Mediatisierung und ihre Folgen für die Soziale Arbeit. Kommunikation im Beratungskontext


Hausarbeit, 2020

32 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mediatisierung

3. Kommunikation und Beratung
3.1 Kommunikation
3.2 Mediatisierte Kommunikation
3.3 Beratung in der Sozialen Arbeit
3.4 Mediatisierte Beratungskommunikation

4. Mediatisierung (in) der Sozialen Arbeit im Beratungskontext
4.1 Onlineberatung als mediatisierte Beratungskommunikation in der Sozialen Arbeit
4.2 Onlineberatung als kanalreduzierte Kommunikation
4.2.1 Herausfiltern sozialer Hinweisreize
4.2.2 Simulations- und Imaginationsmodell
4.2.3 Soziale Informationsverarbeitung

5 Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die gesellschaftliche Relevanz und der Einfluss von Medien sind innerhalb der letzten Jahre rapide gestiegen. In der gegenwärtigen Gesellschaft ist die Präsenz und Nutzung von Medien mehr als je zuvor in den Alltag eingelagert. Die Menschen verbringen durchschnittlich immer mehr Zeit vor allem mit digitalen Medien, welche folglich einen zunehmend selbstverständlichen Bestandteil innerhalb der menschlichen Lebenswelt einnehmen (vgl. Cleppien & Lerche, 2010, S. 8; vgl. Wenzel, 2013, S. 56; vgl. Helbig, 2017, S. 134). Mit dem rasanten Aufkommen und der Etablierung von neuen Medientechnologien binnen der letzten Jahrzehnte erfährt hierbei auch die Art der menschlichen Kommunikation und Interaktion grundlegende Erneuerungen, Ausdifferenzierungen und Veränderungen (vgl. Engelhardt & Reindl, 2016, S. 131; vgl. Wenzel, 2018, S. 22). Vor dem Hintergrund der Kommunikation als bedeutsamste und zentralste Eigenschaft des Handlungsfelds Beratung ist folglich auch die Soziale Arbeit mit einerzunehmenden medialen Durchdringung konfrontiert (vgl. Reindl, 2018, S. 24; vgl. Engel, 2019, S. 4). Aufgrund dessen untersucht die nachfolgende Ausführung die Frage, was die gesellschaftliche Mediatisierung für Adressaten der Sozialen Arbeit in Hinblick auf Kommunikation im Beratungskontext bedeutet?

Um einen Einstieg in die Thematik zu ermöglichen, wird zu Beginn der Arbeit der Gegenstand der Mediatisierung mittels seiner Darstellung der vergangenen Jahre innerhalb der modernen Gesellschaft behandelt. Das darauffolgende Kapitel beschäftigt sich mit den Begrifflichkeiten „Kommunikation“ und „Beratung“. Hier wird zunächst der Terminus „Kommunikation“ allgemein definiert. Anschließend wird speziell die „mediatisierte Kommunikation“ näher erläutert. Hierauf folgt dann die allgemeine Thematisierung der Begrifflichkeit „Beratung“ im Kontext Sozialer Arbeit. Abschließend bezieht sich dieses Kapitel auf die mediatisierte Beratungskommunikation, die hier besonders den Zusammenhang von Kommunikation und Beratung im Rahmen der Mediatisierung fokussiert. Das vierte Kapitel widmet sich der Mediatisierung (in) der Sozialen Arbeit im Beratungskontext. Hier werden die Herausforderungen für die Soziale Arbeit im Handlungsfeld der Beratung infolge des Medialisierungsschubs näher betrachtet. In Bezug darauf findet nachfolgend speziell die Behandlung von Onlineberatung als mediatisierte Beratungskommunikation in der Sozialen Arbeit statt. Dabei wird die Onlineberatung als kanalreduzierte Kommunikation thematisiert. In diesem Kapitel erfolgt die Darstellung kritischer Thesen, welche daraufhin, um die Fragestellung zu beantworten, vor dem Hintergrund der Theorie des Herausfilterns sozialer Hinweisreize, dem Simulations- und Imaginationsmodell und der Theorie der sozialen Informationsverarbeitung aufSeiten der Adressaten mit hauptsächlichem Blick auf mögliche positive Effekte für diese untersucht werden. Bezogen auf die Beschäftigung mit diesen Inhalten werden im Fazit die Ergebnisse diskutiert, resümiert und mit einem Ausblick beendet. Diese Arbeit beschränkt sich zugunsten der besseren Lesbarkeit auf männliche Formen. Die Ausführung bezieht sich jedoch auf Personen jedes Geschlechts.

2. Mediatisierung

Laut Wenzel (2013) lassen sich unterschiedliche Typen von Medien unterscheiden. Während die Primärmedien als unmittelbare menschliche Äußerungen im Sinne von Sinnesorganen sowohl Stimme, Gestik als auch Mimik vertreten, stellen Bücher und Zeitungen sekundäre Medien dar (S. 50f.). In Hinblick auf sogenannte Tertiärmedien ist von elektronischen Medien wie dem Telefon, Radio, CD oder auch Fernseher die Rede. Die moderne Gesellschaft ist aktuell jedoch mit einer kontinuierlichen Wendung der Nutzung dieser alltäglichen Medien konfrontiert (vgl. Weinhardt, 2009, S. 37; vgl. Cleppien & Lecher, 2010, S. 13). Während ältere Medien wie Buch, Zeitung oderTelefon zwar größtenteils weiterexistieren, kommen indes konstant „Neue Medien“ als sogenannte Quartärmedien hinzu. Dieses Phänomen wird als Mediatisierung bezeichnet, welches die wachsende Relevanz und die Rolle des medialen Wandels beschreibt (vgl. Alfert, 2015, S. 77; vgl. Wenzel, 2015, S. 37).

Ein gesellschaftlich verankertes Mediatisierungsphänomen der Gegenwart stellt hierbei die Digitalisierung durch die „Etablierung digitaler Medien“ (Wenzel, 2013, S. 56) dar. Digitale Prozesse, die den Umbruch zur Digitalgesellschaft bewirken, gelten als sogenannte kulturelle Transformationen, welche hauptsächlich auf einer Verstrickung von digitalen Techniken, Menschen und der Gesellschaft fußen (vgl. Kutscher, 2019, S. 45; vgl. Geisler, 2019, S. 87). Im Alltag lassen sich digitalen Medien in Form von Laptops, Smartphones, Tablets etc. fassen (vgl. Geisler, 2019, S. 88). Mittels des umfassenden medialen Wandels und der damit einhergehenden alltäglichen Präsenz und Nutzung digitaler Technologien und Medien agieren die Menschen mittlerweile in jeglichen Lebenssphären von Freundschaft über Familie bis hin zum Beruf in ihren digitalen Lebenswelten (vgl. Berg & Sawatzki, 2019, S. 197). Im Zuge der Digitalisierung hat sich hierbei nicht nur das Spektrum der Bandbreite der Medienzugänge, sondern ebenso die Nutzung von Aktivitäts- und Inhaltsangeboten deutlich vervielfacht (vgl. Engelhardt & Reindl, 2016, S. 131). Nicht nur die Erleichterung des Alltags durch online verfügbare Informationen jeglicher Art, die Optimierung von Reiserouten durch Navigationssysteme, die Unterstützung von Kaufentscheidungen durch Preisvergleiche, sondern auch verbesserte Möglichkeit zur Unterhaltung von sozialen Kontakten durch Messenger Dienste sind durch die Nutzung digitaler Medien gewährleistet (vgl. Rietmann, 2019, S. 160). Hierbei erfolgt nicht nur die entscheidende Prägung des menschlichen Zusammenlebens und der Kommunikationsart, auch die Lebensweise, das Lernen und Arbeiten als auch das Freizeit- und Konsumverhalten werden infolge der Digitalisierung grundlegend bestimmt (vgl. Ermel & Stüwe, 2019, S. 9; vgl. Kutscher, 2019, S. 42). Es ist folglich mittlerweile eine allgemein bekannte Tatsache, dass digitale Produkte mit ihrer permanenten Existenz, Mobilität und Erreichbarkeit die Lebens- und Arbeitswelt durchbrechen und den Alltag und das Leben der Menschen sowohl zeitlich, räumlich als auch sozial weitgehend beherrschen (vgl. Berg & Sawatzki, 2019, S. 197).

Die Verfügung und Verwendung solch digitaler Produkte und der alltägliche Medienkonsum lassen sich oftmals jedoch nur mit der Existenz einer Internetverbindung realisieren. Das Internet, welches neben Radio, Fernseher und Zeitung das vierte tagesaktuelle Medium der Gesellschaft darstellt, gilt hierbei als „Sammelbezeichnung für die technische Infrastruktur“ (Kreuzberger, 1997, S. 9) und stellt den „Verbund unterschiedlichster Computer dar“ (Kaenders, 2001, S. 5), die zu einem großen Netzwerk zusammengefügt sind. Sowohl das Internet als auch die Mobiltelefonie haben sich schon nach wenigen Jahren im Alltag der Menschheit verbreitet und fest etabliert. Computer, Smartphones, Internet, Emails usw. sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und kaum jemand verfügt nicht über solch ein mobiles Gerät (vgl. Weinhardt, 2009, S. 37; vgl. Papsdorf, 2013, S. 12). Das Internet und der allgegenwärtige mobile Zugang stellen hiernach bedeutende Charakteristika des aktuellen Medialisierungsschubs dar (vgl. Helbig, 2017, S. 134). Diesbezüglich kann das Internet als „Symbol und Metapher des gesellschaftlichen Wandels“ (Kaenders, 2001, S. 5) begriffen werden. Die Relevanz und Bedeutung der Internetkultur zeigt sich unter anderem auch anhand des kontinuierlichen Wachstums der Verwendung des Internets und der durchschnittlichen Nutzungsdauer innerhalb der letzten Jahre (vgl. Wenzel, 2015, S. 37). Der ARD/ZDF Onlinestudie zufolge verfügen 79,5% der deutschen Bevölkerung ab dem 14. Lebensjahr heutzutage über einen Internetzugang (vgl. Dürscheid & Frick, 2016, S. 34). Dabei verdeutlicht die Onlinestudie, dass hier keineswegs nur Jugendliche als „digital natives“ ständige Nutzer des Internets darstellen. In Hinblick auf die Aneignung Neuer Medien und der Internetnutzung holen Erwachsene und ältere Menschen sowohl in Frequenz als auch in Vielfalt immer mehr auf (vgl. Wenzel, 2015, S. 37; vgl. Dürscheid & Frick, 2016, S. 21; vgl. Helbig, 2017, S. 135). Ebenso entwickelte sich auch die Nutzung des Internets von unterwegs aus im Sinne der Mobilität zur Selbstverständlichkeit der heutigen Zeit (vgl. Dürscheid & Frick, 2016, S. 34). Schon 1997 versicherte Kreuzberger diesbezüglich, dass das Internet ein Medium darstellt, welches den Lebensstil der Gesellschaft sowohl gegenwärtig als auch zukünftig maßgeblich mitprägen wird (S. 8).

3. Kommunikation und Beratung

Das folgende Kapitel beschäftigt sich zunächst allgemein mit der Begriffserklärung von Kommunikation und darauffolgend speziell mit der Begrifflichkeit mediatisierte Kommunikation. Anschließend fokussiert sich die Ausführung auf die Beratung in der Sozialen Arbeit, um sich daraufhin insbesondere mit der mediatisierten Beratungskommunikation auseinanderzusetzen.

3.1 Kommunikation

Kommunikation beschreibt „einen an sich alltäglichen Vorgang“ (Misoch, 2006, S. 7). Jeder Mensch kommuniziert tagtäglich, was oftmals auch völlig unbewusst ablaufen kann. Der Begriff Kommunikation, welcher sich vom lat. communicatio ableitet, bedeutet Mitteilung oder auch Verbindung (vgl. Misoch, 2006, S. 7; vgl. Geisler, 2019, S. 87). Diesbezüglich versteht man unter Kommunikation allgemein den Prozess der Informationsübertragung „von einem Sender zu einem Empfänger mittels Zeichen/Codes“ (Misoch, 2006, S. 7). Ein System oder Lebewesen ist hierbei jedoch nicht in der Lage, alleine zu kommunizieren. Vielmehr ist die kommunikative Handlung sowohl von der Reaktion als auch Interaktion der involvierten Kommunikationspartner abhängig. Kommunikation als sozialer Prozess, welcher zwischen Systemen oder auch Lebewesen ablaufen kann, setzt sowohl auf Seiten des Senders als auch auf Seitens des Empfängers voraus, dass die vermittelten Zeichen verstanden und adäquat interpretiert werden können. Um die Zeichen und Codes korrekt deuten zu können, sollte ihre Sinnhaftigkeit demnach gemeinschaftlich gültig sein (vgl. ebd., S. 7f.). Die Versammlung stellt die Urform der sozialen Kommunikation dar. Die sogenannte Normalform von menschlicher Verständigung war demzufolge an die Präsenz vor Ort gebunden, an welchem die jeweiligen Kommunikationspartner zur selben Zeit anwesend waren (vgl. Wenzel, 2013, S. 50). Kommunikatives Handeln zwischen Menschen verortet sich demnach ursprünglich als Face-to-Face Begegnung in einer bestimmten räumlichen Situation, die sich in einem gegenseitigen Verständigungs- und Aushandlungsprozess durch die Verwendung von Gesten, Mimik und Körperhaltung der Anwesenden auszeichnet (vgl. Hinrichs, 2008, S. 8; vgl. Krotz, 2012, S. 31).

3.2 Mediatisierte Kommunikation

Schon immer haben Menschen Medien zur Gestaltung von Kommunikation verwendet. Durch die Nutzung von Medien existiert hierbei die Möglichkeit der Kontaktaufnahme, der Mitteilung, der Verbreitung von Informationen als auch der Sendung und des Empfangs von Botschaften (vgl. Engelhardt, 2018, S. 32). Mediale Technologien sind demgemäß an den alltäglichen Praktiken der Kommunikation beteiligt und haben folglich einen wachsenden Einfluss darauf, wie die Menschheit heutzutage kommuniziert. Dementsprechend impliziert das Phänomen Mediatisierung als Wandel der Medien auch tiefgreifende Veränderungsprozesse des alltäglichen kommunikativen Handelns in der gesellschaftlichen Moderne auf zeitlicher, räumlicher und sozialer Basis (vgl. Steiner, 2015, S. 30; vgl. Dürscheid & Frick, 2016, S. 59; vgl. Ermel & Stüwe, 2019, S. 12).

Im Zuge der rasanten Verbreitung des Internets und der medialen Durchdringung nahezu aller Lebensbereiche mit neuen digitalen Medien und Technologien verlagert sich die menschliche alltägliche Kommunikation zusehends immer mehr in das digitale Netzwerk (vgl. Dürscheid & Frick, 2016, S. 59; vgl. Ermel & Stüwe, 2019, S. 41). In Hinblick auf die Entwicklung immer leistungsfähigerer Systeme der Datenspeicherung und -Übertragung wird das Internet mittlerweile als multifunktionales Netz gesehen, welches nicht mehr ausschließlich für Informations-, Publikations- und Unterhaltungszwecke genutzt wird, sondern darüber hinaus sozialen Bedürfnissen nach Interaktion, Kooperation und Kommunikation entgegenkommt (vgl. Fraas et. al., 2012, S. 18). Das Internet begünstigt diesbezüglich eine Transformation oder Modifikation vielzähliger neuartiger Kontakt, Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeiten in ihren unterschiedlichen technischen Formen und Plattformen wie Telefon, Mobiltelefon, Chat, Sms, Fax etc., die eine Kommunikation über Zeit und Raum jenseits der körperlichen Anwesenheit ermöglichen (vgl. Kaenders, 2001, S. 14; vgl. Krotz, 2012, S. 30). Neben den üblichen alltäglichen interpersonalen Beziehungen, die wesentlich auf Face-to-Face Begegnungen basieren und sozusagen ein primäres Beziehungsnetz gründen, schafft die Möglichkeit der technisch mediatisierten Kommunikation hier die Entstehung eines zweiten kommunikativen Netzes (vgl. Engelhardt & Reindl, 2016, S. 132). Dabei findet die mediale Vermittlung durch eine technische Vernetzung von Menschen statt, welche hinter digitalen Geräten wie Computer oder Handy positioniert sind und auf dieser Basis miteinander in Kontakt treten, Fragen stellen und beantworten oder auch Meinungen und Informationen austauschen (vgl. Kaenders, 2001, S. 14). Jede Art menschlicher Kommunikation und sozialer Austauschprozesse, welche auf Grundlage des Internets und unter Beteiligung von Computern stattfinden, werden daher als computervermittelte Kommunikation bezeichnet (vgl. Bauer & Kordy, 2008, S. 4).

Die Kommunikation via Internet als sogenannte Online Kommunikation beispielsweise durch das Schreiben von Emails, das Telefonieren per Skype oderauch durch die Pflege von Kontakten über soziale Netzwerke und Messenger Dienste hat sich aufgrund seiner Ubiquität, Jederzeitigkeit und Unmittelbarkeit längst zur Selbstverständlichkeit für die Menschheit entwickelt (vgl. Fraas et. al., 2012; vgl. Krotz, 2012, S. 33). Daher erscheint es auch als kaum verwunderlich, dass der größte Anteil der Zeit, den Menschen im Internet verbringen, überwiegend zur Kommunikation genutzt wird. Zwei Drittel der deutschen Bevölkerung, die sich täglich im Netz aufhalten, beschreiben die Kontaktaufnahme per Internet als persönliches Ideal (vgl. Engelhardt & Reindl, 2016, S. 131). So verzeichnet die Geschichte der Menschheit eine wachsende Verlagerung direkter, wechselseitiger und analoger Kommunikation zu verschiedenen Arten medienvermittelter Kommunikation. Damit ist das Phänomen der Mediatisierung im Sinne der Veränderung der kommunikativen Praxis nicht nur als technischer, sondern ebenso als sozialer, kultureller und gesellschaftlicher Wandel zu begreifen (vgl. Engelhardt & Reindl, 2016, S. 132, vgl. Helbig, 2017, S. 134; vgl. Ermel & Stüwe, 2019, S. 41).

3.3 Beratung in der Sozialen Arbeit

Beratung lässt sich auf das altgermanische Wort „rat“ zurückführen, welches ursprünglich als notwendig erscheinendes Mittel für eine adäquate Lebensführung verwendet wurde. Demzufolge werden Beratungsleistungen dann gesucht, wenn Grundlagen für ein zufriedenstellendes Leben nicht routinemäßig und selbstverständlich erlangt werden können (vgl. Wenzel, 2013, S. 15). Beratung findet sowohl in informellen Alltagssituationen auf der Grundlage verschiedener familiärer, freundschaftlicher, kollegialer oder nachbarschaftlicher Beziehungen als auch in halbformalisierten Settings mit Angehörigen unterschiedlichster Berufsgruppen statt, die Beratungsfunktionen trotz mangelnder spezifischer Ausbildung oder Anstellung übernehmen. Des Weiteren existiert auch eine formalisierte professionelle Beratung, die ausgewiesenes Fachpersonal vor dem Hintergrund methodisch geschulter Beratungstheorie und Beratungswissenschaft vorweist (vgl. Engel et. al., 2008, S. 153). In diesem Kontext ist die Beratung „eine weitverbreitete und vielfältige Hilfeform, eine der zentralen professionellen Handlungsorientierungen und eine der wichtigsten Methoden sozialer, sozialpädagogischer und psychosozialer Arbeit“ (ebd., S. 13). Beratung gilt hierbei als wesentliche und allgegenwärtige Tätigkeit und Hilfeform der Sozialen Arbeit, die sowohl in informellen als auch formellen Settings praktiziert wird (vgl. Belardi, 2005, S. 147; vgl. Engel et. al., 2008, S. 153). In der modernen Gesellschaft stellt die Soziale Arbeit hierbei ein organisiertes Praxisfeld dar, welches sich auf spezifische Adressatengruppen in spezifischen Lebenslagen bezieht (vgl. Cleppien & Lerche, 2010, S. 16). Ihr Gegenstand resultiert sowohl aus der Erziehungsbedürftigkeit, der Bildsamkeit als auch der Lernfähigkeit der Menschen, die sich unterschiedlich ausprägen können. Soziale Arbeit als professionalisierte Handlungsform beruht auf menschlichem Hilfehandeln, mittels welchem soziale und individuelle Belastungen möglichst gemildert und behoben, sozialen Problematiken vorgebeugt, Ressourcen gestärkt und eine adäquate Lebensbewältigung ermöglicht werden sollen (vgl. Hoffmann, 2010, S. 58f.; vgl. Helbig, 2017, S. 134). Die beraterischen Varianten haben sich innerhalb der letzten Jahre über die Alltagsberatung hinweg im Kontext sozialpädagogischer Leistungen immer weiter ausdifferenziert und ausgedehnt. Die Angebote der Beratung als pädagogische Handlungsformen finden eine weite Verbreitung in spezialisierten Angeboten und Arrangements unterschiedlichster Disziplinen und reichen von der Erziehungs-, Bildungs-, Ehe-, Familien-, Sexual-, Drogen-, Schuldner- bis hin zur Schwangerschaftsberatung u.v.m. (vgl. Achenbach & Winkler-Calaminus, 1992, S. 92; vgl. Engel et. al., 2008, S. 118; vgl. Wenzel, 2013, S. 15). Die Anlässe und Ursachen für Beratung ergeben sich oftmals in unterschiedlichen Lebensabschnitten und aus mehrfachen lebenspraktischen, psychischen, körperlichen, sozialen und wirtschaftlichen Problemlagen und Schwierigkeiten sowohl in Familie, Partnerschaft, Schule oder auch Beruf. Ungefähr ein Drittel der deutschen Bevölkerung ist im Laufe seines Lebens irgendwann mit einem psychischen Problem oder lebenspraktischen Fragen belastet, welche zumindest eine fachliche Abklärung erfordern (vgl. Belardi, 2005, S. 147). Ratsuchende nehmen die Leistungen hierbei zur Milderung passagerer Überforderungen, zur Hinterfragung persönlicher Lebensentwürfe als auch zum Abfangen von Krisensituationen in Anspruch (vgl. Schnoor, 2013, S. 9). Ziel des beraterischen Handelns stellt diesbezüglich das Angebot von Hilfe, Unterstützung und Begleitung von Klienten dar - beispielsweise bei der kognitiven und emotionalen Orientierung in Anforderungssituationen und Problemlagen, bei der Entscheidung über anzustrebende Ziele und Wege, bei der Planung und Begleitung von Handlungsprozessen zur Erreichung dieser Ziele, bei der Umsetzung und Realisierung der Planung als auch bei der Reflexion ausgeführter Handlungsschritte und Vorgehensweisen. Beratungsangebote, welche präventiv, kurativ oder rehabilitativ eingesetzt werden können, fokussieren hierbei überwiegend die Förderung als auch Wiederherstellung der subjektiven Bewältigungskompetenzen ihrer Adressaten, ohne diesen dabei die eigentliche Problemlösung abzunehmen (vgl. Engel et. al., 2008, S. 14f.; vgl. Hinrichs, 2008, S. 29).

3.4 Mediatisierte Beratungskommunikation

Beratung stellt eine spezifische Form von zwischenmenschlicher Kommunikation und Interaktion dar, innerhalb welcher eine beratende Person den Ratsuchenden mittels des Einsatzes kommunikativer Mittel bei der Bewältigung von möglichen Problemen unterstützt (vgl. Engel et. al., 2008, S. 153; vgl. Brunner, 2009, S. 29). Die Face-to-Face Beratung vor Ort gilt hierbei als natürliche Grundform der interpersonalen Kommunikation, innerhalb welcher in einem wechselseitigen Aushandlungs- und Verständigungsprozess sowohl verbale als auch nonverbale Mitteilungen wie Elemente des Sozialverhaltens oder Körperzeichen von Angesicht zu Angesicht ausgetauscht werden (vgl. Misoch, 2006, S. 56). Wie in Kapitel 3.2 bereits vertieft erläutert, erfolgt im Zuge der zahlreichen Partizipations- und Interaktionsmöglichkeiten mittels der Neuen Medien jedoch eine grundlegende Veränderung der „Kommunikationsroutinen einer ganzen Generation und mit ihr einer ganzen Gesellschaft“ (Engelhardt & Reindl, 2016, S. 131). Angesichts der mittlerweile alltäglichen medialen Kommunikationspraxis in der Gesellschaft erscheint es als logische Konsequenz, dass der Wandel der kommunikativen Praxis folglich auch einen Wandel im Handlungsfeld der Beratung mit sich bringen muss (vgl. ebd., S. 141). Bereits im Jahr 2004 äußerte Frank Engel in seinem Beitrag „Beratung und Neue Medien“ im Handbuch der Beratung, dass Beratung in Zukunft ohne Bezug zu Neuen Medien weder beschreibbar, planbar noch durchführbar ist (S. 499).

Die zunehmende Digitalisierung und Mediatisierung unserer alltäglichen Welt hat mittlerweile auch tatsächlich grundlegende Auswirkungen auf das Handlungsfeld Beratung (vgl. Engelhardt, 2018, S. 9). Menschen suchen seit einigen Jahren vermehrt online sowohl nach Informationen als auch nach Hilfe- und Unterstützungsmöglichkeiten bei medizinischen Fragen, bei Fragen der Lebensgestaltung, in der Bewältigung von Problemlagen oderauch im Bereich der Gesundheitsfürsorge (vgl. Bauer & Kordy, 2008, S. 4; vgl. Kutscher et. al., 2015, S. 10). Hierbei ist von „Hilfe per Mausklick“ die Rede, welche schnell und zudem zu jeglicher Zeit und von jedem Ort aus zu erlangen ist (vgl. Weinhardt, 2009, S. 19). Das Netz impliziert diesbezüglich Medienmerkmale, die für die Suche nach Unterstützung und Hilfe von relevanter Bedeutung sind (vgl. Klein, 2015, S. 131). Nicola Döring hat diese Vorteile vor einigen Jahren bereits als Triple-A- und Triple- C-Modelle beschrieben. Hiernach bezieht sich das Triple-A-Modell ¡dealerweise auf den informierenden und rezipierenden Gebrauch verfügbarer Webangebote und beinhaltet die Merkmale „Accessibility (Verfügbarkeit von Millionen von Websites rund um die Uhr), Affordability (vergleichsweise günstiger Preis für den Zugang zu den Angeboten) und Anonymity (Reduktion von Stigmatisierung, Marginalisierung und Beteiligungshemmschwellen)“ (ebd.). Das Triple-C-Modell fokussiert sich demgegenüber ausschließlich auf die zwischenmenschliche Dimension. Hierbei werden Mittel zum „kommunikativen Austausch (Communication), zur Zusammenarbeit (Collaboration) und zur Gemeinschaftsbildung (Community)“ (ebd.) miteinbegriffen. Auf Grundlage dieser nutzungsrelevanten Merkmale des Internets erscheint das Netzwerk sowohl als ideales Medium als auch als optimale Quelle zur Information und zum Austausch von diversen persönlichen oder auch schambesetzten Fragen und Themen (vgl. Klein, 2015, S. 131;vgl. Engelhardt, 2018, S. 37).

4. Mediatisierung (in) der Sozialen Arbeit im Beratungskontext

In Hinblick auf die wachsende „Attraktivität des Internets als potentieller Ort sozialer Unterstützung erwarten Ratsuchende im Zeitalter der alltäglichen digitalen Kommunikation demgemäß mittlerweile auch eine Ausdehnung der Beratungszone in den virtuellen Raum (vgl. Hintenberger & Kühne, 2009, S. 14; vgl. Klein, 2015, S. 131). Für Klienten, die sich innerhalb ihrer Lebenszeit zunehmend im virtuellen Raum bewegen, erscheint es derweil als selbstverständlich, professionelle Beratungsangebote auch über die digitalen Kanäle in Anspruch zu nehmen (vgl. Hintenberger & Kühne, 2009, S. 22; vgl. Neukirchen, 2017, S. 14). Diese Annahme wird durch aktuelle Studien, die die Erwartung der deutschen Bevölkerung belegen, bei psychosozialen Problemlagen internetgestützte Hilfeleistung wahrnehmen zu können, befördert (vgl. Aden et. al., 2016, S. 34). Die Ursache hierfür lässt sich unter anderem auf sich verändernde Bedürfnisse aufgrund der Entstehung neuer Medien zurückführen, zu deren Befriedigung nicht selten wiederrum eben diese Medien verwendet werden (vgl. Krotz, 2012, S. 28f.).

Laut Wenzel (2018) ist Beratung als Schlüsselaufgabe der Sozialen Arbeit demzufolge spätestens im Medienzeitalter neu zu denken (S. 71). Da nahezu 100 Prozent der Menschheit mittlerweile dauerhaft online sind und auf Angebote des Internets zurückgreifen, kann sich auch die Soziale Arbeit infolge der allgegenwärtigen mediatisierten Lebenswelten und dem damit einhergehenden weitreichenden Kommunikationswandel nicht der Digitalisierung entziehen, sondern ist vielmehr gefordert, sich darauf im Sinne der Anpassung und Erweiterung ihrer Angebotsstruktur in die digitale Welt hinein einzustellen (vgl. Ermel & Stüwe, 2019, S. 5; vgl. Geisler, 2019, 5. 86). Die Digitalisierung als gesellschaftlicher Megatrend beeinflusst die Beratungstätigkeit im Funktionssystem der Sozialen Arbeit folglich maßgeblich (vgl. Berg & Sawatzki, 2019, S. 182; vgl. Ermel & Stüwe, 2019, S. 11). Im Zuge der Entwicklung der digitalen Welt zu einem neuen sozialen Raum impliziert das Phänomen der Mediatisierung hierbei aufSeiten der Sozialen Arbeit sowohl Herausforderungen an die mediale Positionierung von Angeboten, an die Vereinbarkeit professioneller Handlungsvollzüge mit mediatisierten Alltagspraxen als auch an veränderte Vorgehensweisen in der Hilfekommunikation (vgl. Kutscher et. al., 2015, S. 4, vgl. Ermel & Stüwe, 2019, S. 5).

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Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Mediatisierung und ihre Folgen für die Soziale Arbeit. Kommunikation im Beratungskontext
Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Jahr
2020
Seiten
32
Katalognummer
V539067
ISBN (eBook)
9783346154149
ISBN (Buch)
9783346154156
Sprache
Deutsch
Schlagworte
arbeit, beratungskontext, folgen, kommunikation, mediatisierung, soziale
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Mediatisierung und ihre Folgen für die Soziale Arbeit. Kommunikation im Beratungskontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539067

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