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Die Repräsentation von Frauen auf kommunaler Ebene in Baden-Württemberg. Parteien als "Gatekeeper"?

Title: Die Repräsentation von Frauen auf kommunaler Ebene in Baden-Württemberg. Parteien als "Gatekeeper"?

Master's Thesis , 2019 , 86 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Angelika Holzäpfel (Author)

Politics - Basics and General
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Allem gesellschaftlichen Wandel zum Trotz tritt die parlamentarische Repräsentanz von Frauen in Deutschland auf der Stelle. Auf der Suche nach möglichen Gründen werden die Ergebnisse der Kommunalwahl 2014 in sechs kommunalen Gebietskörperschaften in Baden-Württemberg analysiert. Das Analysemodell basiert auf dem von Holtkamp et al. entwickelten Marktmodell, wonach drei Akteure die Repräsentation von Frauen in den Parlamenten maßgeblich beeinflussen: Kandidatinnenpool, Parteien und Wählermarkt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Rolle der Parteien als Gatekeeper.

Das gewählte Analysemodell bietet den Vorteil, dass es den Dualismus von handlungsorientierten und institutionalistischen Ansätzen aufhebt und miteinander verzahnt. Die in verschiedenen Studien unter den Begriffen Sozialisations-, Abkömmlichkeits-, Sozialstruktur-, Diskriminierungs-, Quotenthese und Wählerverhalten herausgearbeiteten Erklärungsvariablen für die Unterrepräsentanz von Frauen, werden den drei oben genannten Adressaten zugeordnet.

Die Mandatsverteilung stellt sich in diesem Modell als Ergebnis eines Marktprozesses mit zwei Selektionsstufen dar. Eine zentrale Rolle spielen hierbei die Parteien bzw. Wählervereinigungen, die zum einen in parteiinternen Nominierungsprozessen Personen aus dem Kandidatenpool auswählen, und zum anderen diese zu einem Angebot für den Wählermarkt auf ihren Listen bündeln. Eine besondere Berücksichtigung erfahren in dieser Untersuchung auch die kommunalen Spezifika.

Die Untersuchung zeigt unter anderem, dass der Einfluss der Parteien zwar groß ist, durch das Wahlsystem in Baden-Württemberg aber auch eine deutliche Einschränkung erfährt, da hier die Rolle des Wählermarkts durch die Möglichkeit des Kummulierens und Panaschierens gestärkt wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Analyserahmen

2.1 Forschungsstand zur kommunalen Frauenrepräsentanz

2.2 Erklärungsmodell für kommunale Frauenrepräsentanz auf Grundlage des akteurzentrierten Institutionalismus

2.2.1 Der akteurzentrierte Institutionalismus

2.2.2 Das Erklärungsmodell für kommunale Frauenrepräsentanz

2.3 Angewandte Untersuchungsmethode, Aufbau und Zielsetzung

3. Frauenunterrepräsentanz in den sechs kommunalen Untersuchungseinheiten

3.1 Sitzanteile und Frauenanteile

3.1.1 Gemeinderäte der Großstädte

3.1.2 Kreistage

3.2 Listenaufstellungen der Quoten- und Quorumsparteien für die Kommunalwahl 2014

3.2.1 Listenaufstellung der Grünen

3.2.2 Listenaufstellung der Linken

3.2.3 Listenaufstellung der SPD

3.2.4 Listenaufstellung der CDU

3.3 Betrachtung des Wählermarkts.

3.3.1 Verhalten des Wählermarkts in den Großstädten

3.3.2 Verhalten des Wählermarkts in den Landkreisen

3.3.3 Das Verhalten des Wählermarkts und die Größe der Listenwahlkreise

3.4 Kandidatenpool: Auswahl der Kandidatinnen –Untersuchung auf Grundlage von Interviews

3.4.1 Sozialisationsthese

3.4.2 Abkömmlichkeitsthese

3.4.3 Sozialstrukturthese

4. Diskussion der Ergebnisse

4.1 Rückbezug auf die Hypothesen und die Forschungsfrage

4.2 Überlegungen zum Erklärungsmodell für kommunale Frauenrepräsentanz

4.2.1 Der Akteur Partei

4.2.2 Der Akteur Kandidatenpool

4.2.3 Der Akteur Wählermarkt

5 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Ursachen für die Unterrepräsentanz von Frauen in Kommunalparlamenten in Baden-Württemberg. Im Fokus steht dabei die Analyse der Rolle von Parteien als „Gatekeeper“ sowie der Einfluss des Wählermarkts und des Kandidatenpools unter Anwendung des Modells des akteurzentrierten Institutionalismus.

  • Analyse der Listenaufstellungspraxis der Parteien (Grüne, Linke, SPD, CDU).
  • Untersuchung der Rolle der Parteien als „Gatekeeper“ bei der Nominierung.
  • Erforschung des Wählerverhaltens (Kumulieren und Panaschieren) und dessen Auswirkung auf die Frauenrepräsentanz.
  • Vergleichende Betrachtung von städtisch geprägten Großstädten und ländlichen Landkreisen.
  • Auswertung von Experteninterviews mit Gemeinderätinnen zu Barrieren im politischen Ehrenamt.

Auszug aus dem Buch

2.1 Forschungsstand zur kommunalen Frauenrepräsentanz

Von einer Unterrepräsentanz der Frauen spricht die Forschung, wenn ihr Sitzanteil im Parlament deutlich unter dem Bevölkerungsanteil liegt, der im vergangenen Jahr in Deutschland 51% betrug (Holtkamp/Schnittke 2010: 73). Paritätisch besetzte Kommunalparlamente gab es nach den Wahlen 2014 in Baden-Württemberg lediglich in 10 von 1101 Gemeinden, eine weibliche Ratsmehrheit fand sich in keinem Gemeinderat (Autzen 2014: 36).

Mit Ausnahme der baden-württembergischen Kommunalräte, werden alle in der Einleitung aufgeführten Positionen über eine Direktkandidatur vergeben. Das gilt für die Wahlkreisabgeordneten für den Bundestag, genauso wie für alle Landtagsmandate in Baden-Württemberg und die Wahl der (Ober-) Bürgermeister*innen. Frauen haben es in Duellsituationen – also in direkter Konkurrenz mit anderen Kandidat*innen um lediglich ein zu vergebendes Mandat – schwer, sich durchzusetzen (s. bspw. Norris 2004: 187). Solche stark personenbezogene Elemente im Wahlsystem stellen für den Wahlerfolg von Frauen ein Hindernis dar (Holtkamp/Schnittke 2008: 56), wie auch die in der Einleitung angeführten Zahlen belegen. Die Studie von Davidsohn-Schmich/Kürschner zeigt, dass bei den Direktkandidaturen für den Bundestag 2009 auch die Quotenparteien Grüne und Linke mit einem Frauenanteil von 36% bzw. 28% deutlich hinter dem selbstgesteckten Ziel einer paritätischen Besetzung zurückblieben (Davidsohn-Schmich/Kürschner 2011: 31).

Dem Verhältniswahlrecht dagegen wird eine positive Auswirkung auf die Geschlechterparität bescheinigt. Hier findet kein direkter Vergleich zwischen den Kandidat*innen statt und die Entscheidungsprozesse im Nominierungsverfahren sind anders geprägt als in Duellsituationen, die für die beteiligten Akteure ein Nullsummenspiel darstellen. Quotenregelungen lassen sich bei der Listenaufstellung im Verhältniswahlrecht besser anwenden. Dadurch dass mehrere Kandidaturen sozusagen „im Paket“ vergeben werden, besteht ein Anreiz für die Parteien, die Listen ausgewogen nach strategischen Gesichtspunkten zu besetzen (Holtkamp et al. 2013: 7f). Dieses als „ticket-balancing“ bezeichnete Vorgehen, wird mit Blick auf die Balance der Geschlechter von den Parteien, die eine Quote eingeführt haben, entsprechend ihrer freiwilligen Selbstverpflichtung in der Regel zumindest in den Großstädten eingehalten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beschreibt das Problem der Frauenunterrepräsentanz in Parlamenten, insbesondere in Baden-Württemberg, und führt in die Fragestellung zur Rolle der Parteien ein.

2. Theoretischer Analyserahmen: Erläutert den akteurzentrierten Institutionalismus als theoretisches Gerüst und stellt das Erklärungsmodell für kommunale Frauenrepräsentanz vor.

3. Frauenunterrepräsentanz in den sechs kommunalen Untersuchungseinheiten: Analysiert empirisch die Sitzanteile, Listenaufstellungen und den Wählermarkt sowie den Kandidatenpool in den untersuchten Städten und Landkreisen.

4. Diskussion der Ergebnisse: Reflektiert die Befunde kritisch im Rückbezug auf die aufgestellten Hypothesen und diskutiert die theoretische Relevanz der Akteure Partei, Wählermarkt und Kandidatenpool.

5 Fazit und Ausblick: Fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und gibt Empfehlungen für Politik und weitere wissenschaftliche Forschung zur Frauenförderung.

Schlüsselwörter

Frauenrepräsentanz, Kommunalpolitik, Baden-Württemberg, Parteien, Gatekeeper, Wählermarkt, Wahlsystem, Verhältniswahl, Quotenthese, Kandidatenpool, Sozialisation, Abkömmlichkeit, Sozialstruktur, Politische Partizipation, Gleichstellung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Masterarbeit befasst sich mit der Repräsentation von Frauen in Kommunalparlamenten in Baden-Württemberg und analysiert, warum Frauen dort im Vergleich zu ihrem Bevölkerungsanteil unterrepräsentiert sind.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Aspekte sind der Einfluss von Wahlsystemen, die Rolle von Parteien bei der Nominierung, das Wählerverhalten bei offenen Listenwahlen sowie die sozioökonomischen Faktoren des Kandidatenpools.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Rolle der Parteien als „Gatekeeper“ in einem Marktmodell zu untersuchen und zu analysieren, welche Mechanismen (insbesondere durch das Wahlsystem) die Frauenrepräsentanz auf kommunaler Ebene hemmen oder fördern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine quantitative Analyse der Wahlergebnisse (Listenaufstellungen und Mandatsverteilung 2014) mit qualitativen Interviews mit Gemeinderätinnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine deskriptive Auswertung der Frauenanteile in den Untersuchungskommunen, eine Analyse der Listenplatzierungen und eine Ursachenanalyse basierend auf dem Expertenwissen aus Interviews.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Frauenrepräsentanz, Gatekeeper-Funktion, Verhältniswahl, Kumulieren und Panaschieren sowie sozioökonomische Thesen (Sozialisations-, Abkömmlichkeits-, Sozialstrukturthese) geprägt.

Welche Rolle spielen die Freien Wähler bei der Frauenunterrepräsentanz?

Die Untersuchung zeigt, dass Freie Wähler keine verbindlichen Quoten haben und ihre Wahlerfolge oft durch die Aufstellung bekannter Persönlichkeiten erzielen, was für Frauen in ländlichen Gebieten einen zusätzlichen Nachteil darstellen kann.

Zu welchem Schluss kommt die Untersuchung bezüglich des Wählermarkts?

Der Wählermarkt nutzt die Möglichkeit des Kumulierens und Panaschierens teilweise dazu, Frauen von aussichtsreichen Listenplätzen auf schlechtere Positionen zu wählen, wobei dieser Effekt je nach Wählerklientel variiert.

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Details

Title
Die Repräsentation von Frauen auf kommunaler Ebene in Baden-Württemberg. Parteien als "Gatekeeper"?
College
University of Hagen  (Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften)
Course
Studiengang Governance
Grade
1,0
Author
Angelika Holzäpfel (Author)
Publication Year
2019
Pages
86
Catalog Number
V536257
ISBN (eBook)
9783346132635
ISBN (Book)
9783346132642
Language
German
Tags
Abkömmlichkeitsthese Acting for Akteurkonstellation Akteurzentrierter Instutionalismus Baden-Württemberg Calw CDU Critical Mass Deskriptive Repräsentation Direktmandat Diskriminierungsthese Duellsituation Frauenquote Gatekeeper Gemeindegröße Gemeinderat Ulm Karlsruhe Stuttgart Heidenheim Göppingen Grüne Handlungsressourcen Holtkamp Institutionen Institutioneller Kontext Intentionalität Interessengruppen Interaktion Kandidat Kandidatenpool Kandidatur Kommunale Frauenrepräsentanz Kreistag Landesliste Linke Listenaufstellung Listenwahlkreis Magisches Dreieck Marktmodell Mehrheitswahlrecht Nominierung Nominierungsprozess Normen Nullsummenspiel Old-boys-networks Parlament Mandat Partei Party magnitude Präferenz Quote Quotenthese Repräsentanz Unterrepräsentanz Repräsentation Repräsentationsniveau Wiechmann Schnittke Scharpf Mayntz Hoecker Standing for Substantielle Repräsentation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Angelika Holzäpfel (Author), 2019, Die Repräsentation von Frauen auf kommunaler Ebene in Baden-Württemberg. Parteien als "Gatekeeper"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536257
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