In diesem Essay wird sich am Beispiel des fanatischen Hundeliebhabers im Artikel „Acting for the Right Reasons“ von Julia Markovits mit der Frage auseinandergesetzt, ob und inwiefern die Bewertung des moralischen Charakters von Akteuren losgelöst von der Bewertung des moralischen Werts von Handlungen ein geeignetes Kriterium in der Ethik sein kann. Zu diesem Zweck wird zunächst das Beispiel rekonstruiert und dann anhand dessen die Stellung des Kriteriums erklärt.
Inhaltsverzeichnis
1. Essay
1.1 Rekonstruktion des Beispiels von Julia Markovits
1.2 Kriterium der Bewertung des moralischen Charakters
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieses Essays ist die kritische Auseinandersetzung mit der Frage, inwieweit die Bewertung des moralischen Charakters eines Akteurs von der Bewertung des moralischen Werts seiner Handlungen getrennt betrachtet werden kann. Dabei wird untersucht, ob kontrafaktische Überlegungen – also die Frage, wie ein Akteur unter anderen Umständen gehandelt hätte – Einfluss auf das moralische Urteil über eine bereits vollzogene, ethisch gebotene Handlung haben sollten.
- Analyse des Gedankenexperiments des fanatischen Hundeliebhabers (Julia Markovits).
- Unterscheidung zwischen moralischem Wert einer Handlung und moralischem Charakter des Akteurs.
- Kritische Würdigung der Position von Nomy Arpaly zum moralischen Wert.
- Diskussion über die Relevanz von Gesinnungsunterschieden und moralischem Zufall.
- Plädoyer für eine komplementäre statt konkurrierende Betrachtung von Handlungs- und Charakterbewertung.
Auszug aus dem Buch
Kriterium der Bewertung des moralischen Charakters:
Abgesehen davon, dass man darüber nachdenken müsste, ob eine Rettung fremder Personen unter Gefährdung des eigenen Lebens nicht ohnehin eine supererogetische Handlung darstellt (zumindest sofern der Akteur sich nicht beruflich dazu verpflichtet hat), halte ich diese Schlussfolgerung für schwierig, weil sie letztlich gewisse Elemente des moralischen Zufalls beherbergt.
Da es nicht in der Kontrolle des fanatischen Hundeliebhabers liegt, ob er seinen Hund beim Treffen auf eine moralisch relevante Situation mit sich führt, und für uns bereits klar ist, das wir den Ausgang der Situation dann moralisch gut bewerten, wenn er ihn nicht dabei hat, und dann moralisch schlecht, wenn er ihn dabei hat, ist am Ende etwas Grundlage für den moralischen Wert einer Handlung, das eben eigentlich keine moralische Relevanz hat. Nun könnte man sagen, dass der fanatische Hundeliebhaber natürlich schon eine Kontrolle über die Situation hat, weil er sich ja jederzeit dazu entscheiden könnte, seine Priorität zugunsten des Hundes in der moralisch relevanten Situation zurückzustellen. Nur ist das ja in dem Augenblick, in dem wir seine Entscheidung bereits als gegeben ansehen, nicht mehr der Fall, was zeigt, dass es eigentlich nicht Teil seiner Handlung, sondern eher Teil seiner grundsätzlichen Gesinnung ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Essay: Einführung in die ethische Fragestellung mittels des Beispiels des fanatischen Hundeliebhabers nach Julia Markovits.
1.1 Rekonstruktion des Beispiels von Julia Markovits: Darstellung des Gedankenexperiments und der zentralen These, dass kontrafaktische Konditionale den moralischen Wert einer Handlung nicht beeinflussen sollten.
1.2 Kriterium der Bewertung des moralischen Charakters: Erörterung der Problematik, ob der moralische Charakter des Akteurs und der Wert der Handlung getrennt beurteilt werden sollten, inklusive einer kritischen Abgrenzung zu Nomy Arpaly.
Schlüsselwörter
Moralischer Wert, Handlungsbewertung, Charakterbewertung, Julia Markovits, Nomy Arpaly, Moralische Gesinnung, Gedankenexperiment, Kontrafaktische Konditionale, Moralische Relevanz, Supererogation, Ethische Beurteilung, Moralische Verantwortung, Handlungsintention, Tugendethik, Moralische Anerkennung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Essay im Kern?
Die Arbeit untersucht die philosophische Frage, ob die Bewertung des moralischen Werts einer Handlung unabhängig von dem moralischen Charakter des Akteurs erfolgen sollte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Das Hauptaugenmerk liegt auf der Unterscheidung zwischen dem objektiven moralischen Wert einer vollzogenen Handlung und der moralischen Verfasstheit bzw. Gesinnung einer Person.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Kriterien zur Bewertung des moralischen Werts einer Handlung und Kriterien zur Beurteilung des Charakters eines Akteurs nebeneinander existieren sollten, anstatt sich gegenseitig auszuschließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die analytische Methode der Rekonstruktion und kritischen Diskussion von Gedankenexperimenten aus der zeitgenössischen Moralphilosophie.
Was wird im Hauptteil analysiert?
Im Hauptteil werden die Thesen von Julia Markovits zum "fanatischen Hundeliebhaber" sowie die konträren Überlegungen von Nomy Arpaly zum moralischen Wert einer Handlung diskutiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie moralischer Wert, Gesinnung, Charakterbewertung und das Konzept kontrafaktischer Überlegungen geprägt.
Warum hält der Autor die Position von Nomy Arpaly für problematisch?
Der Autor empfindet Arpalys Auffassung, dass eine Handlung nur dann einen höheren moralischen Wert habe, wenn der Akteur sie auch unter widrigeren Umständen ausgeführt hätte, als überzogen.
Inwiefern spielt der "moralische Zufall" eine Rolle?
Der Autor argumentiert, dass die Umstände, ob man beispielsweise seinen Hund bei einer Rettungsaktion bei sich trägt, Zufallselemente sind, die nicht als Basis für die Beurteilung des Werts der eigentlichen Handlung dienen sollten.
- Quote paper
- Jan André Wieland (Author), 2020, Die Bewertung des moralischen Charakters anhand des fanatischen Hundeliebhabers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520331