Das Höchstpreisedikt von 301 n. Chr. und die Auslegung durch Fulvius Asticus


Hausarbeit, 2017
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Die Inschrift des Höchstpreisedikts und die des Fulvius Asticus
2.1) Kontext des Höchstpreisedikts und der Inschrift desFulvius Asticus
2.2) Vergleich der Inschriften des Höchstpreisedikts und der des Fulvius Asticus

3.) Beweggründe des Fulvius Asticus zur Verfassung einer zusätzlichen Inschrift und des abweichenden Inhalts

4.) Fazit

Quellenverzeichnis

1.) Einleitung

Die Zeit der diokletianischen Tetrarchie ist durch eine Vielzahl von administrativen, militärischen und wirtschaftlichen Reformen gekennzeichnet. Im Bereich der Verwaltungsreformen zählt vor allem das Höchstpreisedikt (Ende 301 n. Chr.) zu den bedeutensten Edikten der Spätantike.1 Nicht selten wird das Höchstpreisedikt als der wichtigste und längste, inschriftlich überlieferte Erlass der Spätantike bezeichnet. Es stellte einen, in seiner Art und Gültigkeit vorher nie da gewesenen, staatlichen Eingriff in das antike Wirtschaftssystem dar.2

Das Edikt besteht aus einer praefatio, in der die Tetrarchen ihre Absichten und Gründe für den Erlass des Edikts darlegen und einem Verzeichnis, in dem Höchstpreise für Waren und Dienstleistungen des täglichen Lebens verzeichnet sind. Jedoch ist das Edikt nicht vollständig erhalten. Bisher sind 29 lateinische und griechische Fragmente gefunden worden, weshalb, vor allem im Verzeichnis der Waren und Dienstleistungen, einige Kategorien fehlen.3

Um dieses Höchstpreisedikt zu verkünden, fügte der römische Statthalter der Provinzen Karien und Phrygien, Fulvius Asticus, am Ende des Edikts eine eigene Inschrift hinzu. Im Wesentlichen gibt diese Inschrift den Inhalt der praefatio in gekürzter Form wieder. Jedoch wird bei näherer Betrachtung deutlich, dass sich diese in einigen Punkten von der praefatio des Edikts unterscheidet.

In dieser Arbeit sollen zuerst, zum Zwecke der Vollständigkeit, in aller Kürze die Gemeinsamkeiten zwischen praefatio des Höchstpreisedikts und der Bekanntmachung des Fulvius Asticus dargestellt werden, um darauf folgend ausführlich auf die Unterschiede einzugehen. Anschließend werden mögliche Gründe untersucht, die erklären könnten, warum Fulvius Asticus Abweichungen zum ursprünglichen Edikt vornahm.

2.) Die Inschrift des Höchstpreisedikts und die des Fulvius Asticus

Im Folgenden soll zunächst kurz auf die Hintergründe des Höchstpreisedikts und die Inschrift des Fulvius Asticus eingegangen werden und anschließend die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Inschriften dargestellt werden.

2.1) Kontext des Höchstpreisedikts und der Inschrift desFulvius Asticus

Wie bereits eingangs erwähnt wurde das Höchstpreisedikt Ende 301 n. Chr. von Diokletian und seinen Mitregenten erlassen. Kurze Zeit zuvor (September 301 n. Chr.) wurde ein Währungsedikt erlassen, welches wohl eine Inflation auslöste.4 In der Forschung wird davon ausgegangen, dass die Tetrarchen mit der Verkündung von Höchstpreisen die inflationäre Entwicklung des Preisniveaus eindämmen wollten. Aufgrund dessen kann davon ausgegangen werden, dass beide Edikte in einem reformerischen Kontext stehen.5 Andere Forschungsmeinungen sehen das Höchstpreisedikt jedoch nicht als Reaktion auf eine Inflation an, sondern vor langer Zeit geplant, da allein die Zusammenstellung des Verzeichnisses der Waren und Dienstleistungen in seiner Ausführlichkeit über einen so kurzen Zeitraum zwischen Währungs- und Höchstpreisedikt kaum zu bewerkstelligen gewesen wäre.6

Das Besondere an der Inschrift des Fulvius Asticus ist, dass er der einzige Statthalter war, der eine zusätzliche Inschrift verfassen ließ um das Höchstpreisedikt zu verkünden. Fulvius Asticus war vermutlich zwischen 293 und 305 n. Chr. Statthalter der römischen Provinzen Karien und Phrygien. Wichtig zu erwähnen ist, dass diese Amtszeit nicht belegt ist. Außer der vermutlichen Amtszeit sind weder familiäre Hintergründe noch Informationen über seine politische Laufbahn überliefert, die bei der Untersuchung der möglichen Gründe, warum Fulvius Asticus Änderungen in seiner Verkündung des Höchstpreisedikts vornahm, fehlen.7

2.2) Vergleich der Inschriften des Höchstpreisedikts und der des Fulvius Asticus

2.2.1) Gemeinsamkeiten zwischen der Inschrift des Höchstpreisedikts und der des Fulvius Asticus

Diokletian und seine Mitherrscher führen zu Beginn der praefatio eine sehr lange Auflistung ihrer Ruhmes- und Siegestitels und eine Danksagung für den Beistand der Götter auf.8 Fulvius Asticus beginnnt seine Inschrift mit den Worten „Und dieses Ergebnis göttlicher Weitsicht setzt, da ja unsere unbesiegten und alles besiegenden Herren Augusti und Kaiser angeordnet haben, (...).“.9 Zwar ist dies eine deutlich kürzere Fassung der Ruhmes- und Siegestitels, dennoch sind Parallelen zu erkennen.

Des Weiteren gehen die Tetrarchen in der Einleitung des Höchstpreisediktes mehrmals und in aller Deutlichkeit auf ihr Ziel ein, solche Missstände, die zu Preistreiberei führen, nicht wieder aufkommen zu lassen, indem sie der Habsucht Fesseln anlegen.10 Auch Fulvius Asticus verkündet, dass durch das Höchstpreisedikt es keinen Anlass mehr gäbe, dass sich Menschen fehlerhaft verhielten.11

2.2.2) Unterschiede zwischen der Inschrift des Höchstpreisedikts und der des Fulvius Asticus

Wie die Titulatur „Höchstpreisedikt“ schon impliziert, soll dieses Edikt Höchstpreise für Waren und Dienstleistungen des täglichen Lebens festlegen. Fulvius Asticus verkündet allerdings in seiner Inschrift, dass durch das Höchstpreisedikt „(...) die Versorgung mit Handelswaren zu gerechten Preisen sichergestellt ist (...)“.12 An dieser Stelle deutet Fulvius Asticus das Höchstpreisedikt in entscheidender Weise um. Er deklariert nicht nur feste Preise, sondern auch „gerechte Preise“. Dazu ist festzuhalten, dass im gesamten Höchstpreisedikt der Begriff „gerechte Preise“ nicht vorkommt.13 Anhand der Formulierung in der praefatio lässt sich allerdings erkennen, dass es eben nicht beabsichtigt ist feste Preise zu verkünden, sondern nur Maximaltarife einzuführen. Die Tetrarchen halten dies für nicht angebracht und eine solche Maßnahme sei auch nicht zu rechtfertigen, besonders vor dem Hintergrund, dass bereits in einigen römischen Provinzen niedrige Preise und ausreichend Versorgung mit Lebensnotwendigem vorhanden seien. Eine Festsetzung der Preisen käme somit einer Teuerung der Preise gleich.14

Genauso wie der Begriff des „gerechten Preises“ im Höchstpreisedikt nicht erwähnt wird, wird auch nicht das Ziel herausgegeben, dass niemand mehr Mangel an Lebensnotwendigem leiden solle. Natürlich kann davon ausgegangen werden, dass sich Menschen bei niedrigen Preisen das Lebensnotwendige leisten können, dennoch wird dies nicht explizit im Höchstpreisedikt erwähnt. Fulvius Asticus stellt jedoch genau dies als erklärtes Ziel des Höchstpreisediktes dar, indem er erklärt, dass „niemand aufgrund der übergroßen Hab- und Geldgier einiger am Notwendigen zur Deckung seiner Bedürfnisse Mangel leide.“15 Dem gegenüber wird in der praefatio des Höchstpreisedikts in mehreren Abschnitten sehr deutlich darauf eingegangen, dass durch die Festsetzungvon Höchstpreisen die wirtschaftliche Situation der römischen Soldaten erleichtert werden soll.

„Wer also dürfte nicht wissen, dass überall, (...), die Dreistigkeit, die den Staatsinteressen auflauert mit dem Wunsche nach Wuchergewinn auftritt und für die Preise der Handelswaren nicht das Vier- oder das Achtfache, sondern ein Vielfaches erpresst (...), und schließlich, dass manchmal durch den Kauf einer Ware der Soldat seiner Geldgeschenke und seines Soldes beraubt wird (...).“16

In diesem beispielhaften Abschnitt der praefatio wird deutlich dargestellt, mit welchen Problemen die Soldaten auf ihren Märschen konfrontiert sind. Eine solche „Zweckgebundenheit“ an die Soldaten nimmt Fulvius Asticus in seiner Ausführung nicht auf. Im Gegenteil, er verkündet die Versorgung von Handelswaren zu gerechten Preisen, „damit dies für alle Menschen gelte“.17 Zwar erklären die Tetrarchen in der praefatio, dass die Bestimmungen des Edikts für alle Menschen zu gelten haben, trotzdem geht daraus hervor, dass das Hauptaugenmerk auf den römischen Soldaten liegt.18 Im Vergleich dazu setzt Fulvius Asticus den Schwerpunkt auf die Bevölkerung.

Gegen Ende des Höchstpreisedikts verkünden die Tetrarchen, „(...) dass, wenn jemand gegen diesen klaren Erlass sich auflehnt, seine freche Tat einer Anklage auf Leben und Tod unterliegt.“19 Diese Androhung von Strafe bei Verstoß gegen die Maximaltarife lässt Fulvius Asticus in seiner Inschrift gänzlich aus. Fulvius Asticus weist lediglich darauf hin, dass diesem Edikt Folge zu leisten ist und die Herrscher dafür Sorge tragen würden.20

Mit der Aussage „Dafür, dass diese Einrichtung befolgt werde und auf ewig bestehen bleibe, ist durch ihre Majestäten Sorge getragen.“ schreibt Fulvius Asticus dem Höchstpreisedikt eine ewige Gültigkeitsdauer zu.21 In den Ausführungen der praefatio lassen sich jedoch keine Hinweise darüber finden, die auf einen festen Gültigkeitszeitraum schließen lassen. Diese Aussage hat Fulvius Asticus demnach eigenmächtig hinzugefügt.

Besonders auffallend ist, dass die Tetrarchen in der praefatio sehr deutlich auf die Täter eingehen, die ihrer Meinung nach die hohen Preise zu verschulden habe; nämlich die Händler. Sie werfen den Händlern Hab- und Geldgier und Willkür in der Preisfestsetzung vor und sogar die Dreistigkeit, aus Notlagen Profit ziehen zu wollen.22 Fulvius Asticus hingegen vermeidet es solch klare Anschuldigungen vorzunehmen und führt nur die „übergroße Hab- und Geldgier einiger“ als Grund für die Missstände an.23

3.) Beweggründe des Fulvius Asticus zur Verfassung einer zusätzlichen Inschrift und des abweichenden Inhalts

Bevor darauf eingegangen wird, welche Gründe den Statthalter Fulvius Asticus dazu veranlasst haben könnten, in seiner eigenen Fassung der praefatio teilweise solch deutliche Veränderungen vorzunehmen, sollte zuvor erwähnt werden, dass das Höchstpreisedikt ein Edikt ad provinciales darstellte, also ein Gesetz für die Provinzen, bzw. die Provinzbevölkerung.24 Ebenso wichtig ist zu erwähnen, dass es zu den Hauptaufgaben eines Statthalters gehörte, den Willen der Tetrarchen in seiner Provinz zu verkünden und eben diesen auch durchzusetzen.25

[...]


1 Noethlichs, K.L.: s.v. E. Diocletiani, in: DNP 3 (1997), Sp. 878 – 879, hier Sp. 878. Eine Einführung zu den diokletianischen Reformen und weiterführende Literatur, siehe Demandt, A.: Diokletian als Reformer in: Demandt, A. [u.a.] (Hgg.): Diokletian und die Tetrarchie. Aspekte einer Zeitenwende. Millennium-Studien zu Kultur und Geschichte des ersten Jahrtausends n.Chr., 1, Berlin/New York 2004, S. 1-9; Stade,K.: Der Politiker Diokletian und die letzte große Christenverfolgung. Frankfurt am Main 1926, S. 28-66; Kuhoff, W.: Diokletian und die Epoche der Tetrarchie. Das römische Reich zwischen Krisenbewältigung und Neuaufbau (284-313 n.Chr.). Frankfurt am Main 2001. S. 483-565.

2 Speidel, M.A.: Wirtschaft und Moral im Urteil Dioletians. Zu den kaiserlichen Argumenten für Höchstpreise, in: Historia 58, Heft 4 (2009), S. 486-505, hier S. 486.

3 Blümner, H.: s.v. Edictum Diocletiani, in: RE 10 (1997), Sp. 1948 – 1957, hier Sp. 1949. Eine ausführliche Beschreibung, Besprechung und Kommentierung der Bruchstücke wurde von Theodor Mommsen vorgenommen. Mommsen nahm ebenfalls eine Nummerierung der verschiedenen Abschnitte der praefatio vor. Diese Nummerierung wird in dieser Arbeit übernommen, vgl. Mommsen, Th.: Edictum Diocletiani De Pretiis Rerum Vernalium. Berlin 1958. Weiterführende Besprechung der Fundstücke und Fundorte, siehe Lauffer, S.: Diokletians Preisedikt, Berlin 1971.

4 Medicus, D.: s.v. Edictum Diocletiani, in: KlP 2 (1967), Sp. 198.; vgl. Das Münzreformedikt Diokletians aus dem Jahre 301: Freis, H.: Historische Inschriften zur römischen Kaiserzeit, von Augustinus bis Konstantin. Übersetzt und herausgegeben von H. Freis, Darmstadt 1984. Einführende Literatur zum Münzreformedikt und ausführliche Untersuchung der Geldwertentwicklung, siehe Brandt, H.: Geschichte der römischen Kaiserzeit.. Von Diokletian und Konstantin bis zum Ende der konstantinischen Dynastie (284-363). Berlin 1998, S. 75-78; Böhnke, H.: Ist Diocletians Geldpolitik gescheitert?, in: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik, Bd. 100 (1994), S. 473 – 483.

5 Böhnke Geldpolitik, S. 480.

6 Brandt, H.: Erneute Überlegungen zum Preisedikt Diokletians, in: Demandt, A. [u.a.] (Hgg.): Diokletian und die Tetrarchie. Aspekte einer Zeitenwende. Millennium-Studien zu Kultur und Geschichte des ersten Jahrtausends n.Chr., 1, Berlin/New York 2004, S. 47-55, hier S. 48; Kuhoff, Diokletian, S. 483.

7 Corcoran, S.: A Tetrarchic Inscription from Corcyra and the „Edictum de Accusationibus“, in: Zeitschrift für papyrologie und Epigraphik, Bd. 141 (2002), S. 221-230, hier S. 229.

8 Edict.Praef. 1-5. Historische Inschriften zur römischen Kaiserzeit, von Augustinus bis Konstantin. Übersetzt und herausgegeben von H. Freis, Darmstadt 1984, S.242.

9 Fulvius Asticus, Meißner, B.: Über Zweck und Anlass von Diokletians Preisedikt, in: HZ 49 (2000), S. 79-100, hier S. 92.

10 Edict. Praef. 16.

11 Fulvius Asticus, S. 92.

12 Fulvius Asticus: Meißner, S. 92.; Obwohl in der preafatio nicht von gerechten Preisen gesprochen wird, verwendet auch Aurelius Victor später den Begriff „gerecht“. Allerdings schreibt er nicht von gerechten Preisen, sondern von gerechten Vorschriften, mit denen der Preistreiberei Einhalt geboten werden sollte. Vgl. Aur.Vict.Caes.39,39-39,45. S. Aurelius Victor, Die römischen Kaiser, Liber de caesaribus, lateinisch-deutsch, herausgegeben, übersetzt und erläutert von K. Groß-Albenhausen und M. Fuhrmann, Zürich 1997.

13 Ermatinger, J.W.: The Economic Reforms of Diocletian. St. Katharinen 1996, S. 85.

14 Edict. Praef. 15.

15 Fulvius Asticus, Meißner, S. 92.

16 Edict. Praef. 14. Übers. nach H. Freis, Historische Inschriften, S. 242.

17 Fulvius Asticus, Meißner, S. 92

18 Edict. Praef. 20.

19 Edict. Praef. 18. Übers. Nach H. Freis, Historische Inschriften, S. 242-243.

20 Fulvius Asticus, S. 92.

21 Fulvius Asticus, Meißner, S. 92.

22 Edict. Praef. 10.

23 Fulvius Asticus, Meißner, S. 92.

24 Blümner, Edictum Diocletiani, Sp. 1950.

25 Corcoran, S.: The Empire of the Tetrarchs. Imperial Pronouncements and Government. AD 284-324, New York 1996, S. 245.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das Höchstpreisedikt von 301 n. Chr. und die Auslegung durch Fulvius Asticus
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V538084
ISBN (eBook)
9783346133519
ISBN (Buch)
9783346133526
Sprache
Deutsch
Schlagworte
höchstpreisedikt, auslegung, fulvius, asticus
Arbeit zitieren
Maximilian Posch (Autor), 2017, Das Höchstpreisedikt von 301 n. Chr. und die Auslegung durch Fulvius Asticus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538084

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