Praxissemester Geschichte. Die Interpretation politischer Plakate im Unterricht

Planung, Durchführung und Reflexion einer Unterrichtsreihe zur Förderung der Methodenkompetenz


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

16 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Untersuchungsgegenstand und Voraussetzungen

3. MaBnahmen zurKompetenzforderung

4. Diagnoseaufgabe und Auswertungsraster

5. Ergebnisse der Erhebungen

6. Reflexion derErgebnisse

7. Literatur

Anmerkung der Redaktion: Der Anhang der Arbeit wurde aus urheberrechtlichen Grunden entfernt.

1. Einleitung

Der folgende Forschungsbericht fur das Fach Geschichte wurde im Rahmen der Begleitveranstaltung fur das Praxissemester im Wintersemester 2018/19 an der Ruhr- Universitat Bochum angefertigt und bezieht sich auf die Praxisphase vom 10.09.2018 bis zum 01.02.2019 an einer Gesamtschule. Er zielt damit perspektivisch auf die in den Rahmenbedingungen festgelegten Intentionen der Praxisphase „theoriegeleitete Erkundungen im Handlungsfeld Schule zu planen, durchzufuhren und auszuwerten sowie [darauf] aus Erfahrungen in der Praxis Fragestellungen an Theorien zu entwickeln“.1

Im Rahmen des Faches Geschichte umfasst der Forschungsbericht dabei ublicherweise die Planung, Durchfuhrung und Reflexion einer an der Schule umgesetzten Unterrichtsreihe, welche die explizite Messung und Forderung einer ausgewahlten Kompetenz - in diesem Fall Methodenkompetenz - intendiert. Der erste Messzeitpunkt findet hierbei vor Beginn der Unterrichtsreihe staff, in der die Kompetenzen bei den Schulerinnen und Schulern ausgebaut werden sollen, wahrend der zweite Messungzeitpunkt am sich daran anschlieBt.

Der Forschungsbericht klart im Folgenden zunachst die Rahmenbedingungen der Untersuchung, sowie den Untersuchungsgegenstand. AnschlieBend macht die Reihenplanung sichtbar, wie die hier geplante Forderung der Kompetenz innerhalb dieses Forschungsprojektes in Form der Unterrichtsreihe angelegt wurde. Ferner wird die Diagnoseaufgabe, sowie das Auswertungsraster des Forschungsprojekts vorgestellt, anhand dessen die Ergebnisse nachvollzogen werden sollen. AbschlieBend erfolgt die Vorstellung der Ergebnisse, die uberdies kritisch reflektiert werden.

2. Untersuchungsgegenstand und - Voraussetzungen

Eine zentrale Perspektive und Aufgabe des Faches Geschichte ist nach dem Kernlehrplan, Schulerinnen und Schulern Orientierung zu bieten, indem man im Unterricht bei der Beschaftigung mit vergangenen Zeiten oder anderen Kulturen Fremdes und gegebenenfalls auch Alternativen zur Lebenswelt heutiger Schulerinnen und Schuler aufzeige. Die historische Gebundenheit des gegenwartigen Standortes werde dadurch fur die Schulerinnen und Schuler erkennbar.2 Dies fuhre zur Moglichkeit einer kritischen Wahrnehmung und lege somit eine wichtige Grundlage zur Ausbildung eines „reflektierten Geschichtsbewusstseins“.3 Als eine der beiden wichtige Voraussetzung, fur solche Orientierungsmoglichkeiten wird in dem geschichtsdidaktischen Kompetenzmodell ,,FUER Geschichtsbewusstsein“ die historische Fragekompetenz genannt, die auf das Interesse an Vergangenheit und Geschichte abzielt. Aus dem Bedurfnis, Vergangenes zu entdecken und zu erforschen entwickeln Schulerinnen und Schuler hier Fragen, wodurch historische Denk- und Orientierungsprozesse initiiert werden.4

Als andere wichtige Voraussetzung wird im Modell die Moglichkeit benannt, diesen Fragen auch mit einem methodischen Instrumentarium nachgehen zu konnen und mithilfe der gefundenen Antworten, die eigene Fragestellung zu beantworten. Geschichte auf diese Weise re- und dekonstruieren zu konnen, wird unter dem Begriff der historischen Methodenkompetenz zusammengefasst.5

Wahrend die Dekonstruktion auf den analysierenden Aspekt zielt, meint Rekonstruktion die kritische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen historischen Quellen. Diese sollen einer Quellenkritik unterzogen werden, um so eine eigene Narration entwickeln zu konnen.6 Dieser Kompetenzuberschneidung folgend, bilden die historische Fragekompetenz und die historische Methodenkompetenz also nach dem Kompetenzmodell ,,FUER Geschichtsbewusstsein“ die Grundlage fur die historische Orientierungskompetenz, indem die Erkenntnisse, die aus der De- und Rekonstruktion der Methodenkompetenz hervorgingen, auf die eigene Person und Weltsicht bezogen und kritisch hinterfragt werden.7

Dass es - unabhangig davon ob man dem erwahnten Kompetenzmodell nun in seiner Ganze folgen mag, oder nicht - gewisse Schnittmengen und Uberlappungen zwischen den einzelnen Kompetenzbereichen gibt, scheint in der communis opinio unbestritten.8 Die Uberschneidungen von Frage- und Methodenkompetenz scheint daher offenkundig. Es verlangt schlieBlich immer gewisse heuristische Fahigkeiten, Materialien zur Beantwortung von Fragestellungen zu erschlieBen, die bei der Bestandsbildung noch nicht vor Augen standen.9 Von diesem geschichtsdidaktischem Theorem ausgehend, stellt die Methodenkompetenz also wichtige Weichen, die sowohl auf die Reorganisation des eigenen Geschichtsbewusstseins zielen, als auch auf die Fahigkeit, das individuelle Selbst-, Welt- und Fremdverstandnis zu reflektieren. Methodenkompetenz leistet somit einen nicht unerheblichen Beitrag zur fachubergreifenden Zielsetzung der Ausbildung eines „reflektierten Geschichtsbewusstseins“.10 Der Kernlehrplan des Landes NRW nimmt die Methodenkompetenz als eine von vier zentralen Kompetenzen auf. Die Forderung der Methodenkompetenz habe demnach das Ziel, Schulerinnen und Schuler die „Beherrschung von Verfahren [zu ermoglichen], die die Informationsbeschaffung bzw. -entnahme, die Aufbereitung, Strukturierung, Analyse und Interpretation fachbezogener Sachverhalte sowie deren Darstellung und Presentation [zu] ermoglichen.“11 Hierzu zahlt sowohl „das Erfragen, Finden und Erklaren von Zusammenhangen“, als auch die entsprechende Darstellung in „problemorientiert[er], multiperspektivisch[er] und auch kontrovers[er]“ Weise.12 Diese Art der Darstellung konnen entweder durch unterschiedliche Materialien oder unmittelbar durch originale Begegnungen wie Befragungen oder Erkundungen erfolgen.13

Im Rahmen meiner Praxisphase ergab sich die Moglichkeit, meine Unterrichtsreihe in einer zehnten Klasse im Fach Gesellschaftslehre durchfuhren zu konnen, da dort aktuell mit dem Inhaltsfeld der Weimarer Republik ein geschichtliches Thema behandelt wurde. Die Lemgruppe bestand aus 20 Schulerinnen und Schulern, von denen niemand einen besonderen Forderbedarf hatte. Das allgemeine Leistungs- und Lemniveau war nach meinem personlichen Dafurhalten verhaltnismabig homogen und fur eine zehnte Klasse durchaus leistungsstark. Konkret zielt die in dieser Lemgruppe untersuchte und geforderte Methodenkompetenz auf das „analysieren und interpretieren komplexere[r] diskontinuierliche[r] Texte wie Karten, Grafiken, Statistiken, Schaubilder, Diagramme, Bilder, Karikaturen, Filme und historische Sachquellen [...]“ (Methodenkompetenz 8).14 Im Rahmen des zehnten obligatorischen Inhaltsfeldes der Weimarer Republik bot es sich inhaltlich besonders an,15 die Methodenkompetenz der Schulerinnen und Schuler anhand von politischen Wahlplakaten zu fokussieren, da die Parteien der Weimarer Republik und insbesondere die Nationalsozialisten seit Ende der zwanziger Jahre eine massive und systematische Plakatwerbung betrieben,16 sodass sich die Stimmung in der Gesellschaft, die in den unterschiedlichen Wahlplakaten des Parteienspektrums zum Ausdruck kommen, anschaulich nachvollziehen lasst. In der Medienwissenschaft wird dem politischen Plakat zum Teil auch heute noch erhebliche Suggestivkraft zugesprochen. Es erfullt durch seine Visualisierung die Funktion eines einflussreichen Massenpropagandamediums, welches mit Forderungen, Behauptungen, Losungen fur Probleme, sowie Norm- und Wertaussagen bei potentiellen Rezipienten Emotionen auslosen vermag, die zur politischen Meinungsbildung beitragen.17 Plakate sind aber nicht zuletzt deshalb auch heute noch ein besonders attraktives Medium fur den Unterricht, weil sie Teil der heutigen Lebenswelt von Lernenden sind.18 Sie sind Blickfang im Alltag und rufen beim Betrachter mit Farben, Symbolen, Stereotypen oder Appellen entsprechende Angste und Befurchtungen, sowie Hoffnungen und Erwartungen hervor.19 Vor dem ersten Messzeitpunkt wurden bereits einige Themen im Unterricht behandelt, auf welche die Schulerinnen und Schuler - auch wenn das Parteienspektrum als solches noch kein Gegenstand war - als historisches und politisches Hintergrundwissen fur den ersten Messzeitpunkt zuruckgreifen konnten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Mafinahmen zur Kompetenzforderung

Das Plakat reflektiert politische und gesellschaftliche Aussagen seiner Entstehungszeit und damit spezifische Ereignisse und Probleme der Vergangenheit. Es verdichtet politische Aussagen, Ideologien, zeitgenossische Werturteile, Perspektiven und Bedurfnisse. Bei der Interpretation dieser Sachverhalte ist jedoch das grundsatzliche Problem zu beachten, dass sich die Sehweisen des heutigen Betrachters eines historischen Plakats von denen der Zeitgenossen unterscheiden. Seine spezifischen Erfahrungen, seine Art des Umgangs mit der ihn umgebenden Medienvielfalt, seine Sicht auf die aktuelle gesellschaftliche Situation lassen ihn ein historisches Plakat mit vollkommen anderen Augen betrachten als es der ursprunglich angesprochene Zeitgenosse vermochte.20

Nach Durchfuhrung der ersten Messung, gait es also zunachst, den Schulerinnen und Schulern ein entsprechendes historisches Verstandnis uber Plakate als einflussreiches Medium der Massenkommunikation, sowie generelle Informationen zur Quellengattung und Moglichkeiten zur Analyse zu vermitteln (1. und 2. Stunde). Um die Quellenanalyse zu systematisieren ist es sinnvoll, dass Konventionen fur das Vorgehen in Form von lembaren Regeln wie Leitfaden festgehalten werden konnen und sollten, da dies Schulerinnen und Schulern erleichtert, sich in ihrer historischen Kompetenz weiterzuentwickeln.21 Daher erfolgte eine gemeinsame Erarbeitung von entsprechenden Analysekriterien (3. Stunde), die auf Grundlage des bereits im Pra- Test bekannten, strukturschaffenden Dreischritts aufgebaut wurden,22 sowie die anschlieBende Erprobung (4. Stunde). Die erarbeiteten Kriterien wurden den Schulerinnen und Schulern hierfur schuleradaquat und transparent als Methodenleitfaden ausgeteilt.23 AnschlieBend erfolgte eine Reflexion uber Probleme und Unsicherheiten, sowie die Uberarbeitung der Quellenanalyse (5. Stunde). AbschlieBend fand - ebenfalls wieder mithilfe des Leitfadens - eine vergleichende Untersuchung von zeitgleich erschienenen Wahlplakaten in Form eines Gruppenpuzzles (6.,7. und 8. Stunde) statt:24

[...]


1 Die Verfahrensordnung Praxissemester an der Ruhr-Universitat Bochum, RUB 2014, S. 1.

2 Ministerium fur Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.): Kemlehrplan fur die Gesamtschule - Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen. Gesellschaftslehre. Erdkunde, Geschichte, Politik, Dusseldorf 2011, S. 11. (Im Folgenden zitiert als: KLP)

3 Ebd., S. Ilf.

4 Korber, Andreas [u.a.]: Historisches Denken. Ein Kompetenz-Strukturmodell, in: Waltraud Schreiber; Andreas Korber; Alexander Schoner: Kompetenzen Historischen Denkens. Ein Strukturmodell als Beitrag zur Kompetenzorientierung in der Geschichtsdidaktik (Kompetenzen: Grundlagen, Entwicklung, Forderung ;1), Neuried2 2006, S. 17-53, S. 20f.

5 Ebd.,S.23.

6 Ebd.,S.23f.

7 Ebd.,S.24.

8 Trautwein, Ulrich: Kompetenzen historischen Denkens erfassen. Konzeption, Operationalisierung und Befunde des Projekts "Historical Thinking - Competencies in History" (HiTCH), Munster; New York 2017, S. 35.

9 Schreiber, Waltraud: Kompetenzbereich Historische Methodenkompetenz, in: Waltraud Schreiber; Andreas Korber; Alexander Schoner (Hgg.): Kompetenzen Historischen Denkens. Ein Strukturmodell als Beitrag zur Kompetenzorientierung in der Geschichtsdidaktik (Kompetenzen: Grundlagen, Entwicklung, Forderung ;1), Neuried2 2007, S. 194-235, S. 201.

10 KLP., S. 14.

11 Ebd., S. 15.

12 Ebd., S. 15.

13 Ebd., S. 15.

14 Ebd., S. 106.

15 Ebd., S. 107.

16 Sauer, Michael: Bilder im Geschichtsunterricht. Typen, Interpretationsmethoden, Unterrichtsverfahren (Geschichte lemen), Seelze-Velber3 2007, S. 86.

17 Kamps, Johannes: Theorien des Plakats, in: Joachim-Felix Leonhard (Hg.): Medienwissenschaft ein Handbuch zur Entwicklung der Medien und Kommunikationsformen (Handbucher zur Sprach- undKommunikationswissenschaft; 15), Berlin[u.a.] 1999, S. 148-160, S. 158f.

18 Gutjahr Rainer: Das politische Plakat im Unterricht, in: Zeitschrift fur die Praxis der politischen Bildung. PolitikundUnterricht; 2/3 (2009), S. 11-16, S. 13f.

19 Krammer, Reinhard: Historische Kompetenzen erwerben - durch das Arbeiten mit Bildem?, in: Reinhard Krammer (Hg.): Mit Bildem arbeiten. historische Kompetenzen erwerben (Themenhefte Geschichte; 2), Neuried 2006, S. 21-37, S. 37.

20 Gutjahr Rainer: Das politische Plakat im Unterricht, in: Zeitschrift fur die Praxis der politischen Bildung. PolitikundUnterricht; 2/3 (2009), S. 11-16, S. 13f.

21 Schreiber, Waltraud: Kompetenzbereich Historische Methodenkompetenz, in: Waltraud Schreiber; Andreas Korber; Alexander Schoner (Hgg.): Kompetenzen Historischen Denkens. Ein Strukturmodell als Beitrag zur Kompetenzorientierung in der Geschichtsdidaktik (Kompetenzen: Grundlagen, Entwicklung, Forderung ;1), Neuried2 2007, S. 194-235, 195f.

22 Sauer, Michael: Geschichte unterrichten. eine Einfuhrung in die Didaktik und Methodik, Seelze10 2012, S. 157.

23 Heuer, Christian: Kompetenzraster im Geschichtsunterricht. Erstellung und Einsatz einer Diagnosehilfe, in: Geschichte lemen; 20 (2007) 116, S. 28-33, S. 29.

24 Hinweis: Die Materialien M1-M9, sowie die Plakate der Diagnoseaufgabe finden sich im Anhang.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Praxissemester Geschichte. Die Interpretation politischer Plakate im Unterricht
Untertitel
Planung, Durchführung und Reflexion einer Unterrichtsreihe zur Förderung der Methodenkompetenz
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Historisches Institut)
Note
1,0
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V515117
ISBN (eBook)
9783346117892
ISBN (Buch)
9783346117908
Sprache
Deutsch
Schlagworte
praxissemester, unterrichtsreihe, forschungsprojekt, methodenkompetenz, fördern, planung, durchführung, reflexion, unterrichtssequenz, Diagnoseaufgabe und Auswertungsraster, Ergebnisse der Erhebungen, Reflexion der Ergebnisse, Maßnahmen zur Kompetenzförderung
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Praxissemester Geschichte. Die Interpretation politischer Plakate im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/515117

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