Der "Schwarze Herzog" verlor nach der Niederlage Preußens bei Jena und Auerstedt sein Herzogtum und seine Heimatstadt Braunschweig. Um seine Stadt zu befreien, stellt er ein Freikorps auf, mit welchem er Braunschweig zurückeroberte. Der Herzog wurde lange Zeit als Held gefeiert. In dieser Arbeit wird untersucht, in wieweit diese Legende über ihn der Wahrheit entspricht.
Um dies zu untersuchen, wurden einige zeitgenössische Lieder untersucht. Da Lieder schnell verbreitet werden können und dem Großteil der Bevölkerung zugänglich sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass diese zur Verbreitung der Taten des Schwarzen Herzogs beigetragen haben, und zum Teil dafür verantwortlich sind, dass der Heldenkult um ihn entstanden ist.
Das Thema ist von wissenschaftlicher Relevanz, da der Schwarze Herzog mit seinem Feldzug einen wichtigen Grund dafür lieferte, dass in Norddeutschland die antinapoleonische Stimmung zunahm. Der Erfolg während der späteren Befreiungskriege steht also in Zusammenhang mit dem Zug der Schwarzen Schar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausgangssituation
2.1 Europa unter Napoleon
2.2 Widerstand gegen Napoleon im deutschsprachigen Raum
3. Friedrich Wilhelm von Braunschweig und der Zug der Schwarzen Schar
4. Der Schwarze Herzog – Ein Held?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe der Entstehung des Heldenkultes um Friedrich Wilhelm von Braunschweig, bekannt als der „Schwarze Herzog“. Anhand zeitgenössischer Lieder und historischer Sekundärliteratur analysiert der Autor, wie die Unternehmungen der „Schwarzen Schar“ wahrgenommen wurden und welche Faktoren zur Heroisierung der Person und ihrer militärischen Aktionen im Kontext der napoleonischen Fremdherrschaft beitrugen.
- Die politische und militärische Ausgangslage im napoleonischen Europa
- Vergleich verschiedener Widerstandsbewegungen gegen die französische Besatzung
- Die Biographie Friedrich Wilhelms von Braunschweig und die Geschichte der Schwarzen Schar
- Analyse der zeitgenössischen Heldenverehrung durch Lieder und Texte
Auszug aus dem Buch
3. Friedrich Wilhelm von Braunschweig und der Zug der Schwarzen Schar
Friedrich Wilhelm wurde am 9. Oktober 1771, als sechstes Kind von Carl Wilhelm Ferdinand, geboren und war damit der vierte und jüngste Sohn. Er begann 1788 seinen Dienst im preußischen Militär und nahm so auch am Ersten Koalitionskrieg als preußischer Offizier Teil.29
Auf Druck seines Vaters, der um das Aussterben des Hauses Braunschweig fürchtete, da ihm noch kein Enkel geschenkt wurde, verlobte sich Friedrich Wilhelm im Jahr 1801 mit Marie von Baden, der Tochter des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden.30 Auch wenn Friedrich Wilhelm nur der viertgeborene Sohn des Braunschweiger Herzogs war, fiel ihm trotzdem die Erbfolge zu. Sein ältester Bruder, Karl Georg August, starb im September 1806 und da seine beiden weiteren Brüder nicht regierungsfähig waren, verzichteten diese zu seinen Gunsten auf den Thron.31
Im Vierten Koalitionskrieg war Friedrich Wilhelm maßgeblich für die preußische Niederlage bei der Belagerung von Lübeck verantwortlich, da er aufgrund eines taktischen Fehlers den französischen Truppen ermöglichte, die Stadt zu betreten und dadurch die preußischen Offiziere Scharnhorst und Blücher gefangen zu nehmen. Schon in zeitgenössischen Berichten wurde er als Schuldiger für die preußische Niederlage ausgemacht, und auch wenn ihn Christopher Schulze in seiner Biographie verteidigt und auf seine Unerfahrenheit in Belagerungen hinweist, sollte er als einer der Hauptverantwortlichen genannt werden.32
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach der Entstehung des Heldenkultes um den „Schwarzen Herzog“ vor und erläutert die methodische Herangehensweise durch die Untersuchung zeitgenössischer Lieder.
2. Ausgangssituation: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über die napoleonische Herrschaft in Europa, die Reformen in Preußen und die verschiedenen Widerstandsbewegungen im deutschsprachigen Raum.
3. Friedrich Wilhelm von Braunschweig und der Zug der Schwarzen Schar: Hier wird die Biographie des Herzogs beleuchtet und der Verlauf des militärischen Feldzuges der „Schwarzen Schar“ von der Aufstellung bis zur Flucht nach England detailliert beschrieben.
4. Der Schwarze Herzog – Ein Held?: Dieses Kapitel analysiert, wie in zeitgenössischen Liedern der Herzog heroisiert wurde und inwieweit diese Darstellungen mit den historischen Ereignissen korrespondieren.
5. Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und erklärt die Entstehung des Heldenkultes als Zusammenspiel aus der Stimmung in der Bevölkerung, der militärischen Unbesiegbarkeit des Herzogs während des Zuges und seiner Rolle als Identifikationsfigur.
Schlüsselwörter
Schwarzer Herzog, Friedrich Wilhelm von Braunschweig, Schwarze Schar, Napoleon, Widerstandsbewegung, Heldenkult, Befreiungskriege, Königreich Westphalen, Patriotismus, napoleonische Herrschaft, Freikorps, Ferdinand von Schill, Andreas Hofer, 1809, zeitgenössische Lieder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Person Friedrich Wilhelms von Braunschweig und seinem militärischen Zug mit der „Schwarzen Schar“ gegen die napoleonische Herrschaft im Jahr 1809 sowie der Entstehung des um ihn gewachsenen Heldenkultes.
Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?
Neben der Biographie des Herzogs stehen die politische Situation unter Napoleon, der Widerstand im deutschsprachigen Raum, die Analyse zeitgenössischer Propagandalieder und die Legitimierung militärischen Handelns im Zentrum.
Was ist das zentrale Forschungsziel?
Das Ziel ist es, zu erklären, warum Friedrich Wilhelm trotz fehlender nachhaltiger politischer Erfolge zu einem bekannten Nationalhelden aufstieg und welche Rolle die zeitgenössische Kultur dabei spielte.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Der Autor arbeitet primär mit einer historischen Analyse von Sekundärliteratur und einer quellenkritischen Untersuchung von zeitgenössischen Liedtexten, um deren Gehalt mit den tatsächlichen historischen Fakten abzugleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Ausgangslage, eine Darstellung der Lebensgeschichte des Herzogs und seines Feldzuges sowie eine Untersuchung der Heroisierung in der zeitgenössischen Literatur.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind der Schwarze Herzog, napoleonische Herrschaft, Heldenkult, Widerstandsbewegung und die Befreiungskriege.
Wie unterscheidet sich Friedrich Wilhelm von anderen Freiheitskämpfern wie Schill oder Hofer?
Der Autor stellt heraus, dass Friedrich Wilhelm im Gegensatz zu Schill oder Hofer nicht als Märtyrer starb, was die Hoffnung auf eine Fortsetzung seines Kampfes in der Bevölkerung lebendig hielt.
Welche Rolle spielten die Verluste des Herzogs für den Heldenkult?
Der Verlust seines Herzogtums und der Tod seiner Frau werden als zentrale Elemente interpretiert, die seinem Handeln eine moralische Legitimation verliehen und in der Bevölkerung Mitgefühl und Verständnis erzeugten.
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- Simon Heinemann (Author), 2018, Widerstand gegen Napoleon. Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel und der Zug der Schwarzen Schar, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536295