Argumentation spielt in unserem alltäglichen Leben eine große Rolle. Ob in Familie, Beziehung oder Beruf, um unsere eigene Meinung, unseren eigenen Standpunkt und oft auch unser Recht zu verteidigen und zu rechtfertigen, müssen wir auf Argumente zurückgreifen, um unseren Gesprächspartner von unserer Sicht der Dinge zu überzeugen. Wer dabei die besseren Argumente hat, kann seinen Standpunkt plausibler darstellen und, wenn dem Gegner die Widerlegung der Argumente nicht mehr gelingt und ihm keine Gegenargumente einfallen, oft das Durchsetzen seiner Ziele erreichen. Argumentieren ist daher auf der einen Seite ein alltäglicher Bestandteil unseres Lebens und andererseits ein wichtiges Instrument für unsere Selbstbestimmung und Durchsetzungsfähigkeit.
Argumentieren spielt allerdings nicht nur im alltäglichen Leben eine maßgebliche Rolle, sondern ist auch in der Wissenschaft von großer Bedeutung. So beschäftigte sich bereits Aristoteles in seiner Rhetorik mit der Kunst des Argumentierens und stellte die Grundlage der heutigen sprachwissenschaftlichen Argumentationsforschung in Form seiner Syllogismen und Topoi dar, die später von Cicero unter dem Terminus loci weiterentwickelt und in neuerer Zeit v.a. durch Toulmin neu strukturiert und geprägt wurden. Galt das Argumentieren bei Aristoteles allerdings in erster Linie politischen Zwecken, so hat sich heute die Bedeutung und die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema ausgeweitet. Argumentieren findet in allen Bereichen des alltäglichen Lebens statt und Wissenschaftler, wie v.a. Kienpointner, haben sich dieses Phänomens angenommen, es untersucht und analysiert.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Hauptteil
I. Belegerzählungen
I.1. Aufbau und Struktur von Erzählungen
I.2. Textanalyse
II. Illustrieren
II.1. Merkmale und Illustrationstypen
II.1.1.Typ A
II.1.2. Typ B
II.1.3. Gemeinsamkeiten
II.2. Textanalyse
II.2.1. Typ A
II.2.2. Typ B
III. Beispiel
III.1. Auftreten und Funktion
III.2. Textanalyse
C. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die sprachwissenschaftliche Rolle narrativer Texttypen innerhalb alltäglicher Argumentationen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Erzählungen, Illustrationen und Beispiele genutzt werden, um eigene Standpunkte ohne direkte Diskussion zu veranschaulichen, zu legitimieren oder zu untermauern.
- Strukturelle Analyse von Alltagserzählungen (Belegerzählungen).
- Unterscheidung zwischen narrativen Illustrationstypen und deren argumentative Funktion.
- Einsatz von Beispielen als Mittel zur Stützung oder Rechtfertigung von Behauptungen.
- Integration von Modellen wie Toulmins Argumentationsschema zur Analyse gesprochener Sprache.
- Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Weltwissen und impliziten Argumentationsmustern.
Auszug aus dem Buch
I.1. Aufbau und Struktur von Erzählungen
Der erste systematische Versuch, die linguistische Struktur von (Alltags-) Erzählungen zu beschreiben, stammt von Labov/Waletzky (1966). Quasthoff (2001) sieht „Erzählen in Gesprächen“ in erster Linie als „mündliches Erzählen in face-to-face-Interaktion“ und definiert: „Erzählen im interaktionstheoretischen Sinne ist eine Form der verbalen Aktivität, die mindestens zwei Teilnehmer gemeinsam und aufeinander zugeschnitten kontextualisiert betreiben, indem sie für sich wechselseitig deutlich die Rollen Erzähler und Zuhörer installieren.“
Dabei konstituiert es Einheiten, die über die Satzebene hinausgehen. Daher unterscheidet Quasthoff eine globale und eine lokale Strukturebene. Die globale Strukturebene umfasst größere Textblöcke bzw. Phasen im Erzählen, die den Aufbau der gesamten Erzählung manifestieren. Dieser Aufbau wird durch die Elemente Orientierung, also Ort, Zeit, Personen, Komplikation (des Handlungsverlaufs), Evaluation, sprich die Markierung der erzählenswerten Qualität des Ereignisses: „Warum erzähle ich dir das?“, Auflösung (des Handlungsknotens), sowie Coda, also die Herstellung der Verbindung zur Erzählzeit, konstituiert; nach heutiger Sicht werden diese Elemente durch Zuhöreraktivitäten und die Möglichkeit mehrerer Sprecher ergänzt.
Zur formalen Markierung der globalen Struktur werden Gliederungssignale wie auf einmal, und dann, naja jedenfalls eingesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Belegerzählungen: Dieses Kapitel befasst sich mit der linguistischen Struktur von Alltagsgeschichten und analysiert, wie diese als argumentative Belege für Behauptungen fungieren.
II. Illustrieren: Hier werden Merkmale von Illustrationstypen erläutert und ihre Funktion der Veranschaulichung im Vergleich zu Belegerzählungen analysiert.
III. Beispiel: Dieses Kapitel untersucht die Verwendung von Beispielen in Argumentationen, ihre unterschiedlichen formalen Erscheinungsformen und ihre Funktion als Untermauerung oder Rechtfertigung.
Schlüsselwörter
Argumentation, Alltagssprache, Belegerzählung, Illustration, Beispiel, Sprechakttheorie, Erzählstruktur, Diskursanalyse, Textanalyse, Toulmin-Modell, Sprachwissenschaft, Gesprächsführung, Argumentationsmuster, narrative Texttypen, Weltwissen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Menschen narrative Textformen wie Erzählungen, Illustrationen und Beispiele im Alltag einsetzen, um ihren Standpunkt in Gesprächen zu stützen oder zu veranschaulichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die linguistische Analyse von gesprochener Alltagssprache, die Funktion narrativer Elemente in Argumentationsstrukturen sowie die Untersuchung konkreter Textbeispiele aus Schülerdiskussionen und Alltagsgesprächen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Erzählungen und Beispiele nicht nur zur Unterhaltung dienen, sondern als „narrative Argumente“ fungieren, um Glaubwürdigkeit zu erhöhen oder eigene Positionen gegen Einwände zu immunisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der sprachwissenschaftlichen Textanalyse, indem sie Gesprächsausschnitte transkribiert und anhand gesprächslinguistischer Konzepte sowie des Argumentationsmodells von Toulmin untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert drei narrative Texttypen: Belegerzählungen, Illustrationen (unterteilt in Typ A und B) und Beispiele, wobei für jeden Typ sowohl die theoretische Fundierung als auch eine praktische Textanalyse erfolgt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Argumentation, Alltagssprache, Belegerzählung, Illustration, Beispiel, Sprechakttheorie und Diskursanalyse.
Warum unterscheidet die Arbeit zwischen Belegerzählung und Illustration?
Während Belegerzählungen eine argumentative Rolle für eine strittige Behauptung einnehmen und den Hörer von einer These überzeugen sollen, dienen Illustrationen primär der Veranschaulichung von Sachverhalten, von denen der Hörer bereits überzeugt ist.
Welche Rolle spielt das Weltwissen bei der Argumentation der Akteure?
Die Analyse zeigt, dass viele Argumentationen implizit bleiben und nicht explizit ausformuliert sind, da die Sprecher voraussetzen, dass ihr Gegenüber über das notwendige Weltwissen verfügt, um die logischen Zwischenschritte selbst zu erschließen.
- Citation du texte
- MA Katrin Denise Hee (Auteur), 2005, Argumentationsordnung und narrative Texttypen (Belegerzählung, Beispiel, Illustration), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51915