Arend Lijphart analysiert in seiner Studie „Patterns of Democracy“ von 1999, 36 Demokratien auf Basis ihrer Demokratiemerkmale, um abschließend eine Struktureinordnung jedes einzelnen untersuchten Landes vorzunehmen. Lijphart geht in seiner Arbeit von zwei Idealformen der Demokratie aus: Der Mehrheits- und der Konsensusdemokratie, die er zunächst näher beschreibt und dazu zehn Variablen konstituiert und operationalisiert, die die unterschiedlichen Ausprägungen messbar machen sollen.
Es handelt sich dabei um einen quantitativen Ansatz der vergleichenden Demokratieforschung1 bei dem mit Hilfe statistischer Verfahren eine große Menge Datenmaterialen empirisch untersucht wird. In dieser Hausarbeit möchte ich zunächst die Studie Lijpharts vorstellen und anschließend den Versuch unternehmen das politische System Polens anhand der zehn Kriterien zu überprüfen und anschließend einzuordnen. Dabei werde ich zunächst Lijpharts Variablen und Operationalisierungen näher betrachten, da dies wichtig ist um die anschließende Einordnung Polens besser nachvollziehen zu können. Anschließend werde ich Stück für Stück die Ausprägungen der Republik Polen in jeder einzelnen Variable überprüfen und abschließend Polen einem Demokratietyp zuordnen.
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1 Vgl. Schmidt, S.338
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einführung in Lijpharts Studie
2.1 Konzentration der Exekutivmacht
2.2 Kräfteverhältnis zwischen Exekutive und Legislative
2.3 Fragmentierungsgrad des Parteiensystems
2.4 Disproportionalität von Wahlstimmen- zu Parlamentssitzverteilung
2.5 Pluralistisches oder korporatistisches System der Interessenverbände
2.6 Machtaufteilungsgrad der Staatsstruktur
2.7 Konzentrations- bzw. Aufteilungsgrad der Legislativmacht
2.8 Schwierigkeitsgrad der Verfassungsänderung
2.9 Letztentscheidungsrecht über Gesetzgebung
2.10 Grad der Zentralbankautonomie
3 Analyse und Einordnung Polens
3.1 Konzentration der Exekutivmacht
3.2 Kräfteverhältnis zwischen Exekutive und Legislative
3.3 Fragmentierungsgrad des Parteiensystems
3.4 Disproportionalität von Wahlstimmen- zu Parlamentssitzverteilung
3.5 Pluralistisches oder korporatistisches System der Interessenverbände
3.6 Machtaufteilungsgrad der Staatsstruktur
3.7 Konzentrations- bzw. Aufteilungsgrad der Legislativmacht
3.8 Schwierigkeitsgrad der Verfassungsänderung
3.9 Letztentscheidungsrecht über Gesetzgebung
3.10 Grad der Zentralbankautonomie
4 Fazit – Einordnung Polens
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das politische System der Republik Polen anhand der zehn Demokratiemerkmale aus Arend Lijpharts Studie „Patterns of Democracy“ zu analysieren und einer der beiden Idealformen, der Mehrheits- oder Konsensusdemokratie, zuzuordnen.
- Vergleichende Demokratieforschung nach Lijphart
- Strukturanalyse der Republik Polen
- Dimension Exekutive-Parteien
- Dimension Föderalismus-Unitarismus
- Klassifizierung in die Typologie der Demokratien
Auszug aus dem Buch
2.1 Konzentration der Exekutivmacht
Diese wichtigste und typischste Variable der Exekutive-Parteien-Dimension untersucht die Konzentration der Macht in der Exekutive. Bei der Untersuchung stützt Lijphart sich auf Erkenntnisse aus der Koalitionstheorie. Diese geht von drei verschiedenen Möglichkeiten bei der Bildung von Koalitionen aus: (1) „minimal winning cabinetes“, (2) „oversized cabinets“ und (3) „undersized cabinets“. Neben diesen Koalitionstypen ist natürlich auch noch der Typ einer Einparteienregierung denkbar und zusammen mit den „minimal winning cabinets“ die typische Regierungsform in Mehrheitsdemokratien, wohingegen Mehrparteienregierungen und „oversizes cabinets“ die typische Form in Konsensusdemokratien darstellen.
Messbar macht Lijphart dies indem er den Anteil der Regierungsdauer von Einparteienregierungen und „minimal winning cabinets“ in Prozent des Untersuchungszeitraums berechnet. Der Mittelwert dieser beiden ergibt dann den eigentlichen Wert. Denkbar sind Werte von 0 - 100%, wobei 0% den Konsensus- und 100% den Mehrheitsdemokratien entsprächen. Semipräsidentielle Systeme werden gewertet wie parlamentarische Systeme.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hier wird der Untersuchungsgegenstand eingeführt, der quantitative Ansatz von Lijphart erläutert und das methodische Vorgehen der Einordnung Polens skizziert.
2 Einführung in Lijpharts Studie: Dieses Kapitel stellt die zehn Variablen zur Unterscheidung von Mehrheits- und Konsensusdemokratien detailliert vor, unterteilt in die Dimensionen Exekutive-Parteien und Föderalismus-Unitarismus.
3 Analyse und Einordnung Polens: Hier wird das politische System Polens anhand der zuvor definierten Kriterien empirisch untersucht und in den einzelnen Bereichen bewertet.
4 Fazit – Einordnung Polens: Das Fazit führt die Ergebnisse der Einzelanalysen zusammen und ordnet die Republik Polen insgesamt als leicht föderale und leicht konsensusdemokratische Demokratie ein.
Schlüsselwörter
Arend Lijphart, Patterns of Democracy, Mehrheitsdemokratie, Konsensusdemokratie, Politikwissenschaft, Republik Polen, Systemvergleich, Exekutive-Parteien-Dimension, Föderalismus-Unitarismus-Dimension, Demokratieanalyse, politische Institutionen, Transformation, Regierungsform, Machtkonzentration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das politische System der Republik Polen mithilfe der von Arend Lijphart entwickelten Demokratiemerkmale, um eine Einordnung in die Konzepte der Mehrheits- oder Konsensusdemokratie vorzunehmen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?
Die Themenfelder umfassen die vergleichende Demokratieforschung, die Operationalisierung politischer Variablen sowie eine empirische Untersuchung polnischer Regierungs- und Verfassungsstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis des Untersuchungszeitraums seit der Verfassung von 1997 festzustellen, inwieweit Polen Merkmale von Mehrheits- oder Konsensusdemokratien aufweist und wo es sich auf der Skala der Demokratietypen verorten lässt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt den quantitativen Ansatz der „Patterns of Democracy“-Studie, indem sie zehn spezifische Variablen (z.B. Konzentration der Exekutivmacht, Parteiensystem, Staatsstruktur) auf den polnischen Fall anwendet und bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Vorstellung der zehn Lijphart-Variablen und die anschließende, detaillierte Überprüfung Polens anhand dieser Indikatoren, wie z.B. das Kräfteverhältnis zwischen Exekutive und Legislative.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Mehrheitsdemokratie, Konsensusdemokratie, politische Systemanalyse, Regierungsbildung, Verfassungsstruktur und die spezifischen Dimensionen Lijpharts zur Machtteilung.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Senats in Polen?
Der Autor stuft den Bikammeralismus in Polen aufgrund von Asymmetrie und Inkongruenz als eher mittelstark ein und weist ihm den Wert 3.0 auf der Lijphart-Skala zu.
Warum wird Polen trotz Einheitsstaatsprinzip föderalistisch-dezentral analysiert?
Obwohl die Verfassung Polen als Einheitsstaat definiert, weist die Verwaltung in 16 Wojewodschaften ein erhebliches Maß an Selbstverwaltung auf, was laut Autor eine Einordnung in Richtung dezentraler Strukturen rechtfertigt.
- Quote paper
- Sebastian Kranz (Author), 2005, Einordnung des Demokratietyps der Republik Polens nach Lijpharts Studie "Patterns of Democracy", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52281