Empfehlungen für den Unterricht von Kindern mit geistiger Behinderung


Hausarbeit, 2017

17 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. schungsstand
2.1 Definitionen
2.2 Diagnostik
2.3 Ursachen
2.4 Prävention
2.5 empirische Befunde
2.5.1 MehrPerspektivenSchema
2.5.2 Modell der Schülerkooperation
2.5.3 Prinzipien und Strategien lern- und entwicklungsfördernden Unterrichts aus systemisch-konstruktivistischer Perspektive

3. Forschungsfrage

4. Methodik

5. Ergebnisse

6. Diskussion

7. Fazit

8. Literatur

1. Einleitung

Inklusion ist zu einem bedeutenden Schlagwort der bildungspolitischen, erziehungswissenschaftlichen sowie der pädagogisch-praktischen Diskussionen geworden. Die ersten Versuche von gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen fanden in Deutschland 1970 statt. Das Thema gewann immer mehr an Bedeutung bis hin zur UN­Konvention von 2006, welches das erste universelle Rechtsdokument darstellt indem die Menschenrechte einzelner Länder an die unterschiedlichen Lebensausgangslagen von Menschen mit Behinderung(en) angepasst werden. Im Vordergrund steht nun nicht mehr „Diskriminierung zu unterbinden, sondern die Chancengleichheit von Menschen mit Behinderungen zu fördern und letztendlich herzustellen“ (Annette Leonhardt, 2015, S.17f.). Die Ratifikation dieses Übereinkommens verpflichtet die Vertragsstaaten dazu auf lange Sicht die komplette Verwirklichung aller Menschenrechte zu gewährleisten. Auf Grundlage der bildungspolitischen Bedeutsamkeit, ethischen und moralischen Gründen, sowie die Verpflichtungen die UN­Konvention umzusetzen ist die Inklusion ein wichtiges Thema für die heutige Schulpädagogik- und Didaktik.

In dieser Hausarbeit werde ich mich daher mit dem Thema Inklusion auseinandersetzen und zwar speziell mit der geistigen Behinderung und dem Unterricht mit betroffenen Kindern. Ziel ist es im Anschluss Empfehlungen für den Unterricht von Kindern mit geistiger Behinderung geben zu können. Ich habe dieses Thema gewählt, da ich bereits für ein Jahr als Schulbegleiterin für ein Mädchen mit geistiger Behinderung gearbeitet habe und dort festgestellt habe, dass sich einige Lehrer sehr unsicher im Umgang mit dem betroffenen Kind waren. Um solche Unsicherheiten möglichst gering zu halten empfinde iches als wichtig, dass sich jede Lehrkraft oder angehende Lehrkraft sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben sollte. Es sollte präsent sein welche Eigenschaften und besonderen Umstände man beachten sollte, um Kinder mit einer Behinderung im Schulalltag und speziell im Unterricht möglichst effektiv zu fördern und zu integrieren. Da verschiedene Formen einer Behinderung unterschiedliche präventive und interventive Maßnahmen erfordern und daher keine allgemeingültigen Aussagen zu Empfehlungen für den Unterricht über Kinder mit einer Behinderung möglich sind werde ich mich in dieser Arbeit speziell auf die geistige Behinderung beziehen.

2. Forschungsstand

2.1 Definitionen

Der Begriff Behinderung meint traditionell den Funktionsmangel eines Individuums, welcher v.a. auf körperliche und kognitive Defizite zurückgeführt wird, dieses Bild von Behinderung wild als medizinisches Modell bezeichnet. In den letzten Jahren haben sich durch starke Diskussionen zur Behinderung und durch den Einfluss der ,Disability Studies‘ ein neuer interdisziplinärer Ansatz, zwei neue Richtungen ausmachen lassen, welche den Behinderungsbegriff aus neuen, unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Der sozialwissenschaftliche geprägte Ansatz sieht eine strikte Trennung von Beeinträchtigung (impairment) und Behinderung (disability) vor. So gilt ein Individuum nicht mehr aufgrund seiner körperlichen Gegebenheiten als behindert, sondern die sozialen Strukturen, welche es dem Menschen unmöglich machen sich in bestimmten Gesellschaftsbereichen zu integrieren gelten als Ursache für die Beeinträchtigungen.

Bei dem zweiten, kulturwissenschaftlichen Ansatz gilt Behinderung als variable soziale Kategorie, welche zur Hierarchisierung der Gesellschaft dient und deren Inhalt aus historischen Prozessen resultiert. Der Kern dieses Ansatzes hinterfragt die vorherrschenden Normalitätskonzepte unserer Gesellschaft kritisch (Ira Schumann, 2007, S.79).

Zunächst ist eine Definition dieser speziellen Behinderungsform notwendig, um sich der Komplexität der damit verbundenen Einschränkungen bewusst zu werden und um die nachstehenden konkreten Forschungen besser nachvollziehen zu können. Der Begriff ,geistige Behinderung‘ kennzeichnet Individuen, welche durch komplexe Dysfunktionen der hirnneuralen Systeme große Schwierigkeiten haben ein eigenständiges Leben zu führen und dadurch lebenslang auf Hilfe, Förderung und Begleitung angewiesen sind (Vgl. Otto Speck, 2007). Diese Begrifflichkeit hat jedoch Auswirkungen auf die soziale Interaktion mit den Mitmenschen und führt oftmals dazu, dass betroffene Personen in die Gefahr geraten sozial benachteiligt oder ausgeschlossen zu werden. Um diesem Problem entgegen zu wirken hat die KMK von 1994 hat für den schulischen Bereich den nicht defizit-orientierten Begriff „Förderschwerpunkt geistige Entwicklung“ gewählt, jedoch ist auch dieser Ausdruck sehr nah an dem allgemeinen Terminus gelehnt um die nähere Klassifizierung beizubehalten. Die Entwicklung dieser Behinderungsform ist abhängig von dem Schweregrad der Hirnschädigung, individuelle und externe Entwicklungs- und Aufwuchs Bedingungen. Diese Schädigungen beziehen sich vor allem auf das Intelligenzniveau, also auf Kognition, Sprache und die motorische- sowie sprachliche Entwicklung. Außerdem handelt es sich bei einer geistigen Behinderung fast ausschließlich um eine Mehrfachbehinderung in welcher mehrere Funktionen des Organismus betroffen sind (Otto Speck, 2007, S.136-137).

Ein weiterer wichtiger Begriff im Kontext dieser Arbeit ist die Inklusion, eine mögliche Definition lautet: „Inklusion steht international für das menschenrechtsbegründete Programm einer umfassenden, alle gesellschaftlichen Bereiche einschließenden De-Se-gregation ausgegrenzter, an gesellschaftlicher Teilhabe benachteiligter Individuen und Gruppen.“ (Thomas Häcker, 2015, S.11). Integration hingegen ist ein zunehmend unscharfer Leitbegriff und kann ein langfristiges Ziel meinen, welches auch auf segregierten Weg stattfinden kann und somit spezielle Einrichtungen für Menschen mit Behinderung auch als Form gesellschaftlicher Integration angesehen werden können. Allerdings kann auch die Auflösung von Sonderschulen aus einem Ansatz der Integration entstehen (Ines Boban und Andreas Hinz, 2009, S.30). Grundsätzlich gilt aus Sichtweise der Integration, dass „behinderte“ Menschen als anders angesehen und in die Gesellschaft integriert werden.

2.2 Diagnostik

In Deutschland gelten ca. 0,5% der Bevölkerung als geistig behindert. Aber wie findet die Diagnose statt? Da die traditionelle Diagnostik in erster Linie Defizite und Abweichungen einer Norm beschreibt ist zwar eine präzise Klassifizierung möglich, jedoch lässt sie die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen und Fördermöglichkeiten außen vor. Ein Ansatz, welcher die Probleme einer solchen Diagnostik versucht zu überwinden ist der systematische Ansatz. Bei diesem Ansatz steht nicht das Individuum mit seinen persönlichen Eigenschaften im Mittelpunkt, sondern das Wirken von Personen und materialen Bedingungen im Lebensraum des Kindes. Denn umso genauer man das Kind-Umfeld-Gefüge analysiert wird, desto besser können die pädagogischen Bedürfnisse des Individuums erkannt werden. Durch die Analyse vorhandener Kompetenzen und Ressourcen gelangen nun Fördermöglichkeiten in den Mittelpunkt an Stelle von statischer Eigenschaften (Konrad Bundschuh, 2007, S.74f.)

2.3 Ursachen

Der Begriff „geistige Behinderung“ als Sonderform einer Behinderung als komplexer Begriff meint die nicht Psychophysische Schädigung auf den gesamten Entwicklungsprozess und seine Umweltbedingungen. Die Ursachen können pränatal sein und beispielsweise durch eine Genmutation oder eine Infektion entstanden sein. Perinatale Ursachen können eine zu frühe Geburt oder Geburtstraume sein und die dritte Möglichkeit sind postnatale Ursachen, wie zum Beispiel eine entzündliche Erkrankung oder ein Hirntumor. Spezieller werde ich nicht auf die Ursachen von einer geistigen Behinderung eingehen, da diese den Rahmen der Arbeit sprengen würden und nur eine sehr geringe Bedeutung für notwendige fördernde bzw. pädagogische Maßnahmen haben, die einzelnen Funktionsstörungen stehen hier im Vordergrund (Ira Schumann, 2007).

2.4 Prävention

Eine Prävention in Hinblick auf Behinderung scheint aus pädagogischer Perspektive (keine medizinische Sichtweise) nicht realisierbar, jedoch ist sie in Bezug auf Folgeprobleme geistiger Behinderungen von großer Bedeutung um psychischen Störungen, Krisen und Verhaltensauffälligkeiten entgegen zu wirken oder zu verhindern. Man kann zwischen drei Präventionsarten unterscheiden. Die Ereigniszentrierte Prävention dient dazu den Betroffenen gedanklich und unter Festlegung von bestimmten Maßnahmen auf Lebensereignisse vorzubereiten, welche aus biologischen und/oder sozialen Gründen für die Mehrheit der Bevölkerung eintreffen. Bei der Personenzentrierten Prävention hingegen steht der Aufbau vom Kompetenzen im Vordergrund, um mögliche Krisen zu bewältigen. Die dritte Art von Prävention ist kontextzentriert und befasst sich damit, wie man die Person in ihrer sozialen Umwelt bestmöglich unterstützen kann (Ernst Wüllenweber, 2007, S.266f.).

2.5 empirische Befunde

2.5.1 MehrPerspektivenSchema

Holger Schäfer geht in seinem Artikel „Das MehrPerspektivenSchema als curricularer Orientierungsrahmen im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung“ auf die Anschlussfähigkeit des Unterrichts im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung zur Allgemeinen Didaktik ein. Es wurden Untersuchungen von Lehrplänen für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung bundesweit durchgeführt, um die theoretischen Grundlagen Klafkis zu erweitern und ein Entwurf zur Planung von Unterricht und Schulentwicklung für inklusive Schulen und Förderschulen zu konstruieren. Außerdem befasste sich der Autor mit weiteren Forschungen und Theorien zur Didaktik des Unterrichts im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, vor allem die von Schäfer finden große Beachtung in seinem Artikel.

Das Hauptmerkmal liegt auf dem MehrPerspektivenSchema zur Unterrichtsplanung, welche Klafkis Modell (Elemente Klafkis‘ Modell: Bedingungsanalyse, Gegenwarts- Zukunfts- und Exemplarische Bedeutung, Thematische Struktur, Erweisbarkeit und Überprüfbarkeit, Zugänglichkeit bzw. Darstellbarkeit, Lehr-Lern-Prozessstruktur) um einige Aspekte erweitert 4 und für alle Schüler, Klassen und Schulen gedacht wird, da es selbstredend SchülerInnen mit und ohne Beeinträchtigungen einbezieht. Fünf wesentliche neue Aspekte werden hier in der Unterrichtsplanung mit aufgegriffen. Zum einen die Bedingungsanalyse, welche auf der Kind­Umfeld-Diagnose basiert und die Eltern in der Förderplanung mit einbezieht. Zum anderen wird nun der Pädagogische Rahmen (Konstruktivismus, Berufsförderung, Komplexer Förderbedarf und Therapie, Kooperation) berücksichtigt und die konzeptionelle Umrandung durch Hinweise zur Unterrichts, und Curriculumentwicklung und Flexibilität im Kontext Planung, Durchführung und Reflexion ist neu. Außerdem wurden innerhalb der Teilfragen viele Erkenntnisse und Erfordernisse zu den Besonderheiten im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung ergänzt. Zudem wurde sich von einem strikt zu verfolgenden Plan abgewandt hin zu verflochtenen Beziehungen zwischen den einzelnen Teilbereichen (Holger Schäfer, 2017).

In der Didaktik müssten nach Schäfer im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung die individuellen Dispositionen des Kindes ausgestaltet, das Material bestimmt und didaktisch so reduziert werden, dass Anschlussfähigkeit gewährleistet werden kann. Um diese Anschlussfähigkeit an didaktische und methodische Grundlagen zu erreichen gibt der Autor Lösungen für die Umsetzung vor. Zum einen soll der Übergang von der Primar- in die Sekundarstufe durch Fortsetzung der Förderpläne durch intersystemische Kooperation vereinfacht werden. Außerdem sollen Lehrkräfte verlässliche Bezugspersonen sein und eine emotionale Nähe aufbauen, da diese Nähe und emotionale Bedingung vor allem für SchülerInnen mit Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung eine große Bedeutung hat. Eine weitere Erkenntnis ist, dass eine Rhythmisierung des Unterrichts nach Sinneinheiten und im Rahmen der Förderpläne an Stelle von dem üblichen 45-Minuten Rhythmus stattfinden sollte, um eine positive Entwicklung in inklusiven Systemen zu fördern (Holger Schäfer, 2017).

2.5.2 Modell der Schülerkooperation

Das Modell der Schülerkooperation nach Wocken fokussiert das Gleichgewicht von differenzierend, individuellen und integrierenden Situationen des Lernens. Die Schülerkooperation soll den Gemeinsamkeiten und Unterschieden in inklusiven Schulklassen gerecht werden und wird in vier verschiedene Formen unterteilt. Zum einen die Koexistenten Lernsituationen bei denen das selbstständige erarbeiten im Vordergrund steht und die soziale Interaktion in den Hintergrund (Wocken 2014, zitiert nach Rolf Werning, Birgit Lütje-Klose, 2016). In Kommunikativen Lernsituationen hingegen bringen die Kinder die Interaktionen selbst hervor und lernen unbewusst etwas zu für sie aktuelle Inhalte (z.B. Krankheit, 5 Freundschaft). Eine weitere Form der Schülerkommunikation ist die Subsidäre Lernsituation, welche durch Asymmetrie in der Beziehungsebene gekennzeichnet sind und sich die Kinder gegenseitig helfen. Die vierte Kooperative Lernsituation bezeichnet die Zusammenarbeit der Lernenden und ist komplementär organisiert. Diese Formen der Schülerkooperation und „der regelmäßige Austausch aller über ihre jeweiligen Gegenstände, die nach Interesse, individueller Bedeutsamkeit oder spezifischem Förderbedarf unterschiedlich sein können“ (Rolf Werning, Birgit Lütje-Klose, 2016, S. 150) sollen zur Herstellung von Gemeinsamkeiten im inklusiven Unterricht beitragen, sodass auch Kinder mit geistiger Behinderung davon profitieren und der soziale Anschluss in der Klasse gefördert wird ohne die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Kinder außer Acht zu lassen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Empfehlungen für den Unterricht von Kindern mit geistiger Behinderung
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V520044
ISBN (eBook)
9783346109590
ISBN (Buch)
9783346109606
Sprache
Deutsch
Schlagworte
empfehlungen, unterricht, kindern, behinderung
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Empfehlungen für den Unterricht von Kindern mit geistiger Behinderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520044

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Empfehlungen für den Unterricht von Kindern mit geistiger Behinderung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden