Diese Arbeit befasst sich mit dem Thema der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg. Ziel ist es herauszufinden, ob das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation Anwendung im Polizeidienst finden kann und wie man es schafft, dieses Konzept in die Ausbildung junger Beamter zu implementieren.
In ihrer Ausbildung lernen angehende Polizisten und Polizistinnen, Konflikte möglichst verbal und deeskalierend zu lösen. Sie werden in den Bereichen "Training sozialer Kompetenzen" sowie "Berufsrollenreflexion" geschult, ihre Kommunikation zu verbessern und ihren Standpunkt klar und deutlich zu formulieren. Auch wird ihnen beigebracht, empathisch und souverän zu agieren. Ebenso wird gelehrt, dass Maßnahmen zur Not mit Zwang durchgesetzt werden dürfen, wenn die gesetzlichen Grundlagen dafür vorhanden sind. Das bedeutet, dass Zwang dort beginnt, wo die Kommunikation, Deeskalation und mildere Maßnahmen nicht möglich sind. Es wäre Wunschdenken anzunehmen, dass jeder Konflikt allein durch angepasste Rhetorik und deeskalative Gesprächsführung gelöst werden kann. Aber kann man mit Gewissheit sagen, dass in diesem Bereich der Ausbildung bereits genug getan wird? Werden die Beamten wirklich zu Genüge in der lageangepassten Kommunikation geschult oder besteht doch einiges an Nachholbedarf?
Aufgrund der aktuellen Zahlen aus den polizeilichen Kriminalstatistiken lässt sich herauslesen, dass die Gewalt gegenüber Polizeibeamten steigt – in einigen Bundesländern hat diese Rekordwerte zu verzeichnen. Den Beamten mehr rechtliche Befugnisse zu geben und sie besser auszurüsten kann ein Weg sein, der Gewalt entgegenzuwirken. Jedoch wäre es ebenso wichtig einen Blick darauf zu werfen, ob die Beamten nicht auch Nachholbedarf im Bereich der Gewaltfreien Kommunikation haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Polizeibeamte als Opfer von Gewalt
2.1. Entwicklung
2.2. Exkurs: Begriffsbestimmungen
2.2.1. Gewalt
2.2.2. Gewaltfreiheit
3. Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg
3.1. Konzept und Ziele der Gewaltfreien Kommunikation
3.2. Anwendung auf den Polizeidienst
4. Lösungsansätze
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg im polizeilichen Alltag Anwendung finden kann, um insbesondere in konfliktgeladenen Situationen deeskalierend zu wirken und die Ausbildung junger Polizeibeamter in ihrer Kommunikations- und Rhetorikkompetenz zu erweitern.
- Analyse der aktuellen Gewaltentwicklung gegenüber Polizeivollzugsbeamten
- Erläuterung der theoretischen Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation
- Identifikation von Kommunikationsblockaden im polizeilichen Arbeitsalltag
- Evaluierung der Integrationsmöglichkeiten der GFK in das polizeiliche Ausbildungscurriculum
Auszug aus dem Buch
3.1. Konzept und Ziele der Gewaltfreien Kommunikation
Rosenberg stellte sich bereits früh die Frage: „Was gibt uns die Kraft, die Verbindung zu unserer einfühlsamen Natur selbst unter schwierigsten Bedingungen aufrechtzuerhalten?“ (Rosenberg, 2016, S. 17). Nachdem er Nachforschungen anstellte, war er „erstaunt über die entscheidende Rolle der Sprache und des Gebrauchs von Wörtern“ (Rosenberg, 2016, S. 18).
So entdeckte er, dass man durch eine bestimmte Art der Kommunikation und des Zuhörens auf eine gleiche Ebene mit seinem Gegenüber kommen kann: „Seitdem habe ich einen spezifischen Zugang zur Kommunikation entdeckt – zum Sprechen und Zuhören -, der uns dazu führt, von Herzen zu geben, indem wir mit uns selbst und mit anderen auf eine Weise in Kontakt kommen, die unser natürliches Einfühlungsvermögen zum Ausdruck bringt. Ich nenne diese Methode Gewaltfreie Kommunikation[...]“ (Rosenberg, 2016, S. 18).
Hierbei erklärt Rosenberg, wie sich für ihn der Begriff Gewaltfrei definiert: „Ich [...] benutze den Begriff Gewaltfreiheit im Sinne von Ghandi: Er meint damit unser einfühlendes Wesen, das sich wieder entfaltet, wenn die Gewalt in unserem Herzen nachlässt“ (Rosenberg, 2016, S. 18). Somit hat Rosenberg keine allgemeingültige Definition aufgestellt. Er hat vielmehr die Gewaltfreiheit beschrieben und sich dabei auf den Widerstandskämpfer Mohandas Karamchand Ghandi bezogen, der seinerseits eine eigene Auffassung von Gewaltfreiheit vertrat. Gleichzeitig gibt Rosenberg zu, dass das Grundkonzept der GFK an sich nichts Neues darstellt: „alles, was in die GFK integriert wurde, ist seit Jahrhunderten bekannt. Es geht also darum, uns an etwas zu erinnern, das wir bereits kennen – nämlich daran, wie unsere zwischenmenschliche Kommunikation ursprünglich gedacht war“ (Rosenberg, 2016, S. 18).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die steigende Gewalt gegenüber Polizeibeamten und stellt die Forschungsfrage, ob das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation zur Deeskalation und Verbesserung der Ausbildung beitragen kann.
2. Polizeibeamte als Opfer von Gewalt: Dieses Kapitel analysiert aktuelle Statistiken zur Gewalt gegen Einsatzkräfte und definiert grundlegende Begriffe wie Gewalt und Gewaltfreiheit in einem polizeilichen Kontext.
3. Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg: Hier werden die theoretischen Konzepte der GFK, ihre Ziele und die vier zentralen Bereiche (Beobachtung, Gefühle, Bedürfnisse, Bitte) detailliert ausgeführt und auf den Dienstalltag bezogen.
4. Lösungsansätze: Es werden konkrete Möglichkeiten diskutiert, wie die GFK in das bestehende Ausbildungscurriculum der Polizei integriert werden könnte, um die soziale Kompetenz der Beamten zu stärken.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Empfehlung, die GFK als festen Bestandteil in die Polizeiausbildung aufzunehmen, um konstruktivere Kommunikationsweisen im Alltag zu fördern.
Schlüsselwörter
Polizei, Gewaltfreie Kommunikation, Deeskalation, Marshall B. Rosenberg, Kommunikationstraining, Polizeivollzugsbeamte, Konfliktlösung, Gewaltprävention, soziale Kompetenz, Polizeiausbildung, verbale Kommunikation, Bedürfnisse, Gefühle, Polizeilicher Alltag, Soft-Skills.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des Konzepts der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg im Arbeitsalltag von Polizeibeamten, um professioneller auf Widerstand und Gewalt zu reagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Ausarbeitung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Gewaltstatistiken gegenüber Beamten, der theoretischen fundierten Erklärung der GFK sowie der praktischen Implementierung dieser Methoden in die polizeiliche Ausbildung.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob GFK als Methode geeignet ist, um das polizeiliche Handeln durch bessere Kommunikation zu ergänzen und die Ausbildung im Bereich der sozialen Kompetenz qualitativ zu erweitern.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auseinandersetzung mit polizeispezifischen Lagebildern und psychologischen Fachbeiträgen zur Kommunikation im Dienst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Gewaltproblematik, eine tiefgehende Einführung in das GFK-Konzept sowie eine kritische Reflektion der Anwendbarkeit dieser Methode auf die spezifischen Strukturen und Anforderungen des Polizeidienstes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gewaltfreie Kommunikation, Polizeipraxis, Deeskalation, Ausbildungscurriculum und soziale Kompetenzen definiert.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Gewalt und Gewaltfreiheit?
Die Arbeit nutzt Ansätze von Reemtsma und Ziegler, um Gewalt als lozierende oder raptive Handlung einzuordnen und Gewaltfreiheit als bewusste, empathische Entscheidung zur Kommunikation abzugrenzen.
Warum ist laut der Arbeit eine Integration der GFK in die Ausbildung notwendig?
Die Arbeit argumentiert, dass Polizeibeamte in alltäglichen, routinierten Situationen oft zu einer unflexiblen Sprache neigen und durch GFK lernen können, ihr Gegenüber besser wahrzunehmen, um eine Eskalation frühzeitig zu verhindern.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2019, Gewaltfreie Kommunikation im Polizeidienst. Anwendung des Konzeptes nach Marshall B. Rosenberg auf den Polizeidienst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535725