In dieser Arbeit möchte ich untersuchen inwieweit Wohlstandschauvinismus Diskriminierung und Exklusion fördert. Den Schwerpunkt der Arbeit bilden die Hintergründe und Auswirkungen des Wohlstandschauvinismus im Zusammenhang mit neoliberalen Ansichten. Besonders interessant erschien mir, inwieweit sich das Sozialstaatsverständnis verändert hat und welche Bedeutung dies für die Kinder- und Jugendhilfe birgt. Die Verbetriebswirtschaftlichung der Kinder- und Jugendhilfe gewährt einen Praxisbezug und zeigt die kindheitswissenschaftliche Relevanz der vorliegenden Thematik.
Die Kritische Migrations- und Rassismusforschung steht vor einem Spannungsverhältnis. Soziale Ungleichheit soll erforscht werden, damit gesellschaftliche Verhältnisse beschrieben und erklärt werden können. Zudem sollen die bestehenden Machtverhältnisse hinterfragt werden. Allerdings sind für die Forschung Kategorien notwendig. Dies kann jedoch zu dem Effekt führen, dass die bereits vorhanden und zumeist mit Diskriminierung verbundenen Kategorien verstärkt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Soziale Unterscheidungen in der Gesellschaft
2.1 „Diversity“ und soziale Differenzierungsprozesse
2.2 Einfluss vom Neoliberalismus auf das Sozialstaatsverständnis
3. Wohlstandschauvinismus
3.1 Begriffsbedeutung
3.2 Gesellschaftlicher Kontext
3.3 Verbindungen zu Standortnationalismus
4. Durch Wohlstandschauvinismus begünstigte Problemfelder
4.1 Diskriminierung
4.2 Verbetriebswirtschaftlichung der Kinder- und Jugendhilfe
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Wohlstandschauvinismus, neoliberalen Ideologien und deren Auswirkungen auf Diskriminierung sowie soziale Exklusion, mit besonderem Fokus auf die Veränderungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
- Grundlagen sozialer Differenzierungsprozesse und Diversitätsbegriffe
- Die ideologische Rolle des Neoliberalismus im Sozialstaat
- Definition und gesellschaftlicher Kontext des Wohlstandschauvinismus
- Zusammenhänge zwischen Standortnationalismus und Ausgrenzung
- Folgen der Ökonomisierung sozialer Dienstleistungen
Auszug aus dem Buch
3.2 Gesellschaftlicher Kontext
Seinen gesellschaftlichen Ursprung findet der Wohlstandschauvinismus nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Hierbei stieß der Sozialstaat auf große Kritik, da kein Nutzen eines Sozialleistungssystems für die deutsche Wirtschaft gesehen wurde. Vielmehr wurde von einem Leistungsmissbrauchs der Empfänger ausgegangen. Zudem wurde sich immer stärker für eine private Vorsorge ausgesprochen, da der Sozialstaat als nicht mehr tragbar galt. Die (wirtschaftliche) Freiheit wurde mehr geschätzt, als die Gleichheit. Gleichheit wurde außerdem als Machtausübung gesehen.
Die „Elite“ des Staates begriff Deutschland eher als einen Nationalstaat, welcher „zurückgewonnen“ wurde, und nicht als eine Demokratie mit Sozialstaatsprinzip. Diese Ansichten führten zu Einschnitten in dem Sozialleistungssystem (Butterwegge,1998, S. 147-149)
Einen Einblick in den Zeitgeist gewährt ein Zitat von Johannes Gross, ein liberalkonservativer Journalist: schrieb
"Kein Zweifel, daß vielerorts Chancen zu egalisieren sind. Kein Zweifel aber auch, daß Chancengleichheit für die Kranken, die Alten, bis zum Ende gedacht, nichts Gutes bedeutet: kein Zweifel schließlich, daß soziale Gleichheit, entschlossen praktiziert, die politische Gewalt zum Herrscher über die Gesellschaft, ja die private Sphäre machen würde, von der sie fernzuhalten einst als oberster Zweck unserer Verfassung galt."
(Gross, 1982, S. 96f; zit. nach Butterwegge 1998, S. 149)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet das Spannungsfeld der Kritischen Migrations- und Rassismusforschung und führt in die Fragestellung nach den diskriminierenden Wirkungen des Wohlstandschauvinismus ein.
2. Soziale Unterscheidungen in der Gesellschaft: Dieses Kapitel analysiert Differenzierungsprozesse durch „Diversity“ und untersucht, wie der Neoliberalismus das moderne Sozialstaatsverständnis transformiert hat.
3. Wohlstandschauvinismus: Der Fokus liegt auf der Begriffsbestimmung, dem historischen Kontext nach der Wiedervereinigung sowie der engen Verknüpfung des Konzepts mit dem Standortnationalismus.
4. Durch Wohlstandschauvinismus begünstigte Problemfelder: Hier wird aufgezeigt, wie Diskriminierung und Exklusion entstehen und wie sich diese durch die Verbetriebswirtschaftlichung in der Kinder- und Jugendhilfe konkret manifestieren.
5. Ausblick: Das Schlusskapitel fordert eine stärkere Sensibilisierung für intersektionale Diskriminierung und betont die Notwendigkeit, gesellschaftliche Strukturen hinter der individuellen Zuschreibung von Problemlagen zu hinterfragen.
Schlüsselwörter
Wohlstandschauvinismus, Neoliberalismus, Diskriminierung, Exklusion, Sozialstaat, Kinder- und Jugendhilfe, Standortnationalismus, soziale Ungleichheit, Diversity, Intersektionalität, Rassismus, Ökonomisierung, Sozialdarwinismus, Kulturrassismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie der Wohlstandschauvinismus als gesellschaftliches Phänomen zur Förderung von Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung beiträgt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen soziale Differenzierungsprozesse, die Auswirkungen neoliberaler Politik auf den Sozialstaat, sowie die diskriminierenden Tendenzen innerhalb gesellschaftlicher Strukturen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Hintergründe und Auswirkungen des Wohlstandschauvinismus aufzuzeigen und insbesondere zu prüfen, inwieweit dadurch Exklusionsmechanismen legitimiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung und Analyse bestehender wissenschaftlicher Fachliteratur sowie soziologischer Konzepte zur Migrations- und Rassismusforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen (Diversität, Neoliberalismus), das Konzept des Wohlstandschauvinismus sowie konkrete Problemfelder wie Diskriminierung und die Ökonomisierung der Kinder- und Jugendhilfe detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Wohlstandschauvinismus, Neoliberalismus, Diskriminierung, Intersektionalität und Verbetriebswirtschaftlichung der Sozialen Arbeit charakterisiert.
Wie definiert die Autorin den Begriff „Wohlstandschauvinismus“?
Er wird als übersteigerter Stolz auf die eigene Nation verstanden, der mit der Abwertung anderer Nationen und der Ablehnung leistungsschwächerer gesellschaftlicher Randgruppen verknüpft ist.
Warum wird die Kinder- und Jugendhilfe als Praxisbeispiel angeführt?
Sie dient als Beispiel, um die negativen Auswirkungen der neoliberalen Verbetriebswirtschaftlichung zu verdeutlichen, da dort soziale Arbeit zunehmend als „Produkt“ und die Adressaten als „Kunden“ behandelt werden.
- Citation du texte
- Teodora Deme (Auteur), 2018, Fördert Wohlstandschauvinismus in der Gesellschaft Diskriminierung und Exklusion?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536751