Schwarze Pädagogik. Autoritäre Charaktere in Thomas Manns "Buddenbrooks" und in Michael Hanekes "Das weiße Band - eine deutsche Kindergeschichte"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

21 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schwarze Padagogik und der autoritare Charakter

3. Erziehung in den „Buddenbrooks“ am Beispiel von Hanno
3.1. Hannos Familiensituation
3.2. Die Beziehung zwischen Hanno und seinem Vater
3.3. Hannos Beziehung zu seiner Mutter und dem Musiklehrer
3.4. Hannos Beziehung zu seinen Lehrern

4. Erziehung im Film „Das weiBe Band - eine deutsche Kindergeschichte“
4.1. Martins Familiensituation
4.2. Die Beziehung zwischen Martin und seinen Eltern
4.3. Martin und der Lehrer in „Das weiBe Band“

5. Schlussbetrachtung

6. Literatur

1. Einleitung

Deutsche Fernsehsendungen beschaftigen sich in den letzten Jahren unter Anderem mit der Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Ahrbeck und Winkler heben hervor, dass es um Erziehung, dokumentiert an ErziehungsmaBnahmen fur schwer dissoziale und delinquente Jugendliche, ginge (vgl. Ahrbeck/Winkler, 2010, S. 87). Formate wie „Die Super-Nanny“, „Teenager auBer Kontrolle“ oder „Ab in's Kloster“, charakterisieren langst das alltagliche Programm einiger deutscher Fernsehsender. Dort, wo eine Erziehung nicht gelungen scheint, werden neue erzieherische MaBnahmen fur Kinder und Jugendliche erprobt und in einer TV-Produktion offentlich verbreitet. Im 21. Jahrhundert kann ein solches Format als potenzieller Ruckschritt gelten. Dies spiegelt sich auch in dem 2005 verliehenen Preis der beleidigten Zuschauer wieder, der das Format „Die Super-Nanny“ fur die Verletzung der Wurde von Kindern kritisierte (vgl. von Stechow, 2010, S. 146). Elisabeth von Stechow hat sich in einem Ihrer wissenschaftlichen Artikel mit eben diesem Format auseinandergesetzt und es vor dem Hintergrund der „Schwarzen Padagogik“ analysiert. Ihre abschlieBende Beurteilung lautet, dass das Format teilweise erzieherische Praktiken der „Schwarzen Padagogik“ aufweist (vgl. ebd.). Durch die im deutschen Fernsehen vorgestellten Techniken konnen, laut von Stechow, sadistische Erziehungsmotivationen hervorgerufen werden, welche vorher Tabu waren (vgl. ebd. S. 147). Professor Hans Thiersch, der Erziehungswissenschaften und Sozialpadagogik gelehrt hat, steht der „Schwarzen Padagogik“ kritisch gegenuber und spricht von einer gesellschaftlichen Gefahr, von der er glaubt, sie kame zuruck (vgl. Thiersch, 2014, S. 27). Durch diese kritischen und warnenden Stimmen, ruckt die Auseinandersetzung mit verschiedenen Erziehungspraktiken starker in den gesellschaftlichen Fokus. Eine genaue Betrachtung der von Katharina Rutschky untersuchten „Schwarzen Padagogik“ ist auf Grund dessen auch im 21. Jahrhundert noch von Bedeutung.

Fur eine zielgerichtete Auseinandersetzung wird in dieser Hausarbeit in die „Schwarze Padagogik“, nach Katharina Rutschky, eingeleitet. Hinzugezogen werden Uberlegungen von Theodor W. Adorno, der in seinem Werk den Begriff des „autoritaren Charakters“ gepragt hat. Da die vorliegende Arbeit einen literaturwissenschaftlichen Schwerpunkt hat, werden zur Auseinandersetzung zwei literarisch-bedeutsame Werke herangezogen. Zuerst wird der Bildungsroman „Buddenbrooks“ von Thomas Mann naher betrachtet. Hier wird der Fokus auf die Erziehung von Hanno Buddenbrook gelegt. Es soll herausgearbeitet werden, inwiefern autoritare Charaktere auf Hannos Erziehung Einfluss nehmen. Dafur wird die Beziehung zu seinem Vater Thomas dargestellt. Gleichzeitig erfahrt Hanno auch eine andere Art der Erziehung, welche besonders von der Mutter und dem Musiklehrer ausgeubt wird. Darauf folgend wird kurz auf Hannos Schulalltag und seine Beziehung zu zwei Lehrern eingegangen. Hanno wird von kontroversen ErziehungsmaBnahmen stark gepragt und kann sich letztendlich nicht vollstandig als Individuum entfalten. Ein Blick auf entsprechende Szenen soll die Erziehung hervorheben und Grunde fur seine Reaktionen zeigen.

Im Anschluss daran wird der Film „Das weiBe Band - eine deutsche Kindergeschichte“ von Michael Haneke untersucht. Der besondere Fokus liegt hier auf Pfarrerssohn Martin, der durch autoritare Erziehung zu Gehorsam erzogen werden soll. In der Schule trifft Martin auf einen Lehrer, welcher andere ErziehungsmaBstabe setzt.

Mit dem Vergleich von Hannos und Martins Erziehung konnen Parallelen hergestellt werden, die die Folgen einer schwarzen Padagogik deutlich machen. Beide Jungen konnen symbolisch fur eine Gruppe von Kindern stehen, welche sich durch autoritare Erziehung nicht individuell entfalten konnen.

Zu beachten ist, dass Erziehung auch immer im Kontext ihrer Zeit betrachtet werden muss und Veranderungsprozessen ausgesetzt ist. Hanno wird, nach der Chronik der „Buddenbrooks“, im Jahr 1861 geboren und stirbt im Jahr 1877 (vgl. Mann, 1901, S. 395/755). Die „Buddenbrooks“ veroffentlichte Thomas Mann 1901. Die fiktive Geschichte im Film „Das weiBe Band“ spielt 1913/1914 kurz vor Einbruch des 1. Weltkrieges (vgl. Johannson, 2014, S. 17). Theodor W. Adornos „Studien zum autoritaren Charakter“ wurden erstmals 1949 in Amerika publiziert und Katharina Rutschkys Ausfuhrungen uber die „Schwarze Padagogik“ veroffentlichte sie 1977. Somit konnen sich sowohl die Studien von Adorno, als auch die Studien von Rutschky auf die Anfange der autoritaren Erziehung bis hin zu ihrem Hohepunkt wahrend der nationalsozialistischen Diktatur beziehen. Durch weitere zeitgenossische Literaturquellen kann daruber hinaus ein Blick auf aktuelle Diskussionsanlasse geworfen werden. Im Folgenden wird die „Schwarze Padagogik“ nach Katharina Rutschky sowie der „autoritare Charakter“ nach Theodor W. Adorno erlautert.

2. Schwarze Padagogik und der autoritare Charakter

Der Begriff „Schwarze Padagogik“ kann heute als Sammelbegriff verstanden werden, der sich auf einschuchternde und aggressive Erziehungsmethoden zur Beeinflussung der Kinder bezieht (vgl. von Stechow, 2010, S. 135). Hans Thiersch bezeichnet die „Schwarze Padagogik“ sogar als Padagogik der Kinder- und Menschenfeindlichkeit (vgl., Thiersch, 2014, S. 23). In ihren Untersuchungen richtet Katharina Rutschky ihren Blick auf die „Schattenseiten der Padagogik: die Unterwerfung des Kindes, die Beugung seines Willens, die Unterdruckung seiner Bedurfnisse“ (von Stechow, 2010, S. 136). Es handelt sich um eine Dokumentation von verschiedenen padagogischen Praktiken, die immer grausam, manchmal aber nicht ganz offensichtlich sind (vgl. ebd.).

Es wird schnell deutlich, dass [Katharina Rutschky] nicht nur gewalttatige oder besonders autoritare Form der Erziehung verurteilt, sondern besonders auf subtile und oftmals unbewusste Erziehungsmittel und -techniken aufmerksam machen will, die die Unterwerfung und Kontrolle des Kindes sicherstellen sollen (zit. n. von Stechow, 2010, S. 139).

Von Stechow beschreibt das Werk als eine Verteidigung der antiautoritaren Erziehungsbewegung in den 1970er Jahren (vgl. ebd.). Beschrieben wird ein neues Erziehungsziel: „Der Zogling soll nicht langer aus Angst vor Prugel gehorchen, er soll verstehen und verinnerlichen, warum er sich in einer bestimmten Weise verhalten soll“ (ebd.). Es entsteht die Forderung nach einem selbstdisziplinierten Verhalten der Kinder. Zu den neuen Erziehungszielen zahlt auch die Kontrolle verschiedener Triebe. Elisabeth von Stechow spricht in diesem Zusammenhang Warngeschichten an, welche den Kindern mogliche negative Folgen aufzeigen sollen (vgl., ebd., S. 137). Diese individualisierten Erinnerungen an Warngeschichten und Triebunterdruckungen zahlen, nach Rutschky, zum Aspekt der padagogischen Initiation. Rutschky beschreibt des Weiteren zwei Aspekte, die sich auf die Geschlechterrollen in der Erziehung fokussieren. Einerseits beschreibt sie die Affenliebe. Die Liebe zwischen Mutter und Kind wird nicht geschatzt, sondern verachtet. Der Erzieher mochte die Bindung zerstoren oder rationalisieren (vgl. ebd., S. 139). In diese Kategorie fallt auch die Idee der Besserung des Menschengeschlechts. Diese „beschreibt Rutschky als Ersatzreligion, in der sich der mannliche Erzieher als gottahnlich sieht, als einen Berufenen, dessen erzieherische Uberlegenheit auch die Frau in der Erziehung uberflussig macht“ (zit. n., ebd., S. 140). Durch das Zuschreiben besonderer kindlicher Eigenschaften werden dem Zogling Merkmale der kindlichen Entwicklungsstufe abgesprochen, sodass ein ganzheitliches Einwirken auf sein Wesen gerechtfertigt scheint (vgl. ebd.). Dazu zahlt auch das Einwirken auf seinen kindlichen Korper, z.B. auf die Art wie es zu sitzen hat (vgl. ebd.), welches unter der Uberschrift Erziehung als totale Institution zusammengefasst wird. Rutschky stellt auch die Motivation des Erziehers in den besonderen Fokus ihrer Untersuchungen. Dabei nennt sie zum einen die Angst vor der Starke eigener Leidenschaften, die unterdruckt werden mussen. Zum anderen spricht sie von der Angst des Erziehers, welcher seiner eigenen erzogenen Gehorsamkeit nachkommen muss (vgl. von Stechow, 2010, S. 138). Rutschky erlautert, dass Ungehorsam das Prinzip der Unterordnung fur den Erzieher in Frage stellt und deshalb ohne Weiteres gebrochen werden musse (vgl. ebd., S. 140). Des Weiteren lieBe die Luge erkennen, dass das Kind einen eigenen Wille habe, der es ihm erlaube sich den erzieherischen MaBnahmen zu entziehen (vgl. ebd., S. 141). Unter dem Aspekt Erziehung zur Triebabwehr fasst Rutschky auch das Onanieverbot auf, das im spateren Verlauf dieser Arbeit nochmals thematisiert wird (vgl. ebd.).

Letztendlich fasst von Stechow zusammen, dass der Begriff der „Schwarzen Padagogik“ typisch fur die Erziehungs- und Gesellschaftskritik der 68er-Generation und die daraus hervorgegangene antiautoritare Erziehungsbewegung ist (vgl. ebd., S. 143). Adorno, Horkheimer und Fromm haben sich daruber hinaus mit dem autoritaren Charakter auseinander gesetzt. Adorno untersucht, kurz nach dem 2. Weltkrieg, in seiner Studie vorwiegend das potentiell faschistische Individuum, welches eng verbunden mit dem autoritaren Charakter ist.

Er bekundet, dass „keine politisch-soziale Stromung unsere traditionellen Werte und Institutionen so gravierend bedroht wie der Faschismus, und daB er, wenn die psychologischen Krafte erkannt sind, die ihn begunstigen, schlieBlich besser zu bekampfen ist“ (Adorno, 1973, S. 1).

Adorno stutzt sich dabei auch auf die Untersuchungen von Max Horkheimer, welcher, in seinem Werk uber „Autoritat und Familie“, die Theorie aufstellt, dass eine auBere gesellschaftliche Unterdruckung mit der inneren Verdrangung von Trieben zusammenhinge (vgl. ebd., S. 323). Besonders das Prinzip der vaterlichen Autoritat soll in dieser Hausarbeit hervorgehoben werden. Ludwig von Friedeburg erwahnt in der Vorrede zu Adornos Werk, dass die Bildung eines autoritaren Charakters besonders durch die Sozialisationspraktiken der mittelstandischen und patriarchalischen Familie der zwanziger Jahre gefordert wurde, da die Autoritat des Vaters durch keine unabhangige burgerliche Existenz mehr gestutzt wurde (vgl. ebd.). Die Entwicklung hin zu einer Erziehung, in der das Individuum an die Schonungslosigkeit gegen sich und andere gewohnt werden sollte, wurde bereits im Zeitalter des Absolutismus hervorgehoben (vgl. Horkheimer, 1936, S. 50).

Autoritat ist daher eine zentrale historische Kategorie, daB sie im Leben von Gruppen und Individuen auf den verschiedensten Gebieten und in allen Zeiten eine so entscheidend Rolle spielt, beruht auf der bisherigen Struktur der menschlichen Gesellschaft. Uber die ganze Zeitspanne, welche die Geschichtsschreibung erfasst, vollzog sich die Arbeit, abgesehen von [Sklaverei], in mehr oder weniger freiwilligem Gehorsam gegen Befehl und Anweisung. Weil das Handeln, welches die Gesellschaft am Leben erhielt und in dessen Ausubungen die Menschen daher ihre Bildung erfuhren, in Unterwerfung unter einer fremden Instanz geschah, standen alle Beziehungen und Reaktionsweisen im Zeichen der Autoritat (Horkheimer, 1936, S. 23).

Die von Horkheimer beschriebene Unterordnung unter den „kategorischen Imperativ“, ist dementsprechend immer schon ein bewusstes Ziel der Erziehung gewesen (vgl. Horkheimer, 1936, S. 50). Der autoritare Charakter der Vaterfigur macht sich nicht nur durch seine naturliche Starke und Achtungswurdigkeit bemerkbar, sondern auch durch seine Position innerhalb der Familie. "Er ist Herr im Haus, weil er das Geld verdient oder wenigstens besitzt“ (ebd., S. 55). Dabei ist seine Rolle durch die Arbeit und den Erfolg charakterisiert. Horkheimer beschreibt die Gefahr eines familiaren Verfalls durch einen potenziellen Nichterfolg (vgl. ebd. S. 71). Auch Adorno geht in seinen Ausfuhrungen auf die mutterliche Liebe ein, die in dieser Erziehungspraxis unter ein strenges Tabu fallt. Der dabei entstehende Hass gegen den Vater wird „durch Reaktionsbildung in Liebe umgewandelt“ (vgl. Adorno, 1973, S. 323). Das Individuum wird dabei in seiner fruhen Entwicklung mit einer schwierigen Aufgabe konfrontiert. Es muss lernen den Hass in Liebe umzuwandeln. Adorno argumentiert, dass dies niemals vollstandig gelingen konne (vgl. ebd.). Fromme beschreibt die Bindung zwischen dem autoritaren Charakter und dem Individuum wie folgt:

Positiv ausgedruckt gehort zu einem jeden Autoritatsverhaltnis die gefuhlsmassige Bindung einer untergeordneten zu einer ubergeordneten Person oder Instanz. Das Autoritatsgefuhl scheint immer etwas von Furcht, Ehrfurcht, Respekt, Bewunderung, Liebe und haufig auch Hass zu haben [...] (Fromme, S. 79f.)

Diese besondere Bindung soll in der vorliegenden Hausarbeit, am Beispiel von Hanno und Martin, deutlich werden. Es soll nun noch ein Blick auf das gelegt werden, was eine positive Erziehung beinhalten sollte, um die freie Entfaltung eines Individuums moglich zu machen. Hans Thiersch beschreibt in seinen Ausfuhrungen nicht nur was die „Schwarze Padagogik“ charakterisiert, sondern bezieht sich auch auf das was Erziehung sein kann und sein sollte. Dabei nennt er die Liebe, die gleichzeitig auch respektvollen Umgang und Akzeptanz einbezieht. Vertrauen in sich und die eigene Entwicklung und Neugier fur das Entdecken individueller Charakterzuge (vgl. Thiersch, 2014, S. 23). Thiersch nennt als weiteren Punkt die Perspektive, durch die sich im Leben Wege eroffnen. „Kinder mussen erfahren, dass sie anerkannt werden in Ihrem So-Sein und in ihren Moglichkeiten, dass sie kompetent sind und Fahigkeiten entwickeln, fur die sie sich selbst achten und fur die sie von anderen geachtet werden konnen“ (ebd., S. 24). Des Weiteren mussen Kinder das Gluck des Lebens erfahren (vgl. ebd.). Dazu zahlt, dass sie die Welt nicht als einen Ort betrachten, an dem sie eigentlich nicht gebraucht werden.

In der Frage nach einer gelingenden oder misslingenden Erziehung gehts es nicht primar und nicht nur um Details von Strafen oder von schwierigen, scheuBlichen und demutigenden Umgangsformen, sondern um die Erfahrung von Anerkennung und Nichtanerkennung und darin um das Zusammenspiel von Demutigung und Anerkennung, von Entwicklungsblockaden, von Zerstorung von Entwicklungsmoglichkeiten und Perspektiven (Thiersch, 2014, S. 24).

Das System der „Schwarzen Padagogik“ kann als System der Nichtanerkennung betrachtet werden. Die staatliche und kirchliche Disziplinierung erhielt einen deutliche Verbindung, die Thiersch als „Ehe“ bezeichnet (vgl. Thiersch, 2014, S. 28f.). Dabei bezieht er sich auf das Bibelwort „Wen Gott lieb hat, den zuchtigt er.“ Liebe prasentiert sich hier in Harte und Strafe (vgl. ebd.). Dieser vorhandene biblische Verweis bietet eine gelegene Rechtfertigung fur den Erzieher. Horkheimer argumentiert an dieser Stelle, dass der Protestantismus behilflich gewesen sei bei der Entwicklung hin zu einer Erziehung der Autoritat. „Der Mensch soll sich nicht vor der Kirche beugen, [...], sondern er soll sich schlechthin beugen lernen, gehorchen und arbeiten“ (Horkheimer, 1973, S. 50). Thiersch beschreibt, dass die Erziehung gleichzeitig dazu anleitet, Macht und Ordnung zu demonstrieren.

Das verstarkt sich, wenn Erzieher ihrerseits nicht geachtet sind [...] Es geht einem nicht gut, aber man kann es kompensieren, indem man seine Macht vor denjenigen beweist, die noch unter einem stehen. Es ist eine besonders schreckliche - und erbarmliche Form der Anerkennung, die man erfahrt, wenn man die Angst spurt, die einem entgegengebracht wird (vgl. Thiersch, 2014, , S. 29).

Thiersch erlautert, dass beide, der Erzieher und der Zogling, unter diesen Umstanden leiden. Dabei ist anzumerken, dass die Kinder mehr leiden als die Erzieher (vgl. Thiersch, 2014, S. 29).

Letztendlich kann festgehalten werden, dass die „Schwarze Padagogik“ und der damit verbundene autoritare Charakter als Padagogik der Kinder- und Menschenfeindlichkeit bezeichnet werden kann. Durch Triebkontrollen, Angst, Demutigungen, Verachtung von mutterlichen Instinkten und Gewalt wird eine Erziehung begunstigt, die viele negativen Folgen haben kann. Im Folgenden sollen Konsequenzen am Beispiel von Hanno und Martin aufgezeigt werden. Dafur wird zunachst die Familiensituation von Hanno kurz erlautert, bevor die Bindung zu seinem Vater Thomas Mann genauer betrachtet wird. Wie auch bereits im theoretischen Teil festgestellt, gab es damals auch Gegenbewegungen zur „Schwarzen Padagogik“, die im Fall von Hanno durch die Mutter und den Musiklehrer deutlich werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Schwarze Pädagogik. Autoritäre Charaktere in Thomas Manns "Buddenbrooks" und in Michael Hanekes "Das weiße Band - eine deutsche Kindergeschichte"
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Der moderne Roman
Note
1,3
Jahr
2019
Seiten
21
Katalognummer
V537774
ISBN (eBook)
9783346133144
ISBN (Buch)
9783346133151
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Buddenbrooks, Hanno, Schule, Schwarze, Pädagogik, Das weiße Band, Kindergeschichte, Thomas Mann, Michael Haneke, Filmanalyse, Erziehung, Katharina Rutschky, Theodor W. Adorno
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Schwarze Pädagogik. Autoritäre Charaktere in Thomas Manns "Buddenbrooks" und in Michael Hanekes "Das weiße Band - eine deutsche Kindergeschichte", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537774

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