Islam und westliche Welt? Vergleich zwischen der christlichen und islamischen Anthropologie


Hausarbeit, 2016

30 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Erörterung der Fragestellung
1.2 Methodenkapitel und Überleitung

Hauptteil

2. Die islamische Anthropologie
2.1 Die Erschaffung des Menschen
2.2 Gott Mensch Beziehung/ Verhältnis
2.2.1 Die Freiheit in der Gott-Mensch Beziehung (Khorchide):
2.2.2 Abgrenzung Gott - Mensch bei Boumann
2.2.3 Vergleich zwischen Khorchide und Bouman
2.3 Der Mensch als Statthalter?
2.4 Personalismus: Das Handeln des Menschen
2.5 Kurze Zusammenfassung zur Anthropologie des Islams

3. Christliche Anthropologie
3.1 Die Schöpfung, Anthropologie im Alten Testament
3.2 Das Reich Gottes, Anthropologie im neuen Testament
3.3 Die Gott Mensch Beziehung: Gott als Richter?
3.4 Die Bedeutung des Individuums
3.5 Beziehung von Christen zu anderen Religionen

4. Zusammenfassender Vergleich zwischen der christlichen und islamischen Anthropologie

5. Fazit

1. Erörterung der Fragestellung

Aktuell gibt es immer wieder neue Debatten über den Islam, insbesondere unter der Fragestellung, ob der Islam überhaupt in die „westliche Welt“ passe. So sehen laut einer Umfrage (Anfang 2015) der Bertelsmannstiftung 57 Prozent der deutschen Bürger, die nicht zum Islam gehören, den Islam als Bedrohung an. Des Weiteren behaupten 61 Prozent, dass der Islam nicht zum Westen passe.1 Zudem haben im Verlauf der Flüchtlingskrise rechte, bzw. rechtspopulistische Parteien und Bewegungen einen großen Zuwachs in ganz Europa. In Deutschland sind hier vor allem die Pegida Bewegung2 und die AfD3 zu nennen:

Seit der Gründung im Oktober 2014 hatte Pegida zeitweise bis zu 25.000 Anhänger bei ihren Demonstrationen, auch wenn es in den meisten Fällen viele Gegendemonstranten gab.4 Auch die AfD, die sich seit ihrer Spaltung immer weiter nach rechts orientiert, hat einen sehr hohen Zuwachs von zeitweilig bis zu 40 Mitglieder pro Tag5. Anhänger der AfD haben beispielsweise Löscharbeiten bei einem brennendem Flüchtlingsheim behindert und einen Bus mit Flüchtlingen belagert und beschimpft. Nichts desto trotz erreichte die AfD bei den letzten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz über zehn Prozent der Stimmen, teilweise sogar über 20 Prozent.6 Natürlich kann man die radikalen Positionen dieser Bewegungen keinesfalls unterstützen, jedoch spielt die Angst vor einer radikalen Islamisierung rechten Bewegungen in die Hände. Diese Ängste basieren beispielsweise auf dem Bild der Frau und der scheinbar hohen Gewaltbereitschaft im Islam:

So gibt es beispielsweise eine Studie von Menschenrechtsorganisationen, die besagt, dass schwere Bestrafungen von Frauen in islamisch geformten Gesellschaften keine Ausnahmen sind.7 Als ein weiteres Beispiel ist die Scharia, das islamische Recht zu nennen, das in vielen islamischen Ländern anstatt des zivilen Straffrechts gilt. Wenn eine Frau vergewaltig wird, dann wird sie nach der Scharia wegen Ehebruchs oder außerehelichem Geschlechtsverkehr verurteilt. Zudem kann man den Täter nur verurteilen, wenn dieser ein Geständnis ablegt, oder wenn vier Männer die Tat bezeugen. Die Frau wird jedoch in jedem Fall verurteilt.8

Von islamischer Seite wird zwar eingeräumt, dass im Koran auf der einen Seite ähnliche patriarchale Strukturen herrschen würden, wie auch in der Bibel. Auf der anderen Seite werde aber auch die Gleichheit von Mann und Frau vor Gott betont. Des Weiteren sei der Islam an sich nicht gewalttätig, die Religion werde als Mittel zum Zweck instrumentalisiert. Außerdem gäbe es in den westlichen Ländern ebenfalls viel Gewalt gegen Frauen.9 So hat laut einer Studie des Familienministeriums jede vierte Frau in Deutschland, zwischen 16 und 85, mindestens einmal häusliche Gewalt erleiden müssen.10

Trotzdem gibt es im Koran noch einige zweifelhafte Aussagen über über den Umgang mit Menschen, die einer anderen Religion angehören. So steht in der Sure 9 folgende Aufforderung: „…tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf!“.11 Dies weißt offenbar nicht auf ein friedliches Zusammenleben mit den anderen Religionen hin. Allerdings wird von muslimischer Seite wiederholt gesagt, dass Christen, Juden und Muslime alle an denselben Gott glauben12, und damit in gewisser Weise mit einander verbunden sind. Zudem wird Jesus im Islam zwar nicht als Sohn Gottes angesehen, er wird aber als Prophet bezeichnet,13 und hat dadurch auch im Islam eine hohe Bedeutung. Bezogen auf die Eignung „des“ Islam für das im Westen vorherrschende System gleichberechtigter Geschlechter und Religionen lassen sich folglich Argumente für und gegen den Islam finden, die letztlich aber zum Teil seltsam diffus bleiben.

Daher will sich die vorliegende Arbeit mit der Fragestellung beschäftigen, inwiefern sich die islamische Anthropologie mit der christlichen Anthropologie vergleichen lässt. Hierbei möchte ich herausfinden, welche Rolle jeweils der Mensch einnimmt, in welchem Verhältnis er zu Gott und anderen Menschen steht, und inwiefern er in seinen Handlungen frei ist. Dadurch soll gleichzeitig - im begrenzten Rahmen dieser Hausarbeit – geklärt werden, ob man von der Anthropologie her das radikale Bild vom Islam nachvollziehen kann, und ob dieses tatsächlich letztendlich nicht zum „Westen“ passt.

1.2 Methodenkapitel und Überleitung

In dieser Arbeit werde ich mich für die Islamische Anthropologie im Wesentlichen auf das Werk von Mouhanad Khorcide („Gott glaubt an den Menschen“) als Basis beziehen und seine Ansichten mit anderen Werken vergleichen und kritisch hinterfragen. Ich werde dabei auf die folgenden Punkte eingehen: Das Gott-Mensch-Verhältnis, die Stellung des Menschen in der Schöpfung und das Verhältnis zu anderen Religionen.

Um seine Interpretation nachvollziehbar zu machen, werde ich zunächst noch kurz auf Khorcides Bild vom Islam und von Gott eingehen: Khorcides sagt, dass Religion im Allgemeinen nicht gewalttätig sein könnte. Demnach sei Religion nicht der Ursprung von Gewalt, allerdings könne sie dazu führen, dass Spannungen verstärkt oder geschwächt werden. Außerdem sei es oft problematisch, dass der Wahrheitsanspruch der Religionen phäufigdie Andersgläubigen abwerte. Es ist für Khorcide außerdem wichtig das Gottesbild zu klären: Khorcide unterscheidet hierbei zwischen dem antihumanistischen und dem humanistischen Gottesbild:

Bei dem antihumanistischen Gottesbild gehe es Gott nur darum sich selbst zu glorifizieren. Soll heißen, der Mensch ist dazu da, um Gott anzubeten und seine Befehle auszuführen. Dies käme vor allem autoritären Strukturen zu Gute, da der Mensch nicht im Zentrum steht, sondern Gott. Hierbei gäbe es daher oft Probleme, da der Mensch nicht autonom handeln könne. Dieses Gottesbild würde beispielsweise oft von Religionskritikern verwendet. Im Gegensatz dazu habe der Islam, laut Khorcide, ein humanistisches Gottesbild. Dabei stehe der Mensch im Zentrum und agiere daher zusammen mit Gott. Gott setzt sich für das Wohlbefinden des Menschen ein.14

Hauptteil

2. Die islamische Anthropologie

2.1 Die Erschaffung des Menschen

Der erste Aspekt, der etwas über die Islamische Anthropologie aussagt, ist das Verhältnis zwischen Gott und Mensch in der Schöpfungsgeschichte. Ich werde diese im Folgendem kurz zusammenfassen: Im Gespräch mit den Engeln überlegt Gott den Menschen zu schaffen, um ihn als Kalif, beziehungsweise als Statthalter auf der Erde einzusetzen. In dieser Rolle soll er Gottes Absichten durch seine Taten verdeutlichen. Die Engel sind allerdings gegen die Erschaffung des Menschen, da er für Aufruhr sorgen würde und gewalttätig sei. Außerdem befürchten sie, dass Gott den Menschen nur deswegen erschafft, damit dieser ihn verehrt. Da die Engel Gott allerdings schon ehren, verstehen sie nicht, aus welchem Grund der Mensch erschaffen werden soll. Gott erwidert jedoch, dass er mehr über den Menschen weiß als die Engel. Danach erschafft Gott Adam und gibt ihm seinen Geist und erklärt ihm alle Namen der Tiere. Später sagt Gott den Engeln, dass sie sich vor Adam verneigen sollen. Alle bis auf Iblis gehen diesen diesem Befehl nach. Iblis wird, als er sich weigert, zum Teufel. Abgesehen von Adam schafft Gott auch noch Eva, die zusammen mit Adam im Paradies leben soll. Er befiehlt ihnen nicht von den Früchten eines gewissen Baumes zu essen. Doch der Teufel bringt die beiden schließlich doch dazu, und als sie erkennen, dass sie nicht auf Gott gehört haben, bitten sie diesen ihnen zu verzeihen. Gott verzeiht ihnen und sendet sie auf die Erde, um seinen Willen zu erfüllen. Der Mensch hat dabei die Rolle eines Kalifen, bezipehungsweise Statthalters.15

Khorchide interpretiert die Schöpfung wie folgt: Zum einem sieht Khorcide hier den ersten Beweis dafür, dass es Gott nicht darum geht sich selber zu preisen, da ihn die Einwände der Engel nicht davon abhielten den Menschen zu erschaffen. Damit spreche Gott dem Menschen sozusagen sein Vertrauen aus. Des Weiteren meint Khorcide, dass Iblis in diesem Fall beispielhaft für diejenigen stehe, die den Menschen nicht als autonomes Geschöpf ansehen würden. Vor allem aber sei dies eine Botschaft an Extremisten, die Gott respektieren, aber nicht den Menschen an sich. Nach Khorcide ist Iblis sozusagen die Verkörperung jener Radikalen und soll sie darauf hinweisen, dass man nicht gottgefällig handele, indem man andere Menschen nicht respektiere oder ihnen sogar Leid antue. Gemeint sind damit wahrscheinlich auch diejenigen, die ihren Glauben als die einzige Wahrheit darstellen, und andere dazu zwingen wollen ihren Glauben zu ändern.

Anschließend beschäftigt sich Khorchide mit der Frage, warum der Mensch zwar von Anfang an zum Leben auf der Erde bestimmt ist, er aber trotzdem anfangs im Paradies lebt. Im Kern erklärt Khorchide diese Gegebenheit damit, dass es im Islam keinen Sündenfall gebe. Er spricht daher von einer Unumgänglichkeit der Sünde. Der Mensch hätte sich also seiner Freiheit selbst bewusst werden müssen, um die Erde als Kalif zu bewohnen und seine Aufgabe zu erfüllen. Ohne diese Freiheit ist der Mensch laut Khorchide, nicht in der Lage seinen Auftrag zu erfüllen. Besonders wird aber auf den Aspekt der fehlenden Erbsünde eingegangen: Im Islam sei es allgemein so, dass niemand für die Fehler eines Anderen verantwortlich gemacht werden könne, jeder müsse für seine Handlungen geradestehen. Deswegen werde ein Mensch auch völlig ohne Sünde geboren, allerdings habe er von Anfang an sowohl eine gute als auch eine schlechte Seite. Seine Freiheit bestehe also darin, sich für eine Seite zu entscheiden.16

Ein weiteres Beispiel für das Gott-Mensch-Verhältnis lässt sich bei Johann Boumann finden: Dieser greift auch die Position des Menschen als Statthalter auf, allerdings nicht um die Freiheit des Menschen zu belegen. Boumann benutzt diese Funktion vielmehr um den Menschen von Gott abzugrenzen. Er stellt die „Andersartigkeit und Unvergleichbarkeit Gottes“17 dem menschlichen Wesen gegenüber. Des Weiteren greife Gott zwar immer aktiv in die Schöpfung ein, allerdings habe er Adam als einen „völlig anerkannten Gesprächspartner“18 angesehen. Zudem weißt er auch noch daraufhin, dass die Herrschaft alleine bei Gott liegt, da er den Tieren ihre Namen gibt, und nicht Adam. Jedoch geht auch Boumann auf den nicht vorhandenen Sündenfall ein, und dass Adam die Leitung übernimmt, erneut ohne dass die nachfolgenden Generationen seine Sünde sozusagen mittragen müssen. Daraus resultiert dann für Boumann ebenfalls der Schluss, dass der Mensch sowohl eine gute als auch eine schlechte Seite hat.

Bei beiden Autoren lassen sich gewisse Ähnlichkeiten aufweisen. Rückblickend kann man sagen, dass beide sehr stark auf die nicht vorhandene Erbsünde eingehen. Allerdings ist die Gewichtung bei Khorchide mehr auf die Freiheit des Menschen ausgerichtet, während Boumann mehr auf eine Abgrenzung von Gott eingeht.

2.2 Gott Mensch Beziehung/ Verhältnis

2.2.1 Die Freiheit in der Gott-Mensch Beziehung (Khorchide):

Wie bereits beschrieben ist die Freiheit des Menschen für Khorchide gottgegeben, doch damit der Mensch wirkliche Freiheit erlangt muss er sich dieser bewusstwerden. In der Wechselwirkung ergibt sich Gottes Freiheit für den Autor nur durch die Freiheit des Menschen. Dies klingt in gewisser Weise etwas fragwürdig, da man im ersten Moment nicht davon ausgeht, dass Gott so stark von der menschlichen Freiheit abhängig ist. Khorchide erklärt dies wie folgt: Der Mensch trägt die gottgegebene Freiheit in sich. Da er aber nicht ewig auf der Erde lebt, ist seine Freiheit bedingt. Durch Gott erlangt er „unbedingte Freiheit“19, wenn er sich ihm gegenüber öffnet. Denn Gott selbst ist laut Khorchide die Freiheit. Wenn der Mensch sich also nicht auf Gott einlässt, dann erlangt er keinen Zugang zu vollkommener Freiheit, und Gott wäre nicht vollkommen frei, da der Mensch sich nicht zu der Freiheit und damit zu Gott hinwendet. Daraus lässt sich also folgern: Wenn Gott nicht die Freiheit des Menschen wollen würde, würde er sich seine eigene Freiheit nehmen.20

Damit geht der Verfasser auf einen weiteren wichtigen Aspekt ein, nämlich die Propheten. Die Propheten dürfen den Menschen nämlich die Freiheit nehmen, indem sie ihn zum Glauben nötigen. Der Prophet soll die Botschaft Gottes nur überbringen, und dem Menschen dadurch von sich heraus zum Glauben zu verhelfen.21

Aus der oben aufgeführten Wechselwirkung ergibt sich für Khorchide noch ein weiterer Gesichtspunkt, der eben schon angeklungen ist. Gott „braucht“ den Menschen. Khorchide spricht in diesem Fall eher weniger von einer Abhängigkeit als von einer Art Verbindung, oder auch Beziehung. Gott habe den Menschen geschaffen, er habe ihm die Verantwortung für die Schöpfung übertragen. Damit greife Gott nicht immer unmittelbar in das Geschehen ein, weil der Mensch selbständig agiert, da Gott ihn als selbständiges Wesen geschaffen habe. Zudem habe Religion nicht nur einen Aspekt, der sich auf die religiösen Bräuche bezieht, sondern sie umfasse mehrere Aufgabenbereiche, wie beispielsweise die Prägung der Persönlichkeit oder die zwischenmenschlichen Beziehungen. So ist es auch nicht die Aufgabe eines Statthalters, dem Menschen etwas zu Befehlen, sondern ihm erneut nur den Willen Gottes zu präsentieren. Gott unterbreite dem Menschen in diesem Fall nur Vorschläge und es liege in der Entscheidung des Menschen, ob er sich auf diese einließe, oder nicht. Der Mensch trete hierbei allerdings nicht nur mit Gott in Interaktion, sondern auch mit anderen Menschen und der gesamten Welt. Um zu verdeutlichen, dass Gott den Menschen braucht, berichtet Khorchide von einem Dialog zwischen Gott und einem Mann: Gott fragt, warum der Mann sich nicht um ihn gekümmert habe, als er seine Hilfe brauchte. Dieser versteht den Grund für die Frage jedoch nicht, da er nicht weiß, wie es Gott überhaupt schlecht gehen kann, beziehungsweise, warum er die Hilfe eines Menschen benötigen sollte. Da sagt Gott, dass ein Bekannter des Menschen krank gewesen war, und er sich nicht um ihn gekümmert hätte. Gott erklärt, dass er selbst dieser Bekannte gewesen sei (Hier lassen sich viele verschiedene Details aus dem Christentum wiederentdecken: Gott der allmächtig, allgegenwärtig und barmherzig ist).22

Aber Khorchide geht sogar noch ein Stück weiter, indem er sagt, dass die Schöpfung alleine für den Menschen erschaffen worden sei, um von ihm gesteuert zu werden, und zwar mit den Mitteln, die Gott ihm gegeben hat. Diesen Standpunkt begründet er mit zwei Positionen: Zum einem sagt er, dass Gott die eigene Barmherzigkeit auf den Menschen übertragen wolle. Zum anderen solle der Mensch, wie es im Koran heißt, Gott dienen. Dieser Aspekt werde oft falsch verstanden. Denn wie schon beschrieben, geht es Gott nicht darum vom Menschen verehrt zu werden, weil er ihn in Freiheit geschaffen habe und ihn respektiere. Dies zeige sich vor allem dadurch, dass Gott in der Schöpfung die Engel auffordert sich vor dem Menschen zu verneigen. Damit wolle Gott vor allem zeigen, dass die Menschen Achtung vor einander haben sollen, da alle Menschen von Gott geschaffen worden seien. Des Weiteren treffe der Mensch sozusagen immer dann auf Gott, wenn er mit einem anderen Menschen zusammenkomme, da Gott seinen Geist auf den Menschen übertragen habe. Daher solle man auch entsprechend mit seinen Mitmenschen umgehen.23

2.2.2 Abgrenzung Gott - Mensch bei Boumann

Während sich Khorchide sehr stark auf den islamischen Schöpfungsbericht bezieht, geht Bouman noch auf weitere Aspekte wie das Prophetentum ein. Hierbei wird gesagt, dass Gott den verschiedenen Völkern jeweils immer nur einen Propheten gesandt habe, um den Menschen Gottes Willen zu verkünden. Hierbei sagt Bouman allerdings, dass es generell eine Distanz zwischen Gott als Schöpfer und dem Propheten als menschliches Geschöpf gäbe. Aufgrund dessen könnten sich Gott und Mensch nicht auf Augenhöhe treffen. Auch wenn der Geist von Gott in der Schöpfung auf den Menschen übertragen worden sei, so könne der Mensch den göttlichen Charakter nie ganz in sich aufnehmen. Daraus folgert Bouman auch, dass Gott den Menschen nicht direkt unterrichtet, da Gott den Engeln die Aufgaben für die Propheten mitteilt. Die Engel stehen also zwischen Gott und Mensch, und Gott würde nur dann direkt zum Menschen sprechen, wenn er selber auf die Erde käme. Trotzdem instruiert Gott den Menschen insofern, als er den Propheten einen Auftrag gebe.24

Insgesamt geht Bouman aber noch etwas weiter, indem er sagt, dass es nur ein Vergehen im Islam gäbe, das Gott nicht verzeihen würde, nämlich dem Bruch mit dem Glauben. Zudem rette einem das Bekenntnis zum Glauben an Allah nicht nur vor „dem islamischen Schwert“,25 sondern es garantiere zudem auch, dass man ins Paradies komme. Später geht er dann erneut auf das Prophetentum ein und beschreibt, dass sie vor allem die Aufgabe hätten die Menschen zu ermahnen. Vor allem aber soll ein Prophet die Menschen zum Glauben hinbringen oder auch zurückbringen. Auch wenn der Prophet aufgrund seines Auftrags meistens mehr weiß als das allgemeine Volk, so hätten die Menschen natürlich auch ein gewisses Vorwissen, an das die Botschaft der Propheten anknüpfen könne. Als Beispiel nennt er die Aufgabe des Statthalters, die Gott den Menschen in der Schöpfung erteilt habe.26 Des Weiteren gibt es noch einen wichtigen Bestandteil des Islams: Zwar fehlen sozusagen die Zehn Gebote im Islam, allerdings stütze sich im Kern wieder alles auf den Glauben an Gott. Mit dem Glauben an Gott erlangt der Mensch „…alle Gerechtigkeit, alle Güte, alles Glück und alle Bildung…“.27 Wer also gegen den Glauben verstoße, würde kein Heil erlangen, und ihm würde nicht vergeben werden. Was damit aber auch einherginge ist sozusagen eine Art Unantastbarkeit aller Anhänger Gottes. Es sei ebenso die Pflicht sich für seine Mitmenschen einzusetzen und einander zu helfen. An dieser Stelle benutzt Bouman ein Zitat, welches man meiner Meinung nach auch sehr gut mit dem christlichen Glauben kombinieren kann: „Wahrlich niemand unter euch ist ein Gläubiger, wenn er nicht seinem Bruder dasselbe wünscht, was er sich selbst wünscht."28 Wenn man dies liest, dann fällt einem beinahe sofort die starke Ähnlichkeit zur christlichen Nächstenliebe auf: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“29

[...]


1 Vgl. N.N. Muslime in Deutschland mit Staat und Gesellschaft eng verbunden; Religionsmonitor 8.1.2015 auf: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2015/januar/religionsmonitor/ (Stand: 6.3.16).

2 Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes

3 Alternative für Deutschland

4 Vgl. Traugher, Armin-Pfahl; Pegida-eine Protestbewegung zwischen Ängsten und Ressentiments; Bpb 2.2.2015; auf: http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/200901/pegida-eine-protestbewegung-zwischen-aengsten-und-ressentiments (Stand: 2.3.16).

5 Vgl. N.N. AfD verzeichnet weiter Mitgliederzuwachs; bei: Stern.de, 18.10.2015; http://www.stern.de/politik/deutschland/fluechtlingskrise--afd-erfreut-sich-weiter-an-mitgliederzuwachs-6506480.html (Stand: 2.3.16).

6 Vgl. Elmer, Christina, Hebel, Christina; Wahlanalyse: Die Hochburgen der AFD; bei: Spiegel Online; auf: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/landtagswahlen-2016-das-sind-die-hochburgen-der-afd-a-1082181.html (Stand: 29.7.16).

7 Vgl. Fetscher, Caroline; „Ein Mädchen ist ein Stachel im Fuß“; bei: tagesspiegel.de, 16.8.16; auf: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/frauenfeindliche-gewalt-ein-maedchen-ist-ein-stachel-im-fuss/1903534.html (Stand: 4.3.16).

8 Vgl. N.N. Schuld ist immer die Frau; bei taz.de; auf: http://www.taz.de/!5062688/

9 Vgl. Thöne, Eva; Übergriffe von Köln: “Die Männer wussten genau, wie sie den Westen treffen“; bei: Spiegel Online, 29.1.16; auf:http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sexualitaet-und-islam-gewalt-gegen-frauen-ist-auch-hier-ein-strategisches-mittel-a-1074010.html (Stand: 4.3.16).

10 Vgl. N.N. Gewalt gegen Frauen im häuslichen Bereich; bei: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 10.12.14; auf: http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/gleichstellung,did=73010.html (Stand: 4.3.16).

11 Sure 9,5; http://islam.de/13827.php?sura=9 (Stand: 6.3.16).

12 Vgl. N.N. „Alle glauben an den gleichen Gott; bei taz.de; http://www.taz.de/!5067988/ (Stand: 6.3.16).

13 Vgl. N.N. Jesus im Islam-Rasul Allah-der Gesandte Gottes; bei: islam.de, 26.12.07; auf: http://islam.de/9670.php (Stand: 6.3.16).

14 Vgl. Khorchide, Mouhanad; Gott glaubt an den Menschen. Mit dem Islam zu einem neuen Humanismus; Freiburg, Basel, Wien 2015; S 19 f.

15 Vgl. Khorchide, Mouhanad; Gott glaubt an den Menschen; S 21-24.

16 Vgl. Khorchide; Gott glaubt an den Menschen; S 21-25.

17 Bouman, Johan; Gott und Mensch im Koran. Eine Strukturform religiöser Anthropologie anhand des Beispiels Allah und Muhammad; Darmstadt 1977; S 13.

18 Bouman; Gott und Mensch im Koran; S 14.

19 Khorchide; Gott glaubt an den Menschen; S 27.

20 Vgl. Khorchide; Gott glaubt an den Menschen; S 26-28.

21 Vgl. Khorchide; Gott glaubt an den Menschen; S 28.

22 Vgl. Khorchide; Gott glaubt an den Menschen; S 29-31.

23 Vgl. Khorchide; Gott glaubt an den Menschen; S 31-33.

24 Vgl. Bouman; Gott und Mensch im Koran; S 16-18.

25 Bouman; Gott und Mensch im Koran; S 19.

26 Vgl. Boumann; Gott und Mensch im Koran; S 19, 22.

27 Vgl. Boumann; Gott und Mensch im Koran; S 24.

28 Bouman; Gott glaubt an den Menschen; S 24.

29 Mt. 19,19; Einheitsübersetzung, Stuttgart 1980.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Islam und westliche Welt? Vergleich zwischen der christlichen und islamischen Anthropologie
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Proseminar: „Wie wir wissen, ist die Wirklichkeit der einzige Zugang zu Gottes Wahrheit“ (M. de Certeau). Die `Zeichen der Zeit´: eine Brücke zwischen Systematischer und Praktischer Theologie?
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
30
Katalognummer
V537091
ISBN (eBook)
9783346140845
ISBN (Buch)
9783346140852
Sprache
Deutsch
Schlagworte
islam, welt, vergleich, anthropologie
Arbeit zitieren
Maximilian Hake (Autor), 2016, Islam und westliche Welt? Vergleich zwischen der christlichen und islamischen Anthropologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537091

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