Absicht der Arbeit ist es, kritisch zu beleuchten, welche Chancen und Risiken sich aus heutiger Sicht für die Gestaltbarkeit sozialer Daseinsvorsorge durch offene Marktbedingungen ergeben. Zunächst wird ein Überblick über die hier verwendeten Begrifflichkeiten und Zugänge zur Thematik vermittelt; in Teil 3 liegt die Gewichtung auf der Auseinandersetzung mit der Frage, welche Konsequenzen und Alternativen sich für Anbieter von sozialen Dienstleistungen im europäischen Wettbewerb ergeben. Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Einschätzung der Verfasserin. Bei der Auswahl von Literatur wird neben der Erschließung von rechtlichen, politischen und sozialwissenschaftlichen Grundlagen Wert auf die aktuellen Entwicklungen gelegt. Diese werden durch neuere Beiträge in Fachzeitschriften und den Zugriff auf online verfügbare Materialien vermittelt.6 Insgesamt kann im Rahmen dieser Arbeit lediglich ein Einstieg in die sich mit raschem Tempo entwickelnden Neuerungen in der Daseinsvorsorge erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begrifflichkeiten und thematischer Zugang
2.1 Öffentliche Daseinsvorsorge und soziale Dienstleistung
2.2 Freie Wohlfahrtspflege, soziale Daseinsvorsorge und Sozialstaatsprinzip
2.3 Die Europäische Union als Wirtschafts- und Sozialraum
2.4 Ebenen und Elemente von Globalisierung
3. Anbieter sozialer Dienstleistungen im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit, Professionalisierung und gesellschaftlicher Verantwortung
3.1 Die gesellschaftlichen Voraussetzungen
3.2 Universaldienste zur Bereitstellung öffentlicher Daseinsvorsorge
3.3 Öffentlich-Private Partnerschaften
3.4 Bürgerschaftliches Engagement und Freie Wohlfahrtspflege
3.5 Schlussfolgerungen für die Freie Wohlfahrtspflege
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Auswirkungen der Öffnung europäischer Binnenmärkte auf Anbieter sozialer Dienstleistungen, insbesondere auf die Freie Wohlfahrtspflege. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, welche Chancen und Risiken sich durch den zunehmenden Wettbewerbsdruck und die Liberalisierung für die Gestaltung der sozialen Daseinsvorsorge ergeben.
- Wirkungen des europäischen Binnenmarktes auf Social-Profit-Betriebe
- Rolle der Freien Wohlfahrtspflege im Spannungsfeld von Wirtschaftlichkeit und sozialer Verantwortung
- Einfluss des Dienstleistungsabkommens (GATS) auf soziale Dienstleistungen
- Bedeutung von öffentlich-privaten Partnerschaften und bürgerschaftlichem Engagement
- Zukunftsperspektiven und Handlungsalternativen für Wohlfahrtsverbände
Auszug aus dem Buch
3.3 Öffentlich-Private Partnerschaften
Der Terminus der Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP) im Sinne der EU bezieht sich „… im Allgemeinen auf Formen der Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Stellen und Privatunternehmen zwecks Finanzierung, Bau, Renovierung, Betrieb oder Unterhalt einer Infrastruktur oder die Bereitstellung einer Dienstleistung.“ Priorität haben auch in diesem Zusammenhang die Aspekte der Vermeidung unzweckmäßiger Wettbewerbsbeschränkungen und der Risikoteilung von öffentlichen Aufgaben durch den öffentlichen und privaten Sektor: „Die Zunahme von ÖPP spiegelt im Übrigen eine allgemeinere Entwicklung hinsichtlich der Rolle des Staates in der Wirtschaft wieder: Der Staat nimmt Abstand von seiner Funktion als direkter Akteur und geht zu Organisation, Regulierung und Controlling über.“ Die Entscheidung über die Zusammenarbeit mit privaten Partnern obliegt dabei weiterhin den Kommunen; sie bestimmen ebenso über Qualität, Verfügbarkeit, Sozialstandards und Umweltauflagen. Ausgeschlossen ist jedoch nicht, dass die Kontrolle über ein öffentliches Unternehmen an einen privaten Akteur übergeht (z.B. durch Kapitalübertragung). Diese Möglichkeit ist im Lichte der Niederlassungsfreiheit, den Grundsätzen der Transparenz und der Gleichbehandlung zu sehen, denn jeder potenzielle Akteur soll den gleichen Zugang zur Erbringung der ehemals öffentlichen Leistung haben. In Hinblick auf die Situation der Anbieter sozialer Dienstleistungen der FW wird deutlich, dass sich die gewachsene Struktur der Aufgabenteilung zwischen Staat und „Drittem Sektor“ in der Auflösung befindet. Die FW hat an dieser Stelle die gleichen Zugangsberechtigungen, wie sie jedem anderen Anbieter - unabhängig seiner Rechtsform und zunehmend seiner Herkunft innerhalb der EU – ebenfalls gewährt werden müssen. Es gilt eine Dominanz der funktionellen gegenüber der trägerschaftlichen Institutionensicht, denn Kriterium für die Erbringung einer Dienstleistung ist nicht die Trägerfrage, sondern das Vorhandensein eines Marktes. Demzufolge zeichnet sich zurzeit ein Trägermix bei der Erbringung sozialer Dienstleistungen ab; es ist dabei offen, wie sich diese Zusammensetzung zukünftig gestalten wird, welche Rechtsinstrumente sich also bewähren werden. Die gemeinnützigen Träger können sich ebenso wie privat-gewerbliche Träger um die Übertragung der Kontrolle über ein öffentliches Unternehmen bewähren, wenn sie sich erfolgreich dem Wettbewerb stellen und zukunftsfähige Strategien entwickeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Herausforderungen für die Freie Wohlfahrtspflege durch die Marktöffnung im Rahmen der Europäischen Union und des WTO-Dienstleistungsabkommens.
2. Begrifflichkeiten und thematischer Zugang: Hier werden die theoretischen Grundlagen zur öffentlichen Daseinsvorsorge, dem Sozialstaatsprinzip und der Rolle der Europäischen Union als Wirtschaftsraum gelegt.
3. Anbieter sozialer Dienstleistungen im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit, Professionalisierung und gesellschaftlicher Verantwortung: Dieses Kapitel analysiert konkrete Bedingungen wie demografischen Wandel, Universaldienstekonzepte und ÖPPs, die den Druck auf soziale Dienstleister erhöhen.
4. Zusammenfassung: Das Fazit betont die Notwendigkeit für die Freie Wohlfahrtspflege, sich qualitativ und organisatorisch weiterzuentwickeln, um im Wettbewerb zu bestehen, ohne ihren sozialen Auftrag zu verlieren.
Schlüsselwörter
Daseinsvorsorge, Freie Wohlfahrtspflege, Europäische Union, Sozialwirtschaft, Liberalisierung, GATS, Wettbewerb, soziale Dienstleistungen, Sozialstaatsprinzip, Öffentlich-Private Partnerschaften, bürgerschaftliches Engagement, Globalisierung, Non-Profit-Organisation, Binnenmarkt, Sozialmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht, wie sich die Öffnung des europäischen Marktes für Dienstleistungen auf die traditionelle soziale Daseinsvorsorge und speziell auf die Freie Wohlfahrtspflege auswirkt.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen der EU, die Rolle des Staates als Regulator sowie die strategische Positionierung von Sozialträgern im Wettbewerb.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, welche Risiken und Chancen sich durch den neoliberalen Wettbewerbsdruck für die Gestaltbarkeit sozialer Arbeit ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die rechtliche, politische und sozialwissenschaftliche Grundlagen mit aktuellen Entwicklungen im Bereich der europäischen Sozialpolitik verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, das Konzept der Universaldienste, öffentlich-private Partnerschaften und die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements unter Wettbewerbsdruck.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Daseinsvorsorge, Europäischer Binnenmarkt, Freie Wohlfahrtspflege, GATS, Wettbewerbsfähigkeit und soziale Verantwortung.
Welchen Stellenwert nimmt die Freie Wohlfahrtspflege in der modernen europäischen Sozialpolitik ein?
Sie agiert zunehmend in einem Spannungsfeld, in dem sie sich sowohl als Mitgestalterin eines sozialen Europas sieht als auch durch Deregulierung und Privatisierung unter Druck gerät.
Wie bewertet die Verfasserin die Rolle der Zivilgesellschaft?
Sie warnt davor, dass eine zu starke Privatisierung die Kultur gegenseitiger Solidarität schwächen und das ehrenamtliche Engagement, das ein Pfeiler der Zivilgesellschaft ist, gefährden könnte.
Welche Handlungsalternativen werden für die Wohlfahrtsverbände aufgezeigt?
Die Verbände müssen sich zwischen der Anpassung an marktwirtschaftliche Wettbewerbsregeln oder der Konzentration auf nicht-marktfähige Sozialwohlstrategien entscheiden.
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- Dipl.-Soz.Päd. Verena Sprenger (Author), 2005, Daseinsvorsorge in der Europäischen Union und die Freie Wohlfahrtspflege, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51630