Cornelia Funke arbeitet mit unterschiedlichen Möglichkeiten, um im Buch Tintenherz dem Lesen wieder mehr Achtung zu schenken. Durch transtextuelle Methoden und der Verwendung verschiedener literarischer Werke soll das Werk eine Mehrfachadressierung möglich machen, es soll nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene ansprechen. Im Folgenden soll erläutert werden, wie Cornelia Funke den Leseprozess mit Hilfe intertextueller und paratextueller Verweise motiviert.
Cornelia Funke zieht mit ihrem Werk Tintenherz nicht nur Leserinnen und Leser in eine neue Geschichte, sondern auch Figuren aus bereits bekannten literarischen Werken. Durch den Prozess des Lesens entsteht erst die ganze Handlung von Tintenherz, denn einige der Hauptfiguren stammen nicht ursprünglich aus der textinternen Realität – nein – sie sind aus einem Buch herausgelesen worden, sie sind aufgestiegen in eine neue Welt und nun lebendig. Cornelia Funke misst dem Medium Buch sehr viel Wert bei, Tintenherz ist eine ganze Sammlung aus verschiedensten literarischen Werken anderer Autoren und soll der Leserin und dem Leser zeigen, dass man mit Hilfe von Lesen vergessen kann, denn wenn ein Buch spannend ist, versinkt man darin und wird Teil dieser Welt.
Inhaltsverzeichnis
1 Eintauchen in neue Welten
2 Transtextualität nach Genette
3 Transtextualität in Tintenherz
3.1 Paratextualität: Paratext „Tintenherz “ – das Buch im Buch
3.2 Intertextualität: Frodo, Pinocchio und Pu in der Tintenwelt – Zitate in Tintenherz
3.2.1 Zitate als Hilfe für Figurencharakterisierungen
3.2.2 Zitate liefern Verlaufshinweise
3.2.3 Zitate als Mittel zur Figurenkommunikation
4 Begriffsklärung Narrative Metalepse
4.1 Begriffsklärung Aufsteigende Metalepsen
4.2 Intertextualität mit Metalepsen in der Trilogie: Grenzüberschreitung – Eintauchen in eine neue Welt
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Cornelia Funke in ihrer Tintenwelt-Trilogie durch transtextuelle Methoden und narrative Metalepsen den Leseprozess aktiv mitgestaltet und motiviert. Dabei wird analysiert, inwiefern die Verknüpfung von real existierender Literatur mit der fiktionalen Handlung eine Mehrfachadressierung ermöglicht und das Medium Buch als zentrales Element der Erzählung hervorhebt.
- Transtextualität nach Gérard Genette als theoretisches Fundament
- Intertextualität: Die Funktion von Zitaten in Tintenherz
- Analyse narrativer Metalepsen und Grenzüberschreitungen zwischen Erzählebenen
- Die Rolle der Literatur als Kommunikationsmittel und Figurenelement
- Wechselwirkungen zwischen Rahmenerzählung und Binnenwelten
Auszug aus dem Buch
Intertextualität: Frodo, Pinocchio und Pu in der Tintenwelt – Zitate in Tintenherz
Die Intertextualität tritt in verschiedenen Formen auf, zunächst werden die Zitate am Anfang jedes Kapitels untersucht. Danach wird die Einflussnahme verschiedener literarischer Werke auf die Handlung näher beleuchtet.
Die Zitate am Anfang jedes Kapitels haben mehrere Funktionen, sie dienen nicht nur der Figurencharakterisierung, sondern können die Leserin oder den Leser mutmaßen lassen, was im folgenden Kapitel, oder im Verlauf des ganzes Werkes passieren wird. Die Zitate sind graphisch vom Basistext abgegrenzt, sie unterscheiden sich hinsichtlich Schriftart und Schriftgröße, sind zusätzlich mit Verzierungen ausgestattet und verweisen am Ende des Zitates auf den Titel des Buches sowie dessen Autor. Des Weiteren sind sie im Quellenverzeichnis aufgelistet, durch welches deutlich wird, dass es sich hier um Intertextualität handeln muss, da die Zitate nachweislich aus anderen literarischen Werken entnommen wurden. Die Figuren des Buches kommen jedoch nicht mit ihnen in Verbindung, sondern nur die Leserin bzw. der Leser des Werkes!
Zusammenfassung der Kapitel
1 Eintauchen in neue Welten: Einführung in die Bedeutung des Mediums Buch für Cornelia Funke und Erläuterung der Motivation, den Leseprozess durch intertextuelle und paratextuelle Verweise zu bereichern.
2 Transtextualität nach Genette: Definition und Erläuterung der fünf Kategorien der Transtextualität nach Gérard Genette sowie deren theoretische Relevanz für die nachfolgende Untersuchung.
3 Transtextualität in Tintenherz: Analyse der konkreten Anwendung von Intertextualität und Paratextualität in Cornelia Funkes Werk, insbesondere durch kapiteleinleitende Zitate und die Rolle des Bucheinbands.
4 Begriffsklärung Narrative Metalepse: Klärung des Begriffs der Metalepse als Schwelle zwischen narrativen Ebenen sowie theoretische Abgrenzung von aufsteigenden und absteigenden Metalepsen.
5 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, wonach Funkes Arbeit transtextuelle Elemente nutzt, um ein identifikatorisches Leseerlebnis zu schaffen und die Liebe zum Medium Buch zu zelebrieren.
Schlüsselwörter
Transtextualität, Intertextualität, Paratextualität, Metalepse, Cornelia Funke, Tintenherz, Erzähltheorie, Gérard Genette, Literaturwissenschaft, Buchmedium, Diegese, Literaturvermittlung, Figurencharakterisierung, Lesermotivation, Phantastik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die erzähltechnischen Besonderheiten in Cornelia Funkes Tintenwelt-Trilogie, wobei der Fokus auf dem Einsatz von Transtextualität und Metalepsen liegt.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Zentrale Themen sind die Intertextualität durch Zitate, paratextuelle Elemente wie Buchumschläge sowie das Phänomen der narrativen Metalepse als Grenzüberschreitung zwischen fiktionalen Welten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch diese literarischen Mittel ein komplexer Leseprozess gestaltet wird und das Buch als Medium innerhalb der Erzählung eine zentrale Rolle einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Untersuchung basiert auf der erzähltheoretischen Systematik nach Gérard Genette, ergänzt durch Ansätze zur Intertextualität und Analysen zur narrativen Metalepse in der phantastischen Literatur.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Transtextualität dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Zitate in Tintenherz und einer Untersuchung von Metalepsen bei der Interaktion zwischen verschiedenen Erzählebenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Transtextualität, Intertextualität, Paratextualität, Metalepse, Diegese und das Medium Buch.
Inwieweit spielen Zitate eine Rolle für die Figuren?
Die Zitate dienen nicht nur als schmückendes Beiwerk, sondern werden aktiv zur Figurencharakterisierung, zur Vorwegnahme von Handlungsverläufen und als Mittel zur Kommunikation zwischen den handelnden Personen eingesetzt.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Erzählebenen?
Die Arbeit differenziert zwischen der extradiegetischen Rahmenerzählung (reale Welt), der intradiegetischen Ebene (Tintenwelt) und der metadiegetischen Ebene (Bücherwelten), um die metaleptischen Sprünge zu veranschaulichen.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2019, Cornelia Funkes Liebeserklärung an das Medium Buch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536277