Vertrauen versus Verträge in Geschäftsbeziehungen

Ein Überblick aus dem Jahr 2001


Seminararbeit, 2001

22 Seiten, Note: 2.4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Abgrenzung der Themenstellung

2. Zum Begriff der Geschäftsbeziehung

3. Neue Institutionenökonomie
3.1 Die Transaktionskostentheorie

4. Herleitung und Definition von Vertrauen

5. Verträge
5.1 Explizite Verträge
5.2 Implizite Verträge

6. Koordination durch Vertrauen

7. Vertrauen versus Verträge: Kritische Würdigung

8. Schlussbemerkungen

9. Literaturverzeichnis

1. Abgrenzung der Themenstellung

Im Rahmen von Geschäftsbeziehungen getätigte spezifische Investitionen bedingen für die beteiligten Unternehmen Abhängigkeiten, die durch geeignete Überwachungs- und Sicherheitsmechanismen vor opportunis-tischer Ausbeutung geschützt werden müssen. Zielsetzung dieser Arbeit ist es zu beleuchten, welche Rolle Vertrauen bzw. Verträge als Absicherungsmechanismus zuerkannt und ob diese dabei vor dem Hintergrund der Neuen Institutionenökonomie als komplementäre oder substitutive Institutionen betrachten werden können. Nachdem im Folgenden kurz erläutert wird, was unter dem Begriff Geschäftsbe-ziehungen zu verstehen ist, wird auf die Neue Institutionsökonomie, insbesondere auf die Transaktionskostentheorie eingegangen. An-schließend werden Vertrauen und Verträge definiert und ihre Wirkungs-weise dargestellt. Zuletzt erfolgt eine kritische Würdigung und einige Schlußbemerkungen.

2. Zum Begriff der Geschäftsbeziehung

Eine Geschäftsbeziehung oder Zuliefer-Abnehmer Beziehung stellt keine Folge von einzelnen, unverbundenen Transaktionen dar. Vielmehr ist darunter die Gesamtheit der vor dem Hintergrund einer langfristigen Geschäftsperspektive, sozialen Normen und Werten, sowie persönlichen Kontakten stattfindenden Interaktionsprozesse und den damit verbundenen Investitionen zu verstehen.1

3. Neue Institutionenökonomie

Gegenstand des Theoriegebäudes der Neuen Institutionenökonomie sind die Auswirkungen von Institutionen auf menschliches Verhalten bzw. ihr Einfluss auf das Funktionieren der Wirtschaft.

Institutionen lassen sich interpretieren als „sanktionierbare Erwartungen, die sich auf die Handlungs- und Verhaltensweisen eines oder mehrerer Individuen beziehen.“2 Als Spielregeln menschlicher Interaktion, stabili-sieren sie die Erwartungen der Wirtschaftssubjekte bzgl. des Verhaltens anderer Akteure und verringern somit soziale Komplexität.3

Im Gegensatz zur Neoklassik geht die Neue Institutionenökonomie von realitätsnahen Annahmen aus. Den Akteuren wird „begrenzte Rationalität“ und opportunistisches Verhalten unterstellt. Das Wissen sowie die In-formationsaufnahme- und Informationsverarbeitungsmöglichkeiten der Akteure sind begrenzt. Sie sind nicht dazu in der Lage optimale Entscheidungen zu treffen.

Opportunismus beschreibt die Verfolgung des Eigeninteresses ökono-mischer Akteure unter Zuhilfenahme von List und begründet damit „die Möglichkeit eines Schadens durch strategisches Verhalten eines an-deren“,4 geht also über die reine Eigennutzmaximierung hinaus. Die Neue Institutionenökonomie stellt kein einheitliches Theoriegebäude dar, sondern besteht aus mehreren methodologisch verwandten Ansätzen: der Property-Right-Theorie, dem Pricipal-Agent Ansatz sowie der Trans-aktionskostentheorie. Letztere soll hier kurz dargestellt werden.5

3.1. Die Transaktionskostentheorie

Die Transaktionskostentheorie analysiert die Austauschbeziehungen zwischen den spezialisierten Akteuren arbeitsteiliger Wirtschaften unter dem Aspekt der Minimierung der damit verbundenen Kosten, den soge-nannten Transaktionskosten. Diese umfassen alle Opfer und Nachteile, die die Tauschpartner bei der Anbahnung, Vereinbarung, Abwicklung sowie Kontrolle und Anpassung des Leistungsaustausches zu tragen haben.6

Darüber hinaus ermittelt die Transaktionskostentheorie Empfehlungen zur Gestaltung des vertikalen Integrationsgrades in Abhängigkeit der Spezifität einer Leistung. Der Begriff der Spezifität einer Leistung lässt sich am besten unter Berücksichtigung sogenannter Quasi-Renten erläutern.

Die Quasi-Rente ist die Wertdifferenz zwischen dem Wert einer Resource oder Investition in der beabsichtigten Verwendung im Rahmen einer Transaktion und dem Wert bei der zweitbesten Verwendung. Je größer die Wertdifferenz nun ausfällt, desto höher ist der Spezifitätsgrad einer Investition. Ein hoher Spezifitätsgrad führt zu monopolartigen Austauschbeziehungen und damit zu einseitigen oder wechselseitigen Abhängigkeiten.7

Diese Abhängigkeiten aufgrund spezifischer Investitionen ermöglichen es den Akteuren Handlungsspielräume opportunistisch, das bedeutet zum Schaden eines anderen, auszunutzen.

4. Herleitung und Definition von Vertrauen

Von Vertrauen spricht man im täglichen Leben meist in einem moralischen Sinne. Um Vertrauen aber als möglichen Absicherungsmechanismus für die Austauschprozesse in einer Geschäftsbeziehung analysieren zu können, ist zunächst eine Erarbeitung und Definition von Vertrauen aus einer ökonomischen Perspektive erforderlich. Dabei ist es sinnvoll sich zunächst mit Unsicherheit und Komplexität auseinander zu setzen.

Unsicherheit bezeichnet einen Zustand, in dem entweder die Eintrittswahrscheinlichkeit eines zukünftigen Ereignisses unbekannt ist, oder allein der Zufall über den Eintritt des Ereignisses entscheidet. Unsicherheit lässt sich unterteilen in exogene und endogene Unsicherheit.

Exogene Unsicherheit oder auch Umweltsicherheit umfasst Ereignisse die ein Akteur nicht beeinflussen kann.

Endogene Unsicherheit resultiert „(...) vor allem aus der mit Spezialisierung und Tauschverbundenen Arbeitsteilung und somit aus dem Organisationsproblem: (...).“.8 Die Handlungen anderer Akteure haben einen direkten oder indirekten Einfluß auf den Nutzen eines Akteurs. Insbesondere diese Form der Unsicherheit ist im ökonomischen Sinne relevant.

Innerhalb der oben genannten Arbeitsteilung stellt sich nun die Frage, ob die beteiligten Akteure in der Lage sind, die ihnen zugewiesenen Teilleistungen zu erbringen (im Sinne technischer Kompetenz) bzw. ob sie überhaupt dazu bereit sind dieses zu tun. Im letzten Fall ergibt sich ein Problem der Motivation der Akteure. Die daraus resultieren Unsicherheit, wird als Verhaltensunsicherheit bezeichnet.9

Verstärkt wird das Problem der Verhaltensunsicherheit durch die Komplexität der Umwelt. Komplexität beschreibt eine Situation, die zwar sicher aber in ihrem Zusammenhängen vom Menschen nicht überschaubar ist.10 Sie entsteht dadurch, dass „(...) die Welt mehr Möglichkeiten zulässt, als Wirklichkeit werden können, und in diesem Sinne ,offen’ strukturiert ist“.11 Die Anzahl möglicher Ereignisse in der Zukunft ist folglich unbegrenzt, aber es treten nicht alle möglichen Ereignisse ein. Die Eintrittswahrscheinlichkeiten der Ereignisse sind unbe-kannt. Die ökonomischen Akteure sind jedoch bestrebt, die konkreten Ausprägungen dieser möglichen Ereignisse, welche als Kontingenzen bezeichnet werden, in ihrem Handeln und Entscheiden zu antizipieren.12

[...]


1 Vgl. Diller, H. (1997), S. 572-575.

2 Dietl, H. (1993), S. 37.

3 Vgl. Ripperger, T. (1998), S. 24 f.

4 Ripperger, T. (1998), S. 23.; vgl. auch Williamsen, O.E. (1990), S. 54.

5 Für eine umfassende Darstellung der Ansätze vgl. Dietl, H. (1993), S. 56-156.

6 Vgl. Picot, A. / Dietl, H. / Franck, E. (1999), S. 67.

7 Vgl. Picot, A. / Dietl, H. (1990), S. 179; vgl. auch Dietl, H. (1993), S. 110 f.

8 Ripperger, T. (1998), S. 17.

9 Vgl. Ripperger, T. (1998), S. 18.

10 Vgl. Picot, A. / Dietl, H. ( 1990), S. 179.

11 Luhmann, N. (1989), S. 4 f.

12 Vgl. Ripperger, T. (1998), S. 18.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Vertrauen versus Verträge in Geschäftsbeziehungen
Untertitel
Ein Überblick aus dem Jahr 2001
Hochschule
Universität Paderborn  (Lehrstuhl für Marketing)
Veranstaltung
Seminar in Marketingtheorie
Note
2.4
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V5130
ISBN (eBook)
9783638131223
ISBN (Buch)
9783638917865
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vertrauen, Verträge, Geschäftsbeziehungen, Seminar, Marketingtheorie
Arbeit zitieren
Frank Rottländer (Autor), 2001, Vertrauen versus Verträge in Geschäftsbeziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5130

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