Catwalk–Politiker. Wie physische Attraktivität von Politikern auf den Wahlerfolg wirkt


Hausarbeit, 2012
13 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Schönheit liegt im Auge des Betrachters: Messung physischer Attraktivität/

Merkmale physischer Attraktivität

2. Das Attraktivitätsstereotyp: Was schön ist, ist auch gut, und weitere

Wirkungsmechanismen physischer Attraktivität

3. Wie sieht die Realität aus: Korreliert physische Attraktivität positiv mit
Wahlerfolg?
3.1. Der direkte Effekt physischer Attraktivität auf die Wahlentscheidung
3.2. Der indirekte Effekt physischer Attraktivität auf die Wahlentscheidung:

Der mediale Attraktivitätsbonus

4. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Deutschland ist eine Demokratie. Wir leben in Deutschland, also leben wir in einer Demokratie. Das demokratische System zeichnet sich durch Mitbestimmung seiner Bevölkerung aus. Daher wählt diese ihre Volksvertreter. Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die in die Wahl dieser Politiker mit hineinspielen. Ein Faktor ist möglicherweise die physische Attraktivität1 dieser politischen Personen. In der folgenden Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit die physische Attraktivität für den Wahlerfolg von Politikern entscheidend ist. Die Arbeit beschäftigt sich im Folgenden zuerst mit allgemeinen Ergebnissen der Attraktivitätsforschung. Sie beginnt im ersten Teil mit der Frage, wie Attraktivität überhaupt feststellbar ist.

Dass eine Person schön ist, lässt sich im Allgemeinen recht schnell sagen. Aber wodurch genau lässt sich Schönheit kennzeichnen? Nachfolgend wird geklärt, welche Merkmale einen attraktiven Menschen ausmachen. (Abschnitt 1) Anschließend befasst sich die Arbeit mit den Wirkmechanismen physischer Attraktivität. Zudem werden diese Mechanismen auf das Feld der Politik bezogen. (Abschnitt 2)

Darauf folgt der Übergang zur Praxis, indem anhand von zwei Beispielstudien (vgl. Klein/ Rosar 2005, Maurer/ Schoen 2010) die tatsächliche Wirkung physischer Attraktivität überprüft wird. Hierbei wird zwischen einem direkten Effekt physischer Attraktivität auf die Wahlentscheidung (Abschnitt 3.1) und einem indirekten, über die Medienberichterstattung (Abschnitt 3.2), unterschieden. Abschließend steht das Fazit (Abschnitt 4), welches die Ergebnisse dieser Arbeit rekapituliert und einen zusammenfassenden Überblick schafft.

1. Schönheit liegt im Auge des Betrachters: Messung physischer Attraktivität/ Merkmale physischer Attraktivität

Wer schön ist und wer nicht, ist keine Frage des persönlichen Geschmacks. Zwar VDJW GHU 9RONVPXQG Ä6FK|QKHLW OLHJW LP $XJH GHV %HWUDFKWHUV³ GRFK VWimmt dies nicht so ganz. In der Attraktivitätsforschung ist es schon lange kein Geheimnis mehr, dass Attraktivität messbar ist. Es gibt zwar keine eindeutig objektive Definition von Schönheit, daher ist sie mit beispielsweise Instrumenten oder Labortests nicht bestimmbar. Allerdings hat man durch zahlreiche Studien erkannt, dass es in der Beurteilung der Attraktivität große Übereinstimmung gibt.

Zwischen einzelnen Personen kann es, aufgrund verschiedener persönlicher Präferenzen, durchaus Unterschiede geben. Doch wenn man alle einzelnen Meinungen zusammennimmt, kommt am Ende eine relativ zuverlässige Rangfolge zustande. (Renz 2007: 36)

Der Faktor der kulturellen Zugehörigkeit der Bewerter ist für die Beurteilung der Attraktivität von wenig großer Bedeutung. Der Anthropologe Doug Jones konnte dies anhand einer Studie mit isoliert lebenden Indianerstämmen feststellen. Allerdings fällt es uns schwer, die Attraktivität fremder Gesichter zu bewerten. Erst, wenn uns der Anblick eines Gesichts nicht mehr fremd ist, können die zur Bewertung gebräuchlichen Attraktivitätsstandards angewandt werden.

Wir wissen jetzt, wie physische Attraktivität gemessen werden kann. Nun stellt sich die Frage, an welchen Merkmalen wir physische Attraktivität ausmachen können.

Ein Merkmal ist die Durchschnittlichkeit. Je durchschnittlicher ein Gesicht , desto schöner ist es. Schon Francis Galton entdeckte im 19. Jahrhundert, dass mehrere Einzelgesichter übereinander gelegt, am Ende ein Ausgangsgesicht ergaben, dass deutlich ansehnlicher war, als die einzelnen Bilder selbst. (Renz, 2007: 44 f.) Zu erklären ist dieser Effekt damit, dass auf diese Weise Unregelmäßigkeiten in den Gesichtsproportionen sowie der Haut verschwinden. (Naumann, 2006: 24)

Ein wichtiges Merkmal für physische Attraktivität ist nämlich eine makellose Haut (Renz 2007: 48)

Über die Unregelmäßigkeit von Gesichtsproportionen kommen wir zu einem weiteren wichtigen Merkmal physischer Attraktivität, der Symmetrie. Schon in der Antike entdeckte man, dass die Zahl Phi für die ideale Symmetrie, den goldenen Schnitt, die geeignete Maßzahl war. So sollten die Proportionen eines Gesicht, sofern es ideal sei, dem Maßstab 1:1,618 entsprechen. Es lassen sich aber noch einige weitere Maße berechnen, die ein Gesicht symmetrischer und somit schöner wirken lassen. (vgl. Naumann 2006: 26 ff.)

Gesichter, die noch schöner sind. (Renz 2007: 52 f.) Ist ein Gesicht perfekt symmetrisch, kann die Gefahr bestehen, dass es zu perfekt und somit langweilig wirkt. Daher bedarf es etwas, das diese perfekte Symmetrie bricht. Dies nennt man Broken Symmetry. Es hat sich herausgestellt, dass eine leichte Asymmetrie des Gesichts attraktiver wirkt, als ein perfektes Gleichmaß. Allerdings sollte die Asymmetrie nur ein bis zwei Prozent ausmachen. Abweichungen über sieben Prozent beeinträchtigen wiederum die Attraktivität. (Naumann 2006: 30f.) Bei schönen (weiblichen) Gesichtern fällt immer wieder auf, dass sie, mal mehr, mal weniger, etwas Kindliches beinhalten. Das Kindchenschema, in der Biologie als Neotonie bezeichnet, zeichnet sich durch kindliche Proportionen des Gesichts. Diese sind eine hohe Stirn, größere und weiter auseinander stehende Augen, eine kleine Nase, ein schmaleres Kinn und größeren Lippen.

Die Kombination aus Kindchenschema und reiferen, markanteren Gesichtszügen, hauptsächlich hohen Wangenknochen, ist nach Cunningham (1986) eher ein Garant für Attraktivität als nur kindliche Züge. (Renz 2007: 61 ff.) Bei Männern fällt die Bestimmung ihrer Attraktivität nicht ganz so eindeutig aus. Die so genannte Cunningham-Formel bezieht sich vorwiegend auf das weibliche Geschlecht. Männer mit kindlichen Proportionen haben keinen Vorteil bei der Bewertung ihrer Attraktivität, sie werden als unmännlich empfunden. (Grammer 1993: 183)

Frauen profitieren von Weiblichkeit. Je weiblicher ihr Gesicht, desto schöner sind sie. Je männlicher, desto schöner, gilt wiederum nicht für den Mann. Mit vermehrt männlichen Gesichtszügen, also einer stärker ausgeprägten Kinnpartie, markanteren Wangenknochen und so weiter (vgl. Renz 2007: 58 f.), wird ein männliches Gesicht nicht automatisch schöner. Das hängt damit zusammen, dass mit dem Äußeren Persönlichkeitseigenschaften verbunden werden. So wirken sehr männlich aussehende Männer eher dominant, kühl und wenig vertrauenswürdig. Etwas Weiblichkeit in ihrem Äußeren schadet also Männern für die Bewertung ihrer Attraktivität durch Frauen, wie auch durch Männer, nicht. (Renz 2007: 66 f.)

2. Das Attraktivitätsstereotyp: Was schön ist, ist auch gut, und weitere Wirkungsmechanismen physischer Attraktivität

Schon in der Antike wurden die Wörter schön und gut im griechischen Wort Kalokagathia zusammengefasst. (Henss 1992: 87)

Und auch in anderen Kulturen, wie bei den Indianerstämmen Nordund Südamerikas, aber auch in Europa, lässt sich die Verbindung der Begriffe schön, im Sinne von schönem Aussehen, und gut in der Sprache finden (Henss 1992: 89) Diese Verbindung von gut hinsichtlich gut sein und einem attraktiven Äußeren bezeichnet man als das Attraktivitätsstereotyp. Menschen schließen von dem äußeren Erscheinungsbild einer Person auf ihre Persönlichkeit. Dion, Berscheid und Walster gehörten zu den ersten Wissenschaftlern, die sich mit der Frage beschäftigt haben, ob attraktives Aussehen mit dem Eindruck der Persönlichkeit eines Menschen zusammenhängt. Das Ergebnis ihrer Studie What is beautiful is good war, dass attraktiven Personen mehr Fähigkeiten und bessere Charaktereigenschaften zugeschrieben wurden. (Renz 2007: 192 f.) Diese Studie stützt die Ergebnisse der Studie von Miller im Jahr 1970, in der ebenfalls ein Zusammenhang von gutem Aussehen und sozial erwünschten Persönlichkeitseigenschaften festgestellt werden konnte. Auch spätere Studien, wie beispielsweise die von Klein und Rosar aus dem Jahr 2005, konnten diesen Zusammenhang belegen. So wurden attraktiven Personen eher die Adjektive fleißig, kreativ, intelligent, ehrlich und sympathisch zugeschrieben, als weniger attraktiven. (Klein/ Rosar 2005: 273) Für das Feld der Politik bedeutet dies, dass attraktiven Kandidaten eine höhere politische Leistungsbereitschaft beigemessen wird.

Neben dem Attraktivitätsstereotyp ist der Attractiveness Attention Boost ein weiterer Wirkmechanismus physischer Attraktivität. Dieser Effekt sorgt dafür, dass schöne Personen mehr Aufmerksamkeit erfahren als weniger attraktive. So werden attraktive Kandidaten von Wählern eher wahrgenommen, zudem erinnern sich die Wähler eher an ihre Taten. Attraktive Politiker könnten davon profitieren, da sich am Wahltag noch nicht entschlossene Wähler schlussendlich für sie entschieden würden anstatt für den weniger attraktiven Kandidaten. (Klein/ Rosar 2005: 267) Darüber hinaus werden attraktive Menschen von ihrer Umwelt wesentlich besser behandelt, was durch die Attractiveness Treatment Advanteges beschrieben wird, und ihnen wird von ihren Mitmenschen eher geholfen. (Rosar 2009: 756)

Durch bevorzugte Behandlung und die Zuschreibung positiv bewerteter Eigenschaften kann es sogar soweit kommen, dass attraktiveren Personen ein offensichtliches Fehlverhalten eher verziehen wird, als weniger attraktiven. Entsprechend diesem Attractiveness Glamour Effect werden als Ursache für das Fehlverhalten beispielsweise äußere Umstände anstatt Persönlichkeitseigenschaften vermutet, die die entsprechende Person zu ihrem Verhalten bewogen haben könnte. (Rosar 2009: 756 f.) Im Fall der Politik können das beispielsweise Zwänge der Partei sein, denen der Politiker unterliegt. (Rosar 2009: 756 f.)

[...]


1 In dieser Arbeit wird der Begriff physische Attraktivität synonym für Schönheit, schönes Äußeres, schönes/ attraktives Erscheinungsbild verwandt.

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Details

Titel
Catwalk–Politiker. Wie physische Attraktivität von Politikern auf den Wahlerfolg wirkt
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Soziologie und Sozialpsychologie)
Veranstaltung
Physische Attraktivität und soziale Ungleichheit
Note
1
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V539245
ISBN (eBook)
9783346139818
ISBN (Buch)
9783346139825
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Physische Attraktivität, Soziale Ungleichheit, Wahlerfolg, Wahlverhalten, Soziologie, Sozialwissenschaften, Schönheit, Politik, Merkmale physischer Attraktivität, Wahlentscheidung
Arbeit zitieren
Alexandra Tschiersky (Autor), 2012, Catwalk–Politiker. Wie physische Attraktivität von Politikern auf den Wahlerfolg wirkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539245

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