Der Begriff Prokrastination bezeichnet das Aufschieben von Aufgaben oder Entscheidungen. Der Betroffene führt die Verzögerung dabei selbst herbei. Für zahlreiche Arbeitnehmer in Deutschland steht Prokrastination an der Tagesordnung. Das Verhalten ist jedoch nicht ungefährlich. Es sorgt nicht nur für betriebliche und organisatorische Schäden, sondern kann auf lange Sicht auch das Burnout-Syndrom auslösen.
Unter welchen Bedingungen kann es soweit kommen? Wie hängen Prokrastination und Burnout zusammen? Welche Rolle spielen die Beziehung zur Führungskraft sowie das Betriebsklima? Um diese Fragen zu klären, erörtert die Publikation den theoretischen Hintergrund, greift aber auch auf Daten aus der Praxis zurück.
Die Publikation gibt zunächst einen Überblick über die Themenfelder Prokrastination und Burnout. Anschließend widmet sie sich interessanten Teilaspekten sowie überraschenden Einflussfaktoren wie der Beziehung zur Führungskraft, dem Organisationsklima sowie dem Person-Job-Fit. Eine eigens erstellte Umfrage sichert den praktischen Bezug der Ergebnisse ab.
Aus dem Inhalt:
- Leader Member Exchange;
- Arbeitsmodell;
- Mitarbeiterführung;
- Mitarbeitermotivation;
- Human Resources;
- Personalmanagement
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Gegenstand und Problemstellung
1.2 Aufbau der wissenschaftlichen Arbeit
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Das Konstrukt Prokrastination
2.2 Das Burnout-Syndrom
2.3 Leader Member Exchange
2.4 Person-Job-Fit
2.5 Organisationsklima
3. Zielbild der Arbeit
4. Forschungsfragen und Hypothesen
5. Methode
5.1 Untersuchungsdesign
5.2 Beschreibung der Zielgruppe
5.3 Messinstrumente und diagnostisches Verfahren zur Datenerhebung
5.4 Datenerhebung durch Online-Umfrage
5.5 Datenauswertung
6. Ergebnisse
6.1 Beschreibung der Stichprobe
6.2 Beschreibung der Ergebnisse des Forschungsmaterials
6.3 Betrachtung des Forschungsthemas
6.4 Überprüfung der aufgestellten Hypothesen
7. Diskussion
8. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Prokrastination und Burnout im beruflichen Kontext, wobei die moderierenden Einflüsse der Führungsbeziehung, des Organisationsklimas und der Passung zwischen Person und Arbeitsplatz analysiert werden.
- Analyse der Korrelation zwischen Prokrastinationstendenzen und dem Burnout-Syndrom.
- Einfluss der Leader-Member-Exchange (LMX) Beziehung auf das Burnout-Erleben.
- Bedeutung des Organisationsklimas und des Person-Job-Fits für die psychische Resilienz.
- Quantifizierung des Bedingungsmodells mittels Online-Befragung bei Arbeitnehmern.
- Ableitung von Empfehlungen für Organisationsentwicklung und Change-Management.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Begriffserklärung und Definition von Prokrastination
Der Ausdruck „Prokrastination“ beschreibt die Verlagerung einer Entscheidung oder einer Aktivität von einem früheren auf einen späteren Zeitpunkt (Höcker et al., 2017). Das englische „to procrastinate“ geht auf das lateinische Verb procrastinare zurück, welches „aufschieben“ oder „vertagen“, aber ohne wertende Nebenbedeutung, übersetzt. Früher im alten Rom war der Ausdruck procrastinare durchaus auch positiv gewertet, gemeint war das kluge Aufschieben im Rahmen militärischer Taktik (Helmke & Schrader, 2000). Es war also eine durchaus weise und geschickte Entscheidung, nicht zu handeln und abzuwarten (J. R. Ferrari, Johnson & MacCown, 1995). Erst in jüngeren Zeit, mit der industriellen Revolution, bekam der englische Ausdruck procrastination negative Bedeutung im Kontext des Aufschiebens und des Vermeidungsverhaltens (Helmke & Schrader, 2000). In der Gegenwart wird entgegen der ursprünglichen Interpretation das Aufschieben als unüberlegten Handelns verwendet (Höcker et al., 2017).
In dieser Arbeit werden die Begriffe Prokrastination, Aufschieben und Aufschiebeverhalten als Synonyme verwendet. Personen, die dieses Verhalten zeigen, werden im Verlauf als Prokrastinierende benannt.
Im Vergleich zur Forschung der Persönlichkeitspsychologie gibt es im Verhältnis dazu, sehr wenige Erkenntnisse über Prokrastination. Vereinzelte Studien wurden bereits in den 70er Jahren in Amerika durchgeführt. Ein stärkeres Interesse ergab sich für dieses Thema erst in den 1990er Jahren. Die meisten Untersuchungen stammen aus dem englischsprachigen Raum. Rund 90 % befassen sich mit „akademischer Prokrastination“, hiermit ist die Prokrastination von Studierenden gemeint. Unter Studenten ist Prokrastination wie bereits im Kapitel 1.1. ein weit verbreitetes Phänomen.
Im Rahmen der bisherigen Forschungsliteratur lässt sich das Phänomen Prokrastination unterschiedlich definieren. Eine interessante Definition wurde von Katrin Klingsieck (2013) vorgeschlagen und bezieht sich auf eine nicht zielgerichtete oder negative Prokrastination. Diese kennzeichnet sich an Hand von den folgenden sieben Merkmale (Klingsieck, 2013):
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Hinführung zum Thema Prokrastination, Definition der Aufschieberitis und deren Relevanz im beruflichen Kontext sowie Aufbau der Arbeit.
2. Theoretische Grundlagen: Detaillierte Darstellung der Konstrukte Prokrastination und Burnout, LMX-Theorie, Person-Job-Fit sowie Organisationsklima als Einflussfaktoren.
3. Zielbild der Arbeit: Formulierung der zentralen Forschungsfrage und Skizzierung des empirischen Forschungsmodells.
4. Forschungsfragen und Hypothesen: Herleitung der neun Hypothesen auf Basis der theoretischen Erkenntnisse.
5. Methode: Beschreibung des quantitativen Forschungsdesigns, der Stichprobenberechnung und der verwendeten Messinstrumente.
6. Ergebnisse: Deskriptive Auswertung der erhobenen Daten und inferenzstatistische Überprüfung der Hypothesen.
7. Diskussion: Interpretation der statistischen Befunde im Kontext der Theorie und kritische Reflektion der gewählten Methodik.
8. Zusammenfassung und Ausblick: Zusammenführung der Ergebnisse und Empfehlungen für künftige Forschungsaktivitäten.
Schlüsselwörter
Prokrastination, Burnout-Syndrom, Aufschieberitis, Leader Member Exchange, LMX-Theorie, Person-Job-Fit, Organisationsklima, Arbeitspsychologie, emotionale Erschöpfung, quantitative Forschung, Selbstregulation, Arbeitsbelastung, psychische Gesundheit, berufliches Umfeld, Personalentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern eine Tendenz zur Prokrastination im beruflichen Kontext die Burnout-Gefährdung von Arbeitnehmern beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind Prokrastination, Burnout, die Führungsbeziehung (LMX), die Passung von Mitarbeiter und Job (Person-Job-Fit) sowie das Organisationsklima.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, inwieweit die Prokrastinationstendenz von Arbeitnehmern mit Anzeichen von Burnout in Zusammenhang steht und welche Rolle dabei Kontextfaktoren wie das Organisationsklima oder die Beziehung zur Führungskraft spielen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor führt eine quantitative Querschnittsstudie mittels eines Online-Fragebogens durch, wobei zur Auswertung statistische Verfahren wie Korrelationsanalysen und multivariate Regressionsanalysen verwendet werden.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Aufarbeitung der Konstrukte sowie einen umfangreichen empirischen Teil, in dem die aufgestellten Hypothesen statistisch geprüft und diskutiert werden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern gehören Prokrastination, Burnout, Organisationsklima, LMX-Beziehung und Person-Job-Fit.
Gibt es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Prokrastination und Burnout?
Ja, die Ergebnisse zeigen einen signifikanten positiven Zusammenhang (r = 0.459) zwischen der Prokrastinationstendenz und der emotionalen Erschöpfung als Burnout-Leitsymptom.
Welche Rolle spielt die Führungskraft im untersuchten Modell?
Die Qualität der Führungskraft-Mitarbeiter-Beziehung (LMX) hat einen signifikanten hemmenden Einfluss auf die Burnout-Tendenz des Arbeitnehmers.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Burnout durch Prokrastination? Hintergründe, Zusammenhang und wichtige Einflussfaktoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536577