Sind Comics für den Geschichtsunterricht geeignet?

Der Holocaust im Comic "Maus" von Art Spiegelmann


Hausarbeit, 2017

10 Seiten, Note: 2.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Comic
2.1. Der Comic im Geschichtsunterricht
2.2. Das Beispiel Maus

3. Das Didaktische Potential
3.1. Kriterien der Didaktik
3.2. Didaktische Kriterien an Maus

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Artikel, Aufsätze, Tagebucheinträge und viele andere Textarten können als Unterrichtsmaterialien für den Geschichtsunterricht dienen. All diese Textarten können zur Motivation, Analyse oder auch zur Sicherung im Unterricht dienen. Sie sollen im Fach Geschichte, nicht nur nach der alten Philosophie der Geschichtsdidaktik um Sachkenntnisse zu erwerben und jene mit Daten und Fakten zu erweitern dienen, sondern auch um die Schüler nach dem neueren Verständnis der Geschichtsdidaktik mit narrativer und medialer Kompetenz auszustatten und um das Geschichtsbewusstsein auszubilden. Zur Vermittlung dieser Ziele können sicherlich auch andere Methoden und Medien, wie Filme und Karikaturen, verwendet werden. Jedoch nimmt jetzt immer mehr die Bekanntheit der Geschichtscomics im Unterricht zu. Zu den bekanntesten gehören Asterix und Lukey Luke. Doch auch andere Geschichtscomics bekommen immer mehr Aufmerksamkeit als Unterrichtsmedium, wie Maus.

Das Ziel dieser Hausarbeit ist es zu überprüfen, ob Geschichtscomics wie Maus für den Geschichtsunterricht geeignet sind.

Bis in die 90er Jahre war der Comic als Unterrichtsmedium kaum untersucht, weshalb die Forschungsliteratur für diese Arbeit nicht besonders vielfältig ist. Besonders auf Grundlage der Monographie von Annekatrin Dohm, als entscheidende Sekundärliteratur dieser Arbeit, sollen die wichtigsten Punkte der Arbeit herausgearbeitet werden. Auch Christine Gundermann und René Mounajed bilden mit ihren Werken wichtige Grundlagen dieser Arbeit.

Eingeleitet wird die Hausarbeit mit einer kurzen Zusammenfassung des Comics Maus um einen Einblick zu verschaffen und danach wird der Comic als Medium beschrieben. Das didaktische Potential wird erläutert, darauf werden die didaktischen Kriterien genannt, um geeignet für den Geschichtsunterricht zu sein, worauf die Kriterien folgend auf den Comic Maus angewandt werden. Auch entscheidend für diese Arbeit ist die Untersuchung, wie ein Comic in den Geschichtsunterricht eingebracht werden kann um dann abschließend sagen zu können, ob der Comic Maus für den Geschichtsunterricht geeignet ist.

2. Der Comic

Zunächst muss geklärt werden, was überhaupt ein Comic ist. Die Begrifflichkeit Comic hat seinen Ursprung im Englischen und steht im Deutschen für lustig.1 Die Definition lautet: gezeichnete Bilderfolge, meist als Fortsetzungsgeschichte, mit komischem oder abenteuerlichem Inhalt.2 In einem Comic wird also eine Geschichte in einer Anreihung von Bildern, welche durch Sprechblasen, Unterschriften oder Innenschriften ergänzt werden um den Inhalt zu erklären.3 Hinzu kommt das Symbol als essentieller Bestandteil des Comics. Denn durch Symbole können bestimmte Verknüpfungen zu den Personen oder Ereignissen in dem Comic vom Leser erzeugt werden, wodurch der Leser eine Gefühl dafür bekommen könnte ob jene positiv oder negativ bewertet sind.4 Besonders in der Vergangenheit wurden Comics ausschließlich humoristisch verstanden, was sich mittlerweile geändert hat. Denn Comics werden nun auch für ernste Geschichten genutzt.5

Auch Comics sind in verschiedene Bereiche aufteilbar. Und zwar in: Geschichts-Fantasiecomics, Geschichts-Sachcomics, Geschichts-Romancomics und Geschichts-Propagandacomics.6

Die Geschichts-Propagandacomics zielen darauf ab, die Leser in eine bestimmte ideologische Richtung zu drängen und werden somit nicht eingesetzt um die Sachkompetenz zu fördern. Sie könnten nur als Quelle genutzt zu werden, um die Interessen gewisser Gruppen zu erläutern oder um die Ansichten des jeweiligen Zeitfensters erkennen zu können.7

Geschichts-Romancomics stellen wahre historische Ereignisse in einer fiktiven Geschichte dar. Hierbei ist es essentiell, dass die Leser das Fiktive vom Wahren unterscheiden können, damit es brauchbar für den Unterricht sein kann.8

Geschichts-Sachcomics entstehen nachdem sich der Autor gezielt über historische Ereignisse informiert hat. Es handelt sich hierbei also darum, historisch korrekt zu berichten. Der kleine Anteil von Fiktion dient hierbei nicht zur Vergnügung des Lesers. Insgesamt eignet sich der Geschichts-Sachcomic als ein Mittel zur Wissensvermittlung im Geschichtsunterricht.9

Zuletzt wird der Geschichts-Fantasiecomic betrachtet, welcher ausschließlich als Vergnügungsmittel eingesetzt wird. Sie sind daher nicht brauchbar für den Geschichtsunterricht, da der Anteil an historischen Zusammenhängen auf nicht – beruht.10

2.1. Der Comic im Geschichtsunterricht

Bevor ein Comic seine Anwendung im Geschichtsunterricht findet, müssen verschiedene Aspekte geprüft werden. Wichtig ist, dass sich Lehrpersonen vor der genauen Unterrichtsplanung immer mit dem Lehrplan vertraut machen, denn der Comic muss der geforderten Thematik des Lehrplans entsprechen. Jede Unterrichtseinheit muss ein Ziel haben, und der Comic soll als Unterstützung dienen, um zum Ziel zu gelangen.

Nachdem die Lehrperson die Zuverlässigkeit des Comics geprüft hat, muss sich die Lehrperson entscheiden, in welcher Phase des Unterrichts der Comic eingesetzt werden soll. Wenn er eingesetzt werden soll, um das Interesse der Schüler zu wecken und sie in die Thematik einleiten soll, ist es vorteilhaft den Comic zu Beginn der Unterrichtseinheit oder Unterrichtsstunde zu verwenden. Geschichts-Sachcomics zum Beispiel können Lehrbücher ersetzen, wenn sie als historiographisches Medium eingesetzt werden sollen.11 Auch als Quelle können Comics verwendet werden, indem die Lehrkraft den Fokus nicht auf den Inhalt sondern auf den Entstehungskontext, mögliche Absichten der Autoren oder der Einfluss auf den Leser setzt.12

Zu der Planung des Unterrichts mit dem Comic gehört es, Fachbegriffe für das Verständnis zu klären. Darauf folgt es, eine klare Grenze zwischen der Beschreibungs- und Interpretationsphase zu ziehen. Die Lehrkraft hat die Aufgabe, den Schüler mit nötigem Wissen auszustatten, sofern der Comic historisches Wissen voraussetzt und keine eigenständige Erschließung möglich ist.13

Es ist durchaus empfehlenswert, den Comic als häusliche Lektüre zu verwenden, aufgrund des Umfangs. Die Analyse und Interpretation folgt dann obligatorisch. Eine andere Option wäre es, einzelne Bilder zur Bearbeitung zu nutzen. Um das Kriterium der Multiperspektivität in Anspruch zu nehmen, könnte eine Art von Lehrtext verwendet werden, um einen Vergleich herstellen zu können.

Als Abschluss des Unterrichts ist eine Reflexion notwendig, um eine Sicherung zu erzielen, in Bezug auf den Inhalt und den Comic. Dadurch, dass Comics wie bereits erwähnt, die Emotionen der Leser ansprechen, weshalb die Lehrkraft das Gespräch zu den Schülern suchen sollte um Neutralität zu ermöglichen.

2.2. Das Beispiel Maus

Maus ist ein viel diskutierter Comic. Er wurde von Art Spiegelmann verfasst und zuerst 1986 mit dem ersten Band veröffentlicht. Art Spiegelmann visualisiert in seinem Comic die Geschichte seiner Eltern während des Holocausts und danach. Seine Eltern, beides polnische Juden, erlebten schon in den ersten Jahren ihrer Ehe viele Probleme durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. 1942 wurden sie dazu gezwungen im Ghetto zu leben, wo bald Familienmitglieder in Konzentrationslager deportiert wurden, weshalb sie zu dem Entschluss kamen, nach Ungarn zu flüchten.14 Aufgrund eines Verrats wird die Familie Spiegelmann 1944 in das Konzentrationslager in Auschwitz deportiert. Nun zielt der Comic darauf ab den Alltag eines Konzentrationslagers darzustellen, indem die ganzen Gräueltaten, Morde und auch die Hoffnung zu überleben aufgezeigt werden. Die Familie Spiegelmann erlebt die Befreiung und flüchtet nach Schweden, wo Art Spiegelmann 1948 auf die Welt kommt, und von dort nach Amerika, um dort ein neues Leben zu beginnen. Art Spiegelmann stellt zudem die Folgen des Krieges für seine Eltern dar. Seine Mutter beging Suizid, als Folge von Depressionen, und auch der Vater erlitt schwere psychische Störungen, welche sich auch in der Beziehung zu seinem Art wiederspiegeln.15

Wie bereits erwähnt, ist der Comic viel diskutiert und es gibt positive sowie negative Stimmen. Auf der einen Seite wird Maus als gelungenes Instrument zur Vermittlung der Geschehnisse betitelt und auf der anderen Seite gibt es kritische Stimmen, welche behaupten, dass ein Comic nicht den Holocaust als Horror für so viele Menschen darstellen kann.16

3. Das Didaktische Potential

Durch Geschichts-Sachcomics können den Schülern historische, gesellschaftliche, soziale und politische Umstände vermittelt werden, welche wahrheitsgetreu sind, und daher für den Geschichtsunterricht geeignet sind. Andere Geschichtscomics, wie zum Beispiel historische Comics, welche oft nicht die Themen des Lehrplans beinhalten, können daher nur als Einstieg in eine Unterrichtseinheit genutzt werden, um durch die bildliche Darstellung das Interesse der Schüler zu wecken.17 Generell steht fest, dass Comics für Schüler greifbarer sind als Texte, da die bildliche Darstellung ein besseres Verständnis möglich macht. Ein Fließtext setzt in erster Linie ein Können voraus, wobei die Schüler erst einzelne Buchstaben erkennen, dann in Zusammenhang stellen müssen um ein Wort zu entziffern. Danach kann es erst zu einem Bild im eigenen Kopf kommen, was in einem Comic von Anfang an gegeben ist. Zudem besteht die Möglichkeit, dass bei jedem Schüler ein anderes Bild im Kopf entwickelt wird. Dieses ist bei einem Comic nicht gegeben. Denn in den Panels sind Bilder, welche ihnen schon bekannt sind und werden von jedem gleich wahrgenommen. Zudem werden nur die für die Geschichte entscheidenden Details vom Leser wahrgenommen, im Gegensatz zu Karikaturen, wo jedes Detail wichtig für die Interpretation sein kann.18 In der Geschichtsdidaktik wird Veranschaulichung, Lebhaftigkeit und Betroffenheit vorausgesetzt. Das heißt, dass ein Comic historische Zusammenhänge veranschaulichen soll, damit der Sachverhalt für Schüler greifbar ist. Anhand von Beispielen, wie Persönlichkeiten in einem historischen Zeitraum welche durch Gegebenheiten, welche durch entscheidende Merkmale für diese Zeit betroffen waren, könnte dies gelingen. Das Zusammenspiel von der Visualität und der kurzen Texte ermöglicht den Schülern einen Zugang zur Thematik.19 Um die Aufmerksamkeit der Schüler für ein Thema im Geschichtsunterricht zu wecken, ist es wichtig, den Schülern einen Zugang zu ermöglichen, damit sie das Geschehen visualisieren und sich in verschiedene Situationen hinein versetzen können. Erst so können sie verstehen und es erläutern. Mit einem Comic ist es für den Anfang auf jeden Fall möglich, die Aufmerksamkeit der Schüler zu erlangen. Auch durch die gegebene Erzählung, kann ein Schüler Parallelen und Unterschiede zum eigenen Leben entdecken oder sich selbst in die Situation hineinversetzen.20 Bis vor einigen Jahren waren Emotionen im Geschichtsunterricht nicht erwünscht. Nun hat sich aber durchgesetzt, dass die Emotionalität im Geschichtsunterricht durchaus zielführend sein kann. Es gibt auch Meinungen, wie etwa die von Hartmut Voit, dass es für Schüler schwierig ist, ohne Emotionen ihr Wissen zu erweitern, da zunächst eine emotionale Bindung zu dem Thema entstehen muss.21 Denn erst Emotionen können ein Interesse entstehen lassen um sich überhaupt mit der jeweiligen Geschichte auseinander zu setzen. Für den Geschichtsunterricht interessant sind aber nur die Comics, welche die richtigen Emotionen der Schüler wecken. Deshalb gilt es die Comics auch in dieser Hinsicht genau zu prüfen.22

[...]


1 Dohm, Annekatrin: Historisches Lernen an Comics. Untersucht an Art Spiegelmanns Maus, in: Oldenburger Vordrucke, Band 392, Oldenburg 1992, S. 12.

2 Http://www.wissen.de/search?keyword=Comic.html (zuletzt abgerufen am 17.06.2017)

3 Dohm, S. 12.

4 Gundermann, Christine: Jenseits von Asterix. Comics im Geschichtsunterricht, Schwalbach 2007, S. 62ff.

5 Dohm, S. 12.

6 Mounajed, René: Geschichte in Sequenzen. Über den Einsatz von Geschichtscomics im Geschichtsunterricht, Frankfurt am Main 2009, S. 117.

7 Mounajed, S. 120.

8 Ebd., S. 118.

9 Ebd., S. 117f.

10 Ebd., S. 117.

11 Ebd., S. 117f.

12 Gundermann, S. 97ff.

13 Ebd., S. 78.

14 Dohm, S. 9.

15 Ebd., S. 10.

16 Ebd., S. 7.

17 Ebd., S. 32.

18 Ebd., S. 32f.

19 Ebd., S. 33f.

20 Ebd., S. 34f.

21 Voit, Hartmut: Deutsch-Deutsche Feindbilder, in: Emotionen und historisches Lernen. Frankfurt am Main 1992, S. 94f.

22 Dohm, S. 35ff.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Sind Comics für den Geschichtsunterricht geeignet?
Untertitel
Der Holocaust im Comic "Maus" von Art Spiegelmann
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Note
2.3
Autor
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V518366
ISBN (eBook)
9783346108982
ISBN (Buch)
9783346108999
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Comic, die Maus, Fachdidaktik Geschichte, Geschichtsdidaktik
Arbeit zitieren
Dilan Erdogan (Autor), 2017, Sind Comics für den Geschichtsunterricht geeignet?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/518366

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