Konzeption eines ganzheitlichen Senioren-Bewegungsprogramms für einen Fitnessanbieter


Bachelorarbeit, 2016

44 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG

2 ZIELSETZUNG

3 GEGENWÄRTIGER KENNTNISSTAND
3.1 Aktuelle soziodemographische Daten zur Altersstruktur
3.2 Definition/Begriffsklärung „Senior“
3.3 Typische Krankheiten und gesundheitliche Probleme im Alter
3.4 Günstige Beeinflussung von Risikofaktoren durch Bewegung und geeignete Methoden
3.5 Mögliche Risiken, Vorsichtsmaßnahmen und Kontraindikationen

4 METHODIK
4.1 Zielgruppe
4.2 Zielsetzung
4.3 Analyse der Rahmenbedingungen bei dem gewählten Anbieter hinsichtlich der Kriterien an ein Bewegungskonzept für die Zielgruppe Senioren
4.4 Dokumentation und Evaluation
4.5 Wirtschaftlichkeit des Konzepts
4.5.1 Berechnungder Kosten
4.5.2 Break-Even-Point

5 ERGEBNISSE
5.1 Inhaltlich-organisatorische Grobplanung des Konzepts
5.2 Darstellung des fertigen Konzepts
5.3 Detaildarstellung einer Trainingswoche
5.4 Eingliederung in die Angebotsstruktur

6 DISKUSSION
6.1 Abschätzung etwaiger Umsetzungsprobleme
6.2 Ausblick auf weitere Maßnahmen

7 ZUSAMMENFASSUNG

8 LITERATURVERZEICHNIS

9 TABELLENVERZEICHNIS

1 Einleitung und Problemstellung

Bis zum Jahr 2050 wird die deutsche Bevölkerung gegenüber 2005 um 16,6 Prozent auf 68,7 Millionen Einwohner schrumpfen. Dabei kommt es zu einer fortschreitenden Alte­rung der Gesellschaft mit einem zunehmenden Anteil an alten und sehr alten Menschen. Berechnungen zufolge werden bereits im Jahr 2050 etwa 15 Prozent der Bevölkerung 80 Jahre oder älter sein. Das heißt, zehn Millionen Deutsche, alsojeder Siebte, erreicht ein Alter von über 80 Jahren. Dieser starke Zuwachs an „Älteren“ nimmt Einfluss auf die Gesundheitslage der deutschen Bevölkerung. Das Risiko für häufige chronische und altersspezifische Krankheiten wie, z. B. Diabetes oder Bluthochdruck, ist in zunehmen­dem Alter höher. Daraus ergibt sich die Frage nach der Zukunft der sozialen Sicherungs­systeme, die an die Grenzen ihrer Kapazität geraten werden (Peters, Pritzkuleit, Beske & Katalinic, 2010, S. 419). Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels gewinnt die Problematik der zunehmenden Alterung der Gesellschaft immer mehr an Aktualität. Problematisch wird dies nicht nur für die Sozialversicherungssyteme, die unmittelbare Konsequenzen tragen müssen, sondern auch für die Betroffenen selbst. Die Menschen haben zwar eine höhere Lebenserwartung, allerdings ist diese Verlängerung der Lebens­spanne nicht zwangsläufig ein Gewinn, wenn die Jahre keine lebenswerten Jahre, son­dern nur eine Verlängerung des Altseins darstellen (Schmitt-Homm, Homm & Glasber­gen, 2014, S. 44). Im Bezug dazu ist für den Einzelnen wichtig, in jedem Lebensalter das Potential zu haben seinen Wünschen und Sehnsüchten nachgehen zu können. Hier­bei nimmt der gesundheitliche Zustand einen entscheidenden Einfluss.

Gesundheit wird nach der Gründungspräambel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1946 nicht nur als Abwesenheit von Krankheit, sondern als Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens verstanden (Böhm, Tesch-Römer & Ziese, 2009, S. 12). Diesen Zustand zu erlangen oder aufrecht zu erhalten, ist stetiges Ziel eines jeden Individuums. Allerdings ist dies ein fortwährender Prozess, bei dem sich jeder Mensch, Antonovskys Salutogenese-Modell zufolge, auf einem Kontinuum zwischen Wohlbefinden und Missbefinden bewegt. Hierbei ist die Erhaltung der Ge­sundheit abhängig von einer dynamischen Balance von Risiko- und Schutzfaktoren, wo­bei der Fähigkeit des Einzelnen Spannungszustände auszugleichen eine besondere Rolle zukommt. Stressoren können psychischer, psychosozialer und physikalischer Art sein (Vogt & Bürklein, 2011, S. 20). Letzteres steht im Fokus dieser Arbeit, denn besonders im fortschreitenden Alter nimmt die Fülle physischer Risikofaktoren zu. Beispielsweise kann der altersbedingte Rückgang der Muskelmasse (Sarkopenie), der ohne entspre­chende Trainingsreize schon etwa ab dem 25. bis 30. Lebensjahr einsetzt, einen Risiko­faktor darstellen. In einem Alter von 50 Jahren beträgt dieser Rückgang 10 Prozent und wächst bis zum 80. Lebensjahr auf bis zu 50 Prozent an. Hierfür ist nicht das Alter selbst primär verantwortlich, sondern die im Altersverlauf zunehmende Bewegungsar­mut (Roubenoff, 2001, S. 78-89). Das "Altem" ist ein biologisch natürlicher Prozess, der jeden Einzelnen von uns betrifft. Niemand kann sich diesem Prozess entziehen, je­doch wurde durch Untersuchungen belegt, dass Alterungsprozesse durch regelmäßige körperliche Aktivität verzögert werden können (Blessing-Kapelke, Jasper, Miehling & Pfeifer, 2009, S. 9). Wie bereits erwähnt, besteht durch die Reduktion potentieller Risi­kofaktoren bzw. Erhöhung der Schutzfaktoren die Möglichkeit zur positiven Beeinflus­sung des gesundheitlichen Zustandes. Nach Bachi, Schwarz und Zeibig (2006, S. 18) bedarf es der richtigen Aktivität, um eine gesundheitserhaltende Wirkung bis ins hohe Alter mit bestehender Lebensqualität sicherzustellen. Im Bezug auf die Beeinflussung der Lebensspanne, wird für den Einzelnen folgender Ansatz wichtig: „Länger jung und leistungsfähig bleiben“ (Schmitt-Homm, Homm & Glasbergen, 2014, S. 44). Vor die­sem Hintergrund wird der Markt "Senioren" für den Bewegungsanbieter attraktiver. In das gewählte Fitnessstudio kommen viele Senioren regelmäßig, die durch Bewegung einen gesundheitlichen Nutzen erzielen möchten. An dieser Stelle ergibt sich die Frage nach der Art und dem Inhalt des Trainings, das für die Zielgruppe „Senioren“ einerseits angemessen und ansprechend, andererseits wirkungsvoll sein sollte. Daher ist es das Ziel, ein Bewegungsprogramm speziell für diese Zielgruppe zu konzipieren.

2 Zielsetzung

Aus der zuvor dargestellten Problemstellung der zunehmenden Alterung der Gesell­schaft und den damit verbundenen Konsequenzen ergibt sich die Notwendigkeit eines Handlungsbedarfs. Sieht man von den gesellschaftlichen Herausforderungen ab, kommt dem Einzelnen eine große Verantwortung zu. Wie bereits erwähnt, besteht die Möglich­keit zur positiven Beeinflussung der Gesundheit, für die jedes Individuum mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten auf intellektueller, psychischer, emotionaler und körperli­cher Ebene selbst verantwortlich ist (Bachi, Schwarz & Zeibig, 2007, S. 16).

Im fortschreitenden Alter eines Menschen kommt es oft bereits im alltäglichen Leben zu einer geringeren Belastbarkeitsgrenze, die sich durch erhöhte Risikofaktoren oder mini­mierte Schutzfaktoren begründen lässt. Diesem Umstand muss man sich nicht fügen. Im Bezug auf die körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, welche im Fokus dieser Arbeit stehen, spielt die mit dem Alterungsprozess zusammenhängende Bewegungsarmut eine tragende Rolle, denn ohne Bewegung lassen wichtige Körperfunktionen im Laufe des Alterungsprozesses nach. Diese Abbauprozesse laufen nicht automatisch ab, sie können durch gezieltes Training zeitlich verschoben, teils sogar verhindert werden. Das gezielte Bewegungstraining gilt als entscheidende Voraussetzung für ein gesundes und selbst­ständiges Leben im hohen Alter (Deutscher Turner-Bund [DTB], 2009, S. 5). Folglich soll ein Bewegungskonzept erstellt werden, das wirksame Effekte zeigt. Die gesundheit­liche Situation kann somit verbessert werden, wodurch sich wiederum die Qualität der späteren Lebensjahre aufwerten lässt. Ziel dieser Arbeit ist demnach die Erstellung eines Bewegungsprogramms für Senioren, das alle förderlichen Komponenten zur günstigen Beeinflussung bzw. Aufrechterhaltung der Gesundheit umfasst und von dem Fitnessan­bieter Xy durchgeführt werden soll.

3 Gegenwärtiger Kenntnisstand

3.1 Aktuelle soziodemographische Daten zur Altersstruktur

Der demografische Wandel sowie die zunehmende Alterung der Gesellschaft lassen sich anhand von Bevölkerungszahlen widerspiegeln. Zudem geben Bevölkerungsvorausbe­rechnungen Aufschluss über die künftige Bevölkerungsentwicklung. Mithilfe einer so­genannten animierten Bevölkerungspyramide kann ein vereinfachter und schneller Überblick über die Verteilung der Gesellschaft nach Alter und Geschlecht verschafft werden. Die Pyramide, die im Rahmen des Statistischen Bundesamtes Anwendung fin­det, basiert ab dem Jahr 2014 auf den Daten der 13. koordinierten Bevölkerungsvoraus­berechnung für Deutschland. Vergleicht man die Zahlen verschiedener Jahrzehnte mit­einander, lassen sich deutliche Unterschiede bei der Verteilung der Bevölkerung nach Alter feststellen. Bei gleichzeitiger Abnahme der jungen Bevölkerung, steigt die Zahl der „Älteren“ deutlich an. Beispielsweise gab es im Jahr 1990 23,6 Millionen der unter 25-Jährigen, 44,2 Millionen Menschen in einem Alter von 25 bis 64 und lediglich 11,9 Millionen der über 65-Jährigen mit jeweils einem relativen Anteil von 30, 55 und 15 Prozent. Das Medianalter betrug 37,1 Jahre und der Altersquotient hatte einen Wert von 27. Aktuell betrachtet belaufen sich im Jahr 2015 die Zahlen der unter 25-Jährigen auf 19,1 Millionen Menschen, die der Altersspanne von 25 bis 64 auf 44,9 Millionen und die der über 65-Jährigen auf bereits 17,3 Millionen. Dies machtjeweils einen Anteil von 23, 55 und 22 Prozent aus. Hier ist das mediale Alter 45,6 Jahre, der Altersquotient be­läuft sich auf einen Wert von 38. Für das Jahr 2040 werden folgende Zahlen prognosti­ziert: 16,4 Millionen Menschen werden unter 25 Jahre alt sein mit einem Anteil von 21 Prozent. 36,5 Millionen Menschen werden der Gruppe der 25- bis 64-Jährigen angehö­ren, was einen Anteil von 47 Prozent ausmacht. 23,9 Millionen Menschen werden 65 Jahre oder älter sein mit einem Anteil von beträchtlichen 32 Prozent. Der Mittelwert des Alters beläuft sich auf 50,2 Jahre, während der Altersquotient bei einem Wert von 66 liegen wird (Statistisches Bundesamt, 2015).

Vergleicht man den prozentualen Anteil der älteren Bevölkerung aus den verschiedenen Jahren miteinander, wird die Veränderung der Altersstruktur nochmals deutlicher. 1990 betrug der relative Anteil der „Alten“ 15 Prozent und ist binnen 25 Jahren um 7 Prozent gestiegen. In den folgenden 25 Jahren wird dieser bereits um 10 Prozent steigen und so­mit im Jahr 2040 bei 32 Prozent liegen. Zusätzlich untermauert die Entwicklung des durchschnittlichen Alters und des Altersquotienten diese Tatsache. Beispielsweise ist der Altersmedian innerhalb von 25 Jahren von 37,1 Jahren auf 45,6 Jahre gestiegen und wird 2040 bei 50,2 Jahren liegen. Der Altersquotient ist von 1990 bis 2015 von 27 auf 38 gestiegen und wird bis 2040 einen Wert von 66 erreichen. Daraus folgt, dass sich der Altersquotient innerhalb von 50 Jahren fast um das zweieinhalb-fache erhöht hat.

3.2 Definition/Begriffsklärung „Senior“

Im Kontext wird von der zunehmenden Alterung der Bevölkerung gesprochen, aber ab wann ist man eigentlich alt? Die Antwort auf diese Frage kann in Abhängigkeit des Be­fragten sehr individuell ausfallen.

Es existieren offizielle Definitionen von Altersstufen, besonders aus praktischen Grün­den. Allerdings muss nach Bachi, Schwarz und Zeibig zwischen dem „kalendarischen“ und „biologischen“ Alter unterschieden werden. Das kalendarische Alter gibt die Zahl der Lebensjahre an, während das biologische Alter Aufschluss über die tatsächliche Ver­fassung gibt (Bachi, Schwarz & Zeibig, 2007, S. 16).

Laut der WHO werden Personen in den meisten Entwicklungsländern nach Vollendung des 65. Lebensjahres als alt bezeichnet.

In der Gerontologie ist der Beginn des Alters mit einer chronologischer Altersgrenze von 60 oder 65 Jahren festgeschrieben. Außerdem wird die Phase des Alters in einen dritten und vierten Lebensabschnitt unterteilt. Personen in einem Alter von 65 bis unter 85 Jahren gehören dem dritten Abschnitt an und werden als die „jungen Alten“ bezeich­net. Zu der Gruppe des vierten Abschnittes und der Gruppe der „alten Alten“ gehören Menschen ab 85 Jahren und älter (Böhm, Tesch-Römer & Ziese, 2009, S. 10-11). Eine solche Einteilung ist auch aus praktischen Gründen sinnvoll, besonders im Hinblick auf Preventions- und Interventionsmaßnahmen. Infolge dessen gilt auch meiner Ansicht nach ein Mensch nach Vollendung des 65. Lebensjahres als Senior und somit als alt, wobei dieser dem dritten und ab einem Alter von 85 dem vierten Lebensabschnittes zu­zuordnen ist.

3.3 Typische Krankheiten und gesundheitliche Probleme im Alter

Im Zuge des Alterungsprozesses laufen in unserem Körper verschiedene Veränderungen ab. Die wichtigsten leistungsrelevanten Organ- und Funktionsveränderungen lassen sich auf drei Organsysteme beziehen. Zum einen auf das Herz-Kreislauf-System und die At­mung, zum anderen auf den Bewegungsapparat, des Weiteren auf die neuromuskuläre Einheit, also das Zusammenspiel von Muskeln und Nerven (Bachi, Schwarz & Zeibig, 2007, S. 19). Aufgrund dieser altersphysiologischen Veränderungen von Organen und Organsystemen, die sich in einer geringeren Belastbarkeit äußern, liegt die Prävalenz von Krankheiten und funktionellen Einschränkungen bei alten und sehr alten Menschen höher (Böhm, Tesch-Römer & Ziese, S. 33). Allerdings lassen sich diese Veränderungen nicht allein auf den Alterungsprozess zurückführen, sie werden im hohen Maße von dem Training der körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten beeinflusst. Nach dem bio­logischen Grundgesetz werden nur die Funktionen aufrecht gehalten, die auch gebraucht und benutzt werden (DTB, 2009, S. 4).

Ein Unterschied besteht im Altersverlauf des dritten und vierten Lebensabschnittes, die unter Kapitel 3.2 kurz differenziert wurden. Im Vergleich zum dritten Lebensalter ist im vierten Lebensalter eine selbstständige Lebensführung aufgrund mangelnder körperli­cher und geistiger Ressourcen oft nicht mehr möglich. Ergebnisse des Mikrozensus von 2005 verzeichnen einen altersabhängigen Anstieg der Krankheitsprävalenz. Beispiels- weise gaben 17 Prozent der 65- bis 69-Jährigen, 22 Prozent der 70- bis 74-Jährigen und 28 Prozent der über 75-Jährigen an, zum Erhebungszeitpunkt oder vier Wochen zuvor unfallverletzt oder krank gewesen zu sein (Böhm, Tesch-Römer & Ziese, 2009, S. 32). Neben eines erhöhten Sturzrisikos treten im Alter häufig Gelenkerkrankungen, Herzer­krankungen, Erkrankungen der Blutgefäße, insbesondere die Arteriosklerose, Hirnge­fäßerkrankungen, insbesondere der Schlaganfall, Stoffwechselerkrankungen, besonders Diabetes mellitus und Krankheiten des Nervensystems auf. Ferner kommen Probleme wie Schlafstörungen und Sinnesbeeinträchtigungen hinzu. Chronische Beschwerden, wie z. B. die Gebrechlichkeit und funktionelle Einschränkungen, sowie Demenzerkran­kungen treten vermehrt auf (Blessing-Kapelke, Jasper, Miehling & Pfeifer, 2009, S. 7). Abgesehen von den einzelnen Krankheiten stellt die Multimorbidität ein Charakteristi­kum der Problematik im Alter dar. Dies bedeutet ein gleichzeitiges Auftreten von meh­reren Krankheiten, die nicht unabhängig voneinander bestehen. Sie sind häufig chro­nisch und irreversibel. Ihre Folgen greifen ineinander über, womit vermehrte Funktions­einschränkungen verbunden sind (Böhm, Tesch-Römer & Ziese, S. 55-56).

3.4 Günstige Beeinflussung von Risikofaktoren durch Bewegung und geeignete Methoden

Dass wir durch unser Bewegungsverhalten Einfluss auf unsere Gesundheit nehmen kön­nen, ist heutzutage keine Neuigkeit mehr. Aus aktuellen Studien geht hervor, wie viel­seitig die Effekte körperlicher Aktivität sind, wobei inaktive Menschen mit Risikofakto­ren einen höheren Nutzen davontragen. In einem Bericht der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin gibt Löllgen (2015) an, dass evidenzbasiert belegt ist, dass regelmäßige körperliche Aktivität vielen Krankheiten vorbeugen und im Rahmen therapeutischer Be­handlungen Anwendung finden kann. Zudem liefert eine Tabelle eine Übersicht ver­schiedener Krankheiten und positiven Auswirkungen eines körperlichen Trainings mit Angaben zum Evidenzgrad, von denen sich einige unter Kapitel 3.3 wiederfinden las­sen. Beispiele hierfür sind die Herzinsuffizienz, Osteoporose, Krebs, Sturzneigung so­wie Diabetes mellitus. Nach Löllgen (2015) liegt die Wirkung bei den verschiedenen Krankheiten zur Risikominderung zwischen 20 und 30 Prozent. Für ebenso wichtig hält er regelmäßiges Training zur Verbesserung der Lebensqualität, woraufhin es in Berlin zur bundesweiten Einführung des Rezeptes für Bewegung kam. Zudem wurden nach älteren Leitlinien von Organisationen aus den USA (NIH, US Government, WHO, HEPA) in Folge von zahlreichen Studien und Metaanalysen neue Empfehlungen im Hinblick auf das körperliche Training erstellt. Diese orientieren sich an der sogenannten „FIDA-Regel“, der Frequenz, Intensität, Dauer der Trainingseinheit und der Art des Trainings. Bedeutend hierbei ist, dass die entscheidende Senkung eines Risikos bei mo­derater Aktivität stattfindet. Eine große Steigerung des Trainingsumfangs bzw. der In­tensität ist nicht notwendig, weiterhin senkt sie das Risiko nur im geringen Maße. Akti­vitäten wie „Nordic Walking“ oder schnelles Gehen zeigen bereits trainingswirksame Erfolge. Nach derzeitigen Empfehlungen mit dem Ansatz „Start low, go slow“, sind 150 Minuten moderates Training pro Woche verteilt auf drei bis fünf Tage oder 75 Minuten intensives Trainingjeweils auf drei bis vier Einheiten verteilt, sinnvoll. Zusätzlich sol­len zwei Einheiten mit Krafttraining, sowie regelmäßige Beweglichkeitsübungen erfol­gen (Löllgen, 2015, S. 139-140).

Resümierend senkt körperliche Aktivität die vorzeitige Sterblichkeit, vermindert die Er­krankungshäufigkeit und steigert vor allem die Lebensqualität, das Wohlbefinden, sowie die Selbstständigkeit eines älteren Menschen, wobei besonders die Verantwortung des Individuums ausschlaggebend ist (Löllgen, 2015, S. 139-140).

Bachi, Schwarz und Zeibig (2007) vertreten eine ähnliche Ansicht. Risikofaktoren wie z. B. Übergewicht, Bluthochdruck und dadurch bedingte Krankheiten sind als Folgen ei­nes inaktiven Lebensstils anzusehen. Demgegenüber betonen sie die Bedeutung der „mächtigen Schutzfaktoren“: Bewegung, Aktivität, Sport und Training. So kam eine Studie zu dem Ergebnis, dass bereits bei einer mittleren Geh-Leistung von ungefähr 2,4 km pro Tag die Sterblichkeit der Probanden um 40 Prozent sank.

Die Auswirkungen eines aktiven Lebensstils sind vielfältig. In Bezug auf das Herz­Kreislauf-System können Effekte wie eine Ökonomisierung der Herzfunktion, eine Ver­besserung der Gefäßverzweigungen und der Durchblutung des Herzmuskels, eine ver­besserte Kreislaufregulation, sowie Blutdrucksenkung und -Stabilisierung etc. durch Ausdauertraining erfolgen. Auf den Energiestoffwechsel bezogen sind z. B. Effekte wie die Senkung des Insulinspiegels und des Cholesterins, sowie eine erhöhte Insulinsensi­bilität und eine verbesserte Glukosetoleranz, erzielt durch Ausdauer- und Kraftausdauer­training möglich. Zur günstigen Beeinflussung der Muskulatur tragen beispielsweise Ef­fekte wie die erhöhte Muskelkraft, ein verbesserter Muskelstoffwechsel, die Vergröße­rung der Muskelmasse bzw. ein Entschleunigen des altersbedingten Muskelabbaus und eine bessere Gelenkführung, sowie Haltung bei. Dies wird durch ein altersgerechtes Krafttraining, sowie ein Kraftausdauertraining ermöglicht. Effekte für das vegetative Nervensystem, Immunsystem und Hormonsystem können unter anderem eine verbes­serte Erholungsfähigkeit und Stresstoleranz sowie ein gesteigertes Wohlbefinden und eine erhöhte Belastbarkeit sein, die vor allem durch Ausdauertraining und einer Art ,,Be- wegungsmix“ erreichbar sind. Neben morphologischen Veränderungen stellen sich Ef­fekte hinsichtlich der Beweglichkeit, Koordination und Kognition ein. Es kann zu einer verbesserten Beweglichkeit der Gelenke, besseren Koordination, Gleichgewicht und Ba­lance, sowie der kognitiven Leistungsfähigkeit kommen. Dazu dienen Spielsportarten, Koordinations- und Gleichgewichtsübungen, Dehnungs- und Kräftigungsübungen (Bachi, Schwarz, Zeibig, 2007, S. 31-33).

Bachi, Schwarz und Zeibig (2007) liefern hierzu ein Modell „Aktiv Älterwerden“, ba­sierend auf den drei Säulen, „bewegter“ Alltag, Sport und Training. Bei der ersten Säule des „bewegten“ Alltags sollen Chancen, die sich im Tagesverlauf ergeben, zur Bewe­gung genutzt werden: Z. B. aktiviert eine Radfahr-Bewegung in Rückenlage morgens nach dem Aufwachen den Kreislauf und mobilisiert nach bereits 15 bis 25 Treteinheiten die Hüft- und Kniegelenke (Bachi, Schwarz & Zeibig, 2007, S. 57). Die zweite Säule Sport stellt die Freude an der Bewegung über den alltäglichen Bewegungsaufwand hin­aus, in den Vordergrund: Verschiedene Sportarten erweisen sich für Sporteinsteiger im hohen Alter als geeignet und tragen zugleich mehr oder minder einen Nutzen für die Ausdauer, Kräftigung, Koordination und Beweglichkeit. Darunter fallen unter anderem Walking, Nordic Walking, Laufen oder Radfahren. Beispielsweise ist als Effekt des Walkings neben dem Muskel- und Krafteinsatz eine verbesserte Ausdauerfähigkeit bei einer Herzfrequenz zwischen 60 und 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz bei zwei bis drei Einheiten ä 30 bis 60 Minuten pro Woche zu erwarten (Bachi, Schwarz & Zei­big, 2007, S. 71). Das Training, als dritte Säule, ist von hoher Bedeutung. Der Grund dafür ist, dass durch die Planmäßigkeit und Systematik, gesetzte Ziele besser erreicht werden können. Wesentliche Bausteine des Trainings stellen das Ausdauertraining, Krafttraining und Beweglichkeitstraining dar. Letzteres lässt sich nochmals in das Deh­nungs-, Mobilisations- und Koordinationstraining unterteilen. Hinsichtlich des Ausdau­ertrainings lassen sich verschiedene Bereiche und Trainingsmethoden in Abhängigkeit von Belastbarkeit und Zielerreichung unterscheiden: Die Trainingsbereiche A-l und A-2 bei denen die Herzfrequenz zwischen 60 bis 70 Prozent und 70 bis 80 Prozent der maxi­malen Herzfrequenz liegt, sind für Ältere eher geeignet. Für Einsteiger eignet sich die Intervallmethode im A-l Bereich (Bachi, Schwarz & Zeibig, 2007, S. 92-99). Für das Krafttraining im fortgeschrittenen Alter sind verschiedene Trainingsmodelle anwendbar. Diese sind das Muskelfunktions-, Kraftausdauer- und Muskelaufbautraining. Aufgrund der beim Muskelaufbautraining relativ hohen Widerstandsbelastung erweist es sich als sinnvoll, ein solches Training erst nach einem vier- bis zwölfwöchigen Muskelfunkti­ons- und nach einem vier- bis achtwöchtigen Kraftausdauertraining anzuwenden (Bachi, Schwarz & Zeibig, 2007, S. 99-106). Im Rahmen des Beweglichkeitstrainings findet die Muskeldehnung Anwendung, wobei die Muskelspannung in der Dehnposition vor oder an der Schwelle des Dehnschmerzes liegen und eine Haltung der Spannung von 15 bis 45 Sekunden betragen soll. Des Weiteren empfehlen sie für Ältere im Rahmen des Mo­bilisationstrainings eine Einheit pro Woche, die Übungen wie z. B. Beinpendeln oder Armpendeln beinhalten sollte. Ein Koordinationstraining mit einer Dauer zwischen 5 und 45 Minuten sollte ebenfalls bei der Trainingsplanung berücksichtigt werden, wobei Materialien wie z. B. Kippbretterscheiben, Sitzbälle oder Ähnliches eingesetzt werden. Außerdem erweist sich das Tanzen in fast allen Formen als koordinatives Training (Bachi, Schwarz & Zeibig, 2007, S. 107-115).

Zusammenfassend stellen ein Ausdauertraining von ein- bis dreimal, ein Krafttraining von ein- bis zweimal, ein Beweglichkeits- und Koordinationstraining von ein- bis drei­mal, sowie ein Techniktraining und ein mentales Training pro Woche eine ganzheitliche, abwechslungsreiche und optimale Trainingswoche dar (Bachi, Schwarz & Zeibig, 2007, S. 94).

Als ein weiteres Beispiel für eine konkrete Umsetzung dient die von dem Deutschen Turner-Bund zusammengestellte Broschüre „Fit im Alltag - Bewegung zur Erhaltung der Selbstständigkeit im Alltag“. In Abhängigkeit von den alltäglichen Herausforderun­gen und dafür notwendigen Voraussetzungen werden vier Kemkompetenzen zur selbst­ständigen Alltagsbewältigung formuliert: Die erste und wichtigste Kernkompetenz ist die Muskelkraft. Ist diese kaum vorhanden, können das Aufstützen aus dem Liegen oder das Tragen von Einkaufstaschen allein nicht bewältigt werden. Die zur Kräftigung zu priorisierenden Muskeln sind die Beinmuskulatur, insbesondere die vorderen Ober­schenkelmuskeln, die Schulter- und Armmuskulatur, sowie die Rücken- und Bauchmus­keln. Um eine möglichst hohe Effizienz zu erzielen, sollte die Belastung anfangs als „mittelschwer“ und im weiteren Verlauf als „schwer“ eingestuft werden. Entsprechende Übungen für Anfänger zur Kräftigung der wichtigen Muskeln zur Selbstständigkeit im Alltag sind die Kniebeuge, durchgeführt hinter einem Stuhl, dessen Lehne zum Festhal­ten dient. Weitere Übungen für die Oberschenkelmuskulatur sind zum einen die Abduk­tion und Beinanheben nach hinten, zudem die Ausfallschritte. Eine Übung für die Schultermuskulatur ist beispielsweise die Außenrotation der Arme mit einer Beugung von 90 Grad. Für Fortgeschrittene können Übungen wie diese mit einem Theraband er­schwert werden.

Die zweite Kemkompetenz ist die Standfestigkeit und Balance. Zur Sturzprophylaxe sollte das Balancetraining von den Teilnehmern als schwierig empfunden werden, mög­lichst vielfältig sein, unterschiedliche Herausforderungen beinhalten und insgesamt 20 Minuten andauem. Jede Übung sollte 10 bis 30 Sekunden andauern. Die Ausgangsposi­tionen sind das Gleichgewichtstraining im „stabilen Stand“, im Stand in Verbindung mit verstärkter Oberkörperaktivität und in der räumlichen Fortbewegung. Um den Schwie­rigkeitsgrad weiter zu erhöhen, können die Reduktion der Standfläche, die Einschrän­kung der sensorischen Information oder der Einsatz von Zusatzaufgaben beitragen.

Die Beweglichkeit stellt die dritte Kernkompetenz dar. Um kein eingeschränktes Bewe­gungsausmaß aufgrund von Ablagerungen und arthrotische Veränderungen zu haben, müssen Beweglichkeitsübungen durchgeführt werden. Dazu zählen Übungen wie der Katzenbuckel, das Seitneigen des Kopfes, die Dehnung der Beinrückseite sowie der Wade und viele mehr.

Die vierte Kernkompetenz ist die Gehfähigkeit und Ausdauer. Die Gehfähigkeit stellt die erste Voraussetzung für die Selbstständigkeit im Alter dar. Um diese zu erhalten, sollten ältere Menschen mindestens 3000 Schritte pro Tag zurücklegen. 30 Minuten, besser 60 Minuten Marschieren sollte als Zielsetzung gelten. Ein langsames Tempo ist ausreichend. Allerdings sollteje nach Belastbarkeit eine Erhöhung und ein Wechsel des Tempos vollzogen werden, wodurch die Anpassungsfähigkeit über das Übliche hinaus trainiert wird (DTB, 2009, S. 7-29).

Ferner dient das Kurskonzept „Ich beweg' mich - Rücken fit“, erstellt von Elvira Die­nel, Ilse Hollenberg, KHVS Verden und VHS Landkreis Diepholz in Kooperation mit dem Bundesarbeitskreis Gesundheit, in Anlehnung an den Leitfaden der Prävention des GKV-Spitzenverbandes als beispielhafte Möglichkeit zur gesundheitsfördernden Bewe­gung. Es bezieht sich auf das Handlungsfeld Bewegungsgewohnheiten mit dem Präven­tionsprinzip „Vorbeugung und Reduzierung spezieller gesundheitlicher Risiken durch geeignete verhaltens- und gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme“. Die Zielgrup­pe, sowie Zielsetzung des Konzepts, weisen viele Gemeinsamkeiten mit denen des ge­planten Konzepts für Senioren auf. Beispielsweise sollen besonders Personen, die von einem Risikofaktor wie dem Bewegungsmangel, leichten Arthrosebeschwerden und/oder leichter Osteoporose betroffen sind, angesprochen werden. Hinsichtlich der Zielsetzung kommen die gezielte Verbesserung der individuellen gesundheitlichen Si­tuation durch Abbau von Bewegungsmangel, die Förderung der körperlichen Fähigkei­ten Kraft, Beweglichkeit, Dehnungs-, Koordinations- und Entspannungsfähigkeit der unter 4.2 formulierten Zielsetzung sehr nahe. Entsprechend der Qualitätskriterien des GKV-Spitzenverbandes zur Umsetzung von § 20 Abs. 1 SBG V enthält das Konzept fol­genden organisatorischen Aufbau: Eine entsprechend qualifizierte Kursleitung, die Dau­er von 8-12 Wochen mit einem wöchentlichen Termin von jeweils 60 bis 90 Minuten, eine Teilnehmerzahl von 7 bis maximal 15 Personen, ein Kursraum mit mindestens 4 qm[2] pro Teilnehmer, weitere Ausstattung nach Kursanforderungen und die Evaluation. Kursinhalte sind Module zur Verbesserung der physischen Ressourcen, die in der Ziel­setzung aufgeführt werden. Dazu gehören Lockerungsübungen, Dehnungs-, Entspan- nungs-, Koordinations-, sowie Kräftigungsübungen. Außerdem besteht ein Theorieteil zur Vermittlung von Handlungs- und Effektwissen, der in die Kurseinheiten integriert ist. Zusätzlich finden Maßnahmen zur Unterstützung der Integration des Gelernten in den Alltag, sowie Anleitungen zu gesundheitförderlichen Bewegungsabläufen Anwen­dung. Jede Kurseinheit enthält einen Themenschwerpunkt mit inhaltlichen Zielen in Theorie und Praxis. Ein exemplarisches Beispiel: Das Thema lautet Stabilisation. Die Ziele sind das Training der Stabilisierungsfähigkeit, sowie das Erlernen und Erleben von Stabilisierungsübungen. In den ersten 10 Minuten findet zum Thema Gehen die Methode der Körperwahrnehmung und eine Gesprächsrunde zur Aktivierung und Refle­xion mit begleitender Musik statt. Anschließend wir eine 5-minütige Kurzinformation über die Kraft und Koordination vermittelt. Die nächsten 10 Minuten wird die Körper­wahrnehmung zum Erleben der muskulären Spannung durchgeführt. Im Anschluss fin­det die funktionelle Gymnastik auf den Matten zum Training der Stabilisierungsfähig­keit Anwendung, was 20 Minuten in Anspruch nimmt. Danach werden wieder durch die Methode der Körperwahmehmung Alltagsbelastungen wie das Heben erlebt und reflek­tiert. Weiter wird die Stabilisationsfähigkeit mit einem 20-minütigen Gymnastiktraining mit Widerstand auf den Matten trainiert. Anschließend folgt eine Partnermassage zur Lockerung und Entspannung. Zum Abschluss gibt es eine Gesprächsrunde zur Vorberei­tung auf die nächste Kurseinheit, die ungefähr 5 Minuten beträgt (Kortmann, 2008, S.

[...]

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Konzeption eines ganzheitlichen Senioren-Bewegungsprogramms für einen Fitnessanbieter
Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
44
Katalognummer
V518490
ISBN (eBook)
9783346118554
ISBN (Buch)
9783346118561
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bachelorthesis, Konzeption, Bewegungsprogramm, Senioren, Sport, Fitness, Prävention, Gesundheit
Arbeit zitieren
Saskia Ziegler (Autor), 2016, Konzeption eines ganzheitlichen Senioren-Bewegungsprogramms für einen Fitnessanbieter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/518490

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