Auch wenn Lesen und Schreiben zu den grundlegenden Kulturtechniken gehören, werden diese Fertigkeiten keinesfalls immer problemlos erlernt und von allen Kindern und Jugendlichen beherrscht. Laut dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie sind etwa 5 % aller Kinder und Jugendlichen von einer Lese-Rechtschreibschwäche betroffen. Auch wenn diese Schwäche nicht mit einer mangelnden Intelligenz einhergeht, kann sie unter Umständen zum Grund für schlechte Schulleistungen werden. Daher ist es zum einen notwendig, die Symptome einer Lese-Rechtschreibschwäche zu kennen, um rechtzeitig mit einer gezielten Förderung zu beginnen. Zum anderen kann das Wissen über mögliche Ursachen die Entstehung gegebenenfalls verhindern, indem man durch präventive Maßnahmen an den richtigen Punkten ansetzt. Schon im Kindergarten kann eine Grundlage für das Erlernen des Lesens und Schreibens gelegt werden.
Im folgenden habe ich mich, um eine begriffliche Basis zu schaffen, mit den Begriffen Lese-Rechtschreibschwäche und Legasthenie auseinander gesetzt, da diese in der Literatur zum Teil synonym gebraucht werden. Nach einer Zusammenfassung der Symptomatik beschreibe ich die verschiedenen Theorien zur Ursache der LRS, mögliche Diagnoseverfahren und gehe abschließend auf die Förderung von lese-rechtschreibschwachen Kindern ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Begriff Lese-Rechtschreibschwäche und Legasthenie
3. Symptomatik der LRS
4. Ursachen der LRS
4.1 Der genetische Ansatz
4.2 Der neurobiologische/physiologische Ansatz
4.3 Der phonologischer Ansatz
4.4 Der soziologische/pädagogische Ansatz
5. Diagnostik der Lese-Rechtschreibschwäche
5.1 Die klassische Diagnose
5.2 Die pädagogische Diagnose
5.3 Die Förderdiagnose
6. Förderung von lese-rechtschreibschwachen Kindern
6.1 Präventive Fördermaßnahmen
6.2 Innerschulische und außerschulische Fördermaßnahmen
6.3 Förderung des phonologische Bewusstseins
7. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der Identifikation, den Ursachen und den Fördermöglichkeiten bei einer Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) im Grundschulalter, um Lehrkräften eine fundierte Basis für den Umgang mit betroffenen Kindern zu bieten.
- Begriffsabgrenzung zwischen Lese-Rechtschreibschwäche und Legasthenie
- Analyse der Symptomatik bei Lese- und Rechtschreibstörungen
- Untersuchung genetischer, neurobiologischer, phonologischer und soziologischer Ursachenfaktoren
- Vergleich klassischer, pädagogischer und förderdiagnostischer Verfahren
- Präventive und schulische Förderkonzepte zur Unterstützung betroffener Kinder
Auszug aus dem Buch
4.2 Der neurobiologische/physiologische Ansatz
Durch neue Erkenntnisse in der Hirnforschung haben neurobiologisch begründbare Ursachen in den letzten drei Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen. Forschungen haben ergeben, dass der Lese-Rechtschreibstörung basale Störungen in der visuellen und auditiven Informationsverarbeitung zugrunde liegen können. Bei der visuellen Informationsverarbeitung beschreibt Schulte-Körne zum einen Störungen im Bereich der Okkularmotorik, zum anderen bei der Verarbeitung von Reizen, die im Wesentlichen vom magnozellulären System verarbeitet werden. Während noch keine gesicherten Erkenntnisse über einen kausalen Zusammenhang zwischen dem okkularmotorischen Bereich und der Lesestörung vorliegen, hat sich die Forschung zur Funktion des magnozellulären Systems in diesem Zusammenhang als aussichtsreicher erwiesen. Aber auch diese Befunde werden im Zusammenhang mit LRS kontrovers diskutiert.
Untersucht wurden das magnozelluläre System (M) und das parvozelluläre System (P). Das M-System verarbeitet schnelle, kontrastarme, bewegte Reize und übernimmt die allgemeine Analyse visueller Informationen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Relevanz der Lese-Rechtschreibschwäche für den schulischen Erfolg und führt in die zentralen Themenfelder der Ursachenforschung und Förderung ein.
2. Zum Begriff Lese-Rechtschreibschwäche und Legasthenie: Dieses Kapitel arbeitet die begriffliche Unschärfe auf und zeigt, wie sich die Definitionen von der historischen Sichtweise der "Krankheit" hin zur Teilleistungsstörung entwickelt haben.
3. Symptomatik der LRS: Die Symptome werden in Bezug auf Lese- und Rechtschreibstörungen detailliert beschrieben, ergänzt um mögliche Sekundärsymptome wie Konzentrationsstörungen.
4. Ursachen der LRS: Es werden verschiedene theoretische Erklärungsansätze, von der Genetik bis zu soziologischen Einflussfaktoren, kritisch gegenübergestellt.
5. Diagnostik der Lese-Rechtschreibschwäche: Das Kapitel vergleicht standardisierte klassische Testverfahren mit ganzheitlichen pädagogischen Diagnosemethoden und der Förderdiagnostik.
6. Förderung von lese-rechtschreibschwachen Kindern: Hier liegt der Schwerpunkt auf präventiven Maßnahmen, schulischen Förderansätzen und der spezifischen Stärkung des phonologischen Bewusstseins.
7. Schlussbemerkung: Die Autorin resümiert die Notwendigkeit frühzeitiger Förderung und warnt davor, die Diagnose LRS zur Pauschalisierung oder Ausrede zu nutzen.
Schlüsselwörter
Lese-Rechtschreibschwäche, Legasthenie, Symptomatik, Ursachenforschung, Diagnose, Förderung, Prävention, Phonologisches Bewusstsein, Lernstörung, Teilleistungsstörung, Schulerfolg, Förderdiagnostik, LRS-Erlass, Pädagogische Diagnose, Grundschule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen Überblick über das Phänomen der Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) bei Grundschulkindern, wobei der Fokus auf dem Verständnis der Ursachen, den Möglichkeiten der Diagnose und den Ansätzen zur Förderung liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Klärung der Begrifflichkeiten, die medizinisch-psychologische Symptomatik, die wissenschaftlichen Theorien zur Entstehung sowie praxisnahe Förderstrategien im schulischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, angehenden Lehrkräften das nötige Wissen zu vermitteln, um LRS frühzeitig zu erkennen, Ursachen einzuordnen und adäquate, individuelle Fördermaßnahmen einzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse aktueller fachwissenschaftlicher Publikationen, Studien und ministerieller Erlasse, um den aktuellen Forschungsstand abzubilden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Symptomatik, Ursachenansätze (genetisch, neurologisch, phonologisch, soziologisch), Diagnoseverfahren und konkrete Förderprogramme für den Schulalltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind LRS, Legasthenie, Diagnose, Förderdiagnostik, phonologisches Bewusstsein, Prävention und pädagogische Förderung.
Welche Bedeutung kommt dem phonologischen Bewusstsein bei der Förderung zu?
Es gilt als fundamentale Voraussetzung für den Schriftspracherwerb; durch spezielles Training, wie das Würzburger Trainingsprogramm, wird die Fähigkeit geschult, Laute und Silben in Wörtern zu identifizieren.
Wie unterscheidet sich die pädagogische Diagnose von der klassischen Diagnose?
Während die klassische Diagnose meist auf standardisierte Tests setzt, betrachtet die pädagogische Diagnose das Kind ganzheitlich unter Einbeziehung des Lernverhaltens, der Motivation und der sozialen Bedingungen.
- Quote paper
- Antje Höfs (Author), 2004, Lese-Rechtschreibschwäche bei Grundschulkindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52420