Das Hauptthema dieser Hausarbeit wird eine Analyse und eine Ideologiekritik anhand des von Wachler verfassten Aufsatzes "Über die Zukunft des deutschen Glaubens" in der Zeitschrift Irminsul sein. Anhand dieser Quelle werden die Ideologien der germanischgläubigen Bewegung um Ernst Wachler erarbeitet und kritisch dargestellt. Neben dieser Quelle wird die in der Zeitschrift Irminsul dargelegte Ideologie durch verschiedene Werke der Sekundärliteratur erörtert und im Kontext der Ideen der völkischen Bewegung gestellt. Besonders wird sich in dieser Arbeit auf den Historiker Uwe Puschner sowie auf die Historikerin Stefanie Freifrau v. Schnurbein berufen.
Die Germanischgläubigen gelten innerhalb der völkischen Bewegung als eine der maßgeblichen Splittergruppen der breit gefächerten völkisch-religiösen Gruppierungen im Deutschen Kaiserreich. Verschiedenartige Institutionen und Akteure dominierten diese, vor allem antisemitische und auf einen vermeidlich germanischen Glauben fokussierte, Bewegung in der Zeit des deutschen Kaiserreiches, der Weimarer Republik und des beginnenden Nationalsozialismus. Da es keine absolute Homogenität innerhalb der Germanischgläubigen und schon gar nicht innerhalb der völkischen Bewegung gab, ist eine komplette Analyse ihrer Vertreter und Organisationen schwierig durchzuführen. Demensprechend wird sich diese Arbeit nur mit einem der Hauptvertreter dieser Glaubensgruppe und seinen Ansätzen während des deutschen Kaiserreiches beschäftigen.
Dieser Akteur des germanischen Glaubens war der Schriftsteller Ernst Wachler. Als Vertreter des Neuheidentums befürwortete er die komplette Abkehr von der christlichen Religion, welche er als undeutsch und jüdisch diffamierte. Wachler und seine Anhänger forderten eine ideologische und theologische Rückbesinnung auf einen altgermanischen Naturglauben, welcher die germanischen Gebiete vor der Christianisierung dominerte. Gepaart war dieser Glaube mit einem in der völkischen Bewegung Ton angebenden deutschnationalen Antisemitismus, Antimarxismus und einem stark ausgeprägten Rassismus und Nationalismus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Völkische Religiosität
2.1 Grundideen germanischgläubiger Strömungen im Deutschen Kaiserreich
2.2 Ernst Wachler
3. Analyse Wachlers „Über die Zukunft des Deutschen Glaubens“ in Irminsul
3.1 Ablehnung der christlichen sowie der jüdischen Religion
3.2 Rückbesinnung auf das Germanentum
3.3 Kulturkritik
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Analyse der Ideologie der „Germanischgläubigen“ im Deutschen Kaiserreich, fokussiert auf den Schriftsteller Ernst Wachler und dessen Schrift „Über die Zukunft des deutschen Glaubens“. Ziel ist es, die ideologischen Kernelemente dieser völkisch-religiösen Bewegung – insbesondere die Ablehnung des Christentums zugunsten eines konstruierten germanischen Naturglaubens – anhand der Quelle und einschlägiger Sekundärliteratur kritisch aufzuarbeiten.
- Religionskritik und die Ablehnung des „jüdisch geprägten“ Christentums
- Konstruktion eines germanischen Neuheidentums
- Verbindung von völkischem Nationalismus, Antisemitismus und Kulturpessimismus
- Die Rolle der deutschen Philosophie und Kunst als Identitätsstifter
- Kulturkritik und die Ablehnung von Rationalismus und Urbanisierung
Auszug aus dem Buch
3.1 Ablehnung der christlichen sowie der jüdischen Religion
Wachler beginnt seinen Text mit einer kurzen Einleitung. In diesen Zeilen macht er den Leser auf die vermeintliche Abkehr der Menschen in der Gesellschaft des Kaiserreiches von der Kirche aufmerksam und damit auch seine Ideologiekritik am Christentum. Um seine Forderungen nach einer alten Germanenreligion untermauern zu können, meint Wachler über den gesamten Text hinweg das Christentum diffamieren zu müssen. Er versucht, dem Leser mit einer Mischung aus vermeintlich theologischen Grundsätzen, Kulturkritik, sowie nicht belegbaren historischen Argumenten, das Neugermanentum näher zu bringen.
Der Hauptkritikpunkt, wie bei allen Agitatoren der völkischen Bewegung am Christentum, ist der Ursprung aus der jüdischen Religion. Die jüdische Abstammung Jesu, genauso wie die theologisch fest definierte jüdische Herkunft des Alten Testamentes, war den völkischen Religionskritikern ein Dorn im Auge. Hier argumentiert er, dass das jüdische Volk durch die Unterdrückung Roms, die babylonische Gefangenschaft sowie die persische Lehre in ihren nationalen Hoffnungen enttäuscht worden sei und dies nur als göttliche Strafe empfunden werden konnte.
All diese genannten Assoziationen jüdischen Ursprungs werden später als die christlichen Tugenden gedeutet. Diese Assoziationen, die im jüdischen und im christlichen Glauben als durchaus positiv beschrieben werden, werden von ihm als rein negativer und schwächlicher Natur dargestellt. Somit stellt der Autor das Christentum sowie die Christen als schwache, passive, fast kränkliche Menschen dar. Die Person Christi beschreibt er zu Beginn seines Artikels nicht als zwingend schlecht und nennt das Evangelium auch eine frohe Botschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung der Germanischgläubigen als Splittergruppe innerhalb der völkischen Bewegung dar und definiert Ernst Wachler als zentrales Studienobjekt.
2. Völkische Religiosität: Hier wird der theoretische Rahmen völkischer Religiosität beleuchtet, die durch eine antichristliche Grundhaltung und rassistische Ideologien geprägt ist.
2.1 Grundideen germanischgläubiger Strömungen im Deutschen Kaiserreich: Dieses Kapitel erläutert die philosophischen und pseudowissenschaftlichen Wurzeln des germanischen Glaubens, wie Pantheismus, Naturmystik und Darwinismus.
2.2 Ernst Wachler: Eine biografische und ideologische Einordnung des Schriftstellers Ernst Wachler als Publizist und Begründer des Bergtheaters.
3. Analyse Wachlers „Über die Zukunft des Deutschen Glaubens“ in Irminsul: Das Kapitel untersucht die Programmschrift Wachlers als zentrales Manifest des frühen Neuheidentums.
3.1 Ablehnung der christlichen sowie der jüdischen Religion: Eine Analyse der radikalen Fundamentalkritik Wachlers am Christentum und dessen jüdischen Wurzeln.
3.2 Rückbesinnung auf das Germanentum: Darstellung von Wachlers Bestreben, ein „arteigenes“ germanisches Glaubenssystem aus dem Volkstum zu deduzieren.
3.3 Kulturkritik: Untersuchung der Argumentation, die deutsche Kunst, Musik und Philosophie als Ersatzmedien für den germanischen Glauben instrumentalisiert.
4. Fazit: Eine kritische Zusammenfassung, die Wachler als ideologischen Vordenker identifiziert, den Erfolg seiner Bewegung jedoch als marginal bewertet.
Schlüsselwörter
Germanischgläubige, Völkische Bewegung, Ernst Wachler, Deutsches Kaiserreich, Christentumskritik, Neuheidentum, Antisemitismus, Germanentum, Volksglaube, Kulturkritik, Rassismus, Nationalismus, Religionsgeschichte, Irminsul, Naturmystik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die religiösen und ideologischen Vorstellungen der „Germanischgläubigen“ im Deutschen Kaiserreich, einer radikalen Splittergruppe der völkischen Bewegung, am Beispiel des Autors Ernst Wachler.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die explizite Ablehnung des Christentums als „artfremd“, die Konstruktion eines germanischen Glaubens auf Basis des Volkstums sowie die Verknüpfung dieser religiösen Ansätze mit Antisemitismus und Kulturkritik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine ideologiekritische Aufarbeitung der Schrift „Über die Zukunft des deutschen Glaubens“ (1900), um zu verstehen, wie Wachler versuchte, den Germanenglauben theoretisch zu legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die eine Primärquelle (Wachlers Aufsatz) mit einschlägiger wissenschaftlicher Sekundärliteratur zu völkischen Ideologien und religiösen Strömungen der Kaiserzeit abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Einordnung völkischer Religiosität, eine Analyse von Wachlers Biografie und eine detaillierte Auseinandersetzung mit seinem publizistischen Werk, unterteilt in Religionskritik, germanische Rückbesinnung und Kulturkritik.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Germanischgläubige, völkische Bewegung, Antisemitismus, Neugermanentum und Kulturkritik charakterisieren.
Wie bewertet Wachler das Christentum im Vergleich zum germanischen Glauben?
Wachler diffamiert das Christentum als jüdisch und „lebensfeindlich“, während er den germanischen Glauben als „arteigenen“, naturverbundenen und somit als einzig würdigen Glauben für das deutsche Volk glorifiziert.
Welche Rolle spielen Künstler wie Goethe oder Wagner in der Argumentation des Autors?
Wachler instrumentalisiert berühmte Künstler und Denker, indem er deren Werk – oft entgegen ihrer tatsächlichen Weltanschauung – als Ausdruck einer „germanischen Seele“ umdeutet, um seine eigene Ideologie zu untermauern.
Wie erfolgreich war die germanischgläubige Bewegung laut dieser Arbeit?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Bewegung zahlenmäßig marginal blieb und sowohl im Kaiserreich als auch in der Weimarer Republik und darüber hinaus politisch scheiterte.
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- Philipp Weitzel (Autor), 2018, Die Ideologie der germanischgläubigen im Deutschen Kaiserreich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538711