Der EU-Emissionshandel wurde am 1. Januar 2005 eingeführt, und das war ein Meilenstein in der Geschichte der Umweltpolitik. Erstmals wurde ein rein marktwirtschaftlicher Anreiz geschaffen, weniger CO2 in die Atmosphäre zu pusten. Die Idee: Umweltfreundlich wirtschaftende Unternehmen sollten belohnt, einseitig auf Wachstum ausgelegte Unternehmen bestraft werden. In der Hausarbeit wird erklärt, warum der Emissionshandel aus wissenschaftlicher Sicht dringend notwendig war, warum er theoretisch tatsächlich das Zeug dazu hat, das Klimaproblem zu lösen – und warum er von 2005 bis 2008 trotzdem praktisch keine positiven Wirkungen entfalten konnte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Der Treibhauseffekt: Ausgangspunkt der Überlegungen:
1.1. Bedeutung des CO2 für den Treibhauseffekt
1.2 Klimaschutz in der UN
1.3 Das Kyoto-Protokoll
1.3.1 Ziele des Kyoto-Protokolls
1.3.1.1 Deutschland als Vorreiter
1.3.2 Ausarbeitung des Kyoto-Protokolls
2. Der Emissionshandel: Grundlagen
2.1 Prinzip des Emissionshandels
2.1.1 Funktionsweise des Emissionshandels
2.1.2 Rahmenbedingungen
2.2 Handelsabwicklung
2.3 flexible Maßnahmen
2.3.1 Clean Development Mechanism (CDM)
2.3.2 Joint Implementation (JI)
3. Der Emissionshandel in Deutschland: von der Lobby zerpflückt
3.1 Umweltpolitik contra wirtschaftliche Interessen
3.2 Selbstverpflichtung und Wirklichkeit
3.3. Der Nationale Allokationsplan
3.4 Der Emissionshandel in der Praxis
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert die Funktionsweise des europäischen Emissionshandelssystems und untersucht kritisch dessen praktische Umsetzung in Deutschland. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, inwieweit politische Entscheidungen und der Einfluss wirtschaftlicher Interessen die ökologische Wirksamkeit des Instruments im Rahmen der Kyoto-Ziele beeinträchtigen.
- Grundlagen des Treibhauseffekts und internationale Klimaschutzbemühungen
- Funktionsweise des EU-Emissionshandels (EU-ETS) und seiner Mechanismen
- Die Rolle der Lobbyarbeit bei der Ausgestaltung des Nationalen Allokationsplans (NAP)
- Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Interessen und umweltpolitischer Notwendigkeit
- Bewertung der praktischen Anwendung und des Potenzials für künftige Handelsperioden
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Funktionsweise des Emissionshandels
Die beteiligten Unternehmen bekommen Zertifikate, die sich an der Höhe ihres CO2-Ausstoßes in den Jahren 2000 bis 2002 orientieren. Die Emissionsberechtigungen werden den Unternehmen von den jeweiligen Regierungen kostenlos zugeteilt; jedoch nur in einer Höhe, die um einen bestimmten Prozentsatz, dem so genannten Erfüllungsfaktor, unter den bisherigen Emissionen des Unternehmens liegt. Die Höhe des Erfüllungsfaktors richtet sich nach den Zielen gemäß des Kioto-Protokolls, ist also von Land zu Land verschieden (s. Kap. 1.3.1.1).
Produziert ein Unternehmen weiterhin gleich viel oder mehr Emissionen wie bisher, muss es für jede Tonne CO2, für die es keine Emissionsberechtigungen vorweisen kann, eine Strafe von 40 Euro bezahlen.
Um dies zu vermeiden, haben die Unternehmen zwei Möglichkeiten: Entweder sie reduzieren ihre Emissionen durch Investitionen in neue, energiesparendere Technologien – oder sie kaufen von anderen Unternehmen Emissionsberechtigungen (EU-Allowances=EUA) hinzu, deren Preis sich nach Angebot und Nachfrage richtet. (am 26.5.2005 kostete eine EUA= eine Tonne CO2 19,94 Euro). Ein Beispiel verdeutlicht das Prinzip:
Unternehmen A und Unternehmen B produzieren 100,000 Tonnen CO2 jährlich. Beide erhalten Emissionsberechtigungen für 95,000 Tonnen, müssen also 5,000 Tonnen CO2 einsparen. Unternehmen A verbessert daraufhin die Wärmedämmung und investiert in eine neue Turbine. Dadurch kann es seine Emissionen auf 90.000 Tonnen im Jahr senken. Unternehmen B belässt alles wie bisher und kauft dafür von Unternehmen A Emissionsberechtigungen hinzu – schließlich hat Unternehmen A nun 5000 davon über.
Das Ergebnis: die Investition von „umweltbewussten“ Unternehmen in emissionsärmere Technologien wird durch diejenigen Unternehmen gefördert, die keine Emissionen reduzieren möchten oder dies nur durch sehr hohe Kosten erreichen könnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der Treibhauseffekt: Ausgangspunkt der Überlegungen: Dieses Kapitel erläutert den künstlichen Treibhauseffekt, seine Ursachen durch CO2-Emissionen und die internationale diplomatische Einbettung durch UN-Konferenzen und das Kyoto-Protokoll.
2. Der Emissionshandel: Grundlagen: Hier wird das Prinzip des EU-ETS, die Zuteilung von Zertifikaten sowie die ergänzenden projektbasierten Mechanismen CDM und JI als Instrumente zur Kosteneffizienz bei der Emissionsminderung beschrieben.
3. Der Emissionshandel in Deutschland: von der Lobby zerpflückt: Dieser Abschnitt analysiert den politischen Prozess der NAP-Erstellung in Deutschland, den Konflikt zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium sowie die Verwässerung der Reduktionsziele durch Industrielobbyismus.
4. Fazit: Das Fazit bewertet den Emissionshandel als prinzipiell sinnvolles, aber in der deutschen Umsetzung durch bürokratische Hürden und politische Zugeständnisse stark eingeschränktes Instrument für den Klimaschutz.
Schlüsselwörter
Emissionshandel, Klimaschutz, CO2-Reduktion, Kyoto-Protokoll, EU-ETS, Treibhauseffekt, Nationale Allokationspläne, Industrielobby, CDM, Joint Implementation, Zertifikate, Umweltpolitik, Energieerzeugung, Nachhaltigkeit, Treibhausgase.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das System des Emissionshandels als wirtschaftspolitisches Instrument zur Reduzierung von Treibhausgasen, mit besonderem Fokus auf die politische Umsetzung in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die wissenschaftlichen Grundlagen des Treibhauseffekts, den internationalen Rahmen durch das Kyoto-Protokoll sowie die konkrete Ausgestaltung und Kritik an den nationalen Allokationsplänen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den langen politischen Prozess der Einführung des Emissionshandels aufzuzeigen und kritisch zu hinterfragen, warum die ökologische Wirksamkeit in Deutschland hinter den Erwartungen zurückblieb.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und ökonomische Analyse, die auf der Auswertung von Fachstudien, politischen Dokumenten und medialen Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Funktionsweise des Handels, die Mechanismen der internationalen Kooperation und eine detaillierte Fallstudie zur Lobbyarbeit und Entscheidungsfindung in Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Emissionshandel, Industrielobby, Kyoto-Ziele, nationale Allokationspläne und ökologische Effizienz.
Warum wird der Begriff "bürokratisches Monster" in Bezug auf den NAP verwendet?
Der Autor verwendet diesen Begriff, weil die Ausgestaltung des Nationalen Allokationsplans durch 58 verschiedene Regelkombinationen und komplizierte Ausnahmeregelungen unnötig verkompliziert wurde.
Wie beeinflussen CDM-Projekte den Emissionshandel?
CDM-Projekte erlauben es Unternehmen, Emissionsgutschriften durch die Finanzierung von Klimaschutzprojekten in Entwicklungsländern zu erwerben, was jedoch laut Kritikern Innovationsanreize für Technologien im Inland schwächen könnte.
Welche Rolle spielte die Wirtschaftslobby bei der NAP-Ausgestaltung?
Die Lobby erreichte durch Blockadepolitik und politischen Druck auf das Umweltministerium, dass die ursprünglich vereinbarten Emissionsminderungsziele für die Industrie signifikant reduziert wurden.
- Citation du texte
- Diplom-Journalist Robin Avram (Auteur), 2005, Der Emissionshandel - Hintergründe, Funktionsweise und praktische Umsetzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52351