Die vorliegende Seminararbeit behandelt Themen wie Andersartigkeit, Machtsicherung, Neidmotive und An- und Nichtanerkennung in dem Werk Medea. Stimmen von Christa Wolf.
Es soll die Frage geklärt werden, wie es zur Aberkennung Medeas kommen konnte und welche Faktoren hierbei eine Rolle im Hinblick auf die eigene Machtsicherung der anderen Parteien spielen. Ein Augenmerk wird bei dieser Gelegenheit auf zwei tragende Stimmen, Akamas und Agameda, gelegt, die Medea aus Gründen der eigenen Machtsicherung nicht anerkennen wollen. Das Ziel der Arbeit ist, ein emanzipiertes Frauenbild anhand einer außergewöhnlichen Persönlichkeit darzustellen. Medea nimmt die Rolle einer beeindruckenden Heldin ein, die mit ihrer Lebensweise voll von Humanität, Wissen, Güte und Charakterstärke ihre Zeit und Gesellschaft hoch überragt.
Zu diesem Zweck werden zunächst die bereits kurz angesprochenen Begriffe Anerkennung, Rache und Neid im Kontext dieser Arbeit näher definiert, bevor in einem nächsten Abschnitt näher auf die Vergleiche zwischen Kolchis und Korinth eingegangen wird. Daran schließt sich eine Analyse der Figuren der Agameda, der Akamas und der Medea selber an, bevor ein abschließendes Resümee gezogen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 BEGRIFFSERKLÄRUNG
2.1 Der Begriff Anerkennung
2.2 Der Begriff Macht
2.3 Der Begriff Neid
3 VERGLEICH VON KOLCHIS UND KORINTH
3.1 Kulturelle Unterschiede in der Rollenverteilung
3.2 Das Machtgefüge
3.3 Zerstörung der Anerkennung
4 FIGURENANALYSE
4.1 Agameda
4.2 Akamas
4.3 Medea
5 RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht in Christa Wolfs Werk "Medea. Stimmen", wie die Protagonistin durch ein Geflecht aus Neid, Machtsicherung und Nichtanerkennung zur Außenseiterin wird. Ziel ist es, das emanzipierte Frauenbild der Medea einerseits und die destruktiven Mechanismen der korinthischen Machteliten andererseits aufzuzeigen.
- Analyse der Begriffe Macht, Anerkennung und Neid
- Gegenüberstellung der gesellschaftlichen Strukturen in Kolchis und Korinth
- Untersuchung der Antagonisten Akamas und Agameda als Machtsicherer
- Hinterfragung der Medea-Figur als emanzipierte Heldin
- Deutung der Ausgrenzung als universelles gesellschaftliches Phänomen
Auszug aus dem Buch
3.1 Agameda
In Agamedas inneren Monolog kristallisiert sich mit ihren Erinnerungen an Kolchis ihr Hass auf Medea heraus. Medea ist im Vergleich zu Agameda äußerlich eine sehr schöne Frau, eine begabte und weise Heilerin und handelt selbstständig nach ihrem eigenen Willen. In mehreren Situationen wird auch die Verschiedenheit zwischen Medea und Agameda beschrieben. Agameda heuchelt Bestaunen der Korinthischen Reichtümer vor und erzählt selbst von den primitiven Zuständen in Kolchis, um von den geschmeichelten Korinthern großzügigere Zahlungen für ihre heilpraktischen Leistungen zu bekommen. Sie ist bereit den nötigen Preis dafür zu zahlen, um nicht „niemand zu sein“ und um in eine höhere Existenzform aufzusteigen. Agameda hat sich als Schülerin Medeas stets nach einem ausdrücklichen Anzeichen von Liebe gesehnt und strebte nach der Anerkennung Medeas. Außerdem hat sie nie die mütterliche Ersatzliebe bekommen, die sich Agameda innigst von Medea erhofft hatte.
Medea, die große Heilerin, lag da, rat- und hilflos, […] endlich würde mein innigster Wunsch wahr werden, der meine Kindheit bestimmt hat, ich, ich würde ihre Helferin sein, […] sie pflegen, ihr dienen, mich unentbehrlich machen, und endlich würde ich empfangen, wonach mich noch immer so gräßlich [sic!] verlangte, ihre Dankbarkeit. Ihre Liebe.
Im Fall der Agameda wird hierbei eine Machtforderung gegenüber Medea ersichtlich, die sich in körperlicher und geistiger Überlegenheit äußert. Die Bezeichnung Medeas als „große Heilerin“ bringt die grundlegende Bewunderung, die ihr Agameda entgegenbringt, zum Ausdruck. Die Theorie Agameda handelt aus purem Neid gegenüber Medea, kann ebenfalls bestätigt werden. Agameda wird nicht nur die mütterliche Ersatzliebe verweigert, sondern es wird ihr auch die Unterlegenheit in Bezug auf Medea vielfach unterbreitet. Die bereits erwähnte Definition des Neidbegriffes, bei der es heißt „jemand gönnt einem andern weder dessen Besitz noch Erfolg“ unterstreicht selbst am besten, wie explizit Agameda Medea beneidet. Der „persönliche in Neid und zurückgewiesenem Anlehnungswunsch genährte Hass“ Agamedas endet schließlich öffentlichkeitswirksam in einer Hetzjagd auf Medea. Neid kann in dieser Hinsicht als zerstörerische Macht wirken und es wird in dem Charakter der Agameda gut veranschaulicht, wie schmal der Grat zwischen Liebe und Hass ist und wie schnell sich Bewunderung ins Gegenteil wenden kann, nämlich zu einer bewussten Zerstörung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Es wird die Forschungsfrage nach den Motiven der Aberkennung Medeas im Werk von Christa Wolf gestellt und der theoretische Rahmen umrissen.
2 BEGRIFFSERKLÄRUNG: Die zentralen Termini Anerkennung, Macht und Neid werden definiert, um das Verständnis der späteren Figurenanalyse zu erleichtern.
3 VERGLEICH VON KOLCHIS UND KORINTH: Die kulturellen und machtpolitischen Unterschiede zwischen den beiden Schauplätzen werden analysiert, um Medeas Unmöglichkeit der Eingliederung zu verdeutlichen.
4 FIGURENANALYSE: Die Protagonistin Medea sowie ihre Gegenspieler Akamas und Agameda werden hinsichtlich ihrer Motivationen und ihres Verhaltens untersucht.
5 RESÜMEE: Die Arbeit fasst zusammen, wie Christa Wolf den Mythos neu interpretiert und Ausgrenzung als zeitloses gesellschaftliches Verhaltensmuster entlarvt.
Schlüsselwörter
Medea, Christa Wolf, Anerkennung, Macht, Neid, Korinth, Kolchis, Akamas, Agameda, Ausgrenzung, Sündenbock, Emanzipation, Mythosrezeption, Fremdheit, Machtgefüge
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Seminararbeit untersucht Christa Wolfs Roman "Medea. Stimmen" im Hinblick darauf, wie Machtinteressen und Neid dazu führen, dass die Protagonistin ihrer Anerkennung beraubt und zur Sündenbock-Figur wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind Machtstrukturen, die Dynamik von Anerkennung und Nichtanerkennung, Neidmotive sowie die soziokulturellen Unterschiede zwischen den mythischen Orten Kolchis und Korinth.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt danach, wie es zur Aberkennung Medeas kommen konnte und welche Rolle Faktoren wie Machtsicherung durch Gegenspieler wie Akamas und Agameda dabei spielen.
Welche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zu den Themen Macht und Anerkennung durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition theoretischer Begriffe, den Vergleich der Schauplätze sowie eine detaillierte Charakteranalyse der drei Schlüsselfiguren Medea, Akamas und Agameda.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die wichtigsten Schlagworte sind Medea, Macht, Anerkennung, Neid, Ausgrenzung und Sündenbock.
Warum spielt das Thema der Menschenopfer eine Rolle für Medeas Schicksal?
Die Entdeckung, dass sowohl Kolchis als auch Korinth auf Verbrechen wie Menschenopfern gegründet sind, macht Medea für die korinthische Machtelite zur gefährlichen Mitwisserin, was ihre Vertreibung beschleunigt.
Welche Funktion hat die Figur der Agameda in der Erzählung?
Agameda fungiert als ehemalige Schülerin Medeas, deren unterdrückter Wunsch nach mütterlicher Liebe in intensiven Neid umschlägt, was sie zu einer treibenden Kraft bei der Hetzjagd gegen Medea macht.
- Citar trabajo
- Sarah Hagenauer (Autor), 2019, Christa Wolfs "Medea". Die bewusste Zerstörung der Anerkennung Medeas als Instrument zur eigenen Machtsicherung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536747