Romantischer Individualismus - Thoreau, Emerson und Fuller


Seminararbeit, 2001

15 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung in den Transzendentalismus

3. Die Protagonisten
3.1 Henry David Thoreau
3.2 Ralph Waldo Emerson

4. Thoreaus Walden
4.1 Die Entstehung Waldens
4.2 Am Waldensee
4.3 Symbolik
4.4 Kritik in Walden

5. Thoreaus On the duty of civil disobedience
5.1 Entstehung des Essays
5.2 Thematik Seite

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Transzendentalisten gingen hinter Erfahrung und rationale Analyse, indem sie die intuitiven und seelischen Qualitäten des Individuums in den Vordergrund stellten. Den Kern von Schriftstellern in New England in den 1830ern und 40ern, die Transzendentalisten genannt wurden, formten Ralph Waldo Emerson, Henry David Thoreau und Margret Fuller. Sie war eine der ersten Frauen, die sich erfolgreich für die Emanzipation einsetzte. Auf sie wird in dieser Hausarbeit aber nicht näher eingegangen. Der Transzendentalismus war einer der bedeutensten literarischen Bewegungen des 19.Jahrhunderts. In den nächsten Kapiteln wird zuerst der Tranzendentalismus näher erläutert und im Anschluss Henry David Thoreau, sein Freund und Mentor Ralph Waldo Emerson und Thoreaus zwei bedeutenste Werke vorgestellt. Sie sollen einen Einblick in seine transzendentalistisch geprägte Philosophie geben.

2. Einführung in den Transzendentalismus

Transzendenz (lat.: transcedere = überschreiten) beschreibt diejenigen Dinge, die wir als Subjekte nicht verstehen oder begreifen können. Das Unvorstellbare auf das wir entweder hoffen oder es erwarten können.

Die Transzendentalisten standen einerseits dem „kalten Intellektualismus“1 der dogmatischen Orthodoxie kritisch gegenüber und räumten andererseits – unter Rückgriff auf die Traditionen der Romantik – dem menschlichen Gewissen und der Intuition einen größeren Raum ein. Sie sahen das Universum aus zwei essentiellen Teilen bestehend: Die Seele und die Natur. Emerson definierte die Seele, indem er die Natur definierte: "Alles, was von uns getrennt ist, alles, was die Philosophie als Nicht-Ich unterscheidet, das ist beides, Natur und Kunst, alle anderen Menschen und mein eigener Körper, müssen diesem Namen untergeordnet werden: NATUR."2 Der Glaube an die Zuverlässigkeit des menschlichen Gewissens war eine der grundlegenden Prinzipien des Transzendentalismus, und dieser Glaube war begründet durch die Überzeugung des Innewohnens von Gott in der Seele eines jeden Individuums. Als eine Reflektion von Gott drückte die Natur symbolisch die spirituelle Welt aus, die hinter der physischen uns sichtbaren arbeitet. Nur Henry David Thoreau sah die Natur auch als sie selbst, was ihn von den anderen Transzendentalisten unterschied. Transzendentalismus kann als religiöser und intellektueller Ausdruck von amerikanischer Demokratie angesehen werden: alle Menschen hatten die gleiche Möglichkeit, Theologie kennenzulernen und auszudrücken, ganz gleich ihres sozialen Status, ihrer politischen Orientierung.

Die Transzendentalisten waren gut gebildete Menschen, die Jahrzehnte vor dem Bürgerkrieg und der nationalen Trennung lebten, die sie mit ihren Ideen entstehen ließen. Sie versuchten eine einheitliche amerikanische Literaturepoche zu kreieren. Seit Jahrzehnten war Amerika von England unabhängig, nun wollten sie auch literarische Unabhängigkeit durchsetzen. Ihre Literatur unterschied sich deshalb sehr von der europäischen.

Die Transzendentalisten waren eine Generation von Menschen, die Probleme hatten, ihre Geistigkeit und Religion zu bestimmen, wegen der neuen Erkenntnisse und Entwicklungen, die ihre Zeit mit sich brachte. Die meisten von ihnen engagierten sich für soziale Reform Bewegungen vor allem für die Rechte der Frauen und die Anti-Sklaverei. Concord war damals eine Station des sogenannten "Underground Railway". Schwarze Flüchtlinge aus dem Süden wurden entlang solcher Stationen beherbergt und in die Freiheit geschleust. Derlei Aktivitäten mussten, nach dem Fugitive Slave Law von 1850, mit dem die Auslieferung im Norden eingefangener Sklaven zum Gesetz gemacht wurde, im Geheimen organisiert werden. Doch die Abolitionisten aus Concord halfen nicht nur geflohenen Sklaven. Sie sammelten auch Geld für John Browns bewaffneten Kampf gegen die Sklavenhalter in Kansas. Und als John Brown nach dem gescheiterten Überfall auf das Zeughaus des Staates Virginia, einem Zentrum der Sklaverei, in Harper's Ferry gefangen und 1859 gehenkt wurde, fand dieser in ihnen einen starken Fürsprecher.

Das große Panorama der transzendentalistischen Gedankenwelt ist aufgrund der schwer dechiffrierbaren Personalstile der neuenglischen Freidenker nicht einfach zu überblicken. „Ich habe lange gebraucht, um zu erkennen, dass ein Denken und Reden vom Ich her nicht unverbindlich zu sein braucht; dass jemand vielleicht gerade deshalb vage formuliert, weil er etwas zu sagen hat.“3 Die in Emersons Hauptwerk, NATURE (1836), vorgestellten Metaphern des transparenten Augapfels und des sprichwörtlichen Ideengebäudes können als Angelpunkte transzendentalistischer Denkweisen angesehen werden. Die Begriffe Sehen und Bauen stehen für die transzendentalistischen Entwürfe zu einer eigenständigen amerikanischen Literatur4. Der von den Transzendenalisten initiierte Autoritätsverlust der Tradition vermittelt grundlegende Impulse für eine eigenständige literarische Entwicklung. Die Transzendentalisten übten einen starken Einfluss auf die amerikanische Avantgarde in Kunst und Musik aus.

3. Die Protagonisten

3.1 Henry David Thoreau

Henry David Thoreau (1817 – 1862) war Essayist, Dichter, Naturalist, Landvermesser, Mystiker, Sozialkritiker und Lehrer. Er gilt bis heute als einer der einflussreichsten amerikanischen Schriftsteller. Er lebte fast Zeit seines Lebens in einem engen Umkreis von Concord, Massachusetts, USA. Thoreau wohnte nach einem Studium in Harvard von 1841 bis 1843 im Haushalt seines Mentors und Freundes Ralph Waldo Emerson, dessen transzendentalistische Philosophie ihn stark beeinflusste. 1845 baute er sich eine Hütte in der Nähe des Waldensees – das Grundstück gehörte Emerson - wo er mehr als zwei Jahre verbrachte und sich dem Studium der Natur widmete. Thoreau war der Ansicht, dass das Leben auf das Essenziellste reduziert werden sollte, so dass man sich auf die Studie des eigenen Ichs und der Natur fokusieren könne.

Schon zuvor verabscheute er jegliche Arbeit. Seiner Meinung nach reichten sechs Wochen Arbeit pro Jahr aus, um die wichtigsten Dinge für ein Jahr bezahlen zu können. Zudem wies er es zurück Steuern an den Staat zu zahlen. Nur Schulsteuern erschienen ihm sinnvoll aber Steuern, die zur Kriegsführung oder ähnlichem eingesetzt würden hielt er für amoralisch. Vor allem sein Werk „On the duty of civil disobedience“ implizierte die Kritik an den seiner Meinung nach imperialistischen Zielen des Mexikanischen Krieges (1845) und an der Haltung der Vereinigten Staaten in der Sklavenfrage. Er ging sein ganzes Leben lang nicht zur Kirche und zahlte auch hier keine Steuern.5 Das war seine Art des gewaltlosen Widerstandes, der ein Vorbild für viele Generationen war und ist. Auf dieses Thema werde ich im übernächsten Kapitel näher eingehen.

[...]


1 vgl Emerson, Ralph Waldo, Essay Public

2 Emerson, Ralph Waldo, Essay Nature

3 Schulz, Dieter, Amerikanischer Transzendentalismus – Ralph Waldo Emerson, Henry David Thoreau, Margret Fuller, Seite 16

4 vgl. Schulz, Dieter, Amerikanischer Transzendentalismus – Ralph Waldo Emerson, Henry David Thoreau, Margret Fuller

5 vgl. Klumpjan, Hans-Dieter und Helmut, Thoreau, Rowohlts Monographien

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Romantischer Individualismus - Thoreau, Emerson und Fuller
Hochschule
Universität zu Köln  (Politologie)
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in die amerikanische Politische Philosophie des 18. und 19. Jahrhunderts
Note
1,5
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V519
ISBN (eBook)
9783638103572
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thoreau, Emerson, Gandhi, Martin Luther King, Walden
Arbeit zitieren
Fabian Odysseus Fichtner (Autor), 2001, Romantischer Individualismus - Thoreau, Emerson und Fuller, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/519

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