalte nicht bloß gelernt werden, weil sie interessant oder sinnvoll erscheinen, sondern damit die eigene Leistungsfähigkeit verbessert werden kann. Wird dieses Ziel erreicht, wirkt sich dies entscheidend auf das Selbstbewusstsein der SuS aus (vgl. ebd.).

Der Projektunterricht ist somit darauf angewiesen, dass ein Bezug zur Lebenswelt der SuS hergestellt wird. Darüber hinaus sollte gerade zu Beginn eines neuen Projektes die Neugier der SuS geweckt werden, indem verschiedene Emotionen wie Überraschung, Zweifel oder Verblüffung einen Konflikt auslösen, welcher den Wunsch weckt, eine zufriedenstellende Lösung für das vorliegende Problem zu finden. Erhalten die SuS dabei durch entdeckendes Lernen die Möglichkeit, diese Probleme selbstständig zu verstehen und zu lösen, wirkt sich dies maßgeblich auf die Motivation und damit die Freude am Lernen aus (vgl. ebd., 58).

2.4 Die Handlungstheoretische und Kognitionspsychologische Begründung

Durch den Projektunterricht kann erreicht werden, dass (wie im Vorfeld näher erläutert) die SuS durch Eigentätigkeit und selbstständiges Handeln weitreichendere Erkenntnisse und Vorstellungen von Lerninhalten entwickeln. Bei der handlungstheoretischen und kognitionspsychologischen Begründung, welche Herbert Gudjons als viertes und abschließendes Argument für Projektunterricht aufführt, geht es darum, dass diese Einsichten nicht bloß isoliert voneinander betrachtet, sondern vielmehr mit der kognitiven Struktur verbunden und vernetzt werden (vgl. Gudjons 2006, S. 61). In diesem Zusammenhang wird insbesondere darauf hingewiesen, dass in der Schule häufig der Aspekt des Denkens im Vordergrund steht, während das Handeln dabei nur eine untergeordnete Rolle einnimmt. Gudjons kritisiert diese Auffassung mehrfach, indem er auf den notwendigen Zusammenhang der beiden Aspekte aufmerksam macht: „Denken geht aus dem Handeln hervor und wirkt steuernd auf Handeln zurück“ (Gudjons 2011, S. 378). Für den Schulunterricht ergibt sich dadurch, dass es wenig sinnvoll ist, wenn Fachwissen nur in Form von Büchern und Sachtexten vermittelt wird. Vielmehr sollte er darauf ausgerichtet werden, – und dies kann besonders durch handlungsorientierte Unterrichtsformen wie Projektunterricht gewährleistet werden – dass die handelnden Tätigkeiten mit den Denkprozessen verbunden werden. Dadurch ergibt sich ein notwendig gestalteter Zusammenhang zwischen dem Denken und dem Handeln, aber auch zwischen der Theorie und der Praxis und zwischen dem Schulunterricht und dem Lebensalltag (vgl. Gudjons 2006, S. 63). Durch eine solche Verknüpfung kann gewährleistet werden, dass die SuS die Möglichkeit erhalten, sich Wissen nicht mehr nur allein durch das altbewährte Rezipieren von Texten, sondern auch durch aktives Entdecken und Erforschen anzueignen.

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Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Theoretische Begründungen für den Projektunterricht
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
10
Katalognummer
V512644
ISBN (eBook)
9783346090263
Sprache
Deutsch
Schlagworte
theoretische, begründungen, projektunterricht
Arbeit zitieren
Jessica Deifel (Autor), 2016, Theoretische Begründungen für den Projektunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512644

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