In der folgenden Arbeit soll der Grundtypus der Maria Orans erläutert, sowie Parallelen zu darstellungsverwandten byzantinischen Ikonen, der Maria Platytera und Blachernitissa aufgezeigt werden.
Darüber hinaus werden Besonderheiten in Namensgebung und Darstellung der Ikonen herausgearbeitet. Da die Namensgebung byzantinischer Marienikonen eine besondere Stellung beim Verständnis der Ikonen einnimmt, wird diese erklärt, bevor dann die Ikonen der Maria Orans, der Platytera und der Blachernitissa, auch anhand von treffenden Beispielen, gedeutet werden
Schon Augustinus von Hippo schreibt in seinem Werk "De Trinitate VIII", dass kein einheitliches Bild der Mutter Gottes existiert. Von den verbliebenen Zeugen aus früh-, mittel- und spätbyzantinischer Zeit sind nur wenige Mariendarstellungen aus der Mosaik-, der Email-, sowie der Relief- und Elfenbeinkunst bekannt. Die derzeit noch existierenden, unterschiedlichen Darstellungsformen, sowie die uneinheitliche Namensgebung der byzantinischen Marienikonen evozieren die Frage nach den bestehenden Grundtypen und deren Weiterentwicklung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Namensbestandteile byzantinischer Marienikonen
3 Darstellungsverwandte Ikonen
3.1 Maria Orans
3.2 Maria Platytera
3.3 Maria Blachernitissa
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Grundtypen und die uneinheitliche Namensgebung byzantinischer Marienikonen, wobei der Fokus insbesondere auf der Maria Orans und ihren darstellungsverwandten Typen, der Maria Platytera und der Maria Blachernitissa, liegt.
- Analyse der Etymologie und Bedeutung der Beinamen byzantinischer Marienikonen.
- Untersuchung des Grundtypus der Maria Orans als Ausgangspunkt der Ikonografie.
- Gegenüberstellung der Bildtypen Maria Orans, Maria Platytera und Maria Blachernitissa.
- Diskussion der symbolischen Bedeutung und der künstlerischen Umsetzung in verschiedenen Medien.
- Erläuterung der historischen Herkunft und der Bedeutung des Bildtypus für das Verständnis der Muttergottes.
Auszug aus dem Buch
3.1 Maria Orans
Bis zum Konzil von Ephesus im Jahre 431, wodurch der Jungfrau Maria die Gottesmutter-schaft an Jesus Christus zugesprochen wurde und sie den Titel “Theotokos“ erhielt, ist die Ikone häufig ohne das Christuskind dargestellt. So auch im Fall der Maria Orans: Die in Gebetsstellung dargestellte Ikone lässt sich auf die „Orans“, die altchristliche Grabeskunst zurückführen. In den römischen Katakomben waren sogenannte „Oranten“ häufig auf den Sarkophagen abgebildet. Nach DETZEL sind Oranten „Bilder der in der Seligkeit gedachten Seelen der Verstorbenen, welche für die Hinterbliebenen beten, damit auch diese das gleiche Ziel erlangen.“ Folglich bedeutet die lateinische Namensgebung Mariens so viel wie “betende“ oder “bittende“ Maria. Die Darstellung der betenden Marienikone ohne Christuskind entstammt der frühbyzantinischen Zeit. Dies wurde bereits mit Goldgläsern des 4. Jahrhunderts bezeugt, welche die Orantin abbilden. Da sich die Ikone auf die Zeit vor dem byzantinischen Bilderstreit zurückführen lässt, ist dieser Marientypus jedoch selten erhalten. Zu dieser Zeit wurde Maria als Orantin meist mit anderen Personen unterhalb der Theophanie, der Erscheinung Gottes, dargestellt. Außerhalb von Byzanz, insbesondere nördlich der Alpen, ist der Typus der Maria Orans selten anzutreffen. Bekannte Medien, auf denen die Ikone häufig abgebildet wird, sind Stein- oder Marmorreliefs, Email-Platten, Schmuck, Metalle, Medaillons, Fresken und Mosaiken.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Vielfalt und Uneinheitlichkeit byzantinischer Marienikonen und steckt das Ziel ab, die Grundtypen Maria Orans, Platytera und Blachernitissa zu erläutern.
2 Namensbestandteile byzantinischer Marienikonen: Dieses Kapitel erklärt die Zusammensetzung der Beinamen, die sich aus der Haltung Mariens, kirchlichen Ehrentiteln oder geografischen Toponymen ableiten.
3 Darstellungsverwandte Ikonen: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Typologie der Maria Orans, der Maria Platytera und der Maria Blachernitissa anhand historischer Beispiele und kunstgeschichtlicher Merkmale.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Grundtypen aufeinander aufbauen, aber ihre Herkunft und Bedeutung aufgrund der uneinheitlichen Namensgebung einer präzisen Einzelfallprüfung bedürfen.
Schlüsselwörter
Byzantinische Ikonen, Maria Orans, Maria Platytera, Maria Blachernitissa, Theotokos, Gebetshaltung, Ikonografie, Maphorion, Goldtesserae, Konstantinopel, Marmorreliefs, Mosaikkunst, christliche Kunst, Mariendarstellungen, Bildtypus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kunsthistorischen Analyse byzantinischer Marienikonen und deren unterschiedlichen Darstellungstypen und Namensgebungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Typologie der "Maria Orans", "Maria Platytera" und "Maria Blachernitissa" sowie die Analyse von deren Beinamen und deren historische Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die bestehenden Grundtypen der Marienikonen zu erläutern und ihre Weiterentwicklung sowie die Besonderheiten ihrer Darstellung und Namensgebung herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die kunsthistorische Methode der Ikonografie und Bildanalyse, um die verschiedenen Darstellungstypen anhand von erhaltenen Zeugnissen und historischen Quellen zu deuten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Merkmale der drei genannten Marienikonen, deren Herkunft und ihre Bedeutung im byzantinischen Kontext mittels konkreter Beispiele wie dem Apsis-Mosaik in Kiew oder dem Pala d’Oro in Venedig untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Byzantinische Ikonen, Maria Orans, Theotokos, Ikonografie und die spezifischen Typenbezeichnungen charakterisiert.
Was unterscheidet die Maria Platytera von der Maria Orans?
Der Hauptunterschied liegt im Medaillon ("Clipeus") mit Jesus Christus, welches bei der Maria Platytera frei vor der Brust der betenden Madonna schwebt.
Warum ist die Identifizierung der "Maria Blachernitissa" oft schwierig?
Die Identifizierung ist komplex, da der Name sowohl für verschiedene Orans-Darstellungen genutzt wurde als auch auf das spezifische Urbild und die Reliquien der Blachernen-Kirche in Konstantinopel verweist.
Welche Rolle spielt die Kirche von Blachernen in der Ikonografie?
Sie gilt als Ursprung des Bildtypus der Blachernitissa und verwahrte wichtige Marienreliquien, wodurch sie zum zentralen Bezugspunkt für viele spätere Mariendarstellungen wurde.
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- Victoria Landmann (Author), 2014, Maria Orans und ihre darstellungsverwandten byzantinischen Ikonen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538659